Howdy und ein herzliches Willkommen
Howdy und ein herzliches Willkommen

Kanada 2017 vom 22.06. bis 11.07. - schon mal der Text... Bilder folgen noch ;-)

Am 05.09.2016 haben wir den Entschluss gefasst, wieder eine Reise nach Kanada zu unternehmen. Meine Schwester Annette, ihr Lebenspartner Frank und wir beide waren uns fix einig, die Reise gemeinsam – jedoch jede Partie mit eigenem Wohnmobil – zu unternehmen. Leider kam es anders und Thomas und ich „mussten“ allein reisen. Aus beruflichen Gründen konnte Annette keinen Urlaub nehmen und so buchten wir Ende Oktober 2016 unsere Kanada-Reise vom 22.06. bis 12.07.2017 bei CANUSA. Nach den üblichen Zahlungsraten erfolgte Mitte Mai die letzte Zahlung und somit die Zusendung der kompletten Reiseunterlagen. Nun hieß es, endgültig die Routenplanung im Detail vorzunehmen und wenigstens zu notieren, was alles an wichtigen Dingen mit muss. Viel Zeit war nicht mehr. Wie wir alle wissen, vergeht diese momentan enorm schnell…

   Der Tourenplan stand:

Start 22.06.17, Donnerstag

Ankunft Calgary ca. 13.40 h – 2 h Abfertigung/Zoll – Ankunft Hotel ca. 16.00 h Airport Acclaim Hotel

23.06., Freitag

Camperübernahme Four Seasons RV Airdrie (08.30 – 15.00 h); weiter bis Okotoks – Einkauf bei WalMart! weiter bis High River zu Gordon & Arlene – gemeinsam zum Rodeo                                                100

24.06., Samstag

High River – Nanton – Claresholm – Fort Macleod (auf 810) – Hill Spring (Barn Dance)

Dinner & Dance 55 Can$/P + Stellplatz 38 Can$                                                                          200

25.06., Sonntag

Hill Spring – (auf 505) Stand Off – (auf 509) Coalhurst – Lethbridge = Erika                                     100

26.06., Montag

Lethbridge – (auf 3) Fort Macleod – Pincher Creek – Lundbreck – Frank Slide – Fernie                       180

Fort Macleod geöffnet! Programm jedoch erst ab Juli!

CG: Mount Fernie (3 km südl. von Fernie)

27.06., Dienstag

Fernie – Cranbrook – Kimberley – Ta Ta Creek – Skookumchuck – Lussier Hotsprings                       200

CG: der uns bekannte oder einen weiter?

28.06., Mittwoch

Lussier Hotsprings – Canal Flats – Fairmont Hot Springs – Radium Hot Springs – Sinclair Pass –           250

Vermilion Crossing – Lake Louise (Paint Pots!!!)

29.06., Donnerstag

Lake Louise – Icefield-Parkway – (auf 11) Thompson Hgw                                                           160

CG: Thompson Creek;   von Nähe Icefield Center Heli-Flug Gletscher

30.06., Freitag

Thompson Creek – Nordegg – Rocky Mountain House                                                                 170

CG: einer von zwei in RMH!

01.07., Samstag

 (Feiertag Canada Day!)   -   in RMH!

02.07., Sonntag

RMH – (auf 22 Cowboy Trail) Drayton Valley – Rocky Rapids – Entwistle                                         150

   Drayton Valley: Eagle Point PP (Kanu fahren?)

   Entwistle: Eisenbahnbrücke;

CG: Entwistle Pembina River PP

03.07., Montag

Entwistle – Gainford – Fallis – Wabamun – Edmonton                                                                  100

CG: Rainbow Valley

   Kommen schon an der West Edmonton Mall und am Fort vorbei! von 16A auf 216 auf 2

04.07., Dienstag

Edmonton – Elk Island Park                                                                                                      70

05.07., Mittwoch

Elk Island Park

06.07., Donnerstag

Elk Island Park – (auf 834 Süd) Tofield – Round Hill – (26 West kleines Stück auf 56 Süd) Meeting Creek – Stettler

CG: Ol’Mac Donald’s Resort (direkt in Stettler – 255 Sites)                                                             200

07.07., Freitag

Stettler – (auf 56 X 9) Hanna – (auf 36 X 544) Patricia – Dino Saurier PP                                         300

(oder Stettler – Drumheller – East Coulee – Dorothy – (auf 570 X 36) bis X Richtung Patricia/DSPP)   (270)

CG: Dino Saurier PP

08.07., Samstag

Aufenthalt im Dino Saurier PP – geführte Wanderung ca. 2,5 h (18 Can$/P), Theater

CG: Dino Saurier PP

09.07., Sonntag    Puffertag

10.07., Montag

Ankunft Calgary CG Rocky Mountain View                                                                                  250

11.07. Dienstag

Abgabe Camper in Airdrie – Abflug nach Hause!                                                                 ca. 2.500

 

Die Reisetaschen waren mit allen wichtigen – und wie wir dann feststellen mussten auch mit unwichtigen und überflüssigen – Dingen gepackt, der letzte Arbeitstag wurde bewältigt, schon stand am 22.06., morgens um 04:40 Uhr das Transferfahrzeug von Taxi Wetzel vor der Tür und fuhr uns sicher zum Hamburger Flughafen, wir trafen überpünktlich ein. Wir hatten ausreichend Zeit und die nötige Ruhe, um unser Gepäck einzuchecken und dann einen Kaffee zu unseren hausgemachten Broten zu genießen. Noch ein bisschen durch das Flughafengebäude geschlurft, ne Raucherecke gesucht, war es recht bald an der Zeit zum Betreten der Sicherheitszone, um dort auf das Boarding zu warten. Der erste knapp einstündige Flug nach Amsterdam stand an…

Donnerstag, 22.06.,

09:00 h – Wir sind in der Luft! Alles verlief reibungslos und pünktlich – alles zu bester Zufriedenheit. Ist schon faszinierend so mit alles auf‘m Handy – erleichtert die Sache ungemein. Aber die Technik – das Netz – darf halt nicht versagen.

   Dieses Maschinchen ist klein – ca. 100 Plätze. Aber für diesen Kurzstreckenflug natürlich voll ausreichend. Der Pilot ist schlecht zu verstehen. Er sollte mal das Fenster zu machen, wenn er was ansagt… Gerade wird unser Snack verteilt. Dann dauert es wohl auch nicht mehr allzu lange bis wir wieder landen.

18:30 Uhr in Berlin, 10:30 Uhr in Calgary; Wir fliegen noch… Die Warterei bis zum Start dieses Fliegers verging relativ gut. Positiv an Amsterdam ist, dass sie nicht solche komischen Smoking-Hüttchen haben, sondern ein Abteil im Restaurant. Das wirkt wesentlich gemütlicher. Dennoch habe ich mich nicht ewig da aufgehalten. Wir verspeisten unsere zweite Portion Stullen und Gemüse und lernten hinzu, dass wir unsere leeren Wasserflaschen gar nicht hätten wegwerfen müssen! Es geht nur darum, keine Flüssigkeiten mitzunehmen. Denn nun sahen wir, wie andere sich die Flaschen an den Trinkwasserspendern wieder auffüllten. Dumm von uns – aber nun egal, zu spät!

   Beim Boarding gab es für mich eine kleine Verzögerung, da ich nach erstem Blick auf meinen Pass aufgefordert wurde, mich bei der anderen Schlange anzustellen. Thomas war längst durch. Beide guckten wir ratlos, warum ich noch zum „persönlichen“ Check gehen musste. Wir erklärten es uns nach der etwas längeren Warterei nur wieder mit meinem eigenartigen Vornamen. Denn besondere Fragen wurden mir nicht gestellt.

   Weil es im Flieger nicht viel zu tun gibt – für uns jedenfalls – warteten wir gespannt auf das Essen. Irgendwie hatten wir ne Kritik im Ohr, dass es bei KLM nicht so doll sein soll… also wir haben keinen Unterschied zu anderen Flügen feststellen können. Von der Sache her immer das Gleiche: Chicken or Pasta? Thomas hatte sich für Chicken entschieden, was da ein Schälchen mit selbigen klein gehackselt auf Reis und grünen Bohnen bestückt hieß. Meine Pasta – Nudeln mit Tomatensoße – war unspektakulär. Beide Menüs beinhalteten weiterhin 1 Becherchen Wasser, 1 Salat, 1 Brötchen und Butter, 1 Keks, 1 Stück Käse, Pfeffer und Salz, 1 Schälchen Nachspeise: Windbeutelchen in Joghurt mit Schokoladensoße. Für alles Besteck natürlich – die Löffel gingen erst mal in unser Handgepäck über; wir wussten jetzt schon, dass wir die noch brauchen werden.

   Ach, ich bekomme schon am Anfang der Reise alles durcheinander: das Pöttchen Wasser gab es schon zuvor zu den Nüssen, zum Menü gab es ein Fläschchen. Zu beiden Aktionen ließ ich mir noch ein Fläschchen Weißwein geben, Thomas trank Whiskey. Hätte ich auch gern noch gehabt, aber es gab nur ein alkoholisches Getränk! Die kleinen Fläschchen gingen auch erst mal ins Handgepäck über – man weiß ja nie, für was die noch nützlich sind…

   Nach dem Menü haben wir versucht etwas zu schlafen, was auch einigermaßen gelang. Wie das halt so geht im Flieger – mehr schlecht als recht. Was ich aber sagen kann: diese Fliegerstrümpfe machen sich arg bemerkbar. Thomas meint, er merkt keinen Unterschied… kann ich gar nicht glauben… ich bin was erstmal den Hinflug betrifft sehr, sehr zufrieden. Zirka 2 Stunden fliegen wir noch und ich habe keine Beinschmerzen. Die Maschine ist, wie bei den Flügen zuvor schon, für über 8 Stunden Flug einfach zu unbequem, wenn man Economy sitzen muss… unbequem, eng. Viele Kinder sind mit an Bord und weinen viel. Im Moment ist mal Ruhe, aber wenn eins los legt, zögern die anderen nicht mit einzustimmen. Gern wüsste ich Gründe, warum man mit so kleinen Kindern so lange Strecke fliegt…

   Den zweiten Snack hatte ich wohl gut verpennt, denn wie ich wach wurde, sah ich auf Thomas Tischchen einen leeren Eisbecher stehen und 1 Becherchen Wasser. Für mich hat er sich nen Tütchen Chips geben lassen… ich esse ja kein Eis. An diese Chips zu kommen war reinste Schwerstarbeit. Das Tütchen wollte einfach nicht aufgehen… Mir würde jetzt ein schönes Käffchen gefallen. Thomas meinte, damit waren sie noch nicht durchgefahren… Unter uns nur viele weiße Wolken – ohne Engel… etwas Land ist zu sehen – kein Eisbär… Schauen wir mal, was so kommt…

20:40 Uhr in Deutschland, 12:40 Uhr in Calgary

Der Countdown läuft, der Endspurt ist in Angriff genommen; gerade haben wir mal wieder gegessen: 1 Stück Pizza – schmeckte sehr gut – und Tomatensalat mit Mozzarella und Basilikumpesto, wieder ne Nachspeise mit Johannisbeeren. Dieses Mal gönnte ich mir zum Essen auch einen Whiskey! Ganz zum Schluss nahm ich noch einen Kaffee. Wir tauschen jetzt mal die Plätze, damit Thomas unseren Campground in Edmonton finden kann…

Freitag, 23.06., 05.20 h; Hotel Calgary

Unser Landeanflug fand bei herrlichem Sonnenschein statt. Und bei Wind, wie wir bald feststellten. Wir betraten einen super sanierten und umgebauten Flughafen – alles sah sehr chick aus. Haben sich die jahrelangen Bauarbeiten gelohnt. Die Zollkontrolle lief auch ohne Schwierigkeiten ab – kein Interview! – und so waren wir nach knapp einer Stunde mit unseren Reisetaschen im Wind vor dem Gebäude und warteten auf unseren Transfer.

   Neu war auch, dass es im Flughafen nunmehr einen großen Informationsstand gab. Dieser fungierte u. a. dazu, dass man von dort im Hotel anrief und sich den Shuttle bestellte. Dann am Point 37 warten bis das Fahrzeug kommt… Das erklärte uns Karl, ein älterer Herr mit dem Cowboy-Hut – Rentner, die im Flughafen Calgary die Ankommenden willkommen heißen und gern mit Informationen und sonstigen Hilfen zur Verfügung stehen. Seit Jahren gefällt uns dieser Service des Flughafens. Karl sprach deutsch, ein Auswanderer der 50er Jahre… Da wir unsere Hüte trugen, nahm er an, wir wollten zur Stampede und machte uns darauf aufmerksam, dass wir ne Woche zu früh sind… Nein, nein, zur Stampede wollten wir nicht… Wir erklärten ihm, dass wir mit Freunden am Freitag zum Rodeo in High River gehen…

   Nach 10 h Flug war ich nur leicht mit dem ersten englischen Telefonat überfordert… ich verstand aber, zum Point 37 zu gehen, in 15 min ist ein Fahrzeug da. Selbst den Bereich vor dem Flughafen haben sie gründlich umgebaut und das Rauchverbot bis auf die gegenüber liegende Straßenseite erweitert. Ich musste die 3spurige Straße überqueren bis zu einem Parkplatz, wo ich im brausigen Wind Schwierigkeiten hatte, die Zigarette zu entzünden…Ich habe es geschafft, Feuer zu machen…und meine erste Zigarette konnte ich nicht wirklich genießen… Wir warteten… Wir warteten bestimmt länger als 20 min und ich beschloss, nochmals den langen Weg zum Rauchen zu gehen und bei ner Zigarette ein zweites Telefonat vorzubereiten. Fertig! Ich ging wieder zum Info-Stand, bat die Dame, nochmals die Nummer des Hotels zu wählen und sprach mit der Rezeption. Der gab mir nur die Info, dass jemand unterwegs ist. Ich bedankte mich und schon wie ich wieder auf das Vorgelände trat, sah ich, dass der Bus da war und Thomas die Taschen bereits einlud. Sie warteten schon auf mich. Nach 5minütiger Fahrt waren wir im Hotel – wir wurden gleich mit „Pommer?“ begrüßt, im schnellsten Englisch wurde uns das Zimmer zugewiesen und sonstige Informationen zugetragen. Die groben Brocken haben wir verstanden: Taxi nach Downtown kostet 40 Can$, der Bus ab Flughafen 10 Can$/Person; Taxi braucht 20 min, der Bus ne Stunde, Transfer zur Vermietstation bestellten wir zu 09:30 h. Wir wussten nun erstmal Bescheid und bezogen unser Zimmer Nr. 315, richteten uns notdürftig ein und überlegten, was wir tun werden. Nach Downtown fahren? Wenn, dann nur mit Taxi, denn inzwischen war viere durch und wie sollten wir auch zum Flughafen kommen? Ich machte erst mal einen Kaffee – kannte ich mich doch dieses Mal schon besser mit der Maschine aus. Während wir den weg zischelten, beschlossen wir, nicht mehr nach Downtown zu fahren. 80 Can$ und Prärieaustern, die dann vielleicht gar nicht unseren Geschmack trafen, war uns doch zu riskant – besonders mir. Zumal wir nicht wirklich hungrig waren. Wir gingen hier gut ne Stunde an neu gebauten riesigen Lagerhallen vorbei – alles rundherum nannten sie Freeport Road oder Boulevard oder Way… Wir sahen in der Ferne die Skyline. Der Wind war ätzend und recht frisch, nur an windgeschützten Stellen war es sommerlich heiß; zu warm für unsere Jacken. Aber diese Stellen waren rar! Wieder im Hotel trafen wir eine Vorauswahl an Prospekte von Gegenden, die wir befahren werden wollen. Wir gingen aufs Zimmer und ich testete die Dusche, nahm dann aber ein Bad. Das Haarshampoo verzauberte mein langes goldenes Haar in Stroh… ich bekam fast Panik! Nach dem Trocknen ging es aber wieder.

   Wir ließen die Zeit verstreichen und gingen ca. halb 7 ins Restaurant. Auf keinen Fall zu früh, denn das Ding war gerappelt voll! Kaum unseren Tisch zugewiesen, rösteten wir uns wieder das Brot, nippten am Bier und schon war unser Chicken – Thomas seins mit Pommes, meins mit Pasta – da. Schade, ich hatte das Chicken mit der braunen Soße leicht versaut, hätte diese bei der Bestellung weglassen sollen. Ich wusste ja nicht, dass das ne Einheitssoße ist. Zu spät. Thomas seine Pommes waren eigenartig im Aussehen: sehr dünn, aber schmackhaft. Mir war so, als ob sie da noch son Teig mitfrittiert haben. War aber gut essbar – na und meine Pasta sowieso. Dessert wollten wir nicht, da brachte sie uns gleich die Rechnung… alles sehr freundlich und nett; eben ganz anders als von Deutschland gewohnt. Hier hast kaum den letzten Bissen vom Teller genommen, da wird er dir auch schon abgeräumt. Ist doch leer… was sollst noch lange auf den leeren Teller starren? Das geht hier alles viel zügiger und ohne gekünstelte Freundlichkeit. Ratz fatz biste durch. Kein Wunder – die Parkdauer beträgt ja auch nur maximal 2 Stunden. Da ist nicht viel mit belanglosem Drumherum drin. Und so waren wir etwa 19:45 h wieder raus und auf Schlag müde. Der Tag war nun für uns zu Ende – nach fast 24 Stunden mit mehr oder weniger Schlaf. Wir hauten uns in die Betten. Ich für meinen Teil bin sofort eingeschlafen und erst so gegen 3 das erste Mal wach geworden. Ich hatte wunderbar geschlafen. Thomas wohl auch, obwohl er schon ne Stunde früher wach war und sich mit J. per Whats App unterhalten hatte und so nun wusste, dass in Rostock die Nacht ein großes Unwetter gewütet hatte. Unabhängig davon waren wir wach, an Schlaf nicht mehr wirklich zu denken – um 5 beschlossen wir: die Nacht ist zu Ende. Ich brühte uns einen zweiten Aufguss in Ermangelung frischen Kaffees – nur damit wir morgens etwas Warmes trinken können und just stellte sich bei mir Erfolg ein. Das Whats-Äppen mit unseren Töchtern ging weiter, nebenbei schrieb ich diese Zeilen. Thomas hat schon einen Einkaufszettel vorbereitet und liegt jetzt wieder und grunst! Es ist 06:00 Uhr – ich geh noch eine rauchen und dann schauen wir mal, was wir machen…   Nach der Zigarette… Mir fällt noch was ein: Bei unserem gestrigen Spaziergang begrüßte uns das – für mich! – typische kanadische Tier: Krähen! Deren Krächsen vermittelte mir das Gefühl und die Gewissheit, in Kanada angekommen zu sein und die Freude, dass dieses Krächsen auf jedem Campground zu vernehmen sein wird.

   Der Flugbetrieb hat auch pünktlich um 5 begonnen, wir vernehmen eine Maschine nach der anderen. Der Wind hat merklich nachgelassen. Der störte gestern merklich beim Erstellen unseres Selfies! Ich seh schrecklich aus! Aber das Bild auf der Dachterrasse beim Pool mit der Skyline im Hintergrund musste sein… Im Übrigen waren nach dem Abendessen die ersten 75 Can$ einschließlich TIP weg. Die Prärieaustern hätten noch mehr gekostet! Ich will ja nicht geizig sein, aber gleich so viel am Anfang auch nicht ausgeben. Zumal heute und morgen „teure“ Abende kommen.

   08:25 h – Vom Frühstück sind wir zurück. Thomas nahm das volle Programm: 2 Spiegeleier, Bacon und Schinken, Waffeln und Pancakes, na und Baked Beans auch noch sowie einen kleinen Obstsalat. Ich hatte Rühreier, Würstchen – ach, die hatte Thomas auch noch! – und Kartoffeln. Die Würstchen waren anfänglich nur mit viel Ketchup genießbar. Insgesamt ein fettes Frühstück, zumal wieder diese Breadbar genutzt werden konnte. Und Kaffee bis zum Abwinken! 40 Can$ haben wir aufs Zimmer schreiben lassen, weil wir uns nicht sicher waren, ob Frühstück inklusive ist oder nicht. Wir fanden unseren Hotelgutschein nicht mehr – hat der Rezeptionist behalten. Dabei stellte ich auch fest, dass Thomas die bunte Zeitung im Flieger gelassen hat…keine Rätsel zwischendurch. Wir müssen uns überraschen lassen, ob wir das Frühstück bezahlen müssen.

 

Samstag, 24.06., 15.15 h, CG Great Canadian Barn Dance

Viele ereignisreiche Stunden liegen hinter uns! Ja unser Frühstück mussten wir bezahlen und wurde von Thomas Kreditkarte abgebucht. Müssen wir in Deutschland abprüfen, ob das so seine Richtigkeit hatte… Geschmeckt hat es, vor allem gesättigt! Unser Transfer zur Four-Season-Station kam mit nur 5 min Verspätung am Hotel an und 10 min später waren wir zur Übernahme unseres Wohnmobils vor Ort. Thomas erhielt während der Fahrt gute Tipps vom Fahrer, u. a. wo man gut einkaufen konnte. Wir hatten Glück und waren mit der Übernahme sofort dran. Trotzdem waren wir gut ne Stunde damit beschäftigt trotz deutschsprachiger Mitarbeiterin. Knapp 53.000 km hat das Gefährt auf dem Buckel, ist aber in einem einwandfreien ordentlichen Zustand. Bis auf eine Schublade – haben wir erst beim Fahren festgestellt – funktioniert alles. Bisschen wenig Fächer, dafür jede Menge Bügel. Das Gefährt ist schon gut und für uns die nächsten Wochen ausreichend gemütlich sein – auch ohne slide out.

   Wir also runter vom Hof, rauf auf die Straße und den Billigladen gesucht. Einmal dran vorbei, gewendet und gepeilt, wie wir dort hinkommen… zu spät in die richtige Spur eingeordnet, unternahm Thomas eine Linksabbiegung – ne Kehrtwendung sozusagen. Wir sahen kein Schild, dass das verbietet… und wähnten uns sicher… die Polizei hinter uns nicht, knipste alle Lichter an und fuhr uns nach. Wo kam der überhaupt her? Er folgte uns bis zum Parkplatz. Ich stieg aus, erklärte ihm, dass wir deutsche Touristen sind, ob alles okay ist?! Ich verstand ihn nun so, dass wir ordentlich einparken sollen und dann ist gut. Gerade erzählte ich das Thomas so, als er bemerkte, dass der Polizist aussteigt und auf uns zukommt. Er verlangte den Führerschein und die Papiere, zog sich etwas zurück und kam wieder mit der Belehrung, dass unser Wendemanöver „illegal“ ist. Das ist grundsätzlich nicht erlaubt und wies uns darauf hin, dass dies eine Strafe von 300 Can$ nach sich ziehen kann! Er verwarnte uns nur und ließ uns weiterfahren. Riesiges Glück gehabt! Tolle Aufregung gleich am Anfang. So eine Begegnung war nun völlig neu – auf weitere möchten wir verzichten.

   Nun aber rein in „Nofrills“. Ob der nun wirklich billiger ist als manch anderer, können wir noch nicht beurteilen. Wir packten alles anhand unserer Liste ein – vieles „no name“-Produkte und zahlten am Ende 146 Can$. Wie die Sachen nun schmecken, werden wir bald sehen. Während ich mich daran machte, das Brot, die Chickenbrüste und Steaks zu portionieren und einzufrieren – Gefrierbeutel hatte ich natürlich vorsorglich eingepackt! – holte Thomas 24 cans Bier für sage und schreibe 66 Can$! Das haute ihn fast um. Vor 3 Jahren waren wir bei 35 Can$ schon geschockt. Dieser Preis jetzt ist die Krönung und lässt einen den Spaß leicht verderben. Das Bier musst‘ bedacht wie Whiskey trinken! Nu ist es gekauft…

   Auch hierfür brauchten wir gut ne Stunde und sind gegen 1 vom Parkplatz runter, ab durch Calgary auf Highway 2. Unser Navi – hier GPS – wollte uns auf den Barlow Trail abbiegen lassen, aber wir blieben auf der 2 und sind auch gut durch Calgary durchgekommen. Schon meinten wir die Stadt nehme kein Ende! So viel ist neu gebaut worden. Schon vor 3 Jahren war das zu erkennen. Die Stellen sind längst fertig und sie basteln an neuen weiter! Enorm. Okotoks schließt fast an. Die Stadtgrenze sowie die zu Airdrie werden demnächst verschwimmen – schauen wir mal bei der nächsten Reise!

   Wir fuhren nun entspannt weiter, unsere „Dschienie“ führte uns schnurstracks zu Arlene & Gord. Gord war gerade dabei mit dem Nachbarn den Rasenmäher zu reparieren, als wir kurz nach 2 dort auf die Auffahrt fuhren. Nett und freundlich wurden wir begrüßt – unser Englisch-Gestammel begann. Dennoch war es uns möglich, ihnen verständlich zu machen/zu fragen, ob wir gemeinsam nach Nanton zu Toni fahren können. Sie waren dafür und nach ner kurzen Plauderrunde sind wir auch schon los. Arlene präsentierte mir vorab sofort beim Eintreffen die roten Stiefel. Sie erinnerte sich, dass sie die mir beim nächsten Besuch schenken wollte. Meine Erinnerung war eigentlich bei grün, aber das ist ja auch nicht wichtig. In Nanton angekommen, empfingen uns Toni und Frau mit großem Halloooo! Thomas und er zogen sofort los ins Warehouse, wir anderen wurden von seiner Frau mit Gesprächen über Pflanzen und Blumen beschäftigt. Für Thomas und mich war traurig, dass nix mehr, aber auch gar nix mehr von der schönen Gartenbahnanlage zu sehen war. Nur noch der Schotter, vereinzelt einige Pflanzen, die Tonis Frau nicht ausgebuddelt hat oder die sich trotzig durchgesetzt oder allein ausgesät haben. Während Thomas nun noch einkaufte, wurde Arlene mit Pflanzen beschenkt. Die Frauen haben sich rege über die Blumen ausgetauscht… ich entdeckte derweil eine sehr schöne feuerrote Mohnblume mit gefüllter Blüte und fragte, ob ich mir ne Samenkapsel abnehmen dürfte. OH NEIN – so Tonis Frau und kramte gleich mal in ihrem Saatgut vom Vorjahr rum und tütete mir und Arlene was ein. Sie meinte, dass sie darauf achten wird und mir dann Samen zuschicken will – Toni hat ja die Adresse…

   Wir lagen gut in der Zeit als wir wieder zurück waren. Arlene machte einen kurzen Snack… lecker kleine Käseküchlein. Ich bekam sofort das Rezept! Dazu noch geräucherte Chickenwings und Chips mit Dip – als Snack vollkommen ausreichend. Wir wollten doch beim Rodeo ne Kleinigkeit essen. Nach einem Bierchen fuhren wir zur Rodeo-Arena. Auf keinen Fall zu früh und auch nicht zu spät. Wir durchstreiften kurz das Gelände, welches total anders aufgebaut/angeordnet war als in Innisfail, und begaben uns zum Einlass und dann zu unseren Plätzen. Wirklich gute Plätze – wir hatten sehr guten Blick auf das gesamte Geschehen. Dieses war ganz, ganz anders als wir es von Innisfail kannten. Es gab auch Barrel-Reiten, Bullriding, Kälber einfangen und so, aber wesentlich weniger Akteure. 3 oder 4, vielleicht mal 5, mehr nicht. Das „Schafreiten“ der Kinder war gar nicht, dafür 3 kleine Jungs auf Ponys. Werbereiter gab es auch nicht so viele. Gleich war, dass die Nationalhymne als Auftakt gesungen wurde. Dieses Mal von einem jungen Mädchen und die Zuschauer sangen alle mit. Dieses Spektakel ging bis ca. 18.30 h, dann gab es eine Pause. Wie viele andere strömten auch wir zu den Fressbuden und entschieden uns für ne „Bison“-Wurst. Die Männer nahmen je eine – ich hatte keinen Hunger und wollte nur von Thomas ein/zwei Happen abbeißen, Arlene besorgte sich ein Stückchen Pizza. Die Bisonwurst kam gut – ähnlich unserer Rauchwurst. Etwas kompliziert war sie so ohne Tisch zu essen, aber sie wurde am Ende doch vertilgt und schmeckte. Noch mal aufs Klo und zurück auf unsere Plätze. Wir saßen noch nicht ganz, schon begann der 2. Teil – der Hauptteil! – des Abends: CHUCK WAGON RACE!   Alllllsooooo… das kann man nicht beschreiben! Das muss man mal gesehen haben! Enorm! Phantastisch! Spannend! Und wie das Publikum mitgeht! Kommen die Wagen in die Zielkurve, trampeln alle mit den Füßen auf der Tribüne und Anfeuerungsrufe erfüllen die Arena. Ganz hatten wir die Spielregeln mit den 2 Reitern nicht verstanden, aber das war auch egal. Es war für uns total spannend und aufregend zu sehen, wie die jeweils 4 Wagen die Bahn entlang jagten. 9 „Heads“ gab es insgesamt, 9 mal 4 Wagen! Und die Zeit verging wie im Flug… schwups war die Zeit vorbei. Ich knipste wie wild, Thomas filmte mit Handy nebenbei. Doch, das war es das Geld (47 Can$/Person) wert und natürlich auch, dass wir Arlene und Gordon eingeladen hatten. Super gut gelaunt machten wir uns auf den Heimweg. Alles lief super geordnet ab, wir kamen ohne Stau oder Hindernisse von dem Platz weg und waren Null Komma Nix zu Hause. Wir stotterten unsere Eindrücke wieder, waren sehr zufrieden und betrieben bei einem Gute-Nacht-Bierchen noch etwas Konversation über Linedance. Nahe halb 11 sind wir dann ins Bett – wir schliefen im Haus, „it’s more comfortable…“. Zu um 7 hatten wir das Aufstehen vereinbart und so war es dann auch, dass wir kurz vorher aufgewacht sind. Arlene war schon in der Wohnung unterwegs, Kaffee stand schon bereit. Wir nahmen einen ersten Schluck und gaben ihr zu verstehen: bitte nur ein kleines Frühstück. Sie machte jedem 2 Toast mit selbstgemachter Marmelade… lecker lecker. Sie schenkte mir ein Gläschen. Ich stammelte mir ein unendliches Dankeschön ab, vor allem nachdem sie uns noch einen Quilt-Tischläufer mit „Thanks giving“-Motiv schenkte. Ich nutzte ihren PC und das Übersetzungsprogramm, um ihr nochmals unsere große Dankbarkeit für ihre so herzliche, freundliche und großzügige Gastfreundschaft darzustellen. Auch um ihr die 2 Can$ zu erklären, die ich ihr für die Stiefel gab. Sie herzte mich mit einer innigen Umarmung… ich bedeutete ihr nochmals, wie dankbar wir sind – mir standen die Tränen in den Augen. Arlene & Gordon heißen uns immer wieder herzlich willkommen und freuen sich, wenn wir in 3 Jahren wieder vorbei kommen… Es kam die deutsch sprechende Nachbarin (aus Mannheim) vorbei und half beim Übersetzen. Ach es war alles so herzlich! Wir beteuerten gegenseitig, gesund zu bleiben – dann wird auch alles andere gut. Gordon ist inzwischen auch schon 83 und hat u. a. deshalb den Bus verkauft – sie unternehmen keine Touren mehr in den Süden… Wir packten alles zusammen und ein und verließen kurz nach halb 9 die Einfahrt in Richtung Nanton.

Montag, 26.06., 07.35 h; CG Lethbridge

Gestern kam ich gar nicht zum Schreiben, da habe ich heute viel aufzuholen…

    Durch High River fanden wir problemlos durch – das hätten wir locker ohne „Dschienie“ geschafft! Aber schon mal vorab: ihr Englisch verstehen wir sehr gut und sie führt uns kurze Wege – nicht nur Highways. In Nanton stellten wir uns auf einen Parkplatz von einem Imbiss. Wir wollten gerade los marschieren, als auch schon die Besitzerin kam. Wir erklärten uns kurz, sie bat uns dann, dass wir uns in die Ecke stellen möchten. Taten wir und tampelten zum Cowboysachenladen. Nach kurzem Durchschlurfen kam ne Verkäuferin auf uns zu und half uns bei den Jeans. Nach einigen Anproben fand jeder eine passenende – meine ist natürlich etwas zu lang. Wir guckten noch etwas weiter, fanden aber nix Besonders. Wir bezahlten, brachten unseren Neuerwerb ins Mobil und sahen auf dem Weg, dass Tonis Frau sich einen Stand mit Pflanzen aufgebaut hatte, die sie den Tag hoffentlich reichlich an den Mann bzw. die Frau gebracht hat. Nun durchwanderten wir die Antiquitätenläden, wobei wir hier große Veränderung wahrnahmen. Der eine war äußerst aufgeräumt – früher wirkte der düster und möhlig. Einen anderen gab‘s nicht mehr und ein weiterer hatte zu, der nächste hatte hauptsächlich Vasen – erschienen uns nicht wirklich antik. Viel 50er/60er-Jahre-Zeug. Neu war der Flea-Market, wo beim letzten Besuch noch son Billigladen war, wo wir viel Kanada-Deko gekauft hatten. Dieses Mal wurde ich fündig mit einem Nähheft für Arlene. Schicke ich ihr von Deutschland aus zu, nachdem ich mir Kopien gemacht habe.

   Leichtes Hungergefühl setzte ein – es war eine gute Zeit für einen Riegel. Den runtergekaut, setzten wir unsere Fahrt fort und stellten fest, dass in einer Straße ein Kirchen-Farmers-Markt war. Egal. Wir haben schon Gemüse gekauft und ließen ihn buchstäblich links liegen. Die Fahrt verlief ruhig und entspannt und wir bogen auf die Nebenstrecke. Schon in Nanton wunderten wir uns über die vielen überfahrenen Gopher – hier erfuhren wir warum. Die sind lebensmüde! Flitzen vor einem noch fix über die Straße und bleiben wie erstarrt sehen. Bei 2 hätte es fast geklappt und sie wären unter unsere Räder gekommen.

   Gern hätten wir noch zwischendurch ne Pause gemacht, auch um festzustellen, ob der Raps hier erst anfängt zu blühen oder schon in die Reife geht. Auch um die Höhe festzustellen – der sah so niedrig aus. Überhaupt sah es aus, als ob der wild wächst. Aber bei der Masse von Feldern schien schon geplanter Anbau dahinter zu stecken. Die deutschen Bauern würden jedoch die Hände übern Kopf zusammenschlagen und über die riesige Missernte lamentieren. Richtig ertragreich sahen die Felder nicht aus. Wobei wir nun auch nicht wissen, ob’s für die Farmer nicht auch ne diesjährige Missernte ist. Es gab also keine Gelegenheit anzuhalten. So fuhren wir durch bis zur Great Canadian Barn Dance und kamen dort recht früh – halb 2 – an. Auch hier stellten wir ne erste Veränderung fest: die Freilichtbühne war weg und das Gelände jetzt intensiver für Sportmöglichkeiten ausgestaltet. Nach kurzem Smaltalk – wobei die junge Frau rasend schnell sprach – erhielten wir den Plan mit unserem Platz. Die Kreditkarte funktionierte aufgrund der schlechten Internetverbindung nicht – wir bezahlten bar. Rinn ins Fahrzeug und auf Nr. 74 etwas eingelevelt, Strom ran und wir hatten Pause! Wir hatten ausreichend Zeit und nach nem ersten kleinen Rundgang nix zu tun – wir waren uns einig, ein kleines Stündchen abzuruhen. Thomas legte sich oben hin, ich machte es mir auf der Sitzbank so gemütlich wie es ging. Und tatsächlich haben wir ne Stunde abgeruht und waren erholter. Wir begannen das Bett oben richtig zu bauen, ich packte die Reisetaschen aus und versuchte System in unsere Unordnung zu bringen. Wir richteten uns langsam ein. Dabei verging die Zeit so schnell – es war an der Zeit zum Dinner zu gehen. Wir waren nun schon sehr hungrig und auch sehr gespannt. Wir wurden nach kurzer Begrüßung an den Tisch der Südafrikaner gesetzt und stellten schnell fest, dass die nunmehr schon längst in Kanada leben. Bei der offiziellen Begrüßung ließen sie sich trotzdem als „Südafrikaner“ feiern. Aber auch wir als Deutsche empfingen große Herzlichkeit und Bewunderung. Jetzt fiel uns die krasseste Veränderung auf: der alte Kunkel war nicht mehr da! Wird irgendwann in den vergangenen 6 Jahren verstorben sein. Tja, das kann schnell gehen.

   Auch das Büffett war anders – lange nicht mehr so üppig. Geschmeckt hat es trotzdem und jetzt konnte man sogar Nachschlag holen. Taten wir auch. Es gab noch ne Süßspeise und dann begann die Show. Die war leider sehr dürftig! Begann mit dem Chicken-Lied und wurde von nur 2 Songs abgelöst. Dabei war es sehr unruhig, weil Trevors Frau für einen Song aus der Bedienung auf die Bühne musste, bei dem nächsten Song war das gleiche Spiel mit seinem Sohn. Aus war die Show! Nun gab Trevor mit seiner neuen Rastafriese bekannt, dass man mit ner Kutsche um den See dallern kann oder eben sonst was tut, bis die Linedance-Lesson beginnt. Wir gingen zum Camper und verdauten das Essen mit nem Kümmel und noch nem Kümmel. Wir zogen die Jeanshemden an, setzten den Hut auf und gingen zur Scheune runter. Auch keine Sekunde zu früh – schon begann der DJ, den Electric Slide zu unterrichten. Viele Leute waren wir nicht und die Hälfte kannte den schon. Trotzdem wurde er vier- oder fünfmal mit immer schneller werdendem Rhythmus getanzt. Nun folgte der Two Step. Selbiges wie beim Electric Slide… dann war große Pause. Nix mit Bossa Nova wie Trevor noch angekündigt hatte. Wir gingen wieder erst mal zum Camper und verdauten weiter… Wieder in der Barn formierte sich die Familie: Trevor und Frau, Sohn und ich denke Freundin vom Sohn zu einer Band und machten Livemusik. Etliche Songs klangen sehr gut, besonders wenn der Sohn sang. Zu einigen Liedern fanden wir sogar nen Tanz und legten los. Da es nicht so voll war, konnte jeder so seinen Vorstellungen nachkommen. Es war ein amüsantes buntes Bild. Leider hatten wir uns kein Wasser mitgenommen, nutzen dann eine Musikrichtung, die uns nicht so gefiel, um dieses aus dem Camper zu holen. Wir fanden wieder einige Tänze zu Liedern und kamen gut ins Schwitzen. Hat Spaß gemacht. Zu „Wake me up“ kann man super den Neighboorhood tanzen! Die Party war eigentlich recht schön und sollte bis 23.00 h gehen, aber kurz nach 10 erfuhren wir, dass es der letzte Tanz sein sollte. Nicht schlecht! Da werden einem für ne Zeit bis 11 20 Can$ abgeknöpft und dann hören sie ne Stunde früher auf! Wir hatten zwar Spaß, hätten den aber auch noch gern bis um 11 gehabt. Wir fragten noch das eine Paar nach dem lustigen Paartanz: Salty Dog Rag – den wollen wir uns in Deutschland mal genauer anschauen. Unser Fazit, dass es lange nicht mehr so schön ist wie vor 6 Jahren war nun vollständig und wir sind der Meinung, dass wir die Barn Dance nicht unbedingt mehr empfehlen möchten. War ehrlich gesagt ein bisschen wenig Leistung für das viele Geld. Armin fragte uns später, ob wieder ein Bus mit Asiaten da war. Die werden da wohl immer hingekarrt. Nein, dieses Jahr waren keine da. Im Übrigen ist auch der Shop nicht mehr.

15.30 h – Wir sind in Fernie!

Zurück zur Barn Dance: Wir waren früh wach und beschlossen, gleich mal duschen zu gehen, ehe alle anderen wach werden. Ich war nicht die erste bei den Showers! Ohne Haarewaschen war duschen gar nicht möglich – also auch das getan. Wir waren beide fast gleichzeitig fertig und machten uns ran, das kleine Frühstück vorzubereiten und natürlich zu vertilgen. Mit allem Drum und Dran schafften wir es, zu um 9 fertig zu sein, denn dann öffnete das Office. Wir wollten noch ein Bund Feuerholz kaufen, weil da schöne Stücke zum Leveln drin waren. Wir vermuteten, dass das Feuerholz die ehemalige Freilichtbühne war. Thomas lagerte das Bund für 8 Can$ ein und wir gingen nochmals rein zum Telefonieren. Erika erreichten wir zwar nicht, ich sprach ihr auf den AB, dass wir ca. 12.00 h bei ihr sind.

   Schon ging unser Trip weiter – eine andere Strecke lang als jene, die wir kamen. Auch hier diese eigenartigen Rapsfelder. Was noch auffälliger war – schon bei der Hintour – dass die Kühe nun wohl doch wieder mehr auf weiten Weiden gehalten werden. Nur vereinzelt war noch so ein Lot zu sehen. Es war schön anzuschauen, die Kühe mit den Kälbern… Alberta Beaf!

   Irgendwo, irgendwann die Tage sahen wir sogar schon Rehe. Ich 3, Thomas 1 – er meinte sogar ein Pronghorn gesehen zu haben. Ich kann’s weder bestätigen noch widerlegen – weil ich das nicht sah.

   Unsere „Dschienie“ führte uns eine Straße – meines Erachtens weit vor der Stadt – direkt in den Westteil von Lethbridge und direkt zu Erikas Wohnanlage hin. Schnell fand ich ihr Klingelschild – weniger, wie ich ihr das Klingelzeichen zukommen lasse… Aber dann doch und wieder meldete sich nur ihr AB. Ich quatschte rauf, dass wir beim Supermarkt auf dem Parkplatz stehen, kurz Umparken werden und wieder kommen. Auf dem Parkplatz durfte man nur 2 h stehen. Zuvor hatten wir noch Geld geholt und bisschen was eingekauft, u. a. Off Spray! Wir stellten nun unser Gefährt an den Straßenrand und gingen zu Fuß zu Erika. Wieder wollte ich die Klingel aktivieren, als Erika aus ihrem Wintergarten kam und uns zu sich winkte. Sie und Leonard waren gerade beim Mittagessen. Obwohl sie meinte, uns zum Mittag erwartet zu haben, teilten wir nur schnell die Rest unter uns auf – für den ersten Hunger voll ausreichend. Die Unterhaltung kam nur zähflüssig in Gange, sie zeigte uns die Wohnung: ein Wohnzimmer mit Küche, ein Schlafraum und ein Bad. Alles sehr hübsch und ausreichend. Natürlich im Vergleich zum Haus sehr klein. Doch sie ist damit zufrieden und fühlt sich wohl. Nach weiterem Kennenlernen der Anlage kann man das gut glauben. Es ist wirklich eine schöne Anlage mit vielen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Wir gingen alle 4 eine große Runde um den See und erfreuten uns am Lüftchen, welches Abkühlung verschaffte. Denn es war pottenwarm! Nun machten wir uns auf zum Haus. Schon in Hill Spring erkannte ich, warum die Leute nen Teppich vorm Eingang der Mobile haben: um nicht den ganzen Dreck reinzutragen! Das muss doch Thomas Zustimmung finden, wenn ich Erika nach nem alten Stück Teppich frage. Wir durchschritten das leere Haus… mir wurde sehr mulmig zumute. Sieben Mal habe ich dort Nächte verbringen dürfen – nun stand alles leer! Mich erfasste ne gewisse Traurigkeit. Doch wenn Erika keinen Wehmut hat nach über 40 Jahren, warum sollte ich welchen haben? Wir fanden ein Stückchen Teppich. Ich buddelte mir noch Knoblauch aus dem nunmehr wüsten Garten, Thomas entdeckte noch Rosen, die abgeschnitten wurden und nun den Esstisch zierten. Im Greenhaus oder Schuppen waren noch Nummernschilder… wir durften uns eins mitnehmen. Recht bald verließen wir aber diesen Ort wieder und fuhren bei Edgar ran. Wir wurden freudig empfangen, wie üblich ausgefragt, während wir mit Eistee versorgt wurden. Steffi und ihre Kinder waren da – ich freute mich, dass sie sogar deutsch spricht. Ansonsten unterhielten wir uns schleppend. Lorindas Blumenpracht wurde bewundert – ich gab ihr noch zu verstehen, dass man diese gelben Blumen essen kann, solange sie noch in Knospe sind. Im Übrigen sind die bei mir schon verblüht, bei ihr fangen sie gerade erst an… Recht bald ging es wieder mit dem Auto zurück, unterwegs kaufte Erika ein Stück Kuchen zum Kaffee, den wir in ihrer Wohnung zu uns nahmen. Sie bedeutete, dass sie Leonard wieder in seine Wohnung bringen wird und wir dann noch zu Armin fahren. Auf unsere Anmerkung, ob er vielleicht wüsste, wo wir die Nacht stehen können, war Erika total verwundert, dass wir den Tag wieder los wollten. Ja, aber es war doch von vorn herein klar, dass wir nicht bei ihr bleiben können und somit weiter fahren müssen. Etwas irritierte mich das schon. Wir fuhren also zu Armin. Dort wurden wir mit großem Hallo empfangen. Ich war überrascht, wie sehr Armin seinem Vater ähnelt. Edgar auch, aber Armin 1:1! Erika bestätigte, dass sie das von vielen anderen zu hören bekommt. Nun saßen wir auf seiner Terrasse und unterhielten uns… wesentlich angeregter als bei Edgar. Über vieles und jenes, über sonstiges und dieses wurde gesprochen. Armin zeigte mit großem Stolz seinen erlegten riesigen Elk… Auch dieses kleine Haus ist zugemöhlt ohne Ende – Martha hat sich nicht ein bisschen geändert. Die Zeit verging wie im Flug… Armin hatte nur die Idee, auf dem Parkplatz von Walmart die Nacht zu verbringen. Der ist jedoch auf der Nordseite – da wollten wir nicht mehr hin. Kaum bei Erika wieder angekommen, verabschiedeten wir uns recht bald. Wir wünschten auch ihr vor allem Gesundheit, damit wir uns in 3 Jahren gesund wiedersehen… Entweder ist Erika noch von ihrem Umzug total verwirrt oder ihre 83 Jahre machen sich doch stärker bemerkbar. Ganz so herzlich wie die Male zuvor war die Verabschiedung nicht – eher so normal…ich „forderte“ mir eine Umarmung regelreicht ein! Dies bedrückte uns sehr. Wir erkannten, dass sich unser Anlaufpunkt in Lethbridge arg verändert hat und weiter verändern wird.

17:45 h – Ein sehr komisches Gefühl hatten wir in uns als wir dann zum Camper gingen. Wir starteten und ließen uns von „Dschienie“ zum Campground Bridgeview führen. „Bridgeview“ hat man nur, wenn man den Campground wieder verlässt! Okay, erstmal fuhren wir am Office vor und waren erstaunt, wie wenig Plätze nur noch frei sind. Von Auswahl keine Spur. Und vom Preis erst recht nicht: 57 Can$!!! Egal welchen Platz man nimmt. Das ist mal ein Preis. Wir nahmen den erst besten Platz, weil kaum ein anderer war, direkt am Highway! Das brummte da nur so vorbei – ein Truck nach dem anderen bergan. Immer noch von diesem Preis schockiert, inspizierten wir das Gelände näher und kamen zu dem Schluss, dass dieser Teil recht neu sein muss, denn es gab noch einen alten Teil – „Wilderniss“ genannt. Die hatten auch Strom und sogar ne Feuerstelle. Aber 57 Can$ einfach zu viel Geld. Doch was sollten wir machen? Immer noch besser als auf einem Parkplatz, wo morgens um 7 der Trubel richtig los geht.

   Wenigstens war es warm, mit Mückenbesuch. Off Spray kam sofort zum Einsatz, saßen wir in unseren Stülchen und tranken 2 Bierchen. Trotz des Highwaylärms schliefen wir gut ein und wachten erst kurz vor 7 auf. Wir schnappten gleich mal unsere Waschtaschen und zockelten los. Aufs Duschen für weitere Loonies haben wir verzichtet. Das ist noch mal unverschämt: 57 Can$ und dann noch extra fürs Duschen bezahlen! Da kommt bei mir der Geiz durch. Wir beäugten noch das Feuerholz dort – für 6 Can$ das Bündel erschien uns gut und überraschend preiswert. Wir frühstückten wieder klein, räumten alles zusammen und fuhren am Office vor, das Holz kaufen. 6,30 Can$ machte das – GST! Können die das nicht gleich mit Steuer ausweisen? Egal, ich reichte die 30 Cent nach, während Thomas alles verstaute. Wir setzten uns ins Mobil und konnten gleich den Highway 3 befahren. Nach kurzer Fahrt kamen wir in Fort Macleod an, sind rauf auf einen Parkplatz gegenüber dem Museum und zogen uns um. Eine Bullenhitze hier! Wir löhnten für das Museum 21 Can$ und begaben uns auf den Rundweg. Wie Museen so sind, war auch dieses: irgendwo beeindruckend, aber andererseits doch auch u. E. am Thema leicht vorbei. Nun, wir sind um ein Fort schlauer. Jetzt noch durch den Giftshop, der sehr weit vom Thema entfernt ist; Thomas erstand einen Mounty mit Pferd und ein paar Socken. Wir schmissen noch einen Blick auf die Main Street, sahen aber nichts Auffälliges zum Shoppen oder so. Die Hitze quälte, so sind wir zum Camper zurück. Hier mal gleich Klimaanlage beim Fahren an, damit einem das komisch benommene Gefühl genommen wird. Highway 3 entlang bei Sonnenschein, Hitze und ab und an ein starkes Lüftchen…

   Schon heute Morgen, wie wir wieder mal am Güterbahnhof von Lethbridge/Colehurst vorbei kamen, sah Thomas einen Getreidezug. Nunmehr auf Hgw 3 unterwegs, trafen wir ihn wieder und Thomas suchte einen geeigneten Ort zum Fotografieren. Den fanden wir denn auch bei Bellevue/Hillcrest direkt an einem Bahnübergang, wo er den Berg hinauf schnaufen musste. Durch den starken Rückenwind war Thomas schnell genug an besagtem Ort. Wir sammelten schon mal wieder jede Menge Spikes, bereiteten uns ein Schälchen Cornflakes zu, müffelten das gerade gemütlich, wie aus dem Nichts die 3 Lichter der Lok zu sehen waren. Fix Fotoapparat und Handy fürs Video geschnappt und schon begann die Session! Herrliche Geräusche!

   Nun stand auf dem Plan: Tanken. Wir entschieden uns für die kleine Husky-Tankstelle. Das war auch ganz gut, denn hier war Service und der junge Bursche schüttete uns die Karre voll: 110 l. Ich brauchte nur noch reingehen und den Spaß mit Kreditkarte bezahlen. In Alberta noch günstig (vermeintlich!) für 1,03 Can$/l getankt, nahmen wir die Provinzgrenze in Angriff. Es fiel uns auf, dass auch BC jetzt Hinweisschilder in Blau hat, was die Orientierung etwas erleichtert. Die Berge rauf, die Berge runter, streckenweise ordentlich Wind, durchfuhren wir Sparwood und hielten bei einem Rest-Area namens Olsen für ne Tasse Kaffee an. Bei diesem Aufenthalt zogen etwas dunkle Wolken über die Berge und uns, aber es blieb trocken und heiß! Es waren zwar nur noch 18 km bis Fernie, aber die Pause war gut, tat not. Fernie war entsprechend schnell erreicht und wir wähnten den Campground gefunden… zumindest die Zufahrt… es stellte sich als ein RV-Park heraus. Den wollten wir nicht ansteuern. Also raus aus dem Städtchen und weiter. Er sollte uns angezeigt werden 3 km südlich von Fernie. Ob es nun südlich war – keine Ahnung, es kam ein Hinweisschild und wir sind die Gravelroad hoch. Schon empfing uns ein fast ausgebuchter Campground. Es war doch tatsächlich schwer, noch einen Platz zu finden! Nur ein paar waren noch frei nach dem Motto: wer kommt zuerst… nur da waren schon ne Menge Erster gewesen. Nun suchten wir noch einen Platz, den man noch „nur“ für diese Nacht nehmen kann und schoben das Ding rückwärts auf einen Doppelplatz rein. Wir hatten absolut keine Wahl mehr. Thomas gefiel das nicht so optimal, weil sich ja noch einer daneben stellen könnte. Und wie das so ist, passierte das auch: ein Papa mit 2 Kindern richtete sich da ein.

   Nachdem das Fahrzeug ausgelevelt war, schrieb ich die ersten Zeilen, Thomas machte Kaffee. Wie der ausgetrunken war, unternahmen wir einen kleinen Erkundungsrundgang. Dabei hat uns denn mal der Parkoperator zum Abkassieren verpasst. Pech! Wir bekamen oder besser hatten schon ordentlich Hunger. Ich begann Nudeln zu kochen, Würstchen zu braten, welche dann mit Ketchup vervollständigt wurden. Die ganze Zeit über kurvten hier die Mobile rum und suchten einen Platz. Wir waren also trotz kurz nach 3 noch rechtzeitig hier. Gegenüber parkte ein Cruise Canada-Mobil – natürlich reserviert! – ein. Er sitzt nur da und studiert ne Karte, sie ist nicht zu sehen. Total langweilig wirken die. Scheinen Deutsche auf ihrer ersten Tour zu sein…

   Wir aßen unser Mahl draußen – wieder mit Mückenbesuch. Aber wir sind ja nun gerüstet! Ich sitze inzwischen auch mit Hut und Netz, weil ich mir nicht schon wieder den Kopf einsprühen will. Eine Mücke hat mich kräftig am Arm erwischt… sieht bergig aus. Thomas hat inzwischen sein vorhin gehaktes Holz zu Feuer umgewandelt, momentan flattert ein Hubschrauber in der Nähe rum… ich will jetzt Feuer genießen.

 

Dienstag, 27.06., 16.00 h – Wir sind an unserem Alcas-Lake

Feuer haben wir noch reichlich genossen und auch Selfies und Selbstauslöseraufnahmen getätigt. Es war so gegen 9 als wir Donnergrollen vernahmen. Dann ließ das nach, ne kleine Weile später grollte es wieder. Wir räumten vorsichtshalber schon mal die Technik und so weg, weil wir die ersten Tropfen vernahmen. Kaum hatten wir auch die Campingstühle verstaut, da nahm der Regen zu. Okay, wir sind rein und guckten dem kurz zu und gingen zu Bett. BC empfängt uns mal wieder mit Regen! Wieso auch nicht? Wir lagen gerade erst im Bett als ein richtig kräftiger Schauer nieder ging. Ich war gerade am Einschlummern, da ergoss es sich erneut. Thomas hat das alles nicht gehört, ich bin dann aber auch schnell eingeschlafen.

   Zwischendrin kam der Parkoperator – heißt nicht mehr „Wardener“ – vorbei, kassierte 30 Can$ ab, erklärte uns die Flush-Toilettes – kräftig drücken –, bot uns Feuerholz an. Kann ja mit der Firewood-Einfuhr von Alberta nach BC nicht so wild sein. Denn er war keineswegs irritiert oder fragte, woher wir das Holz denn hätten, als wir sein Angebot dankend ablehnten und ihm sagten, wir hätten Holz dabei! Schließlich kamen wir frisch aus Alberta! Wir nahmen also von ihm kein Feuerholz für 8 Can$. Gegen 07:45 h sind wir aufgestanden, unser Nachbar mit den 2 Kindern war noch nicht wach. Es herrschte allgemein noch Stille – außer ein Hund bellte. War es doch am Abend recht lebhaft – besonders auf dem einen Platz. Und Hunde! Jeder zweite hat nen Köter dabei. Ein Ehepaar sogar 3 – in verschiedenen Größen von fast Bernhardiner bis sowas wie Dackel. Wahnsinn! Da jetzt morgens noch alles ruhig war, zogen wir gleich mal los zur Dusche. Es war auch was frei und ohne Haarewaschen wieder nix drin. Aber Lob an den Platz: die Duschen sind sehr gut. Gut temperiert und auch immer, wenn man für einen neuen Strahl drückt. Wir hatten vergessen abends Brot aus dem Froster zu nehmen, so musste unser Frühstück mit Cornflakes und Kaffee ausreichend sein. Wir möhlten noch hier und da – unser ganzes überflüssiges Papier/Prospekte hatten wir gestern schon dem Feuer preisgegeben – wuschen noch ab und rüsteten alles für die Weiterfahrt. Inzwischen war es auf dem Platz lebhafter geworden. Ca. halb 10 verließen wir den Campground und machten uns auf in Richtung Cranbrook.

   Die Fahrt verlief gut, mir ein bisschen zu schnell, aber was soll ich machen? Ich wollte ja heute gern fahren, aber es gelang nicht, den Sitz für mich bequem einzustellen. Die Kopfstütze behinderte mich, so dass ich wie ein Flitzebogen saß. Das halte ich keinen Kilometer aus. Dann muss ich halt damit leben, dass Thomas nicht ganz nach meinen Vorstellungen fährt und nicht die Orte sieht, wo ich gern halten würde. Wir kamen in Cranbrook an und suchten das Eisenbahnmuseum. Schon wollte Thomas mal rechts abbiegen, als er so einen Turm wieder erkannte und den Blinker fix wieder aus machte. Und dann sahen wir auch schon eine restaurierte Lok der Canadian Pacific. Hier einige Fotos gemacht, den dortigen Antik-Laden „besichtigt“ – zum Kaufen alles viel zu teuer und zu sperrig. War alles hübsch anzusehen. Wir gingen weiter bis zum Museum, ließen uns kurz von der Dame was erzählen, bedeuteten ihr, dass wir nur in den Souvenirladen wollen und durchschritten selbigen. Das Buch, welches Thomas suchte, war nicht da und wir gingen wieder raus.

   Ein herrlich warmer Tag war es und wir ließen wieder die Klimaanlage beim Fahren arbeiten. Unser Gefährt kühlt sich gar nicht wirklich ab. Wir reißen alle Fenster auf, aber es weht kaum was durch. Wir meinten, die Straße einfach weiterfahren zu können, um nach Kimberley zu gelangen. Wir haben uns geirrt und sind ein Stück Richtung Creston gefahren. Die nächste Wendemöglichkeit genutzt und wieder zurück. „Dschienie“ führte uns einen ganz eigenartigen Weg, aber dann doch auf eine richtige Straße…

   Ach ja, vor Cranbrook durchfuhren wir wieder eine große Baustelle. Ging alles sehr schnell, ohne Stau oder so. Ab und an waren noch kleine Baustellen, fast nicht erwähnenswert. Irgendwo sahen wir auch riesige Rasenmäher, die die Böschungen frei hielten. Kleine Bäumchen wurden da so ohne weiteres mit abgesäbelt.

   Wir entschieden uns ja über Kimberley zu fahren, um das Bayrisch-Nachgestellte nun doch mal anzuschauen und fuhren den Schildern Downtown hinterher. Wir fanden nichts. Entweder hat die Stadt sich entschieden alles zurückzubauen oder wir waren zu blöd das zu finden. Jedenfalls waren wir wieder raus aus Kimberley ohne „Schwarzwald“ oder „Bayern“ gesehen zu haben. Dafür kamen wir an eine Firma vorbei, die Blockhütten baut. Ich denke, die bauen sie erst auf, um sie dann wieder in Einzelteile zu zerlegen und am Bestimmungsort wieder aufzubauen.

   Jetzt ging es eine gemütliche Strecke lang, maximal 80 km/h, stellenweise sogar nur 60; leider gab es trotz der vielen Wildlife-Warnschilder keine Viecher zu sehen. Nur wieder viele Kühe und Pferde. Tja, die Tiersichtungen lassen merklich nach. Kein Wunder, ist doch der Highway eingezäunt. Morgens konnten wir kurz ein Eichhörnchen beobachten und ach ja, den Abend zuvor ein „Bunny-Rabbit“, son klitzekleines Häschen.

   Am Wasa-Rest-Area machten wir noch mal Halt, weil unser Riegel in Cranbrook nicht ausreichend war und wir nun ne Stulle essen wollten. Uns wollten die Mücken fressen! In Null Komma Nix hatten wir etliche Stiche weg. Noch schnell ein paar Fotos geschossen, auf Klo gegangen und wir setzten die Fahrt fort. Sollte doch der Campground bzw. die Straße = Gravelroad laut Karte gleich hinter Skookumchuck kommen. Eine Ausschilderung jedoch war nicht und so sind wir weiter. Ich hätte ja gemeint, gleich den Weg gefahren zu sein, aber Thomas blieb auf dem Highway weiter voran – war eh keine Möglichkeit zum Wenden. Nach etlichen Kilometern kam doch tatsächlich die richtige Einfahrt – wir waren kurz vor Canal Flats! Da ist mal die Karte nicht richtig gezeichnet! Egal. Ich denke: JETZT wissen wir es auch für die nächsten Male 100 Pro. Wir brachten – Thomas eher – das Gefährt die 17 km Gravelroad bis zu den Hot Springs hoch. Es klapperte und schäpperte nur so. Auch hier musste es geregnet haben, denn es staubte kaum. Dann waren sie erreicht, nachdem wir noch einen Holzlaster passiert hatten. Für Thomas wieder Glück, dass gerade viele mit Baden fertig waren als wir unten bei den Becken ankamen. Wir hatten uns im Camper Badesachen angezogen und ein Handtuch geschnappt. Thomas nahm Handy mit für Fotos. An den Pools angekommen – unterwegs sahen wir die baulichen Veränderungen am Weg und vor allem die offizielle Aufnahme als BC-Lussier-Hot-Spring! – stellten wir fest, dass der Fluss gut Wasser hat, 4 Becken waren kaum zu erkennen und vom Fluss überflutet. Das Hauptbecken war aber schön warm, schon fast heiß. Knapp unter 40 °C schätzten wir. Und hört: es war selbst Thomas zu warm! Wir verbrachten dennoch unsere Zeit, gingen auch zu den kalten Becken und wieder ins warme und zum Abschluss ganz ins Kalte schon fast im Fluss. Selbst Thomas tauchte Ganzkörper ein. Wir machten uns auf den Rückweg, denn die Bremsen wurden sehr zudringlich. Man soll’s nicht glauben… einige haben uns doch tatsächlich erwischt. Es war auch eine gute Zeit, denn es kamen wieder mehr Leute. Im Übrigen kamen wir um 3 bei den Hot Springs an, inzwischen war es ¾ 4. Wir fuhren nun erst mal zu dem anderen Campground, drehten aber schnell wieder ab, weil da zum See noch die Straße zwischen ist. Also doch wieder hier her und wir fanden den letzten „Seeplatz“. Unsere Nachbarn sind ne Familie mit Baby und Hund! Und Notströmer! Wir sind gespannt. Aber wenn wir das eine wollen, müssen wir das andere in Kauf nehmen. Schließlich waren noch genug andere Plätze frei.

   Thomas parkte das Mobil ein, wir richteten uns den Teppich wieder, legten unsere Sachen zum Trocknen aus und ich wanderte zum Schreiben von einer Tischecke zur anderen, um Schatten zu haben. Gleich fing ich an zu schreiben, Thomas kochte Kaffee und stellte fest, dass unser Fleisch noch gefroren ist. Oje! Thomas zerkloppte dann einen Baumklotz, ich schreibe wie ein Weltmeister. Gegen aufkommenden Hunger zischeln wir ein Bier… Unterbrochen habe ich mein Schreiben, um den Weißkopfseeadler zu fotografieren, der sich auf einem Nadelbaum ganz in unserer Nähe ausruhte. Das Nachbarbaby weinte ne ganze Zeit – inzwischen sind die mal weg gefahren. Thomas hat noch son Baumstamm zerkleinert. Oh, wir haben viel Holz! Brauchen wir auch, weil ich gleich unsere Fleischpäckchen basteln will. Aber erst gehen wir noch ne Runde, auch um das Geld einzuwerfen. Inzwischen ist es 17:20 h.

18:35 h – Wir haben den kleinen Rundgang getätigt und auch den Parkoperator getroffen. Sah indianisch aus. Da fällt mir ein, wie so an der Baustelle wieder die lebende Ampel in Aktion war, meinte Thomas: „Das wäre ein Job… den ganzen Tag hier stehen…“ – „Ja, wirst schön braun bei…“ entgegnete ich – da stand ein Farbiger… Wir schmunzelten kurz. Da fällt mir auch noch ein anderes Thema ein: Eins der vielen Gespräche war mit Armin, was wir so von den Flüchtlingen halten. Oh, ich lass mich jetzt nicht aus… aber es war zu erkennen, dass die Merkel wenigstens belächelt wird für ihre „Taten“…

   Nach unserem kleinen Rundgang und der Erinnerung, wo wir wohl früher immer standen… egal, wir haben einen wirklich schönen Platz. Es reifte die Überlegung, dass wir bei einer nächsten Reise doch mehr Tage an einem Platz bleiben und wandern und weniger durch die Gegend fahren. Das ist echt ne Überlegung wert. Vielleicht ist das wirklich besser für einen nächsten Urlaub hier in Kanada… Ich machte unsere Fleischpäckchen, während Thomas das Feuer in Gang brachte. Das Essen ist jetzt ne halbe Stunde drauf, Kartoffeln kochen – wir denken, es ist so weit.

Mittwoch, 28.06., 20:30 h – Wir sind auf dem Lake Louise Campground

Unser gestriges Mahl hat vorzüglich geschmeckt: Hühnerbrüste mit Möhren und Zwiebeln, dazu Kartoffeln. Nach diesem reichlichen Mahl machten wir noch eine kleine Wanderung am See entlang. Noch vor dem Essen und natürlich beim Knäckerchen machten wir von uns Fotos. Unsere Nachbarn „störten“ den Abend wenig, waren sie doch lange weg. Als sie wieder da waren und deren Musik uns nicht wirklich gefiel, holte auch Thomas unsere hervor. Ich tanzte sogar zu einem Lied von Hank Williams den Miss Montana – passte wunderbar. Wir sammelten noch die umherliegende Borke und schmissen die ins Feuer. Wir haben sozusagen den Platz gesäubert. Es war gut, dass da noch dieser Klotz und der Stummel Baum lagen, den Thomas ja zerkloppt hat – wir haben nur das aufgebraucht und unser Holz gespart. Bis halb 11 saßen wir noch draußen, dann wurde es von hinten doch zu kalt. Und wir hatten schon Jacken an und Mütze auf! Wir schliefen fix ein, merkten die Nacht aber auch, dass es frischer wurde bzw. war als die Nächte zuvor. Gleichfalls merkten wir, dass unsere Kuhlen nun am Limit sind und das Bett hart wie Brett ist. Mir taten schon etwas die Knochen weg. Dennoch sind wir erst ¾ 8 aufgestanden, waren fast die ersten. Wir machten uns das Frühstück mit Kaffee, wuschen ab, räumten wieder alles zusammen und fuhren die Gravelroad wieder runter zu den Hot Springs. Dort kurz nach 9 angekommen, waren diese schon recht gut besucht, aber es war noch genug Platz. Wir nahmen unser morgendliches Bad und genossen das warme Wasser. Nun noch mal ins kalte und wieder ab zum Camper. Just war ne ¾ h vergangen. Wir zogen uns zur Fahrt um und nahmen die letzten 17 km Gravelroad unter die Räder. Es ist dann schon ein angenehmes Gefühl, wieder normale Straße zu befahren. Wir fuhren nun an Canal Flats vorbei, wobei von diesem Ort nicht mehr viel von der Straße aus zu sehen ist, weil alles gut bewachsen ist. Selbst den großen Holzplatz konnten wir nicht mehr sehen. Störte nicht weiter. Kurz vor Radium war wieder eine Baustelle, durch die man bestens durchkam. In Radium selbst guckten wir noch kurz ins Infocenter, aber es gab nichts Besonders. Ich stellte fest, dass mein Handy noch nix geladen war – die untere Aufladebuchse ist definitiv kaputt! Also brauchte ich mein Handy gar nicht mit in die Info nehmen. Nach 10 min waren wir da wieder raus. Wir sind schnell weiter – es war wieder sehr windig. An einem Platz hielten wir kurz, haben es aber wegen des Windes kaum ausgehalten. Merklich frisch war es und wir knabberten unseren Riegel im Auto. Ich hatte nur ne Aufnahme von nem Berg gemacht und eine vom eingezäunten Highway. Sie warnen zwar noch immer vor Wildtieren, aber es kommt einem wie Verarsche vor. Und erst die Schilder mit noch Blinklichtern drum herum! Die verklappsen einen total! Wildtiere sind weit und breit nicht zu sehen. Da nützt auch nix, wenn sie die kilometerlang ankündigen.

   Wir kamen an eine nächste große Baustelle, mittendrin war die Abfahrt zu den Paint Pots. Aber alles ist ja mit den menschlichen Ampeln geregelt und wir konnten den Aufenthalt genießen. Es nieselte nur noch ganz wenig, denn just ab Vermillion Crossing regnete es! Der Scheibenwischer schmierte wie verrückt. Wir hatten Schwierigkeiten, die Schilder zu lesen. Mit Regenjacken bestückt stiefelten wir den nassen Pfad entlang und nahmen Bodenproben. An den Schuhen natürlich! Alles andere ist nicht erlaubt! Es waren noch Brandrückstände von dem Feuer Jahre zuvor zu erkennen, aber ansonsten ocker, rotbraun bis braun wie sonst – wie sie sein sollen die Paint Pots. Immer wieder beeindruckend.

   Da von dort auch ein Wanderweg, der mit äußerster Vorsicht zu genießen ist, ausgeschildert war zum Marble Canyon, beschlossen wir, auch da noch kurz zu halten. 3 km hin und wieder zurück zu wandern bei dem Nieselregen – danach war uns nicht. Wir also wieder rein ins Mobil und die Anweisung der Ampel abgewartet, um kurz darauf wieder links abzubiegen. Dieser Parkplatz war unheimlich voll, auch weil sie einen großen Teil als Baustelleneinrichtung nutzten. Gerade war ein riesiger Bohrer am Arbeiten, was unheimlichen Staub verursachte. Fix durch da und den Marble Canyon nur gut bis zur Hälfte bewandert. Mich interessierte besonders, wie die Bäumchen herangewachsen sind. Vor 10 Jahren sahen wir den Canyon ja fast nackt – nun sieht er schon wieder gut bewachsen aus und die verkohlten Baumstämme werden vom jungen satten Grün verdeckt. Einen pechschwarzen Baumstumpf fotografierte ich noch, weil neben ihm eine schöne Alberta Wildrose blühte. Die Alberta Wildrose erobert übrigens BC gewaltig! Es dauerte auch nicht mehr lange und wir verließen BC sowie den Kooteney-Nationalpark und waren wieder in Alberta. Leider war es hier unerwartet kalt und windig. Thomas fuhr sogar freiwillig den Bow Valley Parkway, um noch Chancen auf Wildwatching zu haben – NIX! In Lake Louise angekommen, standen sogar Ampelmännchen auf der Straße und regelten den Verkehr – lustig! Wir sind ab nach links auf den Campground. Ich hatte so eine lange Anfahrt gar nicht mehr in Erinnerung. Naja ist ja auch 19 Jahre her, wo ich mal hier war. Wie erwartet war auch dieser Campground voll und nur noch wenige unreservierte Plätze frei. Wir mussten nehmen, was man uns gibt und das ist Platz 45. Kurz nach 4 waren wir hier und positionierten unser Mobil. Thomas spannte eine Leine für unsere Badesachen und erkundete schon mal die Bahngleise. Ich kochte derweil nen Kaffee und machte ein Schälchen Cornflakes. Beides müffelten wir weg, zogen uns für nen Rundgang an und begannen diesen. Gut 10 min bis zu den Duschen… Feuerholz einfach einzupacken ist nicht erlaubt… ist jetzt eh zu nass… und der Wanderweg am Bow River ist nach 100 m zu Ende – gesperrt! Wir gingen gemeinsam zum Bahnübergang und lauerten auf einen Zug. Thomas fand zuvor schon jede Menge Klammern, meinte aber, keine Spikes zu finden. Nun… ich fand welche, aber bei 5 hörte ich auf. Wir haben nun schon 21 Stück! Am liebsten täte Thomas ja son Stück Schiene mit Klammer mitnehmen, aber das fällt aus. Das Übergewicht kann er allein bezahlen. Ein Foto muss ihm nun reichen! Wir stehen und laufen und warten da – nichts passiert. Bestimmt ne Stunde haben wir am Bahnübergang rumgelungert. Wir sind zurück und philosophierten noch, da hören wir einen Zug kommen. War ja klar! Da war es genau 18:12 h. Ich fing an das Essen vorzubereiten… und just kam aus der anderen Richtung noch ein Zug. Wie ärgerlich! Was soll’s? Verpasst! Genau wie den in der Nähe des Columbia Lakes. Da war so eine herrliche Stelle, wo die Gleise vermeintlich durch das Wasser führen. Das wäre ne Aufnahme geworden! Leider gab es nicht die geringste Möglichkeit anzuhalten. Pech. Sollte nicht der Tag sein…

   Wie gesagt, ich brutzelte das Essen und es kam ein Regenschauer nieder! Verdammt, das dann auch noch! Gut, dass wir Strom haben. Denn kalt ist es! Vielleicht heizen wir sogar noch. Aber erstmal ließen wir uns die Mischpfanne aus Nudeln, Würstchen, Möhren, Zwiebeln, Knoblauch und Erbsen sehr gut schmecken. Es nieselte noch. Nach Thomas „Berechnung“ sollte 19:15 h wieder ein Zug kommen. Wir räumten das Geschirr nur etwas zusammen und zogen wieder los zu den Gleisen. Es regnete sogar nicht. Während wir wieder warteten, schob sich die nächste Wolke heran und ließ sich aus. Wir standen derweil unter diesem Hausvorstand so gut es ging und konnten nebenbei noch 2 Rehe und 1 Rehbock beobachten und fotografieren. Der Regen ging in Nieseln über, aber von Zug keine Spur. Ich rauchte noch eine, aber auch dann kam kein Zug. Wir einigten uns, dass Thomas noch ausharrt und ich schon mal schreiben gehe. Und siehe da, ich hatte noch keine 10 min geschrieben, als das erwünschte Geräusch erklang. Ich zog mich fix an und eilte hinzu, aber da war der Zug auch schon vorbei. Ich traf aber einen strahlenden Thomas an. Er grinste übers ganze Gesicht. Nach seiner Vermutung müsste in knapp 15 min der nächste Zug aus der Gegenrichtung – dieses Mal also aus Banff nach Lake Louise – kommen. Ich ging aber nach einer Zigarette wieder zum Camper zurück und inspizierte auf dem Weg gleich die anderen Toiletten. Die Waschbecken haben hier sogar Warmwasser und laufen auch durchgängig. Ich also wieder rein ins Mobil und schreib weiter. Als bald hörte ich wieder einen Zug kommen. Ich schnappte mir nur die Jacke und flitzte in Latschen los. Ich kam noch rechtzeitig an, um für Fotoaufnahmen bereit zu stehen. Allerdings ließ das Licht schon nach und auch der Zug war unheimlich schnell… ziemlich schnell für einen unbeschrankten Bahnübergang! Thomas hatte seine Filme mit den gigantischen Geräuschen und ich hatte trotz des Regens einen gut gelaunten Thomas. Glücklich wieder am Camper, schrieb ich weiter. Thomas nutzte meine Kenntnis mit dem warmen Wasser und ging sich rasieren. Wieder zurück, machte er einen Grog, der nun schon längst ausgetrunken ist. Und ich bin auch erst mal fertig mit meiner Schreiberei…

Freitag, 30.06., 09:15 h – Wir stehen im Abraham Lake

Wie erwartet waren wir gestern früh wach, so gegen halb 8. Wir waren nicht die ersten: unsere Cruise Canada-Nachbarn waren schon längst wieder weg. Waren wohl von den Zügen genervt, die nachts noch fuhren. Mindestens 2 habe ich gehört. Ab und an war ich mal wach, weil mir die Knochen wehtaten. Muss mir wohl den einen Abend etwas Zug geholt haben – den zweiten Tag taten mir der Rücken und die Beine weh. Und dann noch nachts diese beschissene Kuhle!

   Nun, der Tag startet wie üblich: wir wollten uns waschen gehen, wobei ich das Pech hatte, dass sich 2 Asiafrauen unbedingt stundenlang schminken mussten. Mir blieb nur Zähne putzen und Gesicht waschen, den Rest erledigte ich im Camper. Zuvor hatte ich mir von Thomas den Schlüssel geben lassen, der ganz nach Belieben allein im Männerwaschraum hantieren konnte! Wir frühstückten dann Eier und Bacon, nachdem mir ein Ei auf den Boden geklatscht war! Schöne Schweinerei – wo ich rohe Eier so liebe! Eklig war das. Aber ich musste das ja weg machen. Bacon konnte ich machen, weil wir Strom hatten und so der Ventilator auf Hochtouren laufen konnte. Die Pfanne taugt dafür aber nicht wirklich, der Bacon hätte noch länger braten können, aber dann wäre die Bude erst recht vollgeräuchert. Thomas aß ihn trotzdem. Dazu nahmen wir das dunkle Brot – wir wurden erst mal satt. Die nächsten allmorgendlichen Aufgaben folgten: abwaschen, aufräumen und zur Fahrt rüsten. Das Wetter war wieder freundlicher. Es war windstill und daher die nahenden Züge wesentlich früher wahrzunehmen. Das zahlte sich aus und Thomas konnte noch Aufnahmen bei schönem Tageslicht tätigen. Wieder kam der Moment: Warten wir auf einen nächsten Zug? Nein, ich drängte doch zur Abfahrt. Wir wollten noch zur Station, Dumpen vorher sowieso, zur Visitorinfo telefonieren, Tanken und den Icefield Parkway hoch, wo es noch etliche Stopps geben kann. Er ließ sich erweichen und wir nahmen die Dumpstation in Angriff. Gerade der richtige Zeitpunkt. Denn jetzt kamen noch etliche… und etliche sind oft Asiaten! Die haben ein neues Hobby entdeckt: Sie kommen nicht mehr busseweise irgendwo angekarrt. NEIN, sie mieten sich jetzt selbst Wohnmobile und gurken durch die Gegend. Und wohl mit Vorliebe mit Cruise Canada. Aus dem einen Gefährt hüpften dann mal 5 Asiaten raus und legten mit ihrer komischen Sprache los…

   Wir erledigten unsere Dumperei und fuhren weiter Richtung Historische Zugstation. Wir machten nur ein paar Fotos und stellten uns vor, wie wohl vor 100 Jahren die Massen mit dem Canadian ankamen, um den Lake Louise und vor allem das Chateau zu bevölkern. Heute kommt ja alles mit Auto oder Camper… Wir ließen den Lake aus und sind rüber ins Infocenter. Dort tätigten wir einen kurzen Anruf bei der Heli-Firma – der Flug wird stattfinden. Ja, das Wetter wurde ja auch immer besser. Nun noch tanken und auch da hatten wir Glück – nach uns war es voll! Da es mit der Kreditkarte wieder nicht klappte, ging ich ins Häuschen und versuchte dem Tankwart dies beizubringen. Wir konnten tanken, nur mit der Rückgabe der Kreditkarte kam er dann nicht so wirklich klar. Letztendlich haben wir sie wieder, den Tank voll und knapp 104 Can$ bezahlt. Jetzt aber weg da – es war ein Gewusel von Campern, Autos und den entsprechenden Menschen. Wir hatten ja alles erledigt und haben uns kurz nach 11 auf dem Icefield Parkway befunden.

10:05 h – Bei schönstem Sonnenschein präsentierte sich die Landschaft und da man hier nicht so schnell fahren darf, war sie auch zu genießen. Die meisten Stopps waren auf der linken Seite von uns aus und dann so voll, dass wir verzichteten. Wir kannten ja die meisten Blicke und waren nicht so traurig, dass wir vorbeifahren mussten. Bei einem Punkt jedoch bat ich ums Halten, und zwar bei den Waterfawl Lakes. Da ist nämlich auch ein schöner Campground, wo ich mit meinen Eltern und Annette war. Wir machten einen kurzen Tripp zum Upper Lake, noch ein Stückchen über den Campground und ja: er fand auch Thomas Zustimmung. Ist auch wirklich schön da und für eine nächste Reise vorzumerken. Auch den Mistaya Canyon ließen wir links liegen, wobei ich jetzt nicht wirklich Erinnerung an den habe. Dort gewesen bin ich mit Sicherheit schon. Aber ich denke, so sehr wird er sich von anderen Canyons nicht unterscheiden.

   Recht bald kam unsere Abfahrt: Highway 11 Richtung Rocky Mountain Haus (= RMH). Bis hierhin hatten wir nur zwei Wildtierbegegnungen: einmal eine Schafherde mit Jungtieren, aber die Autos hatten schon so die Straßenränder vollgestellt, da blieb uns nicht die geringste Chance, uns auch noch hinzustellen. Schade, die kleinen Schafe sahen schon niedlich aus. Etwas besser war die Gelegenheit ein paar 100 m weiter – allerdings nur für 2 Schafe, die durch den Winterfellwechsel total zerzaust aussahen. Nur kurz waren wir auf Highway 11, als auch schon der Thompson Creek Campground kam. Da der nun schon auf dem Weg lag, suchten wir uns einen Platz aus. Wir mussten feststellen, dass dieser CG nicht mehr privat bewirtschaftet wird und 27 Can$ incl. 6 Can$ Holz kostet. Auch einen dritten Loop „entdeckten“ wir, aber nach unserer Erkundung nicht so reizvoll. Das massenhaft wilde kanadische Tier – die Mücke – umsäuselte uns. Wir fanden dann doch noch einen Platz und steckten für Nr. 27 die 27 Can$ in den Umschlag und in den Schlitz. Wir brauchten uns noch nicht weiter positionieren, denn wir wollten weiter zu unserem Heliflug…

12:00 h – Wir fuhren die Straße weiter – ich sah etliche Points, wo ich Thomas schon drauf hinwies, da auf der Rückfahrt zu halten. Jetzt erst erzählte Thomas mir, dass diese Heli-Station an einem See liegt. Am Abraham Lake! Ich wunderte mich nämlich, dass wir noch so weit fahren müssen. Ich wusste nicht, wo diese Station ist. Dann sahen wir den See: auf weiter Ebene gut ausgetrocknet und viele Autos gurkten da rum. Zelte sahen wir. Nun reifte in uns der Gedanke heran, wohl doch zu voreilig schon das Geld in den Schlitz getan zu haben… denn ich wähnte den Cresent Fall CG wesentlich näher.

18:20 h – Wir sind in RMH…

Ich war ja dafür, wieder die ganze Strecke zum Thompson Creek CG zurückzufahren. Ich hatte keinen Bock, nochmal Geld für einen Campground auszugeben… Nun, wir werden sehen. Jetzt stand erst mal unser Flug bevor. Weil wir ja keine Ahnung von der Strecke hatten, waren wir über eine Stunde zu früh da. Uns machte das nichts und der Dame im Office wohl auch nicht – wir hatten ausreichend Zeit, alle Formalitäten zu klären und kostenlos einen Kaffee zu trinken. Sie gab uns zu verstehen, dass die anderen 2 Passagiere noch nicht da sind, könnten ja ne kleine Wanderung zum See machen. Gerade landete die Tour vor uns. Die kleine dicke Mutti sah gar nicht glücklich aus! Vati versuchte immer noch, ihr den Flug schmackhaft und erlebnisreich einzureden. Wir amüsierten uns kurz. Ruck zuck waren die Leute alle weg und wir gingen runter zum See.

19:10 h – Wir sahen von dort aus wieder Zelte. Wir entschieden, dass wir die Office-Dame mal fragen, ob das ein Campground ist oder wie sich das verhält… Wir waren wieder oben und die anderen 2 Passagiere – ein junges Pärchen aus Australien – waren inzwischen eingetroffen. Avisiert war für die Einweisung ne halbe Stunde, aber ich denke, wir waren wesentlich eher fertig. Nun sollte noch ausgelost werden mit „Rock Paper Scissors“, wer den Frontsitz bekommt. Ich wollte nicht unbedingt vorn sitzen, Thomas kannte schon, wie es da ist. Wir ließen dem jungen Pärchen die Wahl – er freute sich und bedankte sich sehr. Dafür nahmen wir jedoch die Fensterplätze ein – das Mädel musste in der Mitte sitzen. Dann ging es auch schon los. Als erstes ein Foto machen. Das können wir nach dem Flug kaufen. Die Rotorblätter liefen schon und wir mussten in gebückter Haltung zum Heli-Einstieg laufen. Kaum saßen wir, startete der Pilot schon. Natürlich hatten wir uns angeschnallt und die Kopfhörer auf. Der Start war gigantisch! Es wackelte etwas, aber es war toll. Ausreichend Höhe ging der Flug über die Berge und Wälder und Flüsse. Ach, diese Eindrücke sind ja kaum, eigentlich gar nicht wieder zu geben. Und wir hatten so zauberhaftes Wetter. Wir haben fotografiert und gefilmt und gefilmt und fotografiert… irgendetwas wird die Schönheit schon zeigen. Ja die Idee war gut, so einen Heli-Flug zu unternehmen. Die 440 Can$ sind diesen 20-Minuten-Flug alle Male wert! Total begeistert sind wir ins Office und wollten die 25 Can$ für das Foto nun auch noch ausgeben. Unser Bild war unscharf und so gingen wir nochmals zum Heli und konnten an verschiedenen Stellen in Pose gehen. Das war nur möglich, weil wir mit dem Fliegen ne halbe Stunde früher als geplant gestartet sind – nun hatten die Burschen noch Zeit und auch die Rotorblätter liefen jetzt nicht. Im Office suchten wir uns das schönste Bild aus. Da waren die Australier längst über alle Berge. Aber einfach so jetzt ins Mobil steigen und sang- und klanglos in den Alltag übergehen, wollten wir nicht. Das verdirbt ja total den gigantischen Eindruck – the awesome adventure! Wir befragten die Dame nun, wie sich das da verhält mit dem Campen am/im See. Ja, es ist erlaubt, kostet nichts; wenn uns ein Platz gefällt, können wir es uns da gemütlich machen; wenn wir da rumfahren, sollten wir jedoch vorsichtig sein, es gibt da große Löcher; Feuer machen könne man da auch, alles eben vorsichtig. Na, wenn das so ist, war unser Entschluss schnell gefasst: Wir gucken uns das mal an; sollte es nix sein, fahren wir zu dem anderen Campground zurück. Wir bedankten uns vielmals, vor allem für den schönen Flug und machten uns mit dem Wohnmobil auf den Weg, um die Freiflächen am See in Augenschein zu nehmen. Kurze, leicht steile Gravelroad runter und wir waren im ausgetrockneten See! Was soll ich sagen? Die Strecke an sich war natürlich holprig, aber die Sicht… die Gegend… die Umstände überhaupt – das war einfach toll da und es stellte sich nicht mehr die Frage, ob wir zurückfahren. NEIN, es war einfach zu einmalig, zu schön, um hier nicht kostenlos stehen zu bleiben! Hunderte Meter weiter erst kam das Wasser. Thomas hatte natürlich leicht Befürchtung, was denn ist, wenn das Wasser steigt. Ich konnte ihn überzeugen, dass da die letzten Monate kein Wasser war. Zumal er sich erinnern konnte, dass er sich damals wunderte, wie wenig Wasser der See führt. Und das ist Jahre her! Also ran an den Speck und einen für uns optimalen Platz auf dieser weiten Ebene gesucht. Der erste war nicht so ideal. Zwar auf einer Anhöhe, dafür aber voll im Wind. Um etwas Windschatten zu haben, stellten wir uns unterhalb dieser Anhöhe auf eine Moosfläche. Etwas weiter hatten andere ne Feuerstelle gebaut. Wir nutzen diese Steine und bauten unsere eigene Feuerstelle. Das hat uns wirklich gut gefallen und wir fühlten uns pudelwohl – zumal auch keine Mücken da waren! Wie nun aber ohne Grillrost die Steaks garen? Wir tüfftelten aus, alles in Folie einzupacken – Kartoffeln waren ja auch noch da – und diese Päckchen dann auf einen Stein zu legen, der zuvor in der Glut aufgeheizt wurde. Gesagt, getan! Thomas entfachte das Feuer – wir hatten natürlich auch einiges an Holz gefunden. Ich fertigte inzwischen die Päckchen an: je eins mit Steak, eins mit Bacon und Kartoffeln und eins mit Zwiebel-Apfel-Gemüse. Der Stein lag in der Glut und war schön heiß. Jetzt die Päckchen rauf und wir hörten es zischeln. Gutes Zeichen! So, und wo nun essen? Das war draußen einfach zu herrlich, um das Essen in dem warmen Mobil zu vertilgen, der sich nur langsam abkühlte durch den Durchzug. Aber wie soll es ohne Tisch gemütlich werden? Ich hatte die Idee, Steine aufzustapeln – es waren ja unheimlich viele platte Schiefersteine da. Aber das wäre doch etwas mühselig geworden, um dann die Tischplatte dort raufzulegen. Ja, warum nutzen wir nicht das Tischbein mit? Schließlich geht doch alles auseinander zu bauen! Thomas wuchtete den Tisch aus dem Camper und versenkte das Tischbein so gut es ging in den Boden. Der Tisch wackelte zwar, aber mit ein wenig Vorsicht und Behutsamkeit konnten wir unser Essen, welches inzwischen fertig war, wunderbar genießen. Geschmeckt hat das! Allein schon wegen dieser herrlichen Gegend. Oh, was ärgerten wir uns, dass wir den Umschlag schon eingeschmissen hatten. Weg war weg und wir sagten uns, dass wir dem Staat halt was gespendet haben und freuten uns, dass wir dieses herrliche Stückchen Kanada ganz individuell nutzen durften.

Samstag, 01.07., 09.00 h – Celebration Day! 150 years Canada!

Nach unserem tollen, rustikalen wirklich „wildlife“ pur Essen räumten wir notdürftig auf und gingen zum/am See entlang. Inzwischen war noch ein Camper gekommen. Und was hatte der mit dabei? 2 sehr aufgeweckte Hunde! Die preschten natürlich fix von Herrchen weg und auf uns zu. Mir war nicht wohl. Bei diesem kilometerweiten Gelände war die Rasse erst mal nicht einzuschätzen und dann die Hunde selbst auch nicht. Denn hören wollten die nicht mehr fürn 50er! Wir hörten ja, wie Frauchen sie zurück pfiff – die hatten gar keinen Bock! Thomas schnauzte die kräftig an, da zogen sie wieder ab. So eine Scheiße! So ein schönes Gelände und dann diese Viecher! Ich hatte Badezeug dabei, weil ich im See ne kleine Runde schwimmen wollte. Ich zog mich um – so weit konnte man nur mit Feldstecher gucken – zog die Badeschuhe an und stapfte los. Schon beim zweiten Schritt blieb der eine Schuh stecken, der andere natürlich aus. Ich hatte Mühe, sie aus dem Schlamm wieder raus zu bekommen. Dadurch war alles so aufgewühlt… von klarem Wasser keine Spur mehr. Das Sediment war einfach zu schlammig, da machte auch mir das Baden keinen Spaß. Steiniger Untergrund wäre besser gewesen – war aber nun mal nicht. Gerade bis zum Oberschenkel war ich nass, das Wasser hatte ne angenehme Temperatur. Thomas drückte noch auf den Auslöser für ein Foto, dann schlammte ich mich wieder raus. Nun wusste ich auch, warum die anderen nur im Wasser gestanden haben und nicht mal untergetaucht sind. Ich bin auch nicht unter getaucht. Mein Badeanzug blieb trocken. Ich zog mich wieder um und wir gingen den „weiten“ Weg zum Camper zurück. Wir ließen das Knäckerchen wieder aufleben und beobachteten in unseren Stühlen das Kommen und Gehen der verschiedensten Fahrzeuge. War gut was los. Aber die störten ja bei dem weitläufigen Gelände nicht, brachten eher Unterhaltung. Irgendwann hörten wir aus dem Wald jemanden mit ner Kettensäge arbeiten. Der war wohl dabei, sich Feuerholz zu machen. Wenn das erlaubt ist, sammeln wir auch das weiter auf, was hier rumliegt. So reichte unser Feuerchen recht lange und wir freuten uns, diesen herrlichen Platz entdeckt zu haben. Irgendwann ist jeder Tag zu Ende und erst gegen Mitternacht sind wir in den Camper und schliefen selig ein. Es war so eine ruhig Nacht! Weit und breit kein Geräusch, nur das Säuseln der Espen war zu vernehmen.

   Gegen halb 9 wurden wir wieder munter. Der Camper mit den Hunden war auch noch da, denn irgendwann – wir waren gerade drinnen – kamen sie noch mal zu uns, hörten wieder nicht auf Frauchen, zogen aber von allein wieder ab. Sie dallerten dann am Waldrand umher und ich freute mich schon, dass der Bär sie gleich zum Frühstück verspeist. Dem war nicht so. Wir ließen uns mit unseren morgendlichen Arbeit viel Zeit. Ich konnte mich allerdings nicht mehr draußen waschen, denn jetzt setzten die Besucherfahrten wieder ein. Eine machte am Seeufer ihre Yoga-Übungen – die hätte nicht gestört, aber die anderen, die doch näher bei uns auf der vermeintlichen Straße vorbeifuhren. Gegen 11 verließen wir leicht wehmütig dieses schöne Areal, waren uns aber sofort einig, hier noch mal her zu fahren. Das war einfach zu schön!

21:15 h – Wir setzten unsere Fahrt in Richtung Nordegg/RMH fort und waren erstaunt, wieviele Campgrounds es doch auf dem Weg gab. Warum hatten wir uns 2007 für den Thompson Creek entschieden? Keine Ahnung, tut jetzt auch nix mehr zur Sache. Wir ließen die Berge immer mehr hinter uns und fuhren der Ebene zu. Ab und an gab es mal ne kleine Steigung, aber von Bergen kann keine Rede sein. Dies ist ja kein so touristisch erschlossener Highway – dementsprechend kamen keine Rest-Areas und der eine Campground, der dafür geeignet gewesen wäre, den ließ Thomas aus. Dabei war ich von dem angestrengtem Gucken nach Wildtieren richtig müde und wollte ne kleine Pause haben, bevor in RMH die Gespräche wieder los gehen. Es war so warm, fast heiß und mein Kopf leer! Jetzt waren es nur noch 27 km bis RMH, die Thomas durchfuhr. Ich fragte mich, wo ich mein Englisch hernehmen soll, um zu erfahren wo hier ein Campground ist! Wir sahen dann schon einen, wie wir in RMH reinfuhren. Trotzdem fragten wir in der Info nach – auch was so wie am heutigen Tag alles los ist. Eine Info-Flut folgte und man freute sich, dass wir Rocky Mountain House für den Feiertag ausgesucht haben. Sie empfahl uns den von uns bereits gesehen Campground – sonst wüsste sie keinen. Zur Not könnte man sich auf’m Parkplatz stellen bei einem Foodstore. Nun, das wollten wir nicht – wir wollten schon gesittet und in Ruhe übernachten. Wir dankten vielmals und steuerten diesen Campground Riverview an. Wieder so eine Art RV-Park, aber riesengroß. Die Office-Dame sprach besser deutsch als ich englisch, was die Sache erleichterte. Sie fragte gleich, ob wir reserviert hätten… wir verneinten. Sie suchte und zeigte uns jedoch einen Platz – Nr. 6; der wäre wohl noch frei. Sie checkte das beim Chef ab, der setzte uns jedoch auf Platz 51. Von der Sache her egal – wir waren froh, überhaupt einen Platz zu bekommen. Mit allen Anschlüssen und Firepit für 38 Can$ pro Nacht fanden wir den voll in Ordnung. Wir nahmen 2 Nächte, weil wir doch heute den 150-Canada-Day feiern wollten. Ca. halb 3 waren wir hier angekommen, platzierten uns, steckten aber nur Strom an, weil wir eh nächsten Tag noch fahren wollten. Es war eine Bullenhitze hier. Nach einem Schälchen Cornflakes und nem Kaffee dallerten wir noch mal los, die Strecke zum Festplatz zu Fuß abzugehen. Die Office-Dame hatte uns schon komisch angeguckt, wie wir fragten, wie weit das wäre… Mit ner Flasche Wasser und unseren Geldtaschen bestückt, stiefelten wir den Highway 11a los. Pralle Sonne und recht bald Gravelroad! Der fährt sich nicht nur beschissen, läuft sich genauso!

Sonntag, 02.07., 10:10 h – Wir gingen bis zu der Stelle, wo man Boote/Kanus ins Wasser setzen kann – dann hatten wir die Nase voll und marschierten den ganzen Weg zurück. Wasser hatten wir Gott sei Dank mit. Das ging mehr und mehr zur Neige. Eine blöde Idee von uns, bei dieser Hitze ne Landstraße lang zu dallern! Ein Stück des Rückwegs gingen wir über den Campground, denn auf dem Hinweg sahen wir erst einmal dessen Ausmaß. Hier war es wenigstens schattig. Und proppenvoll mit den unterschiedlichsten Wohnmobilen, 5th Wheels oder Bussen. Wir kamen völlig erschöpft an unserem kleinen Mobil an und genehmigten uns erst mal ne Dusche. Für einen Dollar 5 min – das reichte völlig aus. Gut, dass wir noch unseren Nudeltopf hatten – so brauchte keiner kochen. Thomas erhitzte das Teil nur und wir konnten essen. Zum Kochen wäre ich gar nicht im Stande gewesen! Das Schreiben fiel mir schon schwer. Dabei saß ich im klimatisierten Raum: der Laundry. Ich hatte noch ne Maschine Wäsche gemacht und schrieb, während die Sachen nun im Trockner umherflogen. Bald saßen wir am Feuer… bald war 21:20 h! Ich weiß jetzt gar nicht, ob es nachmittags nach dem Kaffee war oder abends… irgendwann lugte ein Reh um den Camper. Keiner hatte natürlich irgendwelche Technik dabei, um mal ein Foto zu machen. Nun kommt schon mal das Reh vom Dienst und wir sind total unvorbereitet! Es verzog sich in die Ecke und nimmer ward es gesehen… Thomas hat im Automaten Dr. Pepper entdeckt für 1 Can$ die Dose. Wir gönnten uns den Abend nun Dr. Pepper mit Jelzin-Wodka. Bisschen süß, aber für 2 Mischungen gings und dann merkte man auch, dass da tatsächlich Wodka drin ist… So gegen Mitternacht sind wir in die Betten gehuscht. Der Highway-Lärm ließ die Nacht merklich nach und wir konnten recht gut einschlagen. Erst kurz nach 8 war die Nacht zu Ende und wir bereiteten den Tag vor. Wollten wir doch 150 Jahre Kanada feiern. Ein Tag, der überall mit unzähligen Flaggen und das Tragen von rot-weißer Kleidung entgegen gesehen wurde. Wir hatten auch längst geflaggt: an der Antenne flatterte ein kleines Fähnchen und zwischen den Sonnenblenden hatten wir eins gesteckt. Mehr Möglichkeiten haben wir leider nicht.

   Unser Frühstück fiel klein aus. Heißt nur Stulle mit Käse und Wurst und Marmelade, ja ne Tomate gab‘s noch dazu. Noch fix gewaschen und umgezogen – es war schon wieder schön warm – fuhren wir zum Historic Side Park von RMH, wo das riesige Familienfest stattfinden sollte. Kurz nach 10, vielleicht halb 11, kamen wir an. Uns wurde ein Parkplatz zugewiesen ganz am Rand – nach und nach gesellten sich noch mehr Wohnmobile, Busse und 5th Wheels dazu. Wir bestückten uns mit Wasser und Geld im Rucksack, den ich aufschnallte, Thomas trug die Kamera. Wir sehen, dass noch nicht alle Stände aufgebaut waren und verschafften uns erst mal einen Überblick über das Gelände…

17:30 h – Wir stehen inzwischen in Entwistle

Eine kleine Food-Meile gab es da, viele Möglichkeiten, die Kinder zu beschäftigen; eine kleine Meile, wo man Farmers-Erzeugnisse und andere Handarbeiten erwerben konnte und sehr viele Leute. Es war halt ein Familyday und so war er aufgezogen. Wir gingen weiter zu den Metis-Tents, hier erschien es uns sehr interessant. Natürlich war hier das Leben ansatzweise der damaligen Trapper und Metis dargestellt. Auf einem kleinen Wanderweg war die Entstehung von Rocky Mountain House zu erfahren. Der Historic Side Park war eben der Ursprung von RMH. Wieder bei den Metis naschten wir von dem Gebackenem: eine Art Teig wurde fladenweise in eine mit Öl bestückte gusseiserne Pfanne auf der Glut gebacken. Das Zeug schmeckte erst lecker! Die selbstgemachte Marmelade hätte man gar nicht gebraucht. Wir probierten alles wie man uns halbwegs anwies. Alle waren erfreut, dass wir Gäste aus Deutschland sind und den Canada-Day bei ihnen feiern. Dann bauten sich 3 alte Männer zum Musizieren auf: 2 mit Gitarre, 1 mit mind. 2 Treckfieldeln = kleinen Akkordeons. Dieser hatte auch noch sein Sauerstoffgerät dabei. Sie fingen an zu spielen… die Lieder kamen uns so bekannt vor, aber wir kamen nicht auf die Titel. Es war schön, denen zuzusehen und zuzuhören. Gleichzeitig merkten wir für uns an, dass diese Art des Musizierens wohl mit den alten Männern aussterben wird. Wir verweilten dort eine ganze Zeit, probierten nochmals von dem Brot, welches sich „Banock“ nennt. Soll einfach zu machen sein, wobei wir nicht ganz genau die Zutaten mitbekamen. Etwas Salz und Wasser hatte ich heraus gehört… es stand fest: das muss gegoogelt werden. Wir verließen diesen idyllischen Ort wieder und gingen Richtung Hauptbühne. Inzwischen war wohl alles aufgebaut und wir beguckten das. Und noch mehr Menschen, eben ganze Familien mit nem Haufen Kinder und natürlich Hunden bevölkerten den Park. Thomas inspizierte die Feuerwehr ausgiebig und fand sogar einen Moment, sich für ein Foto hinters Lenkrad zu setzen. Doch mit Mal räumten die Feuerwehrleute alles zusammen und der kleine Truck fuhr mit rot-blauem Geblink davon. Nun, Thomas hatte seinen Spaß. Wir sammelten noch schnell 2 Malhefte und Stifte für die Jungs ein und zogen weiter.

   Des Laufens und Stehens leicht überdrüssig, beschlossen wir unsere Stühle zu holen. Denn die Canadier reisten fast alle mit ihren Stühlen an, die zum Teil sogar Tisch an der Seite hatten, und zogen in Bollerwagen unterschiedlichster Fabrikate ihre Kinder samt Essen und Trinken auf den Platz. Wir nahmen uns nun auch ne Flasche Wasser mit und stellten uns am Native-Food-Stand an, um einen „Buffalo-Burger in Bannok“ zu probieren. Wir nahmen an, dass es auch dieses Brot ist… noch kannten wir die Schreibweise ja nicht. Es ging mit der Bestellaufgabe relativ schnell, aber die Native hatte etwas Schwierigkeiten das Wechselgeld – wir mussten 24 Can$ bezahlen und gaben einen 50er hin – richtig auszurechnen. Passte dann aber. Ihre nächste Schwierigkeit war, das Geld an sich in der Box zu halten, denn der Wind hatte merklich zugenommen. Es waren gerade keine 2 Burger fertig, so dass wir warten mussten. Sie klemmte unseren Zettel unter die Vitrinenleiste und hatte stärkstes Vertrauen, dass der Zettel nicht davon flattert. Es dauerte schon eine Weile, bis das Fleischstück – Gehacktes… hoffentlich aus Buffalos! – fertig gebraten war. Derweil konnten wir genug beobachten und sahen, dass die „Brötchen“ aus Frittierfett gefischt wurden. Aufgeschnitten stellten sie die obere und untere Hälfte des Burgers dar. Sie sahen ganz anders aus als diese Fladen. Endlich war unser Fleisch fertig und wir konnten mit etwas Tomate und Salat samt Ketchup unseren Burger „verfeinern“. Dabei merkten wir schon, wie schön fettig die Bannok-Teile sind, beim Reinbeißen war dann der Frittiergeschmack so vordergründig, dass wir nix vom Fleisch schmeckten. Ich will nicht sagen, dass es nicht schmeckte, aber wir aßen jetzt alles einzeln, damit wir von allen Teilen den passenden Geschmack wahrnahmen. Satt machte das Teil alle Male – und müde! Wir zogen ne kleine Verdauungsrunde und beäugten die sich immer näher ziehende dunkle Wand am Himmel. Die Luft war bei uns erst mal raus, schon vernahmen wir erste Regentropfen. So recht wussten wir nicht, ob wir bleiben oder auf den Campground zurück sollten. Aber was da anfangen? Wir beschlossen, uns erst mal im Camper etwas hinzulegen und dann weiter zu sehen. Wir waren kaum am Camper, da fing es richtig an zu regnen und zu donnern. Ich war tatsächlich so müde, dass ich eingeschlafen bin. Muss wohl auch die Wärme gewesen sein, die uns so fertig machte. Jedenfalls verbrachten wir die Zeit von ca. halb 2 bis um 3 im Camper und lauschten dem Regen, dem Wind und dem Gewitter. Bemerkenswert ist, wie entspannt die Kanadier mit dem Wetter umgingen. Keine Hatz zu den Autos oder so. Einige verließen zwar das Gelände, dafür kamen noch etliche hinzu und die meisten blieben – wo auch immer sie sich vor dem Regen untergestellt hatten…

18:30 h – …hab inzwischen unsere Abendessenpäckchen erstellt…

Überhaupt erschienen uns die Canadier sehr entspannt, besonders im Umgang mit ihren Kindern. Da hörten wir kein Gezeter: „…mach dies nicht, mach jenes nicht; fass da nicht an; geh da weg…“ oder so. Die ließen die Kids dallern. Und die verhielten sich eigenartigerweise auch artig! Wenn sie heulten, dann wohl vor Müdigkeit oder Wärme. Wir empfanden das äußerst entspannt. Muss ich mir merken! Auch bei diesem Spiel da in der Box – ich fand es faszinierend – herrschte eine Fairness ohne jede Diskussion, wenn ein Kind ausscheiden musste. Das war schon nach dem Gewitter, denn irgendwann zeigte sich wieder blauer Himmel und wir tätigten noch einen Rundgang. Vor dem Regen hatten wir uns noch Kuchen gekauft, wollten aber wie schon erwähnt erst mal ne Runde pennen und dann diesen zum Kaffee genießen. Nun kam es anders: wir waren vom Burger noch so satt, dass wir uns für je 1,50 Can$ einen großen Kaffee leisteten und den während des Rundgangs tranken. Als wir erneut vom Meti-Dorf zurückkamen, vernahmen wir indianische Klänge von der Hauptbühne und eilten dorthin. Gerade noch sahen wir zwei Native-Mädels tanzen. Eine kleine Pause und danach ein Tänzer wurden angekündigt sowie der Anschnitt des „Celebration Cake“. Ohne Hatz stellten sich die Leute an, um ein Stückchen von dem süßen Geburtstagskuchen abzugreifen. Auch wir stellten uns irgendwann an und erhielten ein Stückchen auf eine Serviette gepackt. War etwas schwierig zu essen, so ohne Gabel. Aber es fand mit Fingern den Weg in unsere Mägen und mundete vorzüglich. Schon begann die Show des Native-Mannes. Dieser erzählte, dass er für das Tanzen mit den Ringen schon lange Zeit übt und immer noch übt. Seine Darbietung war sehr eindrucksvoll, besonders bei der nun wieder herrschenden Hitze. Wozu das Gewitter wohl gut war? Damit es noch wärmer wird? Gerade war der einzige Mountie frei und wir zerrten ihn zum Fotoshooting. Als er vernahm, dass wir aus Germany sind, bat er eine Passantin, mit uns 3 ein Bild zu machen – genau vor dem rot-weißen 150-Jahre-Tipi.

   Ich bekomme die Reihenfolge der Ereignisse etwas durcheinander, denn so kurz vor 4 war doch noch die „Ansprache“… Irgendwann zwischendurch hatten wir auch wieder unsere Stühle sowie noch was zu trinken geholt und unsere „Regensachen“ wieder gegen luftigere Kleidung eingetauscht. Nun… die Ansprache hätten wir uns etwas „historischer“ gewünscht… man sollte den Tag genießen, trotz des gewesenen Regens, man bedankte sich bei den Sponsoren, betonte nochmals den Familientag… aber zur Geschichte des Landes an sich wurde nix gesagt, auch wenn eine Native das erste Wort der Ansprache hatte. Wir hatten uns ein bisschen was anderes vorgestellt. Aber es war nun mal so und wohl auch typisch kanadisch: nach vorne schauen, nicht zurück. Ich weiß nicht mehr, was wir noch so alles taten, saßen irgendwann in der Menge vor der Hauptbühne und verfolgten den Rest des „Idols“ – ein Songcontest –, beobachteten die Szenerie um uns herum… die „Honeys“ und das übrige Volk. Auf der Hauptbühne entstand wieder eine große Pause, wir schlurften nun mal durchs Museum und erlaubten uns einen erneuten Abstecher ins Meti-Dorf. Wieder naschten wir dieses Brot. Jetzt war ein leichter Speckgeschmack zu vernehmen. Mit der Meti-Frau hatte ich einen kleinen Smaltalk und sie verriet mir das Rezept: 1 Tasse Mehl, 1 Teelöffel Backpulver, 1 Tasse Wasser. Alles. Und das schmeckt! Jetzt wird ne eiserne Pfanne gekauft und in Deutschland ausprobiert!

   Da wir uns unsicher waren, ob wir nach dem Feuerwerk um 12 noch auf den Campground kommen, beschlossen wir nach „Hause“ zu fahren. Irgendwie waren wir auch fertig. Ja, wir haben dort tatsächlich 8 Stunden ausgeharrt. Wir waren sehr zufrieden mit dem Celebration-Day. Auf dem CG angekommen, aßen wir doch noch etwas: Bratwurst mit Kartoffeln und Bohnen. Wir machten unser Knäckerchen und ließen den Tag Revue passieren. Thomas war der Meinung, dass man das Feuerwerk auch von der Straße vor dem CG aus sieht. Wir wollten das abwarten. Er ging wieder Dr. Pepper holen, wir mischten uns was und genossen das Feuer. Am Flussufer dallerten einige Jugendliche umher und feierten den großen Tag auf ihre Weise mit Bengalos und kleinen Raketen. Das war spannend zu beobachten. Immer wieder musste ich aufstehen, um das genauer mit Fernglas zu beäugen – bis das Licht es nicht mehr zuließ… Auch hinter dem Waldstück und aus der Stadt waren kleine Feuerwerke zu vernehmen. Gegen 11 bezog sich der Himmel wieder, ein Gewitter meldete sich an. Es war an der Zeit zur Straße zu gehen, um zu sehen, ob wir das Feuerwerk tatsächlich sehen können. Ja, die höher schießenden Raketen mit den schönen Bildern konnten wir sehen! Nebenher blitzte es – zeitweise war es narvataghell. Wir wussten nicht wirklich, welchem „Feuerwerk“ wir folgen sollten. Das vom Canada Day war recht bald zu Ende, wir lauschten noch dem Donnergrollen und sind ins Bett gegangen. Es fing an zu regnen, doch darüber sind wir eingeschlafen. 08:15 h sind wir dann aus den Federn wieder raus.

   Thomas hatte am Abend den Vollanschluss getätigt – außer Wasser; wir wollten den Tank noch leerer bekommen –, also hatten wir Strom und die Abzugshaube war locker in Betrieb zu nehmen. Es wurde wieder Bacon gebraten. Dieses Mal leicht mit Wasser angekocht – er schmeckte Thomas wirklich besser. Aber ne Sauerei und Stinkerei ist das, den zu braten… und natürlich piepte der Rauchmelder wieder volle Kanne. Dass der Camper im Anschluss den ganzen Tag danach stank erwähne ich gar nicht erst… Fix das Rührei gemacht und das Frühstück vertilgt. Gleich den Abwasch hinterher, kurz aufräumen und duschen gehen. Ich wusch mir gleich noch mal die Haare – war ja genügend Zeit. Die Duschen waren gut verfügbar – so macht das Spaß. Im Übrigen: während ich so sitze und schreibe, überzieht uns das nächste Gewitter… aber der Fluss mit dem Canyon hält es wohl noch etwas auf unserer Seite ab. Blitze und Donner sind schon reichlich zu vernehmen, etwas Wind, aber noch kein Regen. Weiter nebenbei bemerkt: die Mücken zerfressen mich!... Nun, wir waren mit unserem Gemöhle fertig, fuhren noch an das Office ran, um die 20 Can$ Kaution für die Karte zu bekommen, nahmen noch einmal Holz für 8 Can$ mit, schrieben kurz nen Text ins Gästebuch und verließen eine Minute nach 11 den Campground. Während Thomas das Holz eingelagert hatte, fotografierte ich noch die Dosenunruhe… muss ich auch basteln, sieht echt gut aus.

   Wir nahmen nunmehr den Highway 22 – auch Cowboytrail genannt – Richtung Norden unter die Räder. Schnur gerade führt er durch wald- und wiesenreiche Gegend, nur ab und an eine Kurve. Viele Öl- oder Gaspumpen waren zu sehen und je mal rechts und links ne Farm bzw. ne Ranch. Die weidenden Kühe und Pferde nahmen wieder zu – ein schönes entspanntes Fahren ohne besondere Vorkommnisse. In Drayton Valley wollten wir eigentlich zum Eagle Point Provinzial Park fahren, aber die Straße endete beim Willey Campground. Da wollten wir gar nicht hin. Kehrtwendung und die 4 km wieder zurück zum Highway. Wir kamen an Einkaufsmöglichkeiten sowie einem Liquorestore vorbei und nutzten die Gelegenheit. Im Walmart nahmen wir 3 neue Kanister Wasser, ne kleine Pulle Milch, ein Brot und nochmals Würstchen, ach ja und ein 12er Pack Dr. Pepper mit. Jetzt noch rüber, Alkohol kaufen. Wir nahmen 8 Dosen Bier und 1 Flasche Wodka mit: 1,14 l 40 % - die nächsten Abende können wir genießen. Wieder rauf auf die 22 sollten es nur noch 41 km bis Entwistle und dem Campground Pembina River sein. Die fuhren wir jetzt ohne weiteren Stopp wieder eine fast Schnur gerade Strecke. Von Wildtier wieder… immer noch keine Spur! Ne, das treibt sich ja auf Walmart-Parkplätzen rum… Das guckte uns da genauso überrascht an wie wir es! Mit Hörnern! Das sind wohl die Spingviecher, die immer wieder mal mit Schildern angezeigt wurden… Wir folgten der Ausschilderung zum Pembina River Provinzial Park und erlebten eine Überraschung! Da standen Autos über Autos! An der Einfahrt war schon jemand postiert, der den Verkehr regelte und nicht nur uns unmissverständlich zu verstehen gab, dass der Campground voll ist. Ausgebucht! Kein Platz! Es ist langes Wochenende! Meine Frage, ob morgen noch ein freier Tag, sprich Feiertag, ist, verstand er nicht und meinte „nö, morgen ist auch nichts frei…!“ Das war nicht wirklich das, was wir hören wollten, aber wir erlebten das, womit wir schon gerechnet hatten… nein gerechnet nicht, wir ahnten es nur: die Campgrounds sind voll und was machen wir dann?

Montag, 03.07., 08:25 h - Entwistle

Wir waren etwas ratlos und sind erst mal weiter geradeaus gefahren. Nun sahen wir, warum da so voll war: Im Fluss schwammen unzählige Schwimmringe mit Menschen drin. Sie ließen sich von/mit der Strömung treiben und amüsierten sich dabei. Ein schönes Bild… macht bestimmt Spaß… wir hatten keinen! Wir kamen in Evansburg an, stellten uns auf einen Parkplatz und überlegten, was nun zu tun sei. Im CG-Führer fanden wir mal gar nichts, laut Karte war wohl so ca. 40 km weg ne Guestranch oder in Edmonton – auch so 40 km – ein Campground. Eine Werbeleuchtschrift informierte u. a., dass heute hier Rodeo ist und zeigte 37 °C an! Unser Plan war nun, doch diesen RV-Campground anzufahren. Wenn der und da nichts ist, bewegen wir uns in Richtung Edmonton. Wir fuhren los, sahen dabei leider keine Straße, die wir nehmen konnten, um die alte Eisenbahnbrücke zu sehen und zu fotografieren. Dann eben nicht. Wir fuhren wieder am Pembina River vorbei… da trieben immer noch bunte Reifen rum… und fanden den RV-Park in Entwistle nahe der Rodeo-Arena.

19:30 h – Wir sind auf dem Rainbow CG in Edmonton

Da er als RV-Park ausgewiesen war, waren wir sehr skeptisch. Oh, da stand gleich mal ein Schild „…anrufen…“ Na tolle Wurst… fängt ja gut an. Wir hatten noch nicht ganz zu Ende gesprochen, als eine Dame auf uns zu kam – offensichtlich die Besitzerin. Auf unsere Frage, ob sie für diese eine Nacht noch ein Plätzchen frei hat, kam ein Redeschwall, von dem wir nur verstanden haben, dass noch welche mit Zelten kommen und wo wir denn stehen wollen; die Zelter würde sie dann anders anordnen. Wir sahen erst mal nur eine Rasenfläche, zig Bänke, 3 große Feuerstellen und jede Menge Bäume. 40 Can$ sollte die Nacht kosten, mit Power und Flush-Toilette, Dusche war nicht. Wir erkannten immer noch nix an RV-Park und suchten uns deshalb eine schöne Stelle auf der Rasenfläche aus, weil uns der Campground an sich sehr zusagte. Hat RV-Park ne andere Bedeutung bekommen? Wir waren angenehm überrascht: das war kein RV-Park wie wir sie kannten. Also levelten wir das Fahrzeug aus, zogen uns was kühleres an und tranken erst mal einen Kaffee. Es war so um 3, die richtige Zeit. Die Dame hatte uns noch erklärt, dass es bei der anderen Straße einen Viewpoint zum Pembina River gibt, dieser 16 oder 60? m tief unten verläuft, es aber auch einen Wanderweg runter zum Fluss gibt. Diesen wollten wir nun nach unserem Käffchen in Angriff nehmen. Fluss gleich Wasser gleich Baden möglich… die Badesachen, je ein Handtuch und je ne Flasche Wasser wanderten in den Rucksack, den ich mir aufschnallte, Thomas nahm den Fotoapparat – schon ging es los. Jetzt sahen wir eine noch größere Wiese, auf der im Halbkreis weitere Mobile, meist die großen, standen. Allerdings weniger Bäume, aber eben hübsch. Eine Gemeinschaftsküche (= Shelter) stand in der Mitte des mit Platz-Nr. ausgewiesenen Kreises. Alles recht großzügig und mit riesigen Feuerstellen.

   Wir überquerten den Platz und krochen durch den Zaun, weil die Tore angekettet waren. Schon war der Viewpoint da und wir konnten wieder die bunten Menscheninseln sehen. Die wollten wir uns jetzt näher betrachten und suchten den Wanderweg. Erst mal ging es ein Stück Gravelroad entlang… meine Laune schwand. Neee, nicht schon wieder Gravelroad bei sengender Hitze bewandern! Denn schweinewarm war es wieder mal. Es lugte da so ein Weg im Wald, der aber nicht sehr weit einzusehen war. Mehr dominierte der weiße Zaun und wir nahmen an, dass das Stück Weg Privatgelände ist. Also weiter die Gravelroad, die uns aber immer weiter vom Fluss weg führte. Ich hatte absolut keinen Bock auf DIESEN Wanderweg und war dafür umzukehren. Keine 10 Pferde brachten mich da weiter. Außerdem sollte der Wanderweg sehr in der Nähe des Viewpoints sein und von dem waren wir schon wieder ein Ende weg. Wir drehten um und wollten jetzt mal schauen, was es mit dem Waldweg auf sich hat. Es sollte doch wohl möglich sein, an diesen Fluss zu kommen. Und tatsächlich war dies der Wanderweg! Ordentlich zerfahren – wir nehmen an von Quads. Fleißig ging es bergab, mal sehr begrünt der Weg, mal sehr feucht. Wir gingen aber weiter, wähnten wir uns doch richtig. Waren wir auch. Dann kam eine Stelle, an der uns die Mücken regelrecht überfielen. Ich ärgerte mich, dass wir die Basecaps nicht mitgenommen hatten. Genau für solche Fälle haben wir die Dinger doch mit übern Teich genommen. Ich kramte mir ein Handtuch aus dem Rucksack und legte es mir über den Kopf. Dieses Gesummel und das ständige Wegfuchteln der Viecher war mir zu lästig – lieber nahm ich jetzt das Schwitzen in Kauf; hatte doch ein Handtuch zum Abwischen dabei… 20 bis 25 min sollte der Marsch dauern. Zwischendurch fanden wir noch einen Viewpoint und sahen noch eine Biegung des Flusses und noch mehr treibende Menscheninseln. Es dauerte tatsächlich nur 20 min und wir waren unten am Fluss. Jetzt konnten wir das Treiben näher betrachten. Scheint ne spaßige Angelegenheit zu sein. Etliche hatten gemietete „Sessel“, aber viele ihre eigenen Inseln oder auch nur Luftmatratzen und ließen sich von der Strömung treiben. Ab und an sprang mal jemand ins Wasser und kletterte wieder auf seine Insel, einige hatten sich zu größere Inseln zusammengetütert und genossen die Fahrt im Kreis sich gegenüber sitzend. Einige wenige hatten sogar Alkohol dabei! Muss die Fahrt doch länger dauern…

   Ich stellte am Fluss schnell fest, dass der zum Baden – vom Ufer aus – nicht wirklich geeignet war, zumal ich wieder mal meine Badeschuhe vergessen hatte. Ich war schon etwas traurig und auch neidisch auf diese Inselfahrer. Thomas fand am Steinstrand ne volle Büchse Bier, ließ sie natürlich liegen. Ein Vater, der mit Familie mal ne kurze Anlandung machte, sammelte sie sich dann ein. Ich sah, dass die Mutti ganz schön zu tun hatte mit den Steinen im Fluss – obwohl sie Schuhe anhatte! Da war ich mir vollends sicher, dass ich leider nicht im Fluss baden kann. Wir beobachteten das Treiben noch ne Weile, begannen dann aber den Rückweg. Ob der bergan auch nur 20 min dauert? Wir gingen flotten Schrittes, nun auch Thomas mit Handtuch überm Kopf. Stehen bleiben war nicht drin, dann wurden wir sofort belagert. Und tatsächlich brauchten wir für den Rückweg auch nur 20 min. Wieder aus dem Wald heraus, mussten wir erst mal einen kräftigen Schluck Wasser nehmen und etwas verschnaufen. Die Wärme und unser Marsch hatten sämtliche Energie verbraucht.

   Etwa halb 6 waren wir wieder am Camper, der nun schon etwas Schatten abbekam. Wir hatten die Fenster auf gelassen, damit es etwas durchlüftet. Selbst dem Kühlschrank war es zu warm – der rödelte ohne Ende! Ich begann, das Essen vorzubereiten. Heute sollte Fisch auf den Grill kommen. Das Rost war vielversprechend. Thomas heizte schon an, während ich die letzten Möhren putzte und ne Zwiebel schälte. Diese kamen in ein Päckchen und gleich als erstes auf das Rost. Die Pfanne mit den Bratkartoffeln stellten wir auch rauf. Nun den Fisch verpacken und als letztes den aufs Rost. Wir sahen schon, wie es von rechts her dunkel aufzog. Alles guckte diese Wolkenfront besorgt an. Schon hörte man es grummeln, immer lauter, Blitze kamen auch hinzu – kein Regen. Thomas betonte immer: „Das zieht vorbei…“ Das Blitzen und Donnern nahm zu, trotzdem setzten wir uns draußen hin, genossen unser Mahl und betrachteten die Wolkenformation. Was soll ich sagen? Wir hatten gerade aufgegessen, als die ersten Tropfen fielen. Nun, wir waren ja mit Essen fertig, schafften das Geschirr rein, räumten alles sonstige draußen zusammen und gingen in den Camper, weil der Regen nun döller wurde. Das Gewitter wurde nunmehr vom klackernden Regengeräusch übertönt. Das Klackern wurde immer heftiger und lauter… Erbsen große Hagelkörner droschen nieder. Das Geräusch wurde noch heftiger auf dem Camperdach, weil die Hagelkörner noch größer wurden. Fast Kirsch groß waren die Teile und hüpften auf dem Rasen rum. Ein Schauspiel! Inzwischen waren die 2 Zelter gekommen. Der eine hatte gerade noch ne Plane als Dach über sein Hab und Gut spannen können, der andere war dem Hagel schutzlos ausgesetzt. Wir sagten uns noch: haben die mit dem Rodeo ein Schwein gehabt! Das war nämlich seit 2e im Gange und direkt auf der anderen Straßenseite. Die letzte Stunde hatten wir dadurch gute Unterhaltung. Die Rodeoveranstaltung war gut ne halbe Stunde vor dem Sturm zu Ende. Nun im Camper das Gewitter abwartend und hoffend, dass unser Feuer dies überlebt – hatte uns doch der Besitzer ne Baggerschaufel voll Holz abgekippt –, erahnten wir auch das Konzept des Inseltreibens: Der Parkplatz da am Pembina River war so voll, weil die Leute da son Schlauchteil mieten, wohl etwas bezahlen und dann mit nem ausgedienten Schulbus, der auf dem Dach einen Korb für die bunten Gummiteile hat, von dort über „unsere“ Straße zur Einsetzstelle gefahren werden. Dann lassen sich die Leute treiben… mag vielleicht ne Stunde dauern und sind wieder an ihrem Auto. Zig Mal sahen wir diese Schulbusse fahren. Wer selbst einen Ring hatte, brauchte nur jemanden, der ihn unten am Parkplatz wieder abholte. Tja, für uns war es nun zu spät, das auszutesten.

Dienstag, 04.07., 09:40 h

Der Hagelschauer war nach knapp 20 min vorbei, der Platz leicht überschwemmt, vor allem der Weg zum Klo. Die Sonne kam wieder raus und es war strahlend blauer Himmel, als wenn nix gewesen wär. Wir belebten unser Feuer mit neuem Holz, stellten die anderen Scheite zum Trocknen gegen den Eisenring und freuten uns des schönen Wetters. Heute tranken wir Dr. Pepper mit Wodka und machten ein schönes großes Feuer, weil es auch eine große Feuerstelle war. Thomas aktivierte die Musik und wir tanzten Linedance. Unsere Nachbarn guckten nicht schlecht, wie wir da auf dem Rasen uns bewegten und drehten. So verging der Abend recht schnell, ca. Mitternacht wurde es dann aber auch Zeit, in die Betten zu huppen. Eine ruhige Nacht verbrachten wir, bis wir von den Zügen gegen 8 geweckt wurden. Das übliche Morgenritual angefangen vom Frühstück bis zum Abklemmen des Stroms folgte. Wir hielten noch am Office an, um der Dame unsere Begeisterung für ihren Platz darzulegen. Er sollte unbedingt so bleiben – genauso ist er schön.

   Wir begaben uns auf den Highway. Eine Eisenbahnbrücke überquerte ihn mit einem Zug drauf. Mal sehen, ob die Aufnahme während der Fahrt etwas geworden ist. Schnur gerade – fast – führte uns der Highway weiter… wir sahen einen Bahnübergang – die Signale standen auf Rot. Wie wir in die Straße einfuhren, schaltete gerade eins auf Grün um und wir waren voller Hoffnung, hier den Zug filmen zu können, der zuvor über die Brücke fuhr. Wieder war warten angesagt… nichts passierte. Weder aus der einen noch aus der anderen Richtung bewegt sich auch nur annähernd was. Also fuhren wir weiter ohne Filmerei. Bis Edmonton war es ja auch nicht so weit. Wir kamen der Stadt immer näher, der Verkehr nahm merklich zu. War noch Feiertag? Aber dafür waren wieder zu viele Trucks unterwegs. Wir konnten uns keinen Reim machen. War ja eigentlich auch völlig unerheblich, ob die Kanadier diesen Tag noch frei hatten oder nicht. Bald waren wir mitten in der Stadt und verpassten natürlich die Abfahrt. Wir hätten „East“ gemusst und sind „West“ abgefahren. Ganz wie „Dschienie“ uns befahl, wendeten wir, konnten dies jedoch nicht so schnell wie sie wollte, ihr „return“ nervte leicht. Aber dann waren wir wieder auf dem richtigen Weg und erreichten den Fort Edmonton Park. Der Parkplatz war voll mit kleinen Trucks und Pkws – kein Mobil zu erspähen. Alle parkten wie es wollten, so parkten auch wir nicht ganz vorschriftsmäßig, aber verkehrssicher unser Teil ein. Uns kam die Gegend etwas unbekannt vor und auch das Anhängsel „Park“ irritierte uns. Doch schon hörten wir die Dampflok – wir waren richtig. Am Eingang bezahlten wir 55 Can$ Eintritt und betraten das Gelände.

11.50 h – Stehen vor dem Railway-Museum, welches „closed“ ist…

Im Fort Edmonton Park begrüßte uns gleich ein musizierendes Trio. Na, es begrüßte wohl alle, denn die Dampflok stand zur Abfahrt bereit und die Leute warteten, dass sie einsteigen können. Thomas waren das zu viele Leute und wir begannen den Rundgang zu Fuß. Unterwegs stellte er fest, dass wir der Geschichte entgegenlaufen… ja, dafür war ja der Zug, der einen bis zum Fort an sich fährt und man dort den Rundgang und somit die Zeitepochen beginnt. Letztendlich war es egal. In etliche Häuser konnte man hinein gehen und das schöne alter Interieur bewundern. Es war/ist erstaunlich, was sie da zusammen gesammelt haben. Sei es nun Geschirr, Möbel, Teppiche und sonstige Gegenstände. Auch Läden gab es… in denen gab es aber immer nur dasselbe zu kaufen: Süßigkeiten ohne Ende, Seifen und sonstigen Kram – nichts Brauchbares für uns. Wir schlurften von einem Haus in nächste – eigentlich wiederholte sich alles, wobei es erstaunlich bleibt, welche Massen an Antiquitäten da vorhanden sind. Mehr oder weniger wiederholen sich ja diese Museen – sei es Fort Steele, Fort Macleod oder jetzt Fort Edmonton. Der Ausstellungsgegenstand bleibt der gleiche mit mehr oder weniger gut erhaltenem Innenleben. Auf keinen Fall möchte ich die Museen abwerten, dennoch wurden wir dem leicht überdrüssig und fußlahm. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen und warteten ab, dass die Dampflok den Bahnübergang passierte. Thomas wollte sie wenigsten filmen.

16.45 h – Wir sind im Elk Island Park

Wir gingen nun wieder langsam zum Eingang zurück und schauten uns noch die Autowerkstatt an sowie den Garten und eben noch paar Häuser, die auf dem Weg lagen. Der Abstecher zum BBQ lohnte nicht. Wir erkannten nur Burger und diese Bangs, die alles warm halten. Das wollten wir nicht ausprobieren. Wieder am Eingang erkannten wir, dass in ein paar Minuten die Bahn wieder fährt und dieses Mal nicht so viele Leute anstanden. Also beschlossen wir, doch noch ne Runde zu drehen. Die Bahn bimmelte los. Wir saßen im Salonwagen, der aber nur einen klitzekleinen Teil „Salonwagen“ präsentiert, der Rest waren ganz normale Bänke. Und schöööön warm, weil die Fenster nur ca. 10 cm spaltbreit geöffnet waren. Beim Stehen des Zuges nicht so optimal. Nun saßen wir aber, die Bahn zockelte ihren Weg lang und machte nach knapp 10 min Halt am Fort. Die meisten Leute stiegen aus – wir blieben erst mal sitzen, wollten wir doch zurückfahren. Die Schaffnerin machte uns darauf aufmerksam, dass wir noch gut 15 min stehen… ob wir nicht ein bisschen frische Luft schnappen wollen. So kann man die Leute auch aus dem Zug bekommen… Thomas hatte jetzt die Idee, den Weg zu Fuß zurück zu gehen. Tja und so sollte eigentlich der Rundgang im Fort Edmonton Park auch beginnen und nicht enden! Da wir alles schon gesehen hatten, nahmen wir den kurzen Weg sozusagen am Geschehen rechts vorbei und waren natürlich vor dem Zug wieder am Eingang. Wir bummelten noch durch den Giftshop, fanden aber nichts, was es lohnte mitzunehmen. Nun war der Eingang für uns der Ausgang. Mir war vor Hunger und Hitze leicht komisch und ich schnappte mir im Camper erst mal ein Stück Kuchen. Der „rettete“ mir das Leben!

   Jetzt kam die große Schwierigkeit, den Weg zum Campground zu finden, weil „Dschienie“ uns den nicht verraten wollte. Thomas knobelte anhand der Karte einen Weg aus und fuhr unser Mobil durch den Großstadtverkehr. Er schaffte es, den Weg zum Campground zu finden – ich war irgendwie aus irgendwelchem Grund fix und fertig… Gleich am Anfang stand rechts ein riesiger Kletterturm. Wir checkten aber erst mal ein, bekamen für nicht ganz 44 Can$ Platz 23 zugewiesen – mit Strom und Feuerstelle. Der Platz ging eigentlich, auch wenn wir rückseitig an einen Spielplatz grenzten. Uns blieb ja eh keine Wahl. Der Himmel hatte sich mal wieder bezogen… es fing an zu tröpfeln… Thomas beeilte sich, das Gefährt auszuleveln und wir setzten uns erst mal in den Camper und warteten den Regenschauer ab. Nebenbei beobachteten wir, wie gegenüber die Shelter schnell mit Stühlen und Grillgut „beliefert“ wurde… Rauch kam schon aus dem Schornstein und sahen auch, wie jemand ne Gitarre mitbrachte. Party war angesagt… kann lustig werden.

   Ne kleine Weile hielt der Schauer an, es war die Zeit kaum Bewegung auf dem Platz und auch Ruhe auf dem Kletterturm… das Klacken der Sicherungen war nicht zu vernehmen. Oder war der Regen auf unserem Dach zu laut? Als es wieder aufgehört hatte, wurde das Volk wieder munter und ging zur Tagesordnung über: Die Hunde wurden ausgeführt (was Massen an Hunde!), die Kinder dallerten wieder auf dem Spielplatz und dem Rasen rum, aus‘m Shelter hörte man Gitarrenklänge… Wir fingen an uns einzurichten. Strom hatte Thomas noch vor dem Regen geschafft anzustöpseln und da es inzwischen schon nach halb 6 war, beschlossen wir, das Abendessen zu machen: Nudeln mit der Pastasoße sollte es geben, dazu wollte ich noch die sogenannte Salami in Stückchen braten. Strom für die Abzugshaube hatte ich ja und Thomas nahm gleich mal den Pieper ab. Ich brutzelte los und kochte die letzten Nudeln – ging alles ratz fatz. Gegessen haben wir im Mobil, weil die Bank draußen nass war und auch der Wind etwas frischer – wir wollten nicht, dass unser Essen so schnell abkühlt. Während des Essens beobachteten wir wieder das Umfeld und stellten noch mehr Hunde fest. Und wieder etliche, denen einer nicht reicht! So wirklich können wir das nicht nachvollziehen…

   Nach unserem Essen tätigten wir unseren CG-Rundgang um zu schauen, wie die anderen Plätze so sind. So auffällig wie die Hunde sind ebenfalls die vielen Zelte. Nun, das finden wir schon besser, sind aber auch erstaunt, dass da auch noch wieder teilweise Hunde mitwohnen. Hat das Zelten zugenommen? Mag natürlich auch daran liegen, dass wir dieses Jahr in die kanadische Saison reingefahren sind und viele sind mit Kindern unterwegs. So ruhig wie sonst die Jahre ist es lange nicht. Die Aktivitäten in den Forts und Parks sind nun Standard, aber das hatten wir die anderen Reisen nicht so wirklich vermisst… Während des Rundgangs pausierten wir am Kletterturm und sahen dem Treiben zu. Ist schon interessant, aber wir hatten keine Lust zum Klettern. Wir sind weiter und inspizierten die nächsten Toiletten. Die ersten waren mal gar nicht der Hit, wenn man jetzt diese sah. Die waren echt Klasse. Weil mir immer noch so träge zumute war, ging ich gleich mal duschen. Etwas besser war mir danach und ich fing die Schreiberei an, Thomas ging auch duschen. Alsbald machte er in diesem Feuerkasten das Feucherchen, welches gar nicht wirklich funktionieren – sprich brennen wollte. So ein Mist! Dafür hatte es eine schöne Grillplatte. Ich mühte mich, das Feuer etwas in Gang zu halten und wedelte mit diesem roten Brett Luft zu. Es ging so leidlich, aber ich musste viel wedeln… Trotzdem wurde die Platte irgendwann heiß und Thomas legte seine 2 Streifen Bacon auf Alufolie da rauf und ließ ihn so richtig knusprig werden. Derweil beobachteten wir die Kinder auf dem Spielplatz und andere Kinder mit Eltern auf dem Rasen… man hatte ein Baseballspiel begonnen. Da war es ca. halb 10 – in einer halben Stunde sollte „Quiettime“ sein und das Spiel war mit viel Spaß und Lachen in vollem Gange. Viel Holz verbrauchten wir den Abend nicht. Ein Camper hatte seine eigene Feuerschale mit und natürlich dementsprechend auch ein besseres Knäckerchen. Und unser Kasten? Ich hatte keine Lust mehr, Thomas hatte längst seinen knusprigen Bacon vertilgt, zuvor haben wir die Tüte Schokonüsse in unsere Mägen befördert. Die Quiettime setzte ein… ganz so pünktlich waren die da nicht, aber es wurde merklich leiser und gegen halb 11 wurde das Baseballspiel beendet. Nun wurden noch ein letztes Mal die Hunde ausgeführt und bekläfften sich gegenseitig. Dann trat Ruhe ein, unser Feuer glimmte auch nur noch. Ein letzter Toilettengang und wir verschwanden in unsere Betten.

   Wir haben sehr gut geschlafen und wachten kurz nach 8 erst wieder auf. Ein neuer Tag mit fast denselben Routinen begann: Frühstück, Abwaschen, Aufräumen… ich schrieb noch etwas… und Auschecken. Alles im Zeitrahmen bis zum möglichen Limit. Wir reizten das jedoch nicht aus und sind schon gut halb 11 vom Platz, holten uns die 20 Can$ Kaution für die Karte und fuhren wieder durch das Verkehrsgetümmel Edmonton Richtung Eisenbahnmuseum. „Dschienie“ führte uns gut hin, nur war es ratsam, noch ne Tanke aufzusuchen. Links sahen wir einige, da dürfte rechts auch mal eine kommen! Ich glaubte schon fast nicht mehr daran, doch dann sah Thomas ein Shell-Zeichen. Wieder das mit der Kreditkare! Und es funktionierte nicht auf Anhieb! Ich ging in die Tanke und erklärte der indisch-stämmigen Frau, dass wir das nicht kennen… sie meinte, wir sollen füllen und dann bezahlen. Gerade wollte ich das Thomas erzählen, da ließ er das Benzin schon in den Tank laufen. Was ein super Preis: 88 CanCent! Natürlich tankten wir voll, aber bei 97,70 Can$ hörte es auf = 111 Liter! Wir gingen rein, weil wir bezahlen wollten, aber die Frau sagte, ist bezahlt… hat doch geklappt mit der Karte. Glücklich fuhren wir weiter bis zum Railway-Museum und mussten beim Eintreffen feststellen „CLOSED“. Na toll! Ich wäre ja den Weg hoch gegangen, aber Thomas wollte nicht, fotografierte nur etwas und kam zurück. Ich schrieb indessen ein paar Zeilen, kam aber eben nicht weit. Etwas missgelaunt fuhr Thomas weiter eine Strecke, die er sich ausgeguckt hatte, um nicht wieder durch Edmonton zu müssen. Wir fuhren an Fort Saskatchewan vorbei – die Strecke fuhr sich wesentlich angenehmer. Gestern hatten wir beim Reinfahren nach Edmonton die Skyline nur schemenhaft gesehen, heute beim Rausfahren etwas näher, aber keine Möglichkeit, sie zu fotografieren. Irgendwie fährt es sich durch Edmonton auch nicht so schön wie durch Calgary… woran auch immer das liegt. Und so war es gut, dass wir den Weg über Fort Saskatchewan nahmen, zumal diese Strecke kilometermäßig gleich blieb. Es kam das Örtchen Ardrossan und ich hatte die Idee, hier mal nach einem Liquore-Store zu schauen. Wir fuhren also ab, entdeckten aber keine Einkaufsmöglichkeiten und fuhren wieder auf den Highway. Gebaut wurde in dem Örtchen genug… in ein paar Jahren werden sie auch mit nem Supermarkt und allem Drum und Dran versorgt sein… heute war es noch nicht so weit. (Anmerkung: wieder einige Tage in Deutschland googelte Thomas wegen Gartenbahnen durchs weltweite Web und fand, dass es in diesem kleinen Örtchen jemanden gab, der ne tolle Anlage betreibt… Pech ne?). Wieder auf dem Highway wurde uns der Elk Island Park in 27 km angezeigt. Also weiter diese Strecke. Irgendwann kam wieder ein Schild, wo was mit „…Elk Island“ aber noch was anderes drauf stand… „Restate“ oder so… Thomas meinte, wir müssen da rein. Ich verneinte, weil da nix von „Provincial Park“ stand. Nun tat er leicht beleidigt, fuhr aber weiter: „Wehe, wenn wir umdrehen müssen…“ – so noch sein Spruch, aber bald kam der Hinweis auf den Provincial Park. Nun muss seine Laune auf den Nullpunkt gesunken sein und sein Ton wurde leicht sarkastisch. Wir konnten links abbiegen und schafften es gerade noch an dem Visitorcenter zu halten. Nun wuchs in mir leichte Wut, weil er sich bisschen bockig anstellte. Es nützt uns ja aber nichts, wenn wir uns jetzt hier angahren! Ich bin rein ins Center und holte Informationen. Natürlich gab es einen Campground… auch für Wohnmobile. Wir also weiter und nahmen auch noch den Bisonrundweg mit, ohne einen Bison zu sehen. War ja klar! Wieder auf der Straße dauerte es auch nicht mehr lange und wir erreichten die Einfahrt zum Campground.

Mittwoch, 05.07., 08.00 h

Erst mal waren wir über den großen asphaltierten Parkplatz gegenüber erstaunt. Und der stand voller Autos! Und Möwen! Wir hatten die Fläche noch als Gravel oder Rasen in Erinnerung. Bei so vielen Autos sind auch viele Menschen… Das nächste war die Baustelle mit einem permanent piependen Fahrzeug – einer Walze, die rückwärts fuhr! Wir sind ans Office und weil wir ja auch für 2 Nächte bleiben wollten, wurde uns ein Platz außerhalb des uns bekannten Campgrounds gegeben. Noch wussten wir nicht, wie der aussehen wird, aber die Karte ließ nichts Gutes ahnen. Dennoch konnten wir uns da noch einen Platz aussuchen. Erste Enttäuschung machte sich breit. Wir checkten trotzdem ein für 2 Nächte mit Firepit und sagten denen, dass wir zum Bezahlen wieder runterkommen. Dem Plan folgend fuhren wir hierher und verpassten gleich mal die Einfahrt – der Plan ist leicht schlecht! Dabei sahen wir die Baustelle. Was das wohl werden soll? Eine große Fläche wird da planiert.

   Nun kamen wir hier oben an und hatten das Gefühl, auf einem Parkplatz zu blicken. Von 4 Ecken waren 3 schon belegt, besonders die eine Ecke wäre auch für uns interessant gewesen, aber da stand nun schon mal jemand. Die anderen beiden Ecken endeten direkt an der Straße oder dem Wanderweg – beide unmöglich. Nach genauerem Betrachten blieb nur die 4. Ecke, die war aber für Zelte gedacht. Wie da nun hinstellen? Thomas seine Laune war nun im Minusbereich. Tja, was sollten wir machen? Unsere Enttäuschung wuchs, aber wir müssen das Beste daraus machen. Thomas parkte jetzt seitlich ein, damit unsere Tür zur Bank und nicht zum Wald aufging. Das ging hier gut, weil zum Wald keine Betonbegrenzung war. Schon schwirrten ne Unmenge kleine und große Fliegen um uns rum und belästigten uns. Auch das noch!

   Wir saßen erst mal da! Unser Camper warm wie sonst was, riss ich alle möglichen kleinen und großen Fenster auf – nur langsam „kühlte“ es sich ab. Wir machten uns einen Kaffee und aßen unseren letzten Kuchen mit Saskatoon-Füllung. Schmeckt gut – wir wissen nur nicht, was das ist. Unsere Laune hebte das nur leicht – ich glaube Thomas Laune blieb im Minus-, wenigstens Null-Bereich. Dennoch packten wir den Rucksack: Geld, Wasser und Fotoapparat – wir wollten gleich mal ne Inspektionsrunde drehen. Weil auf diesem Areal keine Toilette ist, suchten wir die nächste laut Plan. Dieser Teil ist u. E. erst nach 2003 als wir das erste Mal hier waren angelegt worden – die Wege sahen sehr neu aus. Wir gingen erst mal bei der Gabelung nach links und kamen auf 2 Zelthäuser zu. Die waren 2003 definitiv noch nicht! Jetzt den Berg wieder runter und wir erspähten ein Toilettenhaus. Dessen Zustand geht, war aber vor Jahren auch noch nicht da. Der Weg führte uns weiter zum uns bekannten Teil. Da stand auf dem Rondell eine riesengroße neue Shelter. Na gut. Jetzt kam unser damaliger Platz – niemand stand drauf! Aber überall hingen Reserviert-Schilder. Die Plätze, die schon belegt waren, waren zum größten Teil mit Zelten bebaut, nur einen Wohnanhänger und einen Van sahen wir. 2 „Klappfixe“ standen im Rondell. Scheint ein verändertes Konzept für diesen Campground zu geben. Nicht nur für diesen Campground – wie wir recht bald feststellen mussten.

   Wir löhnten unseren Obolus von ca. 31 Can$ pro Nacht incl. Fire und machten uns auf den Weg Richtung Beach. Die Wiesen zwischen Beach und Parkplatz war voller Menschen, die mit den unterschiedlichsten Aktivitäten beschäftigt waren: Ballspiele, Picknick, einfach nur Sonnenbaden, Moddern am Wasserrand oder stehend im Wasser. Eine Kanuausleihstation gab es auch, dementsprechend auch Kanupaddler auf dem See. Ich vermisste als erstes das große Schild, welches mir damals das Baden im See vermieste, weil es vor irgendwelchen Algen und Blutegeln warnte und das Baden im See gar nicht empfahl! Gibt es diese Algen und Blutegel nicht mehr? Denn besonders die Kinder plantschten im Wasser umher.

   Wir führten unsere „Wanderung“ fort, bergan die andere Shelter, die sie jetzt Pavillon nennen, zu begucken. War natürlich auch neu und größer! In diesem Pavillon gibt es einen Kamin und feste Bänke. Die losen Bankgruppen müssen sich die Leute da mal hochgeschleppt haben. Diese Bankgruppen gibt es auf der Wiese am Strand und zum Theater hin in Massen und werden auch fleißig durch die Gegend geschleppt, wenn man für sich den geeigneten Picknick-Platz gefunden hat. Dominiert von asiatisch und indisch abstammenden Leuten waren die Wiesen bevölkert, selbst son faltbares Partyzelt war aufgebaut. Grill darf nicht fehlen! An einigen Stellen waren auch feste Feuerplätze eingelassen. Uns verschlug es fast den Atem: Was ist aus diesem schönen ruhigen Platz geworden? Und wird noch? Das haben sie zu einem kommerziellen Naherholungsgebiet ausgebaut. Eine derartige Entwicklung hatten wir nicht erwartet.

   Der Living Bordwalk war ausgeschildert, hat an Qualität aber total verloren. Gut, dafür können sie wohl nix, wenn alles zuwächst. So wie damals überraschend einen Biber zu sehen, ist gar nicht mehr drin. Allein schon, weil es dem zu laut ist. Denn zum Tiere beobachten laufen die Leute da nicht rum. Die dallern da einfach mal so lang… Neu war auch der Steg, der etwas in den See ragte und an beiden Enden ne Bank zum „Ausruhen“ hatte. Zum Beobachten wohl weniger, denn durch den Bevölkerungslärm trauten sich nicht mal die unzähligen Möwen aufs Wasser. Die saßen auf dem Parkplatz und haben da alles voll geschissen einschl. Autos! Nur ein paar Enten schwammen auf dem Teil See, wo keine Kanus hinkamen. Wir schüttelten innerlich nur mit dem Kopf, beguckten uns noch das ukrainische Pioneer House mit dem Brunnen… just spielte einer mit seinem Auto auf dem Parkplatz kurz mal wilde Sau, drehte mit quietschenden Reifen ein paar Runden und scheuchte die Möwen auf. Kann ja heiter werden! Wir gingen zu unserem Camper zurück.

   Wie auf anderen Campgrounds auch schon, dallern hier ne Menge Hunde rum. So auch bei dem Zelt hier am Wanderweg… 3 Dackel haben die mit, die jedes Mal total ausflippen, kommt da jemand vorbei. Als noch am Abend eine französisch sprechende Familie mit 2 Kindern und 2 Katzen – an Leine! – sich aufbauten, war es der Katzen wegen fast vorbei und die Dackel wurden ins Auto eingesperrt. Katzen!!!! Wir fassen es nicht! Thomas will das nächste Mal Goldfische mitnehmen…

   Wir fingen an… natürlich Thomas das Feuer in Gang zu bringen, ließ aber das Kleinhacken der Holzstücke sehr bald nach, da es gar nicht ging. Entsprechend schwer kam das Feuer in die Gänge und blökerte erst mal nur den Camper voll. Ich machte fix alle Fenster zu… Thomas hatte gar keine Motivation und ließ alles vor sich hin qualmen… ich nahm das Brett und wedelte, bis mir fast die Arme abfielen, doch es kamen Flammen! Jetzt fing Thomas an zu kochen, legte Alufolie auf das Rost und brutzelte Würstchen. Er legte noch ne Schicht Alufolie rauf, stellte den Topf mit den Nudel rauf und rührte, bis alles gut erhitzt war. Wir vertilgten alles draußen und ließen die Holzkloben ausblökern, weil wir noch mal zu dem Bordwalk wollten, wussten aber schon jetzt, dass wir zum nachfolgenden Feuer die Nachbarschale nutzen werden…

12.55 h – Wir zogen uns wieder luftiger an, weil es da unten doch wärmer ist als hier, wo etwas Wind geht. Wir nahmen nur den Fotoapparat und unsere Caps mit und gingen los. Inzwischen hatte sich der Campground weiter befüllt und auch die 2 Zelthäuser waren bezogen. Der Partyplatz hatte sich etwas entvölkert, dafür mache ne Indien-Gruppe Lärm für 20, obwohl nur 10 Leute so eine Art Volleyball spielten. Am Stand war auch nicht mehr so viel los und wir schöpften Hoffnung, doch noch irgendwelches Getier außer Enten und Möwen zu sehen. Wir gingen den Weg nun mal links beginnend rum und sahen doch tatsächlich einen Fischreiher. Als Thomas jedoch die Kamera zückte, flog er weg. Pech! Wir gingen langsam weiter – zum Glück waren wir allein – und setzten uns auf eine der Bänke und wollten beobachten. Viel gab es nicht, nur die Enten und einige Möwen, die sich jetzt kleine Fische aus dem See holen konnten, weil keine Kanus mehr rumschwammen… Ach, da fällt mir noch ein: Auf unserem ersten Rundgang nachmittags konnten – nicht nur wir – ein Kanu beobachten, besetzt mit 2 Frauen und 2 Kindern sowie 1 Hund! Dieser war wohl ins Wasser gesprungen. Nun war eine Mutti dabei, den wieder ins Boot zu holen, was nicht gelang. Jetzt fing das kleinere Kind an zu heulen, was kurze Zeit später in panischem Schreien endete. Die Frauen steuerten den Banksteg an und bekamen irgendwie den Köter ins Boot. Jetzt sollte alles wieder gut sein. Aber das Kind dachte nicht daran und schrie unentwegt. Steuerten die Frauen wieder weiter auf den See raus, ging dieses panische Schreien in wütendes Gebrüll über! Wir wissen nicht, wie lange dieses Schauspiel ging, denn wir verließen das Areal. Jetzt war es wesentlich ruhiger auf dem See. Wir diskutierten darüber, dass der Biber wohl abgehauen ist. Einen zu sehen – daran glaubten wir nicht mehr. Erschien uns auch logisch, weil es viel zu unruhig und die eine Seite vom Pontonweg längst zugewachsen war.

   Wir gingen den Weg langsam wieder zurück. Ein älteres Ehepaar kam uns entgegen, fotografierten etwas. Sie waren auch sehr leise und vorsichtig. Wir schlichen nun auch zu der Stelle, weil wir wissen wollten, was interessantes es da zu fotografieren gab. Wir entdecken erst mal nur ne Blume. Mir gelang eine Aufnahme von ner Libelle. Wir sahen im Wasser paar Blasen aufsteigen und äugten da hin, was wohl die Ursache sein konnte. Mit einem Mal sah Thomas eine Bisamratte, die nunmehr am Gras knabberte. Wir fotografierten und beobachteten sie und sahen nach ner Weile noch eine zweite. Großen BocK auf Bisamratten hatten wir nicht gerade, uns wäre Biber lieber gewesen. Wir mussten uns mit den Bisamratten oder Nutrias zufrieden geben – wenigstens etwas. Jetzt war es mit der Ruhe auch vorbei, denn ein Pärchen mit Kinderkarre kam auf den Holzsteg gekurvt… keinen Blick hatten sie für die Tierchen. Diese verzogen sich auch recht schnell. Das Abenteuer war beendet und wir zockelten wieder nach „Hause“. Die Baustelle hatte inzwischen Feierabend – es war schon ein Genuss, die Quake nicht mehr zu hören – und nutzten die Gelegenheit, uns diese mal genauer anzuschauen. Sieht aus, als ob da noch ein Parkplatz gebaut wird. Jedenfalls ist ne große Fläche planiert und ne Dumpstation gebaut. Campground wird das doch wohl nicht werden?!

   Hier wieder angekommen, herrschte natürliche Stille. Nur das Gekreische der Volleyballer war noch etwas zu vernehmen. Ach und das Baby von den Zelthäusern schrie noch mal kurz. Wir trugen unser Holz zur Nachbarfeuerstelle und züngelten das Feuer an. Nebenher beobachteten wir die anderen hier: Mutti mit dem alten Ford stieg erst mal in diesen ein und fuhr zum Klo. Papi ging mit Hund in den Busch. Dann kam die Fanzosenfamilie: Als erstes wurde der Grill ausgeladen und ne Tischdecke ausgelegt. Jetzt folgen 1, 2, 3, 4 Stühle, inzwischen hopsten 2 Jungs mit draußen rum. Markise wurde ausgefahren und die Fernsehantenne. Er fing an, aus Dosen was in den Topf zu tun… wo war Mutti? Man sah noch 2 Beine und die 2 Katzen! Ein Feuer wurde nebenbei angemacht und dann gespachtelt. Nach dem Essen sind alle 4 los, wohl auch ne Inspektionsrunde zu drehen. Inzwischen qualmte deren Feuer dem Ende entgegen. Wenigstens kam der Qualm nicht zu uns.

   Wir haben aber nicht nur Leute beobachtet. Nach dem Abendessen hatte ich noch ne halbe Gurke abgeschält, die wir im Schatten stehend außen. Aus dem Wald kam ein Eichhörnchen angesprungen – die Neugierde war dem kleinen Tierchen anzusehen. Es hopste immer näher… rauf auf die Bank,… rauf auf den Tisch und machte sich über die Gurkenschalen her. Wenigstens hatte Thomas ein Handy in der Tasche, der Fotoapparat lag natürlich auf dem Tisch. Einige Gurkenstreifen knabberte es an bis es noch die anderen Sachen auf dem Tisch beschnupperte, wieder runter hopste und nun die Paint-Pots-Tüten ins Visier nahm, ehe es unter dem Camper verschwand und da irgendwo reinkroch, um einen Höllenlärm zu veranstalten. Diese Begebenheit munterte uns doch etwas auf. Wir machten es uns an unserem Feuerkessel gemütlich und schoben die dicken Kloben nacheinander rein. Die anderen zum Trocknen lagerten am Rand des Kessels. Wenn sie Feuer fingen, gingen auch die in den Feuertrog. Es loderte gut und bei 2 Dr. Pepper mit Wodka stieg die Laune weiter. Jetzt hier Trübsal blasen oder sich von schlechter Laune runterziehen lassen, bringt uns nicht weiter. Wir sind uns aber einig, dass wir diesen Park nicht noch mal ansteuern brauchen. Das ist uns viel zu organisiert, viel zu unruhig. Nicht mehr das Natürliche, wie wir es 2003 erlebt haben. Und nur zum Wandern brauchen wir nicht hier hoch karren.

   Mitternacht sind wir in die Betten – ich bin dann ¾ 8 vom Piepen der rückwärtsfahrenden Baufahrzeuge und Schulterschmerzen wegen der Kuhle wieder aufgewacht. Ich stand auf, während Thomas noch liegen bliebt, rauchte eine und setzte mich drinnen zum Schreiben hin. Thomas verweilte bestimmt noch ne halbe Stunde in seiner Koje, ehe auch er aufstand und das Frühstück machte. Wir hatten ja heute keine Eile. Deshalb haben wir auch nicht gleich abgewaschen. Die Notdurft musste entrichtet werden, Thomas hat sich dann auch gleich da gewaschen, ich machte das lieber im Camper. Wir zogen uns zur Wanderung an, packten wieder den Rucksack, Thomas hing sich die Kamera um und wir nahmen Wanderweg Nr. 6 „Lakeview Trail“ in Angriff. Da war es halb 11. Diese Wiese fing an sich zu beleben, wir gingen zum dem Wanderweg, die Bevölkerungslaute verstummten immer mehr, nur dieses Baufahrzeug nicht! Der Wanderweg begann mit einer Barriere und dem Hinweis „Bisons on area!“ Na, da sind wir mal gespannt! Guter Hinweis, aber keiner, wie man sich verhält, trifft man wirklich welche. Gehen die einem aus dem Weg? Oder müssen wir das tun? Können die auch auf Bäume klettern? Oder rammen die die um, wenn man da endlich hoch gekommen ist? Kommt man die überhaupt hoch? Diese Fragen beschäftigten wenigsten mich, während wir den schmalen Pfad lang gingen, der auch stark mit Bärenklau bewachsen war. Obendrein hatte man noch darauf zu achten, diesen nicht zu streifen… Ich hatte zwar meine Moskitokappe auf, war aber kurzärmelig unterwegs. Eine Bank tauchte auf – kein Bison saß drauf. Die stand aber in der prallen Sonne und hätte man sich gesetzt, wären nur Büsche, aber kein See zu sehen. Weiter diesen Pfad durch den Wald – Lakeview war nicht drin! Ob durch dieses dichte Gestrüpp tatsächlich Bisons laufen? Ab und an war ja mal was Trampelpfad ähnliches zu sehen, aber kein Bison. Mücken und Fliegen begleiteten uns – wenigsten am Kopf hatte ich Schutz. Thomas lief mutig weiter so. Dann kam eine Plattform, zwar auch in der prallen Sonne, aber wenigsten Wind und wir machten ne kleine Pause. Ich rauchte eine – hab ja immer meinen Aschenbecher dabei! – lüpfte meine Mütze und wir sinnierten über die Biberburg, die in diesem Tümpel zu sehen war. Was sollte ein Biber noch hier? Nur ein kleiner Teil dieses Gewässers war noch relativ sauber, auf dem eine einzige Ente schwamm. Der Rest war bewachsen oder mit Algen bedeckt. Hier hauste schon lange keine Biberfamilie mehr. Es war aber eine schöne große Burg.

   Wir hatten uns genug ausgeruht und abgekühlt und gingen den Rest des Weges weiter. Zum zweiten Mal überholten wir die etwas ältere Dame mit den Nordic-Walking-Stöckern und trafen just bei den Holzstegen auf 3 weitere Pärchen, die nicht gerade ruhig diese kleine Wanderung antraten. Wegen meiner Moskitomütze fragten sie, ob‘s viele Mücken gibt und sie Mückenspray brauchen. Wir bejahten das… schon schieden sich unsere Wege. Wir schlüpften wieder durch diese Barriere, die die Bisons aufhalten soll. Sollten die nicht rein oder nicht raus? Ob die sich von so einer kleinen Ecke aufhalten lassen? Fragen, die wir nicht mehr beantwortet brauchen, wir haben weder hier noch da Bisons gesehen.

„Lakeview Trail – 1 – 2 h, 3,5 km, gentle terrain of South Gate on Cookson Road – poplar and spruce forest, great views of Astotin Lake, islands, beaver and waterfowl“… Nun ja, kam ja fast hin, außer Blick auf den See und den Biber…

   Ich wollte noch mal zur den Info-Tafeln, die die Entstehung dieses Parks beschreiben und bebildern. Da war u. a. eine, die zeigte, wie schon 1940/50 der Strand zum Leben erweckt wurde. In Massen haben sie in dem See gebadet und auch ein Parkplatz war proppevoll. Irgendwann müssen sie dann ja festgestellt haben, dass der See nicht gut zum Baden ist. Auch wenn heute kein Hinweis mehr zu sehen ist, baden die Leute nur zögerlich dort. Oder scheuen sie doch nur das bräunliche Wasser? Wir verweilten noch wieder im Schatten auf einer Bank und beobachteten die Bevölkerungszunahme auf den Wiesen. Etliche Kindergruppen waren eingetrudelt. Schulklassen oder Kindergartengruppen. Jedenfalls bevölkerten sie den Spielplatz oder hatten so eine Art Exkursion. Auf dem Rückweg über dem Campground sahen wir nur Reserviert-Schilder bis auf den letzten Platz! Selbst hier oben wurden heute morgen 3 Zettel angebracht, auch bei dem von den Franzosen. Dachten wir erst, die parken nun um, sind sie aber von dannen gefahren. Auch die Zelter haben zusammen gepackt und sind samt ihren Dackeln weg. Wann ist denn hier check-out-time?

   Schon auf dem Weg zum Mobil hatten wir den Gedanken, nun wohl doch Kontakt mit dem Dinosaurier-PP aufzunehmen und einen Platz zu reservieren. Wir kramten die Unterlagen zusammen, machten uns aber erst mal ein Schälchen Cornflakes und diskutierten unseren Plan weiter aus. Wollen wir noch zum Dino-Park? Dann sollten wir versuchen, vom Office aus ne Reservierung zu organisieren. Wird uns der Dino-Park genauso enttäuschen wie dieser hier? Dann sind wir die Ecke mit 300 km umsonst rumgedallert. Thomas studierte noch Unterlagen von Wetaskiwin und Stettler. Hier wollten wir ja auch noch ran. In der Gegend sind auch mehrere Campgrounds – der Abstecher zum Dino-Park erschien uns immer „hektischer“. Wir beschlossen, diesen nun auszulassen. Er ist uns ja nicht mehr unbekannt. Viel größer ist die Sorge, dass wir vielleicht von den Massen an Menschen dort enttäuscht sein könnten. Lieber wollen wir noch etwas Unbekanntes sehen. Da werden auch Menschenmassen sein, aber es kann nicht eine Erinnerung kaputt machen. Vom Dino-PP bis Calgary sind es dann auch gut 300 km, Thomas mag solchen Ritt am Ende auch nicht mehr haben. Also ändern wir unsere Route ab und gehen dem mühseligen Reservieren aus dem Weg! Also konnte ich diese ganzen Zeilen schreiben, Thomas kochte inzwischen Kaffee und wir haben noch wieder Neuankömmlinge – reservierte – beobachten können. Als erstes wurde natürlich wieder der Grill ausgepackt. Nun war Platz für Holz und man fuhr mit dem Camper zum Holzstapel… Das Einleveln war auch lustig: Bretter wurden hinter die Räder gelegt. Statt nun nur einfach rückwärts zu setzen, wurde mit dem ganzen Mobil vorgefahren, um dann auf die Bretter zu rollen. Umständlich! Aber es hat auf Anhieb geklappt! Holz wurde ausgelagert… die haben viel vor! Dann erfolgte das übliche Einrichten des Platzes mit Ausfahren der Markise und dem Auspacken von irgendwelchen Kisten. Man ist noch nicht fertig…

   Zwischendurch hat sich auch ne Picknick-Gruppe hierher verirrt. Die hatten wohl keinen Bock, ihr Zeug vom Parkplatz auf die Wiese zu schleppen. Mutti machte sich erst mal einen Drink – sogar mit Eiswürfeln aus der Kühlbox!, Opi bastelte sich einen Spieß für die Würstchen, 4 Stühle wurden ausgepackt und ein Feuerchen angezündet – so sitzen sie eben da und lassen sich den Tag gefallen!

   Wir wollen jetzt noch eine Kanutour machen. Der Wind ist recht frisch hier, noch ist Schatten. Die Bauarbeiter haben auch längst ihre Mittagspause beendet und sind am Lärm machen. Inzwischen ist es 14.35 h und meine Hand tut weh. Also ab zu den Kanus!

Donnerstag, 06.07., 19.40 h – Wir sind in Wetaskiwin

Wir packten wieder unseren Rucksack, dieses Mal auch die Regenjacken dabei – man weiß ja nie, wie frisch das so auf dem Wasser wird. Am Kanuverleih angekommen, knobelten wir aus, was wir wohl nehmen: ein Kanu oder ein Tandem-Kajak? Zum Glück sprach der eine Deutsch, so dass ich ihm nicht so umständlich beibringen musste, dass ich mal das Sitzen im Kajak ausprobieren möchte. Ich fand die Position sehr bequem und wir entschieden uns für das Tandem-Kajak. Nun versuchten wir trockenen Fußes in das Teil zu klettern: erst Thomas, weil er hinten saß, dann ich vorn, weil ich kleiner bin. Ich hatte noch verstellbare Fußstützen, was sich als angenehm und hilfreich offenbarte. Wir wurden ins Wasser geschoben und schaukelten erst mal schön. Gleich zu Beginn ne Wendung vollziehen, klappte wunderbar und wir konnten auf den See rauspaddeln. Rhythmus hatten wir mal gar nicht, aber wir kamen vorwärts und kleckerten uns erst mal die Klamotten nass. Nach einigen Minuten hatten wir unseren ganz eigenen Stil entwickelt: mal paddelt Thomas, dann ich und so wechselten wir uns ab. Sehr schnell hatten wir auch die Technik raus, wie wir unser Bekleckern vermeiden können. Wir versuchten auch einen gleichmäßigen Paddelzug, aber Thomas wurde immer schneller – ich weiß nicht, wo er so eilig hin wollte… Aber wir hatten UNSEREN Rhythmus gefunden. Die Kurven vollzog Thomas, weil er wesentlich mehr Kraft hatte, das Paddel ins Wasser zu stechen. Bei mir funktionierte das einfach nicht. Wir schipperten um eine große Insel und freuten uns, dass der Wind nur sehr schwach war. Den Tag zuvor wehte vom See her ne gute Brise. Unsere Sachen trockneten wieder schnell ab, nur der Rucksack wurde nass, weil im Kajak an sich schon etwas Wasser auf dem Boden war.

   Ich für meinen Teil saß recht bequem, dennoch schliefen mir Nors und Beine ein. Aber kurz mal die Stellung gewechselt und die Anspannung gelockert, war es wieder gut. Wir schauten zwischen durch mal auf die Uhr, um zu sehen, wie weit man mit einer Stunde kommt. Das hätte uns wohl auch gereicht, wenn wir nicht beim Umpaddeln einer zweiten Insel drei Rehböcke erspäht hätten. Ein Stand-Up-Paddler sah sie auch und beide Wasserfahrzeuge näherten sich dem Ufer langsam und fast lautlos, um die 3 Rehe zu beobachten. Thomas knipste etliche Fotos, bis sie wieder ruhig im Wald verschwanden. Der Stand-Up-Paddler zog von dannen, wir umkreisten nun die Insel langsam, um die Rehe eventuell noch mal zu entdecken. Wir paddelten einmal komplett um die Insel und ich sah etliche Stelle, wo man sie hätte sehr schon fotografieren können. Aber da zeigten sie sich nicht. Wir paddelten noch in die Nähe des Plastikstegs, guckten auf die Uhr – ne, nun schaffen wir die Stunde nicht mehr und beschlossen, nochmals um die Insel zu paddeln. Und tatsächlich sahen wir sie nochmals. Thomas versuchte noch ein Foto, aber der Wind trug unsere Witterung zu ihnen und weg waren sie. Trotzdem war es spannend, so schleichend um die Insel zu paddeln. Wir unkten: kein Wunder, dass man die Tiere auf den Inseln sieht, aufm Festland ist so viel Trubel – die haben keinen Bock mehr. Wir freuten uns über dieses Erlebnis und nun wurde es Zeit, wieder an Land zu gehen. Wir wollten keine dritte angebrochene Stunde zahlen. Wir waren dann jedoch früher als gedacht wieder angelandet und haben nun für ne ½ h noch 10 Can$ + Steuer nachgezahlt. Wir waren sehr zufrieden mit unserer 1 ½ stündigen Kajaktour und befanden, dass dies sich besser als ein Kanu bewegen lässt. Frohen Mutes gingen wir zu unserem Camper zurück – mit arg knurrendem Magen… wir hatten so einen Knast!

   Thomas fing an, das Feuer zu entfachen, ich begann die Päckchen zu basteln: Es sollte gegrillte Chicken-Brust mit Tomaten und Zwiebeln, dazu Bohnen und Süßkartoffel geben. Letzteres war bereits fertig, aber die Brüstchen dauerten doch fast ne Stunde, ehe sie durch waren. Es war nicht leicht, das Feuer so zu regulieren, dass nicht alles verbrennt. Langsam garen war angesagt, aber unser Hunger war nicht so wirklich dafür. Doch nun war es so weit und wir ließen es uns schmecken. Total satt meinten wir, die Bohnen hätten nicht gebraucht, aber nun waren sie eben gegessen. Da der Campground inzwischen auf fast allen Plätzen, außer den Zeltplätzen, belegt war, nutzten wir unsere Feuerstelle, konnten aber wegen des Qualms keine Türen und Fenster offen lassen. Nur die 2 Fenster zu den anderen Plätzen gegenüber. Es ging noch mit der Wärme im Camper. Ab und an beobachteten wir unser Gegenüber, wie er immer betrunkener wurde. Denn wie er mittags fertig war mit dem Aufbau haute er sich eine Bierdose nach der anderen in seinen Schlund und lallte nun schon laut. Gemütlich an unserem Feuerchen sitzend, amüsierten wir uns. Andere hatten noch Besuch bekommen, der aber pünktlich um 10 abhaute. Jetzt kehrte totale Still ein – Baulärm war schon seit ein paar Stunden nicht mehr zu vernehmen und die anderen Camper waren auch längst ruhig.

   Nach dem Abendessen amüsierten wir uns noch köstlich über ein neugieriges Eichhörnchen. Ich hatte den Müllsack schon rausgestellt. Diesen nahm es sich nun vor und zerfledderte ihn. Ich brach das ab, steckte alles in eine neue Tüte und legte sie woanders hin, wo wir einen besseren Blick drauf hatten. Das Eichhörnchen kam wieder und guckte ganz blöd „Äh, hier lag doch eben noch was…“ Natürlich fand es die Tüte an der neuen Stelle und legte wie ein Berserker los. Thomas filmte das nun mal und wir mussten uns so das Lachen verkneifen! Wieder unterbrach ich das Geschehen. Muss ja nicht sein, dass dieses Tierchen Plaste schluckt und stellte die Tüte jetzt in den Camper. Wieder kam es an, suchte an beiden Stelen, guckte uns fragend, dann sogar böse an und zog unter unserem Camper ab. Den Abend kam es nicht wieder.

   Wir saßen noch am Feuer, standen sogar paar Mal auf, um der Hitze zu entfliehen, so gut gefüttert hatten wir den Kessel. Als wir um 11 oder auch kurz danach – unsere 3 Bierchen pro Person waren weggeschluckt – musste ich sogar das Feuer ablöschen, weil es noch zu doll brannte. Hätte ich mir vielleicht sparen können, denn halb sechs wurde ich von Regen geweckt. Aber so konnte ich bis dahin ruhig schlafen. Wir gingen pinkeln und legten uns wieder hin, Augenbinde gegen die Helligkeit auf, schlief ich noch bis halb 9. Thomas stand auch gleich mit auf und wir begannen einen neuen Tag. Irgendwie freuten wir uns, diesen Platz zu verlassen, bot er uns nicht mehr die Freude wie damals. Zu stark hatte er sich in unseren Augen zum Nachteil verändert. Die Kanadier sehen das bestimmt anders, können sie doch mit den Motorrädern durch den Park heizen wie die Irren. Pech war bestimmt auch, dass wir den Zeitpunkt der Bauarbeiten erwischt haben. Aber wir glauben, auch in ein paar Jahren wird es kein Anlaufpunkt für uns sein. Wir machten also Frühstück, wuschen ab, jeder erledigte seine Morgentoilette, alles wurde aufgeräumt und verstaut, schon parkte Thomas wieder aus – es war ca. halb 11. Ohne am Office vorbeizufahren, nahmen wir gleich die direkte Ausfahrt und machten uns raus aus dem Park Richtung Highway. Keine Tiere zu sehen! Wir biegen rechts ab auf den Highway – da stehen hinterm Zaum 4 Bisons, ein kleines Stückchen weiter noch einer. Hier treiben sie sich rum! Erfreuen konnte uns das nicht wirklich, aber wir haben 5 Bisons gesehen!

   Die Fahrt sollte nun zum Alberta Central Railway Museum gehen. „Dschienie“ führte – wollte uns führen! – eigenartige Wege – vor allem durch Edmonton. Das wollten wir vermeiden und sind unsere Wege gefahren. Irgendwann gab sie auf und meinte „…stay on road“. Doch nach vielen Kilometern wollte sie uns permanent rechts über Gravelroads schicken. Thomas verweigerte das und fuhr trotz aller Achtsamkeit einen großen Bogen. War nicht weiter wild – wir hatten das Museum endlich gefunden. Mitten in der Prärie, auf dem Weg dahin etliche Farmen. Den Farmern muss es gut gehen, das waren größtenteils prächtige Häuser, die sie da stehen haben. Und wieder viele Rapsfelder, auch Getreide und Gemüse – schönes Farmgebiet. Mittags halb eins oder so kamen wir bei sengender Hitze an. Der kleine grüne Parkplatz war leer… nur wir. Ich rauchte erst mal eine und schon wie wir am Vorbereiten des Museumsgangs waren, kam noch ein Auto: 2 Erwachsene und 2 Kinder. Wir gingen alle zum Eingang und sahen schon die alten Waggons und Loks. Alles mächtig herunter gekommen, aber so es ist besser, als wenn sie die unendlich aufpoliert hätten. Wir kamen zur Kasse – ein klimatisierter Raum. Das tat so gut! Die anderen 4 wurden abkassiert und eingewiesen, wir hörten gleich mal mit zu. Halb 2 sollte auch ein Zug fahren – wir hatten noch ne halbe Stunde, um erste Eindrücke zu sammeln. Schon war es an der Zeit zur Station zu gehen, um den Zug nicht zu verpassen. Thomas reagierte nicht schnell genug oder fand sich gestört von einer weiteren Passantin, die kurz vor dem Zug noch angelaufen kam. Thomas wollte sofort in den ????, ich wollte lieber im alten Royal Canadian sitzen… ehe wir ne Entscheidung finden konnten, wurden wir in Thomas seinen Waggon zum Einsteigen gebeten. Wat ne Demse da drin! Aber egal. Den Spaß wollten wir uns nicht verderben lassen. Hatten wir doch unsere Heftchen zum Wedeln. Die Runde um das Gelände am Elevator (=Speicher) vorbei und einem anderen Zug sowie durch ein Getreidefeld dauerte knapp 10 Minuten. Der Waggon schaukelte sehr, aber wir waren erstaunt, dass für 11 Leute – inzwischen war noch ne Frau mit 4 Kindern bekommen – für nur 4 Can$ pro Person dieser Zug überhaupt in Gang gesetzt wurde. Wieder am Bahnhof angekommen, fuhr er noch ne Runde. Schön! Unser Respekt wuchs und wir stellten uns die Frage: Wie finanzieren die das bloß? Nach der zweiten Runde waren wir in einen anderen Waggon geleitet worden und wurden mit Kaffee, die Kinder mit Orangensaft, und Keksen versorgt. Kostenlos! Der Eintritt hatte für uns insgesamt knapp 25 Can$ gekostet – einschließlich Zugfahrt und Kaffee!!! Natürlich füllten wir ohne zu zögern mit einigen Dollars die Spendendose. Nun hatten wir Zeit, uns das Gelände und die Gegenstände genauer zu betrachten. Dabei sahen wir auch etliche kleine Schilder an den Schienen, die als Dank für die Sponsoren angebracht waren. Viele deutsche Namen! Wir erkundeten das Innere des Speichers, des Schneepfluges und des Carboos‘. Es roch zwar alles nicht angenehm dort, aber interessant war es dennoch. Es ist schon beeindruckend, was die dort zusammengestellt und gesammelt haben. Wir wollten noch in den Giftshop, aber die Dame musste wieder los – die nächste Zugabfahrt stand an. Wir können doch auch noch mitfahren… weil Thomas aber den Zug filmen wollte, lehnten wir dankend ab und der Zug fuhr für die Frau mit den 4 Kindern und einem Ehepaar, welches übrigens auch hier auf dem Campground ist – nochmals die 2 Runden. Wir durften derweil im klimatisierten Office warten und betrachten hier alles ausgiebig. Sie öffnete wieder ihren Giftshop und wir durchstöberten die Sachen, fanden geeignete T-Shirts für die Jungs. Thomas nahm noch 2 Pins mit und mit gegenseitigem Dank verabschiedeten wir uns. Ca. 16 Uhr verließen wir das Gelände wieder und steuerten jetzt Wetaskiwin an. Waren ja nur 16 km. Eine Stadt nach unserem Geschmack: sehr übersichtlich. Wir sahen eingangs sofort einen Liquorstore und einen Foodstore, wollten aber erst mal die Visitorinformation anfahren. Auch die war schnell gefunden.

   Ach herrje – ich vergesse ja wieder ein wichtiges Detail! Wir waren noch nicht ganz drin in der Stadt, als Thomas sah, dass ein Zug anrollt. Fix rein in die nächste Straße und zum Bahnübergang gelaufen. Er schaffte es gerade noch, jedoch tutet diese Lok gar nicht und hatte keine Zwischen- oder Endlok. Ob das den Aufwand gelohnt hat? Jetzt setzten wir unseren Weg fort und just wie wir auf die Hauptstraße wollten, klingelten die Schranken wieder und aus der Gegenrichtung fuhr ein Zug an. Doch den ließ Thomas ziehen.

   Wir fanden ohne Schwierigkeiten die Info und fragten nach einem Campground. Uns wurde dieser hier – der Lions RV-Campgrouand – empfohlen. Als ich las, dass der nur 50 Plätze hat, fragte ich, ob sie wüsste, ob für heute Nacht noch ein Platz frei wäre. Sie telefonierte sofort mit dem Campground und ja, es ist was frei. Wir bedankten uns und begaben uns erst mal zum Campground. Irgendwo unterwegs sah Thomas, dass es 30 °C sind. Kein Wunder, wenn wir uns so fertig fühlten. Wir kamen an und erzählten der Frau, dass die Dame von Visitorcenter angerufen hätte… wird sind die, die hier übernachten wollen. Die Registrierung war unkompliziert: für 30 Can$ erhielten wir einen Platz mit Strom und Wasser. Nettes Plätzchen. Allerdings noch mal zu Fuß in die Stadt ist nix, als Thomas mit Fingermaß gemessen hatte! Gleichfalls müssen wir „RV“ für uns wirklich anders definieren. Alles ist schön begrünt, auch wenn die Plätze alle dicht aneinander sind. Trotzdem ist es sehr idyllisch hier. Wir trafen auch gleich auf den Cowboy aus dem Museum – er fuhr nach uns auf den Platz, hatte seinen Trailer aber schon längst stehen.

   Eine Bullenhitze hier, zogen wir uns wieder mal luftiger an und fuhren nochmals in die Stadt zum Einkauf. Thomas wollte eine „Weiße Eule“ nicht nur sehen (auf dem Gelände des Museums schreckten wir eine auf, die zwischen aufgestapelten Gleisen schlummerte), sondern auch trinken. Also wurde der Whisky für knapp 39 Can$ gekauft. Noch ein Sixpack Beer… nun noch einen Lebensmittelladen finden. Siehste da! Da ist ein Walmart. Nun freute sich Thomas auf die fertigen Chicken – dann bräuchte ich nicht kochen. Wir duchsuchten den ganzen Markt, packten Nudeln, Cornflakes, nochmals Offspray und Kaffee ein und fanden auf der Suche nach diesen Hot-Chicken noch Spinner für Moritz. Chicken haben wir nicht gefunden. Thomas war sehr, sehr enttäuscht und ich muss nun doch kochen! Wieder auf dem Campground levelte Thomas ein, schloss Strom und Wasser an und ich brachte die Klimaanlage in Gang. Es war im Camper nicht auszuhalten. Dieser musste erst mal runter gekühlt sein, damit ich da stehen und kochen kann! Es sollte Bratwurst mit Pilzen und Zwiebeln dazu Kartoffeln geben. Während der Brutzelei kam ich ordentlich ins Schwitzen. Wir aßen draußen, währenddessen sollte die Klimaanlage weiter kühlen. Leider habe ich das Ding ohne Brille nicht richtig eingestellt und es heizte! Schei…! Wir haben das Teil dann noch ne Stunde laufen lassen, die Sonne steht inzwischen nicht mehr drauf und kann nun so auslüften.

   Ich setzte mich nach dem Abendessen gleich ans Schreiben, Thomas durchkramte alle Prospekte, besonders das Info-Material vom Museum. Ich schrieb immer noch, Thomas machte noch ein Feuer an, bevor er sich duschen ging, ich schrieb weiter. Nun ist er wieder da, ich schreibe immer noch, bin aber auch mit den Aufzeichnungen jetzt auf dem Laufenden und will die „Weiße Eule“ am Feuer genießen – es ist jetzt 21.50 h!

Freitag, 07.07, 16.15 h – Wir stehen in Stettler…

Wir saßen noch etwas an unserem kleinen Feuer – der Alte mit seinem alten kleinen Anhänger war schon zu Bett, auch der Cowboy hatte sein Feuer schon gelöscht. Um das bisschen Feuer betrachten zu können, blieb mir nichts weiter übrig, als auf diesen alten Anhänger zu gucken. Aber es gab ja rund herum sowieso nicht viel zu sehen. Der Campground an sich war gut. Wird nicht zu den Favoriten gehören, aber er war nicht so schlimm wie der im Elk Island Park! Wir zogen noch einige Eulen in uns rein… Thomas sah auf dem Dach von dem Ami-Camper eine Art Greifvogel sitzen… Das kam aber nicht von unseren Eulen… morgens sahen wir, dass hinten auch son Vogel saß. Der hatte sich nen Spaß erlaubt und 2 Attrappen dort platziert. Hat fast geklappt! Gegen halb 12 sind wir in die Kojen und haben erst mal bis ½ 5 oder so gepennt, ehe das Pinkeln erforderlich wurde. Wir schliefen noch wieder ein und standen dann ½ 8 auf – da waren die ersten schon wieder weg und andere fleißig am Packen. Wir starteten unsere allmorgendlichen Aktivitäten: Frühstück, Abwaschen, Duschen. Erzählte mir Thomas abends noch, dass das Duschwasser schön warm ist, war es heute bei mir nicht so. Ich war aber auch ziemlich spät dran und alle anderen vor mit haben wohl das heiße Wasser aufgebraucht. Es war jetzt nicht eiskalt, ging noch gerade so, obwohl ich voll auf „hot“ gestellt hatte. Mit der Zeit hatte ich mich dran gewöhnt und ich duschte ausgiebig samt Haare waschen. ½ 11 verließen wir dann den Platz. Gleich links abgebogen, nahmen wir erst mal Camrose ins Visier. Das waren nur knapp 20 km und die Stadt durchfuhr sich recht gut. Ohne Probleme fanden wir die Ausfahrt nach Stettler und hatten jetzt die …. Schnurgerade unter den Rädern. Einmal hüpfte vor uns ein Reh auf die Straße, Thomas bremste leicht ab, da überholte uns ein Truck, obwohl Gegenverkehr war. Käme ja auch nicht schlecht, mal so einen Crash zu sehen – aber Gott sei Dank nicht… macht keinen Spaß, erste Hilfe zu leisten. Ich jedenfalls bin darin überhaupt nicht gut. Gut, dass die Fahrt ohne so ein Vorkommnis weiter ging.

   Es kam doch tatsächlich ne Kurve und dann ein Tal. Unten war ein See und dieser war auf einer Brücke zu überqueren. Es gab auch einen Point zum Halten, Thomas nutzte den sogar. Auf dem See schwammen 2 Schwäne…ach nein, sie entpuppten sich bei näherer Betrachtung als Pelikane. Just kamen noch zwei angeflogen. Wir versuchten sie aufs Foto zu bannen. Mal schauen, ob sie zu erkennen sind. Fische müssen da drin sein, allein schon deshalb die Pelikane hier, aber auch ein Hinweisschild bat im Umkreis von 25 m der Fischtreppe nicht zu angeln. Welche Fische da nun sind? Keine Ahnung. Lachse, dachte ich, brauchen klares Wasser. Dieses war aber recht trübe. Der See muss auch ein Teil eines Flusses sein, denn leichte Bewegung – Strömung wäre übertrieben – herrschte da und es war auch ein Hinweis für die Kanuten, dass eine Portage möglich ist. Wir beendeten unser kleines Verweilen und fuhren weiter – rechts und links wieder viele Farmen mit Getreide- und Rapsfeldern. Und natürlich wurde Heu in Massen gemacht. Einige Ranches waren ebenfalls vertreten. Irgendwo sah ich gerade noch ein Reh am Äsen. Rehe haben wir bisher als größtes Wildtier gesehen – abgesehen von den Bisons hinterm Zaun. Ich muss mich mit den vielen bunten, sehr hübschen Blumen und den Vögeln begnügen. Gut, die Vögel sind sehr schwer zu fotografieren und die Blumen sehen als Fläche sehr schön aus, kommen dann auf dem Foto aber nicht mehr so gut. Ach, es geht auch so – ich erfreue mich daran.

   Es dauerte nicht lange und wir kamen nach ca. ½ 1 Stunden in Stettler an und fanden auf Anhieb die Railway Station, nur Thomas den Parkplatz links nicht und wurde leicht grantig, weil der Hauptparkplatz voll mit Pkws und Trucks war. Er umkreiste das Fire Department – als Feuerwehrmann weiß er, dass man da nicht parken sollte. Ich lotste ihn nun, weil er auf mich hörte, zum Parkplatz B, weil dort schon 2 Camper standen. Diesen Parkplatz hatte er bei seinem konzentrierten Blick auf den Speicher gar nicht registriert. Nun denn, jetzt war alles gut und wir gingen ins Office. Bei sengender Hitze tun diese klimatisierten Räume echt gut. Mein Hirn war schon wieder mal matsch, aber ich brachte unser Anliegen zustande und die gute Frau verstand, dass wir für morgen die Zugfahrt mit Buffet nach Big Valley buchen möchten. Sie erledigte die Formalitäten, von Thomas Kreditkarte gingen 336 Can$ ab, obwohl alles auf meinen Namen läuft. „Kreibich“ zu buchstabieren fällt mir schwerer als „Pommer“. Und jetzt kommt auch wieder das intensive Buchstabieren meines Vornamens aus der Schulzeit zum Vorschein. Wir befragten die Dame noch nach einem Campground, sie zeigte uns 3 auf der Karte. Wir bedankten uns und verabschiedeten uns bis morgen.

   Es ist so warm hier und wir hatten keinen Bock noch irgendwie durch die Gegend zu laufen. Wir wollten nun erst mal die Campgrounds suchen und uns einen Platz sichern. Etwas lasen wir den Plan falsch und fanden als erstes den Campground, den wir als letzten auf der Liste hatten. Einen sahen wir bei ner Straße durchluken, waren uns dabei nicht sicher, ob das überhaupt einer ist oder doch nur ein Abstellplatz, weil kein Baum zu sehen war. Wir durchfuhren nun unseren „ersten“ Campground und mussten feststellen, dass dieser äußerst gut besucht ist und nur noch 2 freie Plätze zu erkennen waren! 2 weitere waren bereits mit Stühlen und einem Pkw als „besetzt“ gekennzeichnet. Noch ne Runde rum… ne, es ist tatsächlich so. Zwar auch ähnlich einem Parkplatz, aber die Flächen sind sehr großzügig ausgelegt. Wir fotografierten jetzt den Plan und durchfuhren das Areal nochmals, weil wir wenigstens Strom haben wollten, damit die Klimaanlage laufen kann. Viele Bäume stehen hier nicht, aber es weht wenigstens ein Lüftchen. Und ne Markise wie die meisten hier, haben wir nicht. Also nochmals ne Runde und wir entschieden uns für Platz 8 – nur noch Platz 12 wäre verfügbar –, denn ein Bäumchen steht hier wenigstens noch, welches jetzt schon Schatten spendet. Für 26 Can$ mit Strom und Wasser entschieden wir ist das ein guter Platz und bereiteten unsere „Kennzeichnung“ vor. Self-Registration ist hier und wir waren uns immer noch nicht sicher, ob dieser Platz wirklich noch unbesetzt ist. Ich füllte das Tütchen schon mal aus, bestückte es mit Geld und klebte ein Zettelchen an den Stromkasten. Gut, dass ich Klebestreifen mit habe! Thomas schloss Strom an und wir ließen sofort die Klimaanlage laufen. Thomas seine Idee, zu Fuß in die Stadt zu laufen, lehnte ich wegen der Hitze ab. Wir bereiteten uns ein Schälchen Cornflakes und sinnierten, wie wir noch unsere „Besetzung“ kenntlich machen können. Noch war ich nicht bereit, das Geld in den Schlitz zu stecken, um dann nachher für mich als große Komplikation das Geld zurück zu verlangen! Wir schmiedeten den Plan, unseren Teppich – übrigens typisch, so einen vor die Tür zu legen, was uns wohl nicht ganz so offensichtlich als deutsche Touristen ausweist – mit den Stühlen drauf als Markierung zu hinterlassen, während wir in die Stadt fahren und die Mainstreet auf und ab schlurfen. Gesagt, getan. Das Geld können wir immer noch reinschmeißen…

   Der Camper hatte sich schon etwas runter gekühlt, musste nun aber wieder von der Strippe ab. Wir sind bestimmt die einzigen, die einen Zettel am Kasten kleben haben und sind los. Nun fuhren wir an dem einen Campground vorbei und sahen, dass der tatsächlich ohne jede Schattenspendung auskommen muss und wohl auch keine oder nur wenige Stromplätze hat. . Tat nix zur Sache, der war voll! Wir stellten uns bei Sobey’s auf den Parkplatz und gingen die Mainstreet eine Seite hoch. Als erstes in die Bank noch etwas Bargeld holen. Dann kam ein Cowboy- und Work Ware-Laden. Thomas erstand noch eine Jeans, für mich war keine zu finden. Auch musste ich registrieren, dass die Damenklamotten wesentlich teurer waren; die Kinderklamotten erst recht. Ich hab schon ne Jeans – was anderes brauche ich nicht. Das bekomme ich denn auch in Deutschland, wenn ich denn was haben will. Wir gingen die andere Straßenseite wieder unter, guckten mal in diesen und in jenen Laden. Im Handarbeitsladen erklärte ich der netten Frau, dass ich Quiltarbeiten sehr mag und die Exponate nur bewundern will. Handarbeitshefte gab es schöne, aber nur in Englisch nützen sie mir nicht sehr viel. Schade.

   Nach anderthalb Stunden hatten wir die Mainstreet durch und waren von der Hitze leicht erledigt. Unser Camper hatte sich auf dem Parkplatz sehr gut aufgeheizt. Wir machten uns auf den Campground zurück. Jetzt ergab sich die Gelegenheit, noch den 3. Campground zu begutachten, da er in unmittelbarer Nähe war. Der war nur leicht idyllischer, dafür aber auch mit etlichen Bungalows bestückt. Alles war nett dekoriert, wie wir beim Durchfahren sahen, aber gleichfalls proppevoll! Vielleicht noch 3 oder 4 freie Plätze – wenn sie denn frei waren! Jetzt waren wir fest davon überzeugt, total richtig gehandelt zu haben und waren gespannt, ob unsere Reviermarkierung erfolgreich war… War sie! Teppich und Stühle verweilten unangetastet noch am selben Platz. Thomas levelte das Gefährt ein, stöpselte Strom und Wasser an, ich aktivierte die Klimaanlage und kochte Kaffee. Der Baum beschattete bereits die Sitzgruppe, so dass ich draußen schreiben kann. Thomas hat jetzt auch das Geld in den Schlitz gesteckt. Nebenher beobachten wir weitere hier ankommende Camper und Gespanne. Und siehe da: der Pkw neben uns wurde rausgefahren, damit ein Gespann sich dort aufbauen kann. Eben kam noch ein Camper und weil der so entspannt hier rauf fuhr, nehmen wir an, dass der zu den 2 Stühlen gehört. Jetzt ist nur noch die Nr. 12 frei. Wir lauern mal, was mit dem Platz passiert.

   Beim Kaffee trinken und schreiben erklärte ich, dass ich mit einem Fußmarsch morgen zum Train Ride einverstanden bin – da sind wir ausgeruhter und abends wird es wohl nicht mehr ganz so heiß sein. Sollte es wider Erwarten regnen, haben wir Pech. Die Fahrt beginnt morgen 2:00 pm und endet 8:25 pm. Mit Büffet und so. Wir sind gespannt. Ne 1-Mann-Show soll noch sein – ich werde bestimmt darüber berichten.

   Seit ner halben Stunde fährt ein Truck nach dem anderen hier auf den Campground. Kommen wohl alle von ihren Ausflügen zurück. Ich werde dann auch mal mit dem Zubereiten des Abendessens beginnen. Werden wohl danach ne Runde über den Campground schlurfen und schauen, was es in dem Park gegenüber noch so gibt. Feuer können wir nicht machen, weil wir keine eigene Feuerschale haben. Auf sowas muss man denn auch noch vorbereitet sein! Wir werden schon noch ne Beschäftigung finden und sei es die, noch einen Campground vor Calgary ausfindig zu machen.

Sonntag, 09.07., 15.10 h – Wir sind in Linden

Aber ich muss ja auch noch über den gestrigen Tag berichten… 15.35 h – musste erstmal einen Kaffee trinken und mich duschen…

   Nach meiner Schreiberei vorgestern gab es noch eine Premiere. Denn wir ließen nicht nur die Klimaanlage das erste Mal die ganze Zeit laufen, nein: ich nutzte auch die Außendusche! Wir hatten ja Wasseranschluss. Mir war so klebrig von der Wärme, ich musste mich irgendwie erfrischen. Was soll ich sagen: es war eine Wohltat. Mit BH und Schlüpper duschte ich mich ab, weil mir Badeanzug zu viel war. Das ging total gut und mich stört ja das kalte Wasser nicht so… Während wir abends so saßen und jeder 3 Dosen Bier vernichtete, beobachteten wir, wie die Leute von ihren Ausflügen zurück kamen und somit mehr Bewegung auf dem Platz kam. Die Klimakästen arbeiteten auf Hochtouren. Und ja: alle Plätze waren belegt. Nicht ein Stellplatz mehr frei. Scheint eine beliebte Gegend oder Stadt zu sein, wenn 3 Campgrounds ausgebucht sind. Irgendwann setzten Wetterleuchten ein – Thomas bestand darauf, dass es vorbei ziehen wird. Ich meinte, dass es wenigstens regnen wird. So plänkelten wir hin und her und Thomas hatte die Idee, wer Unrecht hat, gibt ein Sixpack Beer aus. Tja, was soll ich sagen? Ich hatte Recht! Das Wetterleuchten ging in Blitze über und es donnerte auch etwas und dann kam der Regen. Aber da waren wir schon in die Betten gehüpft.

   Nach nächtlichem Pinkeln standen wir so gegen halb 9 wieder auf. Zum Frühstück gab es die letzten 3 Rühreier und nen Kaffee. Dann gingen wir duschen, wollten wir doch die Zugfahrt machen. Wir zogen uns „fein“ an – Quatsch, nur recht luftig, weil schon wieder gute Wärme war. Wenigstens ging etwas Wind. Wir hatten uns die Leine gespannt vom Spiegel bis zum Baum, klammerten unsere Klamotten fest – ich hatte noch 2 Paar Socken notdürftig gewaschen – und ließen das den Tag über trocknen. Wir bestückten unseren Rucksack sicherheitshalber noch mit den Jeanshemden, weil wir vom klimatisierten Abteil ausgingen, und mit unseren Regenjacken, falls doch noch abends Regen kommen sollte. Lieber man hat, als man hätte! Kurz nach 11 setzten wir uns nun zu Fuß in Bewegung und liefen die 47. Straße lang, die direkt am Speicher endete. Wir kamen an einem Liquorstore vorbei und registrierten wohlwollend, dass der bis Mitternacht geöffnet ist. Wunderbar – da kehren wir am Abend mal ein, damit Thomas das Bier kaufen kann. Wir gingen gemütlich, auch weil es so warm war und wir uns über jeden Windhauch oder Schatten freuten, jedoch nur knapp ne halbe Stunde. Keine besonders anstrengende Zeit für uns. Im Schatten eine geraucht, nahmen wir nun die Besichtigung des Elevetors in Betracht. Just kam ein älterer – eigentlich schon alter – Mann auf uns zu und begann mit der Führung. Wir verstanden garantiert nicht alles so, wie er es mit Sicherheit richtig erklärte. Dank der Bilder konnten wir uns jedoch ein grobes Bild machen. Toll war die Entwicklung des Abkippens des Getreides von den Pferdegespannen und später von den Lastwagen zu sehen, ehe die Kippvorrichtung am Fahrzeug selbst erfunden wurde: Man hob erst mal die Gespanne über die Vorderräder an. Und weil mit einem Pferd die Wagen eher umkippten, wurden Gespanne mit 2 Pferden gefordert. Lustig aus heutiger Sicht. Auch die unterschiedlichen Kammersysteme für die verschiedenen Getreidesorten und sogar Erbsen wurde anschaulich dargestellt. Insgesamt alles sehr beeindruckend und interessant, wie so ein Speicher seine Funktion hatte. Auch zur Restaurierung gab es ausreichend Erläuterungen. Nach einer Stunde in Englischer Führung schwirrte uns der Kopf, doch der alte Mann wusste immer noch etwas zu berichten. Wir waren offensichtlich geduldige Zuhörer und machten ab und an ein „aha“ und „yes“ und „oho“ als Gegenpart, um unser Interesse auszudrücken. Fragen konnten wir nicht stellen – ich glaube, dann würden wir heute noch nicht fertig sein!. Ohne Ironie: es war wirklich sehr interessant und Thomas zeigte ihm zum Abschluss noch seine gebauten Speicher. Der alte Mann freute sich sehr. Fast anderthalb Stunden waren wir drei miteinander beschäftigt und so war auch gar nicht mehr lange warten bis der Zug fahren sollte. Thomas machte ausreichend Bilder von dem Gelände und dem Speicher natürlich. Wir durchstöberten das Info-Material, ob wir etwas Wissenswertes finden über die Orte, wo wir die letzte Nach vor Calgary verbringen könnten, fanden aber nichts. Eine Infotafel über das weiträumige Gebiet ließ uns für Linden entscheiden – ein kleiner Ort mit einem kleinen Campground: nur 7 Plätze! Sollte der voll sein, fahren wir den nächsten an. Linden warb auch mit Coulees. Nun, da es in Lethbridge auch welche gibt, können wir ja noch ein bisschen wandern. So unsere Vorstellungen.

   Inzwischen hatten sich zig Leute eingefunden und es wurde zum Einsteigen gebeten. Jetzt wussten wir auch, warum die Dame besonders auf eine Nummer auf dem Ticket hingewiesen hatte: Das war unsere Waggon-Nr. und unsere Plätze waren mit unserem Namen kenntlich gemacht. Klimaanlage gab es keine, dafür waren die Fenster geöffnet und genau hinter uns brummte ein großer Ventilator! Der verursachte Thomas zu viel Zugluft und er legte sich sein Jeanshemd über die Schultern. Bei mir ging es, weil ich kleiner bin und die Rückenlehne mir genug Schutz bot. Allerdings nervte sehr bald das Geräusch – wir konnten uns kaum unterhalten. Die Ansagen über den Lautsprecher konnten wir schon mal gar nicht verstehen – akustisch!

   Der Zug setzte sich für die anderthalbstündige Fahrt in Bewegung und Bill – der Alleinunterhalter – begrüßte uns. Alle 18 oder auch 20 Leute in unserem Waggon befragte er, woher man käme und machte seine Späßchen. Wieder verstanden wir – auch wegen des Ventilators – nicht viel, die anderen lachten aber sehr oft. Seine Späßchen unterbrach er ab und an mit seinen Liedern auf Gitarre begleitet. Alle Lieder hatten etwas mit Trains zu tun. Gut ne halbe Stunde unterhielt er uns, bis er zum nächsten Waggon weiter zog und dort sein Programm abzog. Nun wussten wir aber, mit wem wir zusammen saßen: Leute aus Edmonton, aus Mississippi, Fairview, Linden… Jetzt hatten wir Gelegenheit, durch den Zug zu schlendern und die anderen Waggons in Augenschein zu nehmen. Die waren voller besetzt als unser, aber jeder hatte einen Fensterplatz. Insgesamt waren heute 101 Menschen auf dem Trip. Man hatte uns zu Beginn der Fahrt gutes Info-Material übergeben.

   Ein in „Old Style“ gekleideter Mann mit ganz eigenartigem Gang schlurfte durch den Zug – er war es, der die Informationen über Lautsprecher brachte. Wahrscheinlich erzählte er, was links und rechts der Gleise in der Prärie alles zu sehen gab. Auf der Rücktour saß er nämlich in unserem Waggon und wir sahen ihn dort mit Mikrofon sitzen, wie gleichzeitig seine Stimme über die Lautsprecher kam… Er war auch Hauptakteur beim Zugüberfall. Das war kurz vor Big Valley eine lustige Abwechslung. Auch der „Chef“ des Zuges sowie Bill waren Akteure der Robbery: Der Zug hielt an, es galoppierten die Gangster am Zug vorbei, knallten mit ihren Pistolen wild rum, ein kleiner Kampf wurde dargestellt… hab das gefilmt, aber weil ich gegen Sonne guckte, sah ich nicht, dass ich das mit Zeitraffer aufgenommen habe! Nun kam Bill als Räuber verkleidet durch den Zug und forderte unser „Geld und Schmuck“ ab. Viele gaben stattdessen Kekse und sonstige Süßigkeiten – er bedankte sich trotzdem. Wir schmissen etliche 10-Cent-Stücke rein. Noch ein Kampf wurde ausgefochten… d i e s e n    filmte ich erst! Ein Räuber wurde erschossen und fiel direkt vor unserem Fenster ins hohe Gras. Da lag er nun. Sein Pferd bewegte sich gut 5 m beiseite und pinkelte erstmal… gut erzogen der Gaul!

   Das ganze Spektakel dauerte keine 10 min und der Zug setzte sich wieder in Bewegung, um kurz darauf wieder in Big Valley zu halten. Natürlich auch hier eine mörderische Hitze, pilgerten die meisten zur Jubelee-Hall, wo es das Essen geben sollt. Nur einige fuhren mit dem Kremserwagen, der von einem Jeep gezogen wurde. In der Halle war bereits alles eingedeckt, auch hier die Platzierung vorbereitet. Wir saßen zwar mit dem Rücken zur Bühne, dafür aber gleich am zweiten Tisch. Das Zugpersonal lief nun die Tische ab und schenkte nach Bedarf Rot- und Weißwein sowie Icetea und son blaues kühles Zeug ein. Wir nahmen alles, um alles durchzuprobieren. Schon wurde jedem ein Tellerchen mit Blattsalat und Orange serviert. Der schmeckte gut, obwohl nur eine Sorte Blattsalat angerichtet war – die Vinagrete war das Besondere dabei. Der erste große Tisch ging zum Büffett, dann wurde der zweite große Tisch aufgefordert, bis wir dann an der Reihe waren. Es gab ne Scheibe oder auch zwei, drei… ganz wie man wollte – noch recht blutigen Braten auf den Teller. Kartoffeln, Möhren und Gurken schaufelte man sich an anderer Stelle auf den Teller. Soße rauf und noch son Brötchen – schon konnte man loslegen. Ich filetierte meine Scheibe Braten – das was ich über behielt an magerem Fleisch schmeckte sehr gut! Da störte das noch blutige gar nicht – das war genau richtig so. Kartoffeln, Möhren und Soße holte ich mir noch nach – wir sind gut satt geworden. Wie das so üblich ist hier, wurden schnell die Teller wieder abgeräumt und eine Band stellte sich vor, welche uns dann mit schönen Countrysongs und kleinen Gags unterhielt. War echt gut! Leider hatten sie als Band keine CD. Es war eine sehr gute Stimmung. Einige tanzten sogar. Thomas weigerte sich – Schade, aber auch nicht tragisch. Die Stunde war sehr kurzweilig. Nun hatten wir noch eine Stunde für einen individuellen „Stadtbummel“, bevor die Rückreise kurz nach 7 starten sollte. Die 101 Leute verliefen sich schnell, obwohl es nur ein kleiner Ort war. Wir bummelten auch durch die Geschäfte und blieben beim Museum hängen, weil es dort noch hübsche preiswerte Pins gab. Die nette Dame machte mit Thomas 16 Can$ Umsatz, er hatte 3 neue Pins.

   Der Zug gab 10 min vor Abfahrt ein für alle hörbares Signal – auch wir begaben uns zu ihm hin. Fast alle stiegen wieder ein und der Zug setzte sich in Bewegung. Schnell stellten wir in unserem Waggon fest, dass die 2 aus Edmonton fehlten. Warum das? Nach ner kurzen Strecke hielt der Zug an einem Bahnübergang – da standen sie sowie ein Zugbegleiter. Der hatte sie wohl zum Zug nachgefahren, denn sie stiegen nun ein. Unser Waggon war wieder vollzählig! Die Rücktour bot keine weitere Unterhaltung mehr. Beim nochmaligen Durchgehen sahen wir, dass etliche sich einem Nickerchen hin gaben. Wieder auf unserem Platz zurück, kam erst der älter Lindener zu uns und eröffnete ein Gespräch. So gut es ging, unterhielten wir uns. Ich klaubte Wörter zusammen, um die Frage zu stellen, warum die Frauen dieses Käppchen tragen. Ist deren Religion: sie sind Mennoniten. Die Frauen tragen dieses kleine Käppchen, die Männer Vollbart. Sie sind aber recht modern und leben auch nicht in einer Kolonie. Etwas später kam der jüngere Mann zu uns und auch mit ihm konnten wir uns gut unterhalten – er sprach sogar etwas deutsch. Er selbst hat sich mit jemanden zusammen getan, der vor 10 Jahren aus Deutschland einwanderte und ne gute Pumpe dabei hatte für Spritzputz. Nun haben sie ein großes Geschäft. Schon der Name „Baerg“ ließ uns auf Deutsche schlussfolgern – Thomas sein heutiges Googeln bestätigte wenigstens deutsche Abstammung. Seine Frau hat in Linden einen Teeladen. Man informierte uns noch, dass es so wie heute in großes Breakfast bei der Feuerwehr geben wird – nun, wir werden das wohl nicht schaffen. Wieder wünschte man uns noch viel Spaß. Selbst der Chef des Zuges kam persönlich zu uns und bedankte sich, dass wir die Zugfahrt mitgemacht haben. Zu den anderen ging er nicht! Auch stammelte er sich seine Dankesworte in Deutsch ab. Respekt! Wir fühlten uns sehr geehrt und fast ein bisschen prominent bzw. besonders.

   Halb 9 lief der Zug wieder in Stettler ein, bevor er noch beim Campground gehalten hatte, um die Leute, die mittags da zugestiegen sind, wieder raus zu lassen. In Stettler verlief sich dann alles ganz schnell. Ich selbst war erst mal froh, Stille genießen zu können wegen des Ventilators, aber auch um englischer Konversation entfliehen zu können. Mir schwirrte der Kopf – mein Hirn war matsch! Bis zum Liquorstore hatte sich das etwas gegeben, wir kauften statt des Bieres lieber ne große Flasche Alberta-Müsli (= Whiskey), weil die für 35 Can$ im Angebot war. 8 Dosen Bier kamen 18 Can$! Flasche im Rucksack verstaut, dackelten wir zum Campground zurück, kamen dort nach ner halben Stunde an und entledigten uns unserer Klamotten. Die Klimaanlage hatten wir auf Automatik eingestellt und der Camper war angenehm temperiert. Die Wäsche hing noch. Ich nahm erst mal noch wieder ne Außendusche, verzichtete aber aufs Schreiben. Wir tranken noch die letzte Eule, ehe wir Alberta-Müsli in unseren Stühlen bis zum Einbruch der Dunkelheit genossen. Unser Gegenüber hatte in seinem Feuerkorb ein schönes Knäckerchen – wir nicht. Traurig, traurig! Irgendwann – wird wohl weit nach 11 gewesen sein – krochen wir in unsere Betten und schliefen, bis auf das übliche Pinkeln zwischendurch, bis morgens kurz nach 8 durch. Der Sonntag begann wie die anderen Tage auch: Frühstück: Thomas Stulle, ich Cornflakes… duschen, aufräumen, abwaschen haben wir mal sein lassen, dafür war dumpen auf dem Plan. Da hatten wir einen guten Zeitpunkt für erwischt: nach uns warteten noch 2, das auch tun zu wollen. Natürlich hängt wieder was vor den Sensoren und zeigt uns volle Tanks an. Dass man da noch keine bessere Lösung erfunden hat! …17.40 h – ich mach erst mal was zu essen…

   19.00 h – Und schon sind wir fertig mit Essen…. Wir gingen noch mal aufs Klo und ab durch die Mitte. Morgens fragte mich unser Nachbar noch, wo es denn heute hin geht – gestern früh hatten wir ne kleine Unterredung – ich verklickerte ihm das. Er frage nur verwundert „warum Linden? Ob wir da Freunde hätten?“ Nö, meinte ich. Er darauf, dass Linden ein hübscher kleiner Ort ist, aber was wir da wohl wollen! Ich sagte ihm, dass wir etwas in den Coulees wandern wollen… Er gab sich wohl mit der Antwort zufrieden und wünschte uns viel Spaß. So fuhren wir noch mal an Mäckes ran, weil Thomas annahm, dort freies WiFi zu haben. War nicht – also sind wir durch Stettler durch und nahmen die Richtung Drumheller. Wieder schnurgerade Strecke, vorbei an einer recht hügeligen Landschaft, größtenteils mit Wiesen für Vieh und Heu sowie großen Feldern – vorwiegend Raps. Wir sahen auch die Bahnstecke… um 11 sollte wieder ein Zug fahren… fuhren an Big Valley vorbei und sahen, dass der Ort doch größer ist als nur das, was wir gestern sahen. Immer weiter diese gerade Strecke, eröffnete sich mit einem Mal ein Tal und eine Coulee- oder auch Hoodoo-ähnliche Landschaft zeigte sich. Der Red Deer River durchzog das Tal und wir machten kurz Pause. Entfernt sahen wir Camper stehen. Campten die wild oder war da ein Campground? Ein sehr schwer lesbares Schild verwies tatsächlich auf den Starland-Campground. Sind ja wohl die Hinweisschilder an der Straße verschütt gegangen…

   Wir dackelten über die Straße runter zum Fluss und beobachteten nebenbei, wie hier Kanus mit Sack und Pack an Land gebracht = geschleppt wurden. Watt ne Plackerei! Das wär ja nix für uns. Kanufahren wohl schon, aber nicht diese Schlepperei! Gleichzeitig tüterten 2 Frauen mit 2 Kindern wieder diese bunten Schlauchboote zusammen – offensichtlich wollten sie sich etwas treiben lassen. Und dann das ganze Ende wieder zurück laufen? Oder hat die einer dorthin gebracht und sie schippern jetzt wieder nach Hause? Keine Ahnung. Wir gingen wieder zurück zum Camper, setzten diesen in Gang, fuhren die Steigung hoch und schwupps war wieder weite platte Landschaft da. Öl- oder Gaspumpen wieder vermehrt mitten in den Feldern, ging’s schnurstracks gerade aus. Wie wir den Highway verließen und dieser nun in eine normale Straße überging, fiel mir ein, dass ich noch kein Fleisch aus dem Tiefkühler genommen hatte. Also einmal kurz halten und das erledigen. Weiter ging’s bis „Dschienie“ anfing uns links über irgendwelche Gravelroads nach Linden fahren lassen zu wollen! Thomas lehnte das ab – es muss doch auch eine befestigte Straße nach Linden geben. Richtig, so war es dann auch und wir steuerten nach einer Linksabbiegung direkt drauf zu. Gerade noch rechts sah ich die Einfahrt zu den gestern kennengelernten Mennoniten, weil ein großes Namensschild „Baerg“ mir das verriet. Thomas nahm das Linksabbiegeschild nach Linden nicht für voll und fuhr direkt am Ort vorbei, weil er meinte, dort einen Campground gesehen zu haben. Dem war nicht so. Die dort wohnenden Menschen hatten eben mal mehrere Camper. Wieder mal gewendet, fuhr er jetzt rechts rein in diesen Ort. Gleich zu Beginn eine Masse an großen Landmaschinen, einige Häuser zeigten sich, auch die Feuerwehr. Beim langsamen Durchfahren dieses Örtchens sah ich durch Zufall einen Pfeil, der zum Campground zeigte und schon sah Thomas von oben den kleinen Campground. Leer! Nur ein Pkw der beiden Angler stand hier. Wieder ne Kehrtwendung und runter hier. Tatsächlich nur 7 Plätze. Aber wo sind die Coulees? Als Coulees sind diese Hügel rundherum und der neu angelegte Park nun wirklich nicht zu bezeichnen! Na dann eben nicht. Trotzdem beschlossen wir hier zu bleiben und hatten kaum Schwierigkeiten einen Platz auszuwählen. Eine dunklere Wolke überzog den Ort gerade, aber es war trotzdem unmöglich war und wir waren froh, dass die Sonne nicht voll durch kam. Etwas umständlich stellten wir uns an, um einen Preis für diesen Campground zu finden. Angenehm überrascht waren wir, dass er erst mal mit Firepit incl. Holz ist und sogar Strom und Wasser anbietet. Nun endlich fanden wir auch den Preis: 25 Can$. Sehr gut! Wir hatten uns Platz 2 ausgesucht. Thomas parkte rückwärts ein und wir freuten uns über das wehende Lüftchen. Schwer war es, den Stecker in die Dose für Strom zu kriegen – gelang dann aber doch. Wir vertilgten erst mal ein Schälchen Cornflakes und umrundeten den See, gingen die Central Avenue einmal rauf, einmal runter, lasen, dass das Breakfast um 10 zu Ende war und am nächsten Sonntag ein weiteres stattfinden wird. Die Wolke verzog sich währenddessen und es wurde knallheiß. Wieder zurück, klemmte Thomas das Wasser an, ich kochte Kaffee. Zum Schreiben war ich nicht wirklich motiviert und nahm erst mal ne Außendusche. Dieses Mal nackt – Thomas hielt mehr oder weniger schützend ein Handtuch um mich. Das Duschen dauert ja nicht lange, ich blieb unentdeckt. Jetzt wesentlich frischer, war mir mehr nach Schreiben und ich legte los. Draußen knallt mir die Sonne zu sehr, also drinnen schreiben. Mit allen zu öffnenden Fenstern wehte es gut durch das Mobil – es war auch ohne Klimakasten angenehm. Thomas hantierte draußen sich sonnend mit dem Handy rum, lüftete schon mal die Schlafsäcke aus und bereitete das Feuer vor. Ich machte ja noch das Essen zwischendurch. Heute wurde ein Eintopf mit allen Resten gekocht, der noch locker für morgen reicht. Ich fing an, das Hühnerbrustfleisch vom Knochen zu lösen und klein zu schneiden. Jetzt die letzte Zwiebel und einige Wurstscheiben zerstückeln… alles rein in den großen Topf und braten lassen. Nudeln aufgesetzt – ne halbe Tüte bleibt über. Jetzt fleißig im Bratentopf rühren – mir wurde schön warm. Dann die fertigen Nudeln mit rein, Ketchup rauf, den restlichen Knoblauch und die Dose Erbsen, rühren, aufkochen lassen – fertig! Schmeckt! Jetzt sind wir beide schon satt. Die Schreiberei beende ich jetzt, da heute schon mit dem Packen begonnen wird. Dann noch Feuerchen mit Alberta-Müsli!

Montag, 10.07., 09.15 h – Vor ner ¾ h sind wir aufgestanden und haben schon gefrühstückt: letzte Scheiben Brot, letzten Käse. Nur der Senf bleibt unangetastet über. Werden wir ihn noch einpacken. Apropos einpacken: Damit hatte ich gestern begonnen und auch fast beendet. Nur noch wenige Sachen sind zu verstauen, aber das meiste ist gut verstaut. Anfangs ging es gut voran, doch dann kam ne Blockade und ich sah kein System mehr. Letztendlich habe ich es doch geschafft und hoffe, dass besonders Thomas seine Lokutensilien heil ankommen. Ansonsten hat er in Deutschland einiges zu kleben und zu basteln. Wir nehmen ja auch wieder mal ne Menge Spikes – 21 um genau zu sein! – und 1 Klammer mit. Die wiegen gut was. Ob die jetzt die entsorgten Sachen ausgleichen, bezweifle ich. Aber wir hatten ja auf dem Hinflug noch Kilos frei – vielleicht reicht es ja. Wir werden sehen.

   Nach fast 2 h war ich mit der Packerei gut am Ende, wie mit einem mal starker Wind aufkam. Gerade erst hatte Thomas das Feuerchen angemacht, welches jetzt stark loderte. Um uns herum dunkle Wolken. Teilweise verzogen sie sich und das Abendrot blinkte durch, ließ den Wasserturm in einem ganz besonders schönen Licht stehen. Die Taschen waren schon in den Camper gestellt und wir wussten nicht: lohnt es sich die Stühle aufzubauen oder wird’s gleich plattern? Es blitzte und grummelte nebenher – ein interessantes Naturschauspiel Hier auf dem kleinen einsamen Platz konnten wir das ganz allein genießen. Natürlich verirrte sich kein weiterer Camper hier her! Ab und an fuhr mal ein Auto vor, die Leute gingen in den Coulee-Park. Wir hatten unsere Stühle nun doch aufgestellt und direkt an unserer „Bar“ platziert. Hier war es wenigsten etwas windstill, während es immer noch gut wehte und wir das Feuerchen klein hielten. Wir machten noch Fotos und nutzten den Tisch als „Stativ“, da dieses ja schon eingepackt war. Dunkle Wolken waren immer noch über uns, aber es fiel kein Tropfen Regen. Am Rand der dunklen Wolken konnten wir noch blauen Himmel vernehmen – schade, es wäre so ein schöner heller Abend gewesen. Ich will nicht meckern, der Abend war sehr schön, etwas schade nur, dass wir wegen Windes so weit ab vom Feuer saßen.

   So plötzlich wie der Wind aufkam, so plötzlich hörte er auch auf, bis er sich etwas drehte und nun unsere windgeschützte Seite aufs Korn nahm. Gewitter war eh vorbei, wir packten die Stühle ein und nahmen den letzten Schluck Whiskey für den Abend. Thomas pinkelte das Feuer aus, während ich noch eine rauchte. Dann schlüpften wir in unsere Betten und schliefen ein. Punkt 0 Uhr war es, als wir den schönen, immer noch bei 29 bis 25 °C warmen Abend beendeten. Heute beim Aufstehen war der Himmel grau zugezogen, es wehte wieder ein Windchen und es sind nur noch 16 °C. Als kalt ist es nun nicht unbedingt zu empfinden, aber dann machen unsere dicken Jacken doch nicht so einen blöden Eindruck. Wir lassen uns hier Zeit, weil es nur knapp 80 km bis Calgary sind und vermutlich regnet es da mal wieder. Wie immer, wenn wir unsere letzte Nacht da verbringen. Thomas hat schon das Einchecken vorbereitet, hier beginnen die Rasenmäher mit der Arbeit, so werden wir auch mal los legen, wenigstens mit dem Abwasch…

18.35 h – Wir sind in Balzac.

Wir erledigten noch die restlichen Arbeiten, die jeden Morgen so anfallen und entsorgten auch gleich das Stück Teppich, welches uns wirklich gute Dienste geleistet hat, weil der Container in Linden fast leer war. Wir zogen ab… und? Es fing an zu tröpfeln und ging in einen gepflegten Regen über! Passt alles. Die ersten 10 km fuhren wir bei Regen und die Frontscheibe wurde wieder etwas sauber. Zu fotografieren gab es nichts, auch wenn wieder diese Springböcke angezeigt waren – es kam keiner. Die Straße wurde von den schon bekannten Wiesen und Feldern gesäumt, einmal sogar mit Kartoffeln bepflanzt. Viele Kühe auf den Weiden – braune, schwarze und weiße – und sogar mal Buffalos waren zu sehen. Eine Buffalozucht! Naja, irgendwoher müssen sie ja das Fleisch für die Burger herhaben, die nun doch vermehrt angeboten werden.

   Wir passierten Beiseker und machten Halt bei der Tanke. Es hatte inzwischen wenigstens aufgehört zu regnen und wir schütteten das Mobil voll. Bei 120 l hörte es auf. Cash bezahlt fuhren wir weiter in Richtung Calgary bzw. Balzac. Halt machten wir nicht mehr, weil nichts Spektakuläres zu erwarten war. So kamen wir genau um 12.00 h hier an. Nun ja, der Campground ist zwar riesig und auch gut besucht, doll ist er jedoch nicht. Aber Mountain View ist auch nicht besser und noch teurer. Wir wollten erst einen non-service Platz nehmen, weil wir nicht mehr brauchten. Doch als Thomas auf dem Plan sah, wo diese Plätze sind und wie weit entfernt sich die Duschen befinden, wollte er doch mit Service – heißt mit Wasser und Strom. Machte 10 Can$ mehr. Also gab ich die 35 Can$ cash der Dame. Zuvor hatte sie auf ihrem PC geprüft, ob überhaupt noch ein Platz mit Service frei ist. Dann meinte sie aber, dass wir Glück hätten… wir bekamen Platz 30. Warum so voll? Es ist das erste Wochenende der Calgary Stampede!

   Der Campground ist von den unterschiedlichsten Fahrzeugen bestellt – angefangen von riesigen 5th-Wheels über Busse und normale Camper bis hin zu diesen Klappfixen. Alles ist vertreten – außer Zelte. Wir stellten uns erst mal nur hin und beratschlagten, was wir weiter machen. Wir wollten doch noch in die Stadt. Auf unserem Plan war jedoch die C-Train nicht eingezeichnet. Also fragen wir die Dame mal und schmissen dabei gleich noch einen Blick in die Duschen. Die Duschen – die Frauenduschen zumindest – lassen etwas zu wünschen übrig. Man kann nicht sagen, wann sie das letzte Mal sauber gemacht wurden: überall die langen Haare, dann leere Shampooflaschen, Pflaster und so liegen da in den Duschen rum. Die Toiletten waren auch recht reudig – vor allem, weil alle 3 Klos nicht gespült waren. Ich verstehe die Frauen nicht! Wissen die nicht wie das geht? Machen sie das zu Hause auch so? Selbst wenn die Kinder nicht spülen, mache ich das doch als Mutter oder bringe denen zu Hause bei, was man nach Benutzung der Toilette zu tun hat! Mich würde das jetzt gar nicht so aufregen, wenn ich das heute nicht schon zum wiederholten Male erlebt hätte. Einfach eklig ist das und ne Schweinerei von den anderen Frauen!

   Nun, die Duschen wurden nicht besser, trotzdem wollten wir sie für je 1 Can$ nutzen. Die Dame zeigte uns auf unserem kleinen Plan, wo die nächste C-Train-Station war: McKnight Bv. Vielen Dank, dann versuchen wir das mal. Wir zogen uns um, aßen noch ein Schälchen Cornflakes und fuhren los. Ich bin noch mal ins Office und habe einen 20-$-Schein in Loonies und 2-$-Stücken für die C-Train gewechselt. Mir war noch schwach in Erinnerung, dass die Fahrkartenautomaten kein Wechselgeld wiedergeben und wir hatten nur 20-$-Scheine! Jetzt konnte unser Ausflug starten. Thomas musste sich sehr auf den Verkehr konzentrieren – der ist enorm hier! Und dann wieder 3- bzw. 4spurig. Nebenher noch „Dschienie“ im Auge behalten, wo sie uns langführen will. 20 min hatte die Dame veranschlagt. Kam auch so hin und wir hatten die Straße erreicht.

Dienstag, 11.07., 16.30 – Fluguhrzeit! Wir sitzen schon seit ner Stunde im Flieger.

Wir scannten den McKnight Bv ab, wo wohl eine C-Train-Station ist. Rechts, links…, gerade machte die Straße einen Bogen, noch einen Bogen und wir wähnten uns mitten im Wohngebiet. Nun hatte Thomas nach einigen Wendemanövern die Idee, doch mal „Dschienie“ nach ner C-Train-Station direkt zu fragen und siehe da, er bekam ne Antwort und zwar „University“. Nun schickte sie uns erst durch Straßen… absolutes Wohngebiet! Leicht misstrauten wir ihr, aber wir mussten ihr gehorchen – wir würden nie wieder allein zurück finden. Wir wussten nicht, wo wir waren! Sie schickte uns links rum, dann wieder rechts und noch mal rechts und wieder links – Thomas ist fast verzweifelt. Doch da! Die C-Train-Station University! Super! Nun nur noch einen Parkplatz finden. Das sah gar nicht gut aus, weil alles nur begrenzte Parkzeit war, obendrein wir so ein Riesenfahrzeug haben und letztendlich keine „Lücke“ frei. Nothing! Eine Kirche. Die waren schon mal so nett und haben uns auf deren Parkplatz stehen lassen. War zwar ne andere Religion, aber Nächstenliebe sollten auch die kennen. Ich fragte die rundliche Frau, aber sie erklärte mir in langen Sätzen den kurzen Inhalt: das sind alles gemietete Plätze, wofür die Leute zahlen… sie kann mir nicht weiter helfen. Tja, dieses Mal konnte die Kirche nicht helfen! Thomas gab nun die nächstliegende Station ein, sollte nur knapp 1 km sein. Wieder dallerte „Dschienie“ mit uns durch dieses Wohngebiet… links abbiegen, rechts abbiegen, auf der Straße bleiben, 2mal links… und wir sahen ein Park&Ride-Schild. Wunderbar! Endlich. Zufahrt zu diesem Parkplatz geschlossen wegen Bauarbeiten! Es ist doch wohl zum K…. – Thomas seine Laune war am Siedepunkt. Einfach mal geradeaus, weil es auch keine andere Möglichkeit gab, Gott sei Dank noch ne andere Einfahrt zum Parkplatz. Aber schon der erste Blick verriet: das wir schwer… sehr schwer für unser Gerät nen Parkplatz zu finden. Wir kurvten herum und kreisten auf dem Platz… uns kamen noch andere suchende Pkw mit zum Teil arg genervten Blicken entgegen… So, das wars! Da ist für uns absolut kein Parklückchen zu finden, wenn die Pkw’s schon Runde um Runde drehen und sich etliche sogar schon auf „verbotene“ Flächen gestellt haben. Ab zurück zum Campground – dann eben nicht! Wir haben ein Wohngebiet von Calgary kennen gelernt und wissen noch nicht mal welches! Sage und schreibe über eine Stunde sind wir da rumgedallert. Und ich hatte jetzt für 20 Can$ ne Masse Kleingeld…

   Nein… es war halb 3 durch… wir hatten keine Bock mehr auf Downtown Calgary. Wir vermuteten eh viele Menschenmassen wegen der Stampede. Wir fuhren zurück Richtung Campground, entschieden uns dann spontan, das Einkaufscenter „CrossIron Park“ zu durchschlurfen. So schön war der Campground nun wirklich nicht, um dort übermäßig Stunden zu verweilen. Das Einkaufscenter ist so in der Größenordnung Ostseepark und Hansecenter zusammen und mindestens noch mal doppelt so groß. Wir wähnten uns in China-Town! Als erstes trafen wir auf einen riesigen Buchladen, der schon so die Größe eines Supermarktes hatte. Ne Orientierung zu finden war nicht leicht. Thomas suchte immer noch ein Buch über Loks und Eisenbahngesellschaften – da erschien uns die Rubrik „History“ erst mal logisch. Und wirklich stand da viel dieses Thema umfassend. Thomas suchte, suchte, fand nicht so das wahre Richtige, als mir ein Buch mang de Flugzeuge ins Auge fiel. Ja, genau so etwas in der Art sollte es sein und er freute sich. Noch mehr, als das Ding rund 30 Can$ kostet. So und ich? Ich fand nichts! Thomas durchstöberte zu seinem Thema die Zeitschriftenabteilung, ich widmete mich diversen Gartenzeitschriften, um wenigstens Ideen klauen zu können und machte Fotos. Letztendlich zufrieden, auch weil wir dort „free WiFi“ hatten, beguckten wir noch den einen oder anderen Laden, aber alles an Klamotten war nix für mich. Ich hatte mir auch vorgenommen, dieses Mal nicht wieder sone Unmenge an T-Shirts mitzubringen – ich hab genug. Alles andere gefiel mir für die Preise absolut nicht und ich war des Shoppens sehr schnell überdrüssig. Wir kehrten zum Campground zurück – es war 16.20 h. Beste Kaffeezeit. Den kochten wir uns und beobachten die Szenerie auf diesem Campground-Parkplatz… Wie gesagt, doll ist er nicht. Gleichfalls waren wir uns einig, gleich nach dem Kaffee zu duschen – wer weiß wie es abends ist. Auch das erledigten wir. Da ich meine Badeschuhe ja schon gut eingepackt hatte und vor allem ganz unten und ich meine anderen Latschen nicht nass machen konnte, weil ich die im Camper noch brauchte, duschte ich mit Strümpfen. Ist etwas komisch, aber bei diesen Duschen wollte ich wahrlich nicht ohne einen Schutz stehen! Lieber hätte ich ganz aufs Duschen verzichtet. Es duscht sich ganz gut in Strümpfen! Diese flogen dann im Anschluss auch gleich weg, so wie Haarwäsche und Haarpflege sowie Seife. Alles Ballast! Wir müssen 21 Spikes und 1 Klammer ausgleichen!

   Ich machte mich dann ans Schreiben. Abendessen brauchte nicht mehr groß gekocht werden – es war ja der „Eintopf“ für 2 Tage gedacht. Der wurde noch gut erwärmt und schmeckte besser als am Vortag. Abwasch wollten wir nächsten Morgen machen… Es bezog sich über Calgary etwas und es wurde allerhöchste Zeit, dass ich mein letztes Feuerchen in Gang setze. Wie soll es anders sein: es fing leicht an zu tröpfeln, was Thomas gleich wieder in den Camper verbannte. Ich zündete das Holz dank ausreichend Kohlenanzünder an und genoss mein Knäckerchen… hatte mir einen Stuhl geholt und freute mich der Flammen. Nur war der Wind leicht stark und dallerte von allen Seiten rum, so dass Sitzen nicht so schön war, weil ich mich laufend umsetzen musste. Dann kann ich auch gleich stehen. Eine Nieselpause trat ein, dafür blitzte und donnerte es in Calgary. Sehr grau, dunkelgrau war der Himmel da. Auch die Richtung, wo der Campground Mountain View ist. Wir waren froh, dass wir doch hier sind. Schön angemeiert hätten wir uns wieder! Der Wind drehte leicht, aber ich holte den Stuhl nicht wieder, konnte ja auf der Bank sitzen. Eine andere Himmelsrichtung verdunkelte sich und ließ die Blitze sehr deutlich erscheinen. Auf der anderen Seite war noch der schöne Sonnenuntergang zu sehen – ein wunderschönes Bild, wundervolle Farben: dunkelgrauer Himmel so mit Abendrot bestrahlt; dann die Trucks, die das Goldrot reflektierten… Sah echt gigantisch aus! Es fing auch bei uns wieder an zu nieseln, aber nicht doll. Thomas blieb trotzdem im Camper – ihm war es zu kalt. Na, ich lass mir doch nicht mein letztes Feuerchen nicht nehmen oder verschenke gar das schöne Holz! Nein, kommt nicht in Frage…

   Eine Stunde vor der Landung in Amsterdam! Es gab das Essen, deshalb musste ich alles weg packen, danach wollte ich schlafen, was aber misslang. Dazu später vielleicht mehr… zurück zu meinem Feuer!

Das brannte jetzt herrlich – hatte genau das richtige Maß und der Wind führte es endlich von diesem alten Klappfix weg. Irgendwann leider wurde das Tröpfeln mehr und mehr und wurde Regen. Ich musste aufgeben und von innen zusehen, wie mein Feuerchen abnahm. Aber ich hatte alles verbrannt! Nun saßen wir noch im Fahrerhaus, hörten etwas Countrymusik aus dem Radio, welches nach 2 Titeln ausging, und beobachteten den Regen, die Blitze und den Donner. Musste das nun wirklich sein, dass es auch in Balzac regnet? Wir tranken unsere klitzekleinen weißen Eulen und gingen das letzte Mal in diese etwas komische Kuhle. Nach über 2 Wochen wird das da oben mit der Matratze – welche Matratze??? – etwas unbequem. Wir sollten auch keine lange Nacht haben: kurz nach halb 5 wurden wir von einem Regenguss und einem kräftigen Gewitter geweckt. Das rummste und krachte gewaltig – wir kamen uns mittendrin vor. Als das nach ner halben Stunde vorbei war – das Gewitter, nicht der Regen! – setzten sich einige Trucks in Bewegung – die Leute fuhren zur Arbeit! Immer wenn ich denn so wieder am Eindruseln war, drehte Thomas sich um. Und wenn Thomas sich umdreht, passiert das nicht leise und vor allem schwankt der ganze Camper! Ich war froh, wie denn um 7 der Wecker klingelte und ich aufstehen konnte. Es regnete immer noch recht heftig. Deshalb legte ich mir ein Handtuch über den Kopf und rauchte eine – machte nicht wirklich Spaß… Wir tranken die letzte Tasse Kaffee, Thomas aß die letzte Scheibe Brot mit der Wurst, ich machte mir Cornflakes mit der letzten Milch. Etwas Marmelade, ein halbes Glas Kaffee und wohl 2 Portionen Cornflakes müssen wir wegwerfen. Die Margarine ist nicht erwähnenswert… Jedenfalls sorgten wir dafür, dass wir satt wurden, schauten diesem Regen zu… wat gut, dass ich einen Tag zuvor gepackt hatte! Dumpen muss mal wieder bei Regen stattfinden. Auch holte ich uns doch die dünnen langärmeligen Pullover vor, denn die Temperatur war von 29 °C auf heute morgen 13 °C abgesunken. Das ist bisschen kühl für unsere kurzärmeligen Sachen. Werden auch unsere dicken Jacken tatsächlich nicht so auffällig sein… Unser heutiges morgendliches Programm sah ja etwas anders aus, aber nicht wesentlich. Wir mussten uns beide im Camper waschen, dann noch das Geschirr, unsere letzten Klamotten in die Reisetaschen verstauen, den Camper von innen wenigstens ausfegen…und es regnete weiter in Strömen! Wir sortieren fein säuberlich unseren Müll, sparten die verbliebenen Lebensmittel und brauchbaren Dinge jedoch aus, weil wir diese Sachen eventuell „Neustartern“ geben wollten. Thomas zog sich über seine Klamotten den zur Entsorgung frei gegebenen Schlafanzug – der sollte etwas die Nässe von seinen Klamotten beim Dumpen abhalten. Wir fuhren zur Dumpstation… Die entpuppte sich mehr als eine Klärgrube denn einer Dumpstation! Aber was soll’s. Unsere Tanks mussten entleert werden. Warum auch immer lagen dort einige Schläuche rum und Thomas suchte den geeignetsten raus, um unseren nicht noch einsauen zu müssen. Ist wenigstens dieser Arbeitsgang erspart. Natürlich reagierten die Sensoren nicht ordnungsgemäß, aber Thomas hatte nach 20 min die Nase voll und die Tanks leer, entledigte sich seiner nassen Klamotten, während ich säckeweise unseren Müll auf dem Laster entsorgte. Beide nass fuhren wir nach Airdrie zur Tankstelle, noch letzte Tropfen nachfüllen, um dann das Mobil mit vollem Sprittank abgeben zu können. Wir waren die ersten, die ihr Mobil abgeben wollten. Das Mädel fragte uns nach „Carbage“, aber ich verstand das nicht gleich. Erst als ich sah, dass dort ein Regal steht, wo man Lebensmittel und Utensilien zum weiteren Gebrauch abgeben konnte, klickerte es bei mir. Ich verbrachte nun unsere Sachen dort und war etwas beruhigter, dass wir sie nicht haben wegwerfen müssen. Es dauerte noch recht lange, bis wir zur Abnahme dran waren – der Laden war voll mit „Neustartern“. Doch nun war es soweit und wieder wurden wir für unseren sauberen Camper gelobt. Wie andere wohl aussehen mögen? Die Sache mit den Sensoren ist denen nicht unbekannt und trotz „full“ wurde uns das Fahrzeug ohne jeden Mangel abgenommen. Die Abgabe an sich dauerte nicht lange, wohl auch dem Regen geschuldet. Nun hieß es warten auf den Transfer zum Flughafen. Zwischendurch musste ich mal 2 Jungs von unseren Taschen runterscheuchen… schließlich hatten wir trotz guter Verpackung zerbrechliches Zeug darin. Reicht, wenn das beim Beladen der Fliegen hinüber geht! Nach gut ner ¾ h rief uns der Fahrer auf und fuhr mit uns zum Flughafen. Hier checkten wir nach Peilen der Lage recht bald unsere Koffer ein. Ich hatte im Flughafengebäude noch schnell ein paar Sachen umgepackt – nur so eine Ahnung… war auch gut so, denn beide Taschen waren knapp am Limit! Wir brauchten nichts zuzahlen! 2 Spikes, die wir noch auf einer kurzen Wanderung in Balzac beim Bahnübergang aufgesammelt haben, hatte ich ins Handgepäck genommen. Diese wurden mir jedoch bei der Kontrolle abgenommen. Glücklicherweise war die Dame von den Spikes derart abgelenkt oder irritiert, dass sie meinen Rucksack nicht weiter durchwühlte. Ich hatte nämlich in der Tüte mit meinem Tagebuch und den Kugelschreibern auch noch eine Schere mit drin! Die hat sie total übersehen. Nun, diese beiden Spikes konnte ich verschmerzen, auch wenn es völlig sinnlos war, die mir nicht mitzugeben. Mit ner Schere kann ich jemanden allemal besser abstechen als mit nem Spike!

   Nun durchstriffen wir wieder mal den Flughafen – ich hatte einen langen Weg zurückzulegen, bis ich eine rauchen konnte… – gönnten uns dieses Jahr zum Abschluss aber noch ein richtiges Mahl im Restaurant. War lecker – ganz nach unserem Geschmack. Thomas hatte Spare Ribs und ich Medaillons, jeweils mit Baked Potato, Sour Creme und Salat. Die diversen Läden durchwanderten wir mehr oder weniger, um die Zeit rumzukriegen – gekauft haben wir nichts. Das Angebot hat sich über die Jahre nicht wirklich geändert. Und die eine Bluse, die mir wirklich sehr gut gefallen hat und die ich wohl für über 100 Can$ mitgenommen hätte, gab es in meiner Größe nicht. Tja – Pech!

   Gedanklich nahmen wir wieder mal Abschied von Kanada und waren uns sicher, dass Kanada recht traurig über unsere Abreise sein muss, denn nun schon zum mindestens 5. Mal „heulte“ Calgary an unserem letzten Abend und am folgenden Heimflug. Wir kommen doch wieder!!!