Howdy und ein herzliches Willkommen
Howdy und ein herzliches Willkommen

Kanada - British Columbia und Alberta - 28.05. bis 19.06.14

...viel zu schnell vergeht die Zeit! Monatelang freut man sich auf diese Reise und schwups... ist alles längst wieder Geschichte. Na, was soll's - das Problem hat wohl ziemlich jeder. Ich möchte nunmehr wieder versuchen, einen Bericht zu formulieren, der erkennen lässt, wie sehr wir den Aufenthalt in Kanada genießen.

   Die Planung beginnt - wie die Jahre zuvor auch - immer sehr rechtzeitig. Im Oktober hatten wir mit dem Reiseanbieter CANUSA das Angebot abgeklärt und gebucht. Wir waren von dem Preis sehr überrascht, da es günstiger als 2011 war. Gleich an dieser Stelle möchte ich anmerken, dass wir mit CANUSA wieder sehr, sehr zufrieden waren/sind.

   Natürlich wurde wieder die Reiseroute grob abgesteckt, mit Tageszielen und zu fahrenden Kilometern versehen sowie mögliche Attraktionen/Aktivitäten auf dem Weg notiert, lauschige Campgrounds ausgesucht - nicht vorgebucht! Wir sind immer noch der Ansicht, dass dies im Mai/Juni nicht notwendig ist... ein Plätzchen wird sich immer finden. Wir nahmen uns vor, dieses Mal BC (British Columbia oder auch "bring cash") intensiver zu bereisen und suchten uns Straßen durch das Okanagan Valley, zum Wells Gray Park, zum Yoho-Nationalpark, Banff, Innisfail und zurück nach Calgary. Ankunfts- und Abflugsort war wieder Calgary, natürlich waren Besuche bei den Verwandten in Lethbridge sowie der Line-Dance-Freunde in High River mit im Plan.

   Wir haben ja schon so unsere Erfahrungen, daher war ein Buchen der Zusatzkilometer - wir lagen errechnet bei ca. 3.200 km - für diese Reise nicht sinnvoll, da es nur 500er Pakete gab für knapp 150 €, der nachzuzahlende Kilometer kam vor Ort 0,41 Can$. Am Ende zahlten wir ca. 58 € nach.

   Es kam die Zeit, da wurde das Koffer packen wichtig. Neben unseren notwendigen Bekleidungsstücken kamen wieder für uns ultimativ wichtige Kleinigkeiten mit: Axt, Handschuhe, Plane mit Schnur, Schlafsäcke, Klammern, scharfes Küchenmesser, Sparschäler, Ersatzfeuerzeuge... na und noch son paar für uns unentbehrliche Dinge: Zigaretten, Alkohol gut verschnürt in Handtüchern und Mülltüten - ja was man so eben braucht. Alles hübsch rein in die Reisetaschen... Sie gingen sehr gut zu und hatten wenige Gramm unter 20 kg Gewicht.

 

Mittwoch, 28.05.

Rostock - Es ist kurz vor 4 - der Wecker klingelt... Aufstehen! Fix einen Kaffee, Brote gemacht, waschen, Rest einpacken und schon klingelte das "Taxi". Thomas hievte die 20-kg-Taschen runter, ich mit den Rucksäcken hinterher... Die Fahrt erfolgte ohne Stress oder Stau - wir waren rechtzeitig am Hamburger Flughafen und konnten uns dem Einchecken widmen. Viel Technik! Da hat sich seit 2011 so einiges getan. Vieles funktioniert mit I-Phone und so. Mit meinem alten Nokia bin ich da noch auf dem Steinzeitalterniveau! Aber Thomas kannte sich bestens aus, denn er bekam unsere Tickets ausgedruckt und unser Gepäck eingecheckt. Nach dem Check-In gönnten wir uns erst mal einen großen Kaffee - 4,05 € pro Tasse! Flughafen halt. Wir genossen unsere Brote dazu. Die Zeit verging sehr schnell und schon war Boarding-Time. Auch hier unheimlich viel Elektronik, fast ne Hürde. So ältere Leute denke ich haben da schon mal Schwierigkeiten... wenn sie nur alle Jubeljahre mal fliegen...

   Hamburg, 09.25 h - Wir fliegen... und nur weiß ist zu sehen. Die Maschine ist recht leer, aber das stört gar nicht weiter. Ab und an wackelt es mal... würde heute wieder Ina Müller neben mir sitzen müssen, hätte ich einen anderen Platz verlangt...    Flieger, Zeit in Frankfurt 14.05 h - Das Check-In in diesen Flieger gestaltete sich ja noch wieder ein Stück anders: Wir gingen mit Ticket und Pass an einen Tresen, bekamen auf das Ticket einen Stempel und ne Unterschrift. Jetzt konnten wir uns erst mal was zum Sitzen suchen. Ich saß auch gerade - Thomas war mal aufs Klo - und fing an, ne Gurke zu essen, da wurde mein Name aufgerufen... ich sollte mich beim "Desktop" melden. Alles wieder eingepackt, Thomas kam auch gerade und wir sind beide zu diesem Schalter. Unsere Pässe wurden durchgezogen. Thomas seiner auch; sein Aufruf wäre wohl etwas später gekommen, aber nun stand er ja schon mal da. Wir wunderten uns etwas und spekulierten, ob diese Vorgehensweise etwas mit meinem eigenartigen Vornamen zu tun hat. Was auch immer - wir mussten aber hören, wie danach laufend noch irgendwelche Passagiere aufgerufen wurden.

   Eine Raucherecke war auch ganz in der Nähe, also ging ich da noch mal hin - der Abflug unserer Maschine wurde mit ca. 15 min Verspätung durchgesagt. Also warten, noch den Rest Stullen aufessen, Stück Gurke... dann wurden die ersten zum Boarding gebeten. Natürlich "Bussines Class" zuerst sowie die Reihen 63 - 50. Wir "horchten" jetzt gespannt auf den Aufruf für unsere Reihe, aber nein... jetzt durfte alles durcheinander an Bord.

   Unsere Plätze waren natürlich durch eine andere Person geteilt. Ich fragte die junge Frau, ob es in Ordnung wäre, wenn wir Plätze tauschen und gab ihr den Fensterplatz. Handgepäck wurde verstaut - wir waren bereit zum Starten... Wir sind gerade über Wasser... Atlantik?

   Bisschen laut erscheint es mir, die Klimaanlage arbeitet auf Hochtouren - das zischt unheimlich. Trotzdem habe ich unmittelbar nach dem Start meine Augenklappe aufgesetzt und doch tatsächlich tief abgenickt - ich fühle mich jetzt munter. Bevor wir gestartet sind (mit Air Canada), hatten wir ausreichend Zeit, uns mit dem Screen zu beschäftigen. Alle Achtung! Eine umfangreiche Filmauswahl - ob nun für Erwachsene oder Kinder - wird angeboten, ganz zu schweigen von der Musik.

   Eigenartigerweise habe ich schon wieder ein leichtes Hungergefühl, obwohl es im Flieger Hamburg-Frankfurt einen Riegel gab und ich auf dem Flughafen Stulle + Gurke + Salat knabberte! Im Übrigen: Wenn ich das gewusst hätte, dass die gar nicht so arg Flüssigkeiten kontrollieren, hätte ich doch die große Flasche mitgenommen. Denn die leere Flasche und 2 Stücken Gurke habe ich weiterhin im Rucksack! Das wundert mich. Auch den Technikkoffer, der in Thomas Rucksack ist, brauchte nicht geöffnet werden....

   Es gab Essen: Fish or Pasta? Ich wagte mal Fisch. War okay, Lachs mit Reis. Thomas nahm Pasta, die war gut scharf. Dazu gab es jeweils ein Brötchen, Salat, Kuchen, Wasser. Da der Getränkewagen fast zur gleichen Zeit da war, nahm ich Rotwein, Thomas seinen (aber nur im Flieger!) geliebten Tomatensaft und beide einen Whiskey "Canadian Club"... Prost auf unsere Reise. Wir präparierten uns für die Mittagsruhe... wir sind knapp über Grönland rüber. Ist das schon die Hälfte? Noch haben wir 4 1/2 h Flug vor uns.

   Langweilig ist es... noch 2:56 h bis Calgary zu fliegen... Kaffee gabs schon mit Eis und Brezeln. Aber Dinner muss es ja auch noch geben... Die Zollkarte haben wir gerade ausgefüllt; auch die ist etwas "erneuert". Für Thomas war neu, dass wir nur eine Karte ausfüllen brauchen. Das war jedoch schon immer so, wir haben's nur nie gemacht. Es gab noch einen Imbiss: son Wrap. Hat weder nach Chicken noch nach Potatoe - wie es auf der Packung avisiert war - geschmeckt... In knapp 40 min wollen wir landen!

   Calgary, 19.15 h - Sind gerade vom Essen zurück! Aber der Reihe nach: Gelandet sind wir bei Regen, jedoch super pünktlich. Noch während der Landung habe ich von der Sitznachbarin namens Hazel erfahren, dass sie aus Nordschottland ist und noch nach Vancouver fliegt. Dass sie über Frankfurt fliegt, liegt daran, dass das einfacher und preiswerter als über London ist. Erstaunlich!

   Durch den Zoll kamen wir recht zügig, brauchten keine Fragen beantworten. Nur machte der Typ den Stempel nicht in Thomas seinen Pass, sondern auf die Zollkarte und die musste ja beim Verlassen des Flughafens abgegeben werden. Nun hat er in seinem nagelneuen Pass nicht mal nen Einreisestempel! Kaum waren wir draußen und ich ne halbe Zigarette geraucht, kam Thomas wieder und meinte, unser Shuttle ist gerade gekommen. Zigarette also aus und rein in den Bus. Der fuhr nur geradeaus und war nach 2 min am Hotel. Auch dieser Mann verschonte uns noch mit dem Englisch sprechen. Wobei doch Thomas sogar recht gesprächig war. Die erste große Herausforderung war dann die Dame an der Rezeption. Ich habe am ersten Tag doch wieder unheimlich doll damit zu tun, meine Englischvokabeln zu sortieren und sie dann auch auszusprechen. Mir summte noch so der Kopf vom Fliegergeräusch. Letztendlich ging alles gut und wir drückten die schwere Zimmertür auf. Welch eine Wohltat, das Zimmer in Beschlag zu nehmen. Während Thomas seine Elektronik checkte, guckte ich in die Taschen, ob unsere Flaschen ganz geblieben sind. Mich begrüßte doch gleich mal ein Zettel: "...Ihr Gepäck musste ... geöffnet werden. Dabei wurden folgende Gegenstände entnommen, da diese gegen die geltenden Gefahrgutvorschriften und das Luftverkehrsgesetz verstoßen: Feuerzeuge 4. Sie haben ... verstoßen. Dieser Verstoß kann als Ordnungswidrigkeit oder Straftat verfolgt und mit erheblicher Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden..." Fazit: Feuerzeuge gehören nicht ins Reisegepäck, auch wenn sie ganz, ganz unten verstaut werden, sondern an den Mann! Denn beide hatten wir eine Schachtel Zigaretten mit Feuerzeug in unserem Rucksack! Diese Feuerzeuge nahmen sie uns nicht ab. Die fanden keine, aber auch nicht die geringste Beachtung. Kann ich nicht wirklich nachvollziehen, muss ich wohl auch nicht, aber ich werde es mir für eine nächste Reise ganz sicher merken: NICHT in die Reisetasche mit den Dingern! Hätte dieser Zettel nicht obenauf gelegen, hätte ich wohl auch erst beim Auspacken den Verlust festgestellt. Obwohl ich sie ganz unten in der Tasche deponiert hatte, waren meine Sachen fast genauso wie ich sie gepackt hatte. Sehr gut.

   Wir versuchten, uns einen Kaffee zu kochen. War nicht so einfach; erst nach dem dritten Mal Reinschütten der Brühe war es dann annähernd heißer Kaffee. Morgen früh wird's besser werden! Wir wollten dann wie üblich das Hotel erkunden. Ich ging schon mal vor eine rauchen... Da stehe ich da, nachdem ich mich fast verlaufen hätte und schon in der Tiefgarage stand - hab mir knapp ne Zigarette angemacht, kommt son Typ auf mich zu und labert mich voll. Ist ja nett, aber ich war noch gar nicht aufnahmefähig! Zumal er recht undeutlich, nuschlig gesprochen hat. Er schlauchte ne Kippe und erzählte mir, dass seine Familie über Prag und Stuttgart nach Kanada kam, diese nun vorrangig in Californien lebt - er ist Kanadier geblieben. Thomas kam hinzu und auch den textete er zu. Noch ne Zigarette geschlaucht, lehnten wir seine spontane Einladung auf ein Glas Wein jedoch dankend ab.

   Wir kramten in den Prospekten brauchbare heraus, gingen in die 4. Etage zur Terrasse und begutachteten diese, da sie mit 2 Whirlpools bestückt ist. Ja - sieht neckisch aus, aber wir nahmen da kein Bad. Nach dem Frischmachen sind wir runter ins Restaurant - Hunger stellte sich ein. Hier folgten die nächsten "Strapazen": wir erhielten einen Platz zugewiesen und verstanden kaum etwas von dem, was die Platzanweiserin uns erzählte. Eine Kellnerin kam dann, stellte sich vor und mit Händen und Füßen konnten wir uns einigen, was wir futtern wollen. Thomas nahm ein kleines Steak mit ner Art Pommes und obenauf 4 Knoblauchshrimps. Ich entschied mich für Hühnerbrust auf Spaghetti. Die Brotbar war sehr interessant: 4 Sorten Brot stehen zur Verfügung, dazu 3 verschiedene Buttersorten: Knoblauch, Pesto - so Art getrocknete Tomaten untergemischt - und pur. Die Butter streicht man sich aufs Brot und grillt dies dann auf einem riesigen Grill mitten im Restaurant. Wir grillten erst das Brot und taten dann die Butter rauf... Wir hielten uns jedoch mit der Brotbar etwas zurück, sahen wir doch schon die riesigen Essensportionen der anderen... Ein Bierchen noch zum Essen... Es schmeckte alles äußerst lecker! Nach einer Stunde verließen wir das Restaurant wieder - satt und müde. Den Typen vom Rauchen sahen wir auch... er uns wohl nicht; war uns auch lieb, da er nun schon offensichtlich einige Gläser Wein getrunken hatte.

 

Donnerstag, 29.05., 05.55 h

   Sind gestern schon halb neun ins Bett... die Quittung kam: das erste Mal war ich halb 3 wach, mehr oder minder habe ich mich bis halb 6 rumgewälzt, dann sind wir beide "aufgestanden". Nun wusste ich ja besser mit dem Kaffeeautomaten umzugehen: ich zauberte vorzüglichen Kaffee. Leider war nur noch für jeden ein Becher. Geschlafen haben wir gut, nur sind unsere Nasen dicht... Fenster gehen nicht zu öffnen. Muss man wohl viel trinken. Eine erste Zigarette habe ich auch schon genossen. Dabei konnte ich sehen, dass über Calgary eine dunkle Wolke hängt und es eben weg regnet. Sieht auch nicht so aus, als gehe das demnächst vorbei. Hauptsache, es wird nicht so wie 2011, wo alles abgesoffen ist. Wir müssen optimistisch sein - haben ja eh keine Wahl!

   Nun zum Zimmer: 2 riesige Betten, jeder nahm eins und schleuderten erstmal 3 von 4 Kissen raus. Die Decken sind fest eingeklemmt, was das Einkuscheln arg erschwert. Ansonsten sehr bequem. An der Wand hängt ein großer Flachbildschirm - haben wir aber nicht mit Bild angeguckt. Ein Schreibtisch mit Art Bürostuhl und einen anderen fest installierten Tisch mit nem "halben" Sessel davor gibt es. Hier steht auch der Kaffeeautomat. 4 Flaschen Wasser und Kaffee/Tee mit Zubehör werden gereicht. Das Bad hat ne Wanne, die mehr zum Sitzen als zum Liegen geeignet ist, mit einer interessanten Dusche, wobei ich die vielen Nebendüsen beim gestrigen Bad nicht wirklich in Gang bekommen habe. Ausreichend Tücher und Bademäntel stehen zur Verfügung, ein Föhn und sogar Bügeleisen samt Brett; großer Schuhanzieher. Massig Spiegel, darunter ein "Lupenspiegel" mit Beleuchtung, Badutensilien komplettieren das Angebot. Das Bad hat eine Nachtbeleuchtung - sehr zu begrüßen - und? Selbst hier ist ein kleiner Fernseher - genial! Am Ende des Flurganges stehen auch Snack- und Eisautomaten sowie 3 Waschmaschinen zur Nutzung bereit. Das einzige: die Tür muss stark ins Schloss knallen, sonst schließt sie nicht. Leise schließen ist nicht drin! In allem ein sehr gutes Zimmer für die erste Übernachtung. Bleibt noch das Frühstück abzuwarten... Dann können wir in den Tag starten, so wie die Flugzeuge, die nun doch vermehrt zu hören sind. Das Hotel organisiert den Transfer zu Fraserway zu um 10, dann können wir loslegen. Selbst die Regenwolke verdünnt sich, stellenweise lugt schönes Himmelblau durch.

   08.45 h - Wie nicht anders zu erwarten, war das Frühstück vorzüglich. Die Bread Bar ist ne tolle Einrichtung! Gab zwar nur normale Butter, aber für Honig und Marmelade bestens. Vor unseren 2 Spiegeleiern mit Würstchen/Schinken und super leckeren Bratkartoffeln und danach gönnten wir uns je ne Stulle - LECKER! Kaffee und Orangenjuice gab's dazu - wir sind satt. Nun noch die Taschen wieder packen und die Zeit bis zum Transfer kann vergehen. Übrigens: die graue Wolke hat uns wieder erreicht! Aber der Regen soll ja nach lassen... wann?

 

Freitag, 30.05., 07.00 h

   Thomas nahm gestern noch erste Kontakte mit Deutschland auf, ich durchblätterte noch ne Zeitung... dann wurde es Zeit, in die Lobby zu gehen. Thomas checkte aus und von seiner Karte wurde der Restaurantbesuch abgezogen. Wir hatten uns bei der Zeitangabe etwas verhört, der Transfer kommt erst halb 11. Wir saßen in der Lobby bei weiterem Zeitungsgeblättere und schwups war auch der Transfer schon da. Los ging die Fahrt durch das "neue!" Calgary. Haben wir schon 2011 gestaunt, welche bauliche Erweiterung diese Stadt erfährt, sahen wir gestern, dass dies wohl nur der Anfang war. Wir sind durch eine Gegend gefahren, die noch nicht in unserem Stadtplan eingezeichnet ist. Eigentlich sahen wir Calgary mehr entschwinden, als dass wir in die Stadt fuhren. Enorm, was die da gebuddelt haben! Auch Fraserway an sich erschien uns neu. Das waren Änderungen, die nicht, aber auch nicht im Geringsten mit unseren Erinnerungen überein stimmten.

   Die Camperübernahme führten wir gründlichst durch... schließlich haben wir so unsere Erfahrungen. So wurde noch eine Klappe vorsorglich abgebaut, da wir sie sowieso verlieren werden. Ein sehr schönes, fast nagelneues Wohnmobil haben wir... mit Slide Out! Cool! Ansonsten ausgestattet wie immer, die Dusche ist sehr gut plaziert. Herd mit Abdeckung, Mikrowelle und Toaster. Begeistert bin ich, dass wir einen Campingtisch haben. Ne Axt auch! Und das ohne Aufpreis! Auch die Campingstühle sind im Paket. Wie sich die Ausstattung funktional erweisen wird, werden wir je demnächst wissen.

   Gut halb 1 waren wir dann fertig und fütterten das Navi, um zu diesem LGB-Laden zu finden. Das Navi haben wir kostenlos von Fraserway zur Verfügung bekommen, da wir "Wiederholungstäter" sind. Schon 2005 hatten wir von Fraserway ein Fahrzeug. Es war recht gewöhnungsbedürftig, der "Dschienie" zu folgen. Ich nenne sie so, weil die das "G" wie "Dsch" auspricht: "Biedschen Sie links ab..." Aber sie hat uns genauso geführt, wie wir uns das auf der Karte ausgeguckt hatten... Wir parkten und gingen in den Laden, ich tätigte einen Rundumblick, Thomas stellte seine Fragen. Staune ich doch, dass er da allein losprescht und gar nicht meiner Hilfe bedarf. Hat er heimlich Englisch geübt? Außer einem T-Shirt und 2 Kappen hat er aber nichts erstanden, weil der Ladenbetreuer nichts hatte und permanent auf Nanton verwies. Der wird sich über seinen Tagesumsatz mit Thomas total gefreut haben...

   Zurück am Camper stellten wir fest, dass wir schon wieder unter einer Stromleitung stehen... auch erkannte Thomas son lustiges Stiefelgefährt wieder. Ja klar, weit und breit keine andere Stromleitung; gleich auf der anderen Straßenseite musste Alberta Boots sein. Die Überquerung der Straße war fast ein kleines Abenteuer, die Ampel half uns. In Alberta Boots schauten wir uns um. Für mich war nix zu finden. Die Stiefel sind immer noch zu groß für mich und noch ein paar Kinderstiefel wollte ich nicht kaufen. Thomas fand ein Paar, leider nicht in seiner Größe. Wir suchten weiter, fanden noch ein hübsches Paar, das sogar passte und nun zum Erwerb die Entscheidung fand. Wir guckten noch mal nach, aufgrund welchen Fehlers die Preissenkung erfolgte und stellten ziemlich überrascht fest, dass wir uns arg im Preis verguckt hatten. Das wär ein Schreck geworden, wenn von der Kreditkarte statt 350 Can$ 1.350 Can$ abgezogen worden wären. Wir waren über uns selbst irritiert und stellten die Stiefel wieder weg. Statt dessen nahmen wir zwei aus Gips für je 8 Can$ mit. Die passen auch!

   Wir zockelten wieder zum Mobil und setzten unsere Fahrt Richtung Nanton fort. Thomas hatte ordentlich zu tun - der Wind drückte kräftig seitlich gegen unseren Kasten und machte obendrein einen Höllenlärm. In Nanton betraten wir den LGB-Laden... Thomas war im Paradies! Der alte Herr war sehr freundlich und sehr entgegenkommend hinsichtlich der "Preisgestaltung" für die 2 Wagen, die Thomas sich nun zuschicken lässt. Den Schneeflug nimmt Thomas als Handgepäck mit. Ich durfte Püppies aussuchen - ich nahm die 4 sitzenden. Insgesamt - mit Garten angucken - verbrachten wir gut über eine Stunde dort. Es zeichnete sich ab, dass wir recht spät bei Erika ankommen werden. Egal. Wir schlenderten noch durch einen Antiquitätenladen, hielten kurzen Smalltalk, kauften aber nichts. Die anderen Läden hatten inzwischen geschlossen. Also sind wir weiter, wir wollten ja noch in Claresholm in den Frontier. Der hatte noch auf - zum Glück, denn inzwischen war es halb 6. Wir rackelten erst an der uns bekannten Tür - die war zu! Und nu? Ach, da steht doch, dass der Shop jetzt hinten ist... Im Shop guckte ich mich nur kurz um, während Thomas eine Trense kaufte. Jetzt waren wir fertig - nur noch schnell in Sobey's rein, ne Flasche Wasser und Riegel kaufen, denn Mangelerscheinungen traten ein und wir hatten noch ein Stückchen Weg. Tante Dschienie führte uns über eine Nebenstrecke, sparte uns Kilometer und vielleicht auch Zeit. Vor allem hatten wir erst mal Rückenwind. In Monarch kamen wir auf den gewohnten Highway und waren recht schnell in Lethbridge. Hier hatte Tante Dschienie Schwierigkeiten mit den neuen Straßen und sagte uns links statt rechts an, meinte wir sollen wenden... Thomas ignorierte sie jetzt und kramte aus seinen Erinnerungen den richtigen Weg hervor. Und siehste da? Wir fanden Erikas Haus.

   Die lauerte schon auf uns. Wir begrüßten uns kurz und herzlich, lernten Leonard kennen, Erika wärmte das Essen auf: Rinderbraten mit Kartoffeln und Rotkohl... es war aber auch höchste Zeit, dass wir was essen... und tauschten die neuesten Neuigkeiten aus, Erika gab mir stolz ihr Buch - ihre Memoiren - zu lesen. Toll das Buch! Halb 11 sind wir dann in die Betten und haben gut geschlafen. Kurz vor 7 bin ich aufgestanden, kurz darauf hörte ich oben schon Bewegung: Erika machte Frühstück. Eier, Bacon, Brot, Käse, Marmelade. Während des Frühstücks verfassten wir den Tagesablauf: Einkaufen in Walmart und Liquore Store, dann zurück den Fisch einfrieren, in die City zum CAA neue Straßen-/Landkarten holen. Wir luden Erika und Leonard zum Essen ein - sie entschieden sich für Smitty's. Alle nahmen wir einen Seniorenteller, die Portion war reichlich genug. Im Anschluss fuhren wir zum Friedhof zu Nicks Grabstelle. Da Leonards Haus ganz in der Nähe war, beguckten wir uns das auch. Auf dem Heimweg zeigte uns Erika Mikes Shop; wir Deutschen würden Firmengebäude sagen, die sagen Shop. In dem 1,6 Mio Can$-Bau war aber niemand trotz offener Tür. Weiter mit der Rundfahrt: Lammler's stand auf dem Plan. Obwohl die Verkäuferin sich mit mir die größte Mühe gab - ich fand nichts zum Kaufen. Thomas erstand ne Jeans.

   Nun meldete sich aber Kaffeedurst... und es war inzwischen recht warm geworden. Und ich mit "Wollpullover" und dicken Schuhen... eine Auszeit war fällig. Zu Hause angekommen, packte ich das Brot und das Fleisch portionsweise zum Einfrieren in Beutel. Im Schatten ließen wir uns den Kaffee mit Keksen schmecken und unterhielten uns, besonders über Leonards Wohnungsvermietung. Interessant, vor allem, wie man hier fix die Nichtzahler aus der Wohnung bekommt. Erstaunlich.

   22.30 h - Die Zubettgehung steht bevor... Nach unserem Kaffeetrunk sind wir noch ne Runde um den See gegangen, aßen ne Stulle und sind zum 1-$-Store gefahren. Hier erstanden wir einige Deko-Artikel. Ca. halb 9 war ich mit dem Verstauen der Inhalte unserer Reisetaschen in die Fächer des Wohnmobils fertig. Jetzt hatten wir Zeit, ein oder zwei Gläschen Fireball mit Erika und Leonard zu genießen. Erika schlug vor, am nächsten Tag nach Wateron zu fahren. Gute Idee.

 

Samstag, 31.05., 17.05 h

   Wir sind kurz nach 9 los gefahren in Richtung Berge. Mir fiel auf, dass wir eigentlich noch nie von Lethbridge direkt nach Waterton gefahren sind - Magrath z. B. war mir völlig neu. Bei Cardston "betraten" wir Indianerland - sogar mit einem Schild wurde das Reservat angekündigt. War uns noch nie so aufgefallen. Dieses Mal haben wir auch mehr auf deren Behausungen geachtet. Ja... ziemlich runter gekommen sehen die Buden aus. Die Farmen der Mormonen hingegen sahen da schon wesentlich gepflegter, aufgeräumter aus. Viele Kühe weideten auf den saftig grünen Flächen - die neuen "Buffels".

   Da der Weg zum Red Rock Canyon als erstes kam, steuerten wir da gleich rein. Am ersten View Point hielten wir, ich fotografierte das erste Wildtier: ein kleines Hörnchen. Leonard baute das Fernglas auf und suchte die Berge nach Getier ab. Schon fragten Vorbeifahrende, ob etwas zu sehen ist. Nein, kein Tier tat uns den Gefallen. Am Red Rock Canyon angekommen tätigten wir erste Fotos, Erika und Leonard umwanderten den Canyon, Thomas und ich bewanderten den Waldweg. Losung fanden wir ausreichend, nur nicht das passende Tier dazu. So drehten wir wieder um und umwanderten ebenfalls den Canyon. Nun waren unsere obligatorischen Fotos im Red Rock Canyon dran... Ein leichtes Hungergefühl setzte bei uns ein und wir steuerten einen Picknicktisch an. Da waren gerade ein Guide und 2 Reiterinnen dabei, sich für einen Ausritt fertig zu machen. Die Sandwiches und der Kaffee taten gut und wir konnten gestärkt nach Waterton Townsite fahren. Ein kurzer Stop am Cameron Fall, dann suchten wir eine Parklücke in der Einkaufsmeile. Fielen unterwegs schon 5 oder 6 Tropfen Regen, zog es sich jetzt doll zu. Aber das tat dem Geschäftsbummel ja keinen Abbruch... im "Caribou Clothes" wurde ich reichlich fündig und schlug zu: 2 Shirts, 1 Kleid, Partnerlook-Pullover in blau, 1 Shirt für Thomas. Da ich so viele Teile kaufte, fragten wir nach Rabatt und ich bekam meinen blauen Pullover gratis.

   Inzwischen tröpfelte es mehr und wir beschlossen den Bummel abzubrechen, schließlich waren wir erfolgreich gewesen. Just knapp im Auto regnete es mehr. An einem Rastplatz stoppten wir noch mal für's Pullern, hatten die Gelegenheit noch 2 Deers auf den Chip zu bannen und fuhren dann im mäßigen Regen aus dem Park. Die Fahrt zum Cameron Lake tätigten wir nicht mehr, denn da hing die düstere Wolke... Wir schafften es, dem Regen zu entfliehen, in Magrath stoppten wir zum Fototermin der Elevators. Nun gings schnurstracks nach Hause... essen. Während Erika die Rippchen grillen ließ, buddelten Thomas und ich schon mal etwas Knoblauch aus - für unterwegs und für die Zucht im heimischen Garten. Inzwischen hat sich auch hier ne dunkle Wolke vor den schönen blauen Himmel geschoben, ein Blitz und Donnergrollen waren zu vernehmen, der Wind frischt auf... mal schauen, was das wird!

 

Sonntag, 01.06., 16.35 h

   Nach Erikas leckerem Essen genehmigten wir vier uns den Spreewaldbitter, hatten wieder viel zu erzählen und gingen früh ins Bett. Der Tagesausflug nach Wateron hat uns gut müde gemacht. Es war aber ein sehr schöner Tag. Wer früh zu Bett geht, steht auch früh wieder auf... so kam es, dass wir 3/4 6 schon wieder in Bewegung gerieten. Nach dem Frühstück packte ich unsere Sachen in den Camper - wir zogen bei Erika wieder aus. Unsere Abschiedsfotos bastelten wir mit Stativ und Selbstauslöser. Kurz nach 9 fuhren wir aus Erikas Straße raus... unsere weitere Entdeckung Kanadas nahm ihren Lauf.

   Lethbridge - Cardston - Mountain View - Twin Butte - Pincher Creek - Crowsnest Pass - Sparwood - Fernie- Jaffray - Fort Steele - Campground Norbury Lake

   Da der Güterbahnhof von Lethbridge eh auf dem Weg lag, war dies gleich mal unser erster Anlaufpunkt. Wir gingen in das Gebäude und fragten einen Angestellten - nachdem wir uns dort im Haus hätten kräftig umsehen können - ob wir Loks fotografieren dürften. Ich erklärte ihm, dass Thomas ein Fan der Canadian Pacific Railway ist. Wir erhielten eine kurze Belehrung und legten mit dem Ablichten der vielen Loks los. Auf dem Rückweg fanden wir noch 4 Spikes, die unauffällig in unseren Besitz übergingen. Bei der weiteren Fahrt wollten wir uns Zeit lassen und ich erinnerte Thomas daran, dass er die maximale Geschwindigkeit nicht unbedingt ausreizen muss... Trotzdem dass wir recht gemächlich fuhren, verpassten wir doch glatt irgendwie Pincher Creek. Auf dem Plan stand eigentlich der Besuch der Hutterite-Kolonie... sollte an der 507 sein... aber uns fiel überhaupt kein Weg nach Pincher Creek auf. Erst richtig bewusst wurde uns das, als schon Flank Slide angekündigt wurde. Nun, so besuchten wir die Hutterer nicht. Wir mussten nun aber aufpassen, dass wir nicht die Bank und Tanke verpassen...

   18.00 h - Es ist noch hell. Bank verpassten wir nicht und holten jeder noch Geld ab. Nun rätselte Thomas, bei welcher Tanke er halten soll, entschied sich für Petro Oil. Mit dem Zapfen gab es ein kleines Problem, aber ein Kanadier war so nett und erklärte helfend: Man musste die Kreditkarte reinstecken, dann lief Gasoline... stoppte jedoch bei 100 Can$. Somit war der Tank leider nicht ganz voll. Die Tante im Shop gab uns den Tipp, ne kleine Runde zu fahren, dann könnten wir weiter tanken. Thomas hatte aber dazu keine Lust und kaufte nur noch 2mal Firewood. Wir hielten noch beim Info-Center, denn dort war Internetanschluss. Zum E-Mails angucken kamen wir jedoch nicht, das dauerte viel zu lange... noch mals aufs Klo und wir fuhren weiter. Beim Olsen Rest Area hielten wir für ne Tasse Kaffee. Für mich ist es etwas schwer, ans Geschirr zu kommen, das Fach ist einfach zu hoch angebracht. Noch kann ich auf die Bank steigen, aber wenn wir Slide Out nutzen, ist das vorbei... Wir ließen uns das Täss' Käff' schmecken und beobachteten, wie sich eine einzige dunkle Wolke über uns schob und schon ein paar Tropfen fallen ließ. Wir fuhren weiter, weil immer mehr Tropfen fielen. Ups, da ging doch glatt noch mal die Tür auf? Diese jetzt richtig verriegelt, gings durch einen kräftigen Regenschauer, der unsere Scheibe etwas säuberte. Schon war wieder blauer Himmel zu sehen und urplötzlich keine Tropfen mehr zu vernehmen. Da keine weiteren Stopps mehr nötig waren - die verschiedenen angekündigten Tiere kamen nicht, zeigten sich nicht - fuhren wir direkt hier zum Campground. BC ist sparsam geworden: An der Selfregistration hängt nur noch eine Übersicht des Campgrounds, keine Zettel mehr zum Mitnehmen. Wir mussten hier schon mal die erste Vorauswahl treffen, welchen Platz wir wohl nehmen wollen. Unsere "Vorauswahl(en)" waren tatsächlich schon besetzt... wir nahmen Nr. 41. Die 16 Can$ in die Tüte gepackt, steckten wir sie in den gelben Stahlkasten. BC spart weiter: sie bieten bzw. legen kein "free firewood" mehr aus. Willste Feuer machen, bring dein Holz selbst mit! Aber! Beim Überqueren der Provinzgrenze sahen wir doch tatsächlich ein großes Hinweisschild, dass man kein Feuerholz nach BC einführen soll. Nun, dafür war es jetzt zu spät. Das hatte ich zwar vorher schon irgendwo gelesen, aber es nicht wirklich für ernst genommen. Ach, zur Tarnung haben wir ja noch was gekauft...

   Thomas parkte unser Gefährt ein, was etwas schwierig war, weil doch 2 Bäume recht eng zusammenstanden... ein schöner Platz: nicht zu weit weg vom See, nah genug an Toiletten, aber eben nicht zu nah. Als wir vom Geldeinwurf zurück kamen, bereitete ich für jeden eine Schüssel Müsli, wir gingen kurz zum See. Nun konnte sich Thomas auch wieder an diesen Platz erinnern... beide konnten wir uns jedoch nicht an den Weg zur "Beach & Picnic Area" erinnern. Den nahmen wir nun unter unsere Wanderschuhe. Tatsächlich, noch ein See! Oder ist das ein Ausläufer? Stellenweise zeigte der See ein schönes Smaragdgrün, an einigen Punkten konnte man ans Wasser, aber der eigentliche Beach waren das noch nicht. Recht bald erreichten wir das entsprechende Areal und stellten fest: hier gibt es einen Parkplatz. Die 2 Mädels, die wir aus der Ferne baden sahen, gingen gerade zum Auto und wir konnten den Seeblick allein genießen. Ja, ist eine schöne Stelle zum Baden und fast meinte ich zu bedauern, nichts zum Baden mit genommen zu haben. Wir machten uns auf den Rückweg. Wir trafen den Parkwardener, sagten ihm, dass das unsere Tüte da sei und fragten nach Feuerholz. Jo, er bringt was vorbei... Fast gleichzeitig trafen wir mit ihm zusammen auf unserem Platz ein. Er schüttete das Holz hin, ich drückte ihm das Geld in die Hand und fing auch gleich an, das Essen vorzubereiten. Thomas hackte Holz...

   19.35 h - Ich machte Hähnchenbrust mit Zwiebeln und Möhren. Hierfür nutzte ich die gekauften Aluschalen, deckte alles mit Alufolie ab. Dazu kochte ich Kartoffeln vor, die wir dann eingewickelt auf dem Rost zu Ende garen ließen. Was soll ich sagen? Es missglückte alles leicht: die Zwiebeln waren fast alle angebrannt, das Fleisch ging gerade noch so, die besten Möhren pickten wir uns raus. Die Kartoffeln waren auch noch etwas fest - wir sind trotzdem satt. Machte das der Whiskey vorweg? Wir haben wohl alles zu früh auf das Feuerrost gelegt, es schlugen noch zu viele Flammen aus dem Kessel. Müssen wir uns wohl erst wieder einfuchsen.

   Der Wind hatte etwas nachgelassen, kam nun aus einer ganz anderen Richtung. Hätte das Aufspannen der Plane, wie ich es anfangs vorschlug, gar nix gebracht. Die Sonne blinzelte durch die Bäume... herrlich. Der Campground ist gut besucht, etwas weiter weg - auf "meinem" Lieblingsplatz - toben noch ein paar Kinder rum, ansonsten ist nur ne Straße neben ausreichend Vogelgezwitscher sowie der durch die Bäume säuselnde Wind zu vernehmen. Idylle pur! Jetzt noch etwas aufräumen, ein, eventuell auch zwei Bierchen gezischt und wir werden unseren ersten Knäckerchen-Abend genießen. Thomas hat schon so fleißig Holz gehackt... paar Zapfen haben wir auch gesammelt... und Borke. Brennt alles.

 

 

Montag, 02.06., 16.15 h

   ...und wie es gebrannt hat! Besonders die langen Kiefernnadeln. Es war ein schönes Feuerchen. So gegen 10e war denn auch vom Kinderspielplatz her mehr Ruhe, wobei ein Kind noch jämmerlich weinte. Ich musste sehr an Moritz denken. Dieses Geweine wurde aber doch von einem sehr eigenartigen Geräusch übertönt. Erst nahmen wir an, es sei ein Wapiti, aber für deren Fiepen war noch gar nicht die Zeit ran. Brunft ist erst im September. Wir spekulierten, ob es vielleicht junge Hirsche sind, die noch üben. Jedenfalls waren es merkwürdige Geräusche und kamen teilweise aus unterschiedlichen Richtungen. Wir wissen nicht, was es war, genossen aber diesen Sound und ließen allmählich das Feuer runter brennen, bis wir die Glut ablöschten. Inzwischen war es fast 11e - Zeit für die Nachtruhe. Die Betten sind 1 A ausgestattet, schön warm. Kurz vor 7 bin ich raus aus dem warmen Gemöhle, kochte mir einen Kaffee und noch einen... just konnte ich sogar meine Schlange auf dem Plumpsklo machen. Waschen, Frühstück vorbereiten und auch Thomas kroch aus seinem warmen Zeug hervor. Kurz bevor wir aßen, sah Thomas 3 Whitetales, aber wie wir zum Fotografieren raus kamen, nahmen die uns wahr und hopsten davon. Nix Foto! Das Eichhörnchen beobachteten wir beim Stulle kauen, wie es wohl erste Vorräte verbuddelte. Allmählich wurden unsere Nachbarn auch lebendiger...

   Wir machten uns an den Abwasch... ein Becken zum Abtropfen fehlt, aber für morgen haben wir schon ne Lösung: die Salatschleuder! Noch wieder alles aufgeräumt und ausgefegt, machten wir uns kurz nach 9 auf den Weg zur Weiterfahrt.

   Norbury Lake PP - Fort Steele - Cranbrook - Yahk - Creston - Salmo - Campground Champion Lake

   Am Beach-Parkplatz hielten wir nicht mehr, auch Fort Steele - kennen wir schon gut - ließen wir auf der Strecke liegen. Wir wollten in Cranbrook ins Eisenbahnmuseum, fanden es nach Irrungen unserer Erinnerungen auch, mussten aber lesen, dass es Sonntag und Montag geschlossen hat. Der schöne Schneeflug war auch nicht optimal für ein Foto abgestellt und beim Rundgang fand Thomas nicht wirklich Motive. Ich fotografierte noch Teilstrecke einer kleinen Rundumbahn - schade, dass sie die so verkommen lassen haben. Wäre eine Attraktion mehr. Insgesamt sah es aus, als ob nicht mehr genug Interesse ist, dieses Museum aufrecht zu erhalten.

   Ein kurzer Blick auf unseren Reiseplan sagte uns, dass Yahk die nächste Attraktion zu bieten hätte und wir fuhren in diese Richtung. An einem Rest Area hielten wir kurz und beobachteten, wie mitten im Wald am Highway ganze Baumstämme und Reste einer Hütte verbrannt wurden. Auf dem Weg zum Fluss sahen wir wieder Tierköddel, aber eben nicht das Tier. Die Antikscheune war immer noch arg inaktiv und das Marlene & Mike-Café haben wir nicht weiter gesucht, weil fast nur "closed" an den Geschäften zu lesen war. Volle Vorsaison! Pech für uns, so fuhren wir weiter bis Creston. Uns begleitete herrlichster Sonnenschein.

   In Creston achteten wir intensiv auf die Touristinformation auf der linken Seite... nichts. Schon waren wir bei den Speichern und siehe da: die Info ist umgezogen! Wir hatten inzwischen auch einen Zeitzonenwechsel und bekamen eine Stunde geschenkt. Die wollten wir für einen Bummel in Creston nutzen. Der Herr im Infocenter gab uns auf Nachfrage ausreichend Prospektmaterial und schenkte uns das Paket Feuerholz. Er machte stark den Eindruck, dass er froh war, es los zu sein. Na, so ist doch jedem eine Freude getan!

   Der Stadtbummel bestand jedoch nur aus dem Rauflaufen der Straße auf der einen Seite, auf der anderen wieder zurück. Aber ich hatte schon mal meine kurzen Hosen ausgeführt, es war ja so schön warm. Wieder zurück am Fahrzeug sahen wir, wie sich die dicke schwarze Wolke, aus der auch Donnergrollen zu hören war, immer mehr über Creston bewegte. Zeit für uns loszufahren, durch einen kräftigen Regenguss, der unsere Frontscheibe säuberte. Kurz darauf schien wieder die Sonne... Wir befinden uns in den Selkirk-Mountains, das sollte uns zu denken geben! Unbeirrt fuhren wir weiter in die Berge, schließlich war ja nun der Kootenay-Pass zu erwarten. Erst mal sah gar nichts nach Pass aus, wir fuhren eher bergab. Irgendwann muss doch dieser Pass kommen! Erste Schneereste im Wald wurden sichtbar, dann sehr schmutzige Schneereste am Straßenrand und gleich um die Ecke war er dann da: der Kootenay-Pass. Der kleine See total vereist, zugeschoben mit dem Räummaterial; die schöne Blockhütte nicht erreichbar, geschweige denn die Wanderwege. Schneereste und Schneemassen ringsum. Eine Tafel sprach von hochgradiger Lawinengefahr. Hat wohl auch einige erwischt laut den Bildern. Nun wussten wir auch, warum diese Schranken waren und es "open" leuchtete. Na, man gut - hätte ja ne massive Planänderung bedeutet...

   Das Geschehen am Pass selbst zu beobachten, war sehr interessant: die Trucks mussten ihre Bremsen prüfen. Das war hier so Vorschrift. Und damit das auch wirklich gemacht wird, stand den ganzen Tag da einer rum! Er gab aber auch Tips und sicherlich funkte er auch jemanden an, wenn wirklich ein Truck Probleme hatte. Es sah auch so aus, als ob dort gleich eine Werkstatt ist, die war aber "closed". Noch oder schon? Abschließend waren wir jedoch sehr erstaunt, dass da der ganze "kontaminierte" Schnee von der Straße und dem Platz einfach so bulldozerweise in den See geschoben wird. Ich machte etliche Fotos, eine dunkle Wolke mit Donnergrollen rückte an, wir fuhren weiter.

   Dieser Teil der Strecke - der Kootenay Skyway - war wesentlich spektakulärer. Allein von der Aussicht her und es ging rasant bergab. Die entgegenkommenden Trucks sah man regelrecht schnaufen! Irgendwo auf der Strecke sah ich noch 2 Wapitikühe im Wald. Wieder wurden uns ja Tiere avisiert... da stehen doch tatsächlich 3 Bighornsheeps auf der Straße? Mehr Tiere sahen wir nicht. BC hatte seinen Kontrakt erfüllt mit den 3 Schafen. Wieder kam ein Regenschauer und wieder kam die Sonne...

    19.30 h - Wir sind von einer kleinen Wanderung zurück. Das Licht reicht noch - ich schreib schnell, Thomas macht Feuer... Unmittelbar - na ja ein paar Kilometer waren es schon - kam der Abzweig nach Salmo. Hier wollten wir tanken. Etwas schlauer steckte Thomas die Kreditkarte in den Schlitz, drückte "other", gab 150 Can$ ein und tankte. Ich sah mich in der Tanke um, kam zurück, da war Thomas mit tanken fertig, denn bei 100 Can$ hörte der Benzinfluss auf. Uns sollte nichts weiter aufhalten und wir fuhren weiter bis zur nächsten Abzweigung. Auf dem Weg waren 2 Campgrounds ausgewiesen, wir wollten gleich den ersten ansteuern: Champion Lakes. Thomas fuhr an der Einfahrt mal fix vorbei, weil er meinte, hier gehts nur zum Golfen. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass hier die Campgrounds oft Provinzial Park heißen und das der Weg war... Nun musste er eine Stelle zum Wenden finden, was nicht einfach war. Die Einfahrt nun links genommen, gings 10 km bergan und wir erreichten diesen Platz. An der Tafel nahmen wir den ersten Überblick, '10,50 Can$', dachte ich 'super'. Wir durchkurvten den Platz. Einige Sites sind recht merkwürdig, viel zu schwer zu erreichen und 4 bestimmt schon mal gar nicht mehr zugänglich. Genau die aber hatten wir uns ausgesucht! Noch mal durch... wir hatten keinen Überblick mehr. Der Parkwardener - der jetzt übrigens Park Facility Operator heißt - kam uns entgegen. Wir fragten ihn, welche Plätze gut seien, er riet von den 40er Plätzen ab, da seien zu viele Mücken. Man, auch diese Plätze hatten wir in die engere Wahl gezogen. Nun denn, wir kreisten weiter und fanden einen vermeintlichen Platz. Kaum waren wir da eingeparkt, begrüßten uns Mücken ohne Ende. Die sollten doch bei den 40er sein, wir waren bei 80! Ich inspizierte die Feuerstelle, nebenbei bezog es sich, man vernahm wieder Donnergrollen. Diese Feuerstelle war ungeeignet, auch die beim Nebenplatz. Aber genau gegenüber... der Platz war perfekt... keine Mücken... vorerst! Aber jetzt standen wir hier und der Kassierer kam auch sofort, uns das Geld abnehmen. 10,50 hieß pro Person, also 21 Can$ weg. Die Mücken kamen, noch mehr Donnergrollen, es fing an zu tröpfeln. Thomas machte Feuer, bekam es nur schwer in Gang. Draußen sitzen und schreiben war nicht drin. Ich kochte erst mal Kaffee und holte alle Zutaten fürs Abendessen hervor. Den Kaffee tranken wir bei Tröpfelei - die Mücken waren weg. Der Schauer wurde kräftiger, dennoch packten wir die Futterpakete auf den Rost. Jetzt kam die Sonne sogar zum Vorschein, aber gleichzeitig auch wieder ein mäßiges Regengüsschen. Mücken waren weg, aber unser Essen wurde nicht gar. Bei allem kommen unsere Basecaps mit Moskitonetz zum Einsatz. Es hilft. Da unser Essen so nicht gar wurde, schmissen wir alles in die Pfanne - ich schrieb, Thomas passte auf, dass nix anbrennt. Es regnete weiter. Die Kartoffeln, gestern ja schon vorgekocht, wollten nicht weicher werden... müssen sie eben bissfest bleiben. Uns hat das Mahl gut geschmeckt.

   Das Feuer war runter, die Glut aus, der Regen weg, die Mücken wieder da. Wir rüsteten uns mit Basecap, Knipser und Fernglas für die Wanderung "2nd Loop Trail". Die Mücken summelten um die Ohren, aber wir hatten ja die Netze. Durch einen sehr wuseligen Zedernmischwald führte der Pfad an eine Stelle, wo der See und eine schöne Insel zu sehen waren. Auch ein Angler ruderte da umher. Wir gingen noch einen anderen Pfad gut über ein Viertel um den See herum. Der Wald sah chaotisch aus: viele abgeknickte oder zum Teil abgesägte Bäume lagen kreuz und quer, neben alten oder gebrochenen Zedern wuchsen neue heran. Man hörte den Woodpecker wie irre klopfen... viele Löcher waren seines Werkes Zeuge. Eichhörnchen zirrten, man sah sie nicht. Es war eine schöne kleine Wanderung.

   Schon beim Essen war wieder dieses "Wapiti"-Geräusch zu hören. Jetzt nicht mehr, nur noch Vögel und die Eichhörnchen sowie das Knacken des Holzes im Feuer. Thomas blökert schön, um die Mücken zu vertreiben. Das ist gar nicht sein Ding: Regen und Mücken im Wechsel! Selkirk-Mountains! Zum dritten Mal Regen - ich glaube, die steuert Thomas nie wieder an. Eine Mücke hat sich beim Lüften ins Innere des Mobils geschlichen. Die muss bis zum Schlafengehen getötet werden, sonst ist Thomas seine Laune ganz dahin.

   21.35 h - Nach dem Schreiben bin ich mit hin und habe beim Blökern geholfen, aber die Mücken sind hartnäckig. Thomas entdeckte dann zwei Viecher hier drin und tötete sie, schlug dabei das Licht aus und wir standen im Dunkeln.

Dienstag, 03.06., 09.00 h

   Wir klaubten gestern abend noch allerhand Waldzeug zusammen, um mit dem Geblöker die Mücken in Schach zu halten. Regen kam keiner mehr, ganz im Gegenteil. Es war ein so schöner Abend, kaum Wind, aber eben die Mücken...

   Erst 3/4 8 sind wir aufgestanden, Frühstück - Stulle mit Brot - haben wir längst hinter uns. Nun noch die üblichen Aufräumarbeiten und es geht weiter. Es ist so ein herrlicher Morgen: Sonnenschein, Windstille, nur die Laute der Natur sind zu vernehmen. 

   22.00 h - So gegen 10 sind wir vom Campground und freuten uns auf die kommende Tour. Immerhin ist dies Neuland für uns.

   CG Champion Lakes - Fruitvale/Montrose - Trail - Castlegar - Grand Forks - Osoyoos - Sicamous - CG Okanagen Lake

   Unser nächster Stopp sollte gleich mal Fruitvale sein. Da es so schönes Wetter war, bekleidete ich mich sommerlich: halbkurze Hose. In Fruitvale war gleich auf der Mainstreet ein Country Road General Store. Ich war stark dafür, dass wir da mal reinschauen. Das war eine gute Entscheidung. Die Verkäuferin/Besitzerin war total überrascht und begeistert, dass deutsche Touristen nach der Musik fragen (die dort im Laden lief). Ein ortsansässiger Künstler... ja, wir hätten gern eine CD. Am Ende verkaufte sie uns ihre. Die freute sich total. Sehr flexibel, dass sie uns ihre verkaufte. Sie wird mit Beigeisterung dem Sänger berichten und weitere bei sich deponieren. Aber außer der CD kaufte Thomas sich Mokkasins und ich mir ein Windspiel. Alle waren zufrieden.

   Fruitvale ist nebenbei ein sehr schöner Ort. Unmittelbar daran schloss sich Montrose an. Auch ein hübsches Örtchen, wobei wesentlich größer als Fruitvale. Hier hielten wir jedoch nicht. Lustigerweise überholte uns ein Truck, der dann vor uns die Warnblinke anmachte, weil er den Berg nur hoch kriechen konnte. In Canada ist es Pflicht, dass die Trucks mit Warnblick dem nachfolgenden Verkehr anzeigen, dass sie nur schleichen... Ne Weile machte Thomas das ja mit, aber dann überholte er ihn wieder und nimmer ward der Truck gesehen...

   Den ganzen Tag über fuhren wir bergan - Regen kam - bergab gings in hellere Gegenden. Wir hatten immer soviel Glück, dass wir im Tal mit allem fertig waren, ehe es dann anfing zu regnen. Trail ist eine recht große, hübsche Stadt, die wir aber auch nur durchfuhren. Wir wollten uns eher in Castlegar noch etwas aufhalten. Castlegar ist schon eine beeindruckende Stadt: wunderschön gelegen am Zusammenfluss von Columbia und Kootenay River, umringt von Bergen. Laut Stadtplan suchten wir uns die Punkte der Besichtigungen aus: 1. das russische Dorf, 2. die Brücken, 3. das Eisenbahnmuseum. Das "Doukhobor Discovery Centre" ließen wir sein, als wir den Eintritt und die Größe des Dorfes sahen. Da wären wir in 5 min durch. Gar nicht zu vergleichen mit dem ukrainischen Dorf bei Edmonton. Zumal hier die Gebäude neu gebaut waren. Tja, "Heritage"- und "Discovery"-Centre scheinen große, sehr große Unterschiede zu haben. Die nächste Station - die Brücken - sahen wir erst mal vom Highway aus. Thomas sprang raus und fotografierte sie, sah dabei, dass da irgendwie ne Straße hinführt. Wir fuhren langsam weiter und tatsächlich kam ein Schild mit nem Pfeil drauf: hier gehts lang. Da fuhren wir auch lang und brauchten nur einen kurzen Fußweg, um die alte und die neue Brücke zu bewundern.

   Doukhober Old Brilliant Suspension Bridge: (Brilliant ist ein Stadtteil von Castlegar)

      Old Brilliant Suspension Bridge: 15 m hoch und 100 m lang überspannt diese Brücke den Kootenay River flussabwärts vom Brilliant Staudamm und ist Teil des Trans Canada Trail. Diese Brücke, gebaut 1913, verband die "Doukhober Villages" (russisch-stämmige Siedlungsgruppen der Duchoborzen) mit deren Ackerland und wurde über 50 Jahre genutzt. Bürgergruppen bewahrten diese historische Brücke vor der Zerstörung in den 1970er Jahren und erlangten, dass sie nach jahrelangem Ringen 1995 als National Historic Site anerkannt wurde. Im Mai 2010, nach umfangreichen Restaurationsarbeiten, wurde die Brücke für den Fußgängerverkehr wieder geöffnet und steht als stolzes Testament für die "Doukhobor Craftsmanship". (Quelle: Werbeprospekt Region)

  Auf einem Pfeiler der Brücke hatte sich ein Rabenpaar eingerichtet. Wir wurden nur darauf aufmerksam, weil ein Rabe mit unheimlichen Gezeter darauf hinwies.

   Nun fuhren wir Richtung Downtown und bekamen einen weiteren imposanten Blick auf diese Stadt. Eine wirklich sehr schön gelegene Stadt. Das Railway-Station-Museum war total leicht zu finden, hatte aber geschlossen. Warum auch immer. Nun, wir sahen uns kurz um; im Häuschen selbst waren eh nur Souveniere zu erwerben, die Außenanlagen nicht gerade viel sagend. Dafür kam gerade ein echter Güterzug mit 3 Loks voran und rangierte da rum. Thomas erkannte doch tatsächlich, dass das die Loks aus Cranbrook waren. Siehst, die Welt ist klein... na und Kanada erst.

   Von Castlegar ging es dann weiter über Berg und Tal, durch herrliche Landschaft und Regen und Sonne und dampfenden Wäldern und Straßen nach Grand Forks. Zuvor sollte noch Christina Lake kommen. Ein warmer See mit 23 °C... bestimmt im Sommer. An einem Viewpoint sah man ihn auch gut. Datschen ohne Ende am Ufer. Dass dieser See tatsächlich so warm werden soll, bezweifle ich. Die meinen bestimmt nur am Ufer... da wo der große Zeh reingehalten wird. Ich hätt's gern mal selbst überprüft, aber Thomas meinte den Weg zum Beach nicht zu finden... Was man nicht sucht, kann man auch nicht finden! Etwas missgestimmt war ich schon... Wir fuhren weiter.

   Nunmehr kam eine sehr gepflegte, bewirtschaftete Landschaft. Farmen und Ranches, viele Pferde und Schafe, idyllisch weiträumig aneinander gereiht offenbarten sie sich. Eine tolle Gegend, sieht fantastisch aus. Und wieder auf den Höhen ein Regenschauer... dennoch bewässern sie!

   Auch einen zweiten Pass - den Bonanza Pass - hatten wir zu überqueren. Der war aber total unspektakulär und nur daran zu erkennen, dass 7 % Gefälle und Runaway Lanes ausgeschildert waren. Wir wussten schon, dass wir in eine "Hochburg" BC's fahren, allerdings hatten wir so viele Auf- und Abfahrten nicht erwartet. Teilweise Serpentinen mussten gefahren werden. Immer nah an der US-Grenze entlang führte uns der Weg und ich meinte, der eine breite lichte Streifen im Wald ist die Grenze. Wir sind also nah am US-Bundesstaat Washington vorbei gefahren, haben einige Bäume auf us-amerikanischen Boden gesehen...

   Irgendwo auf dieser gesamten Strecke haben wir im Vorbeifahren eine kleine Bighornsheep-Herde wahr genommen, dann links und rechts einzeln ein Reh, eins mal tot und schon halb aufgefressen am Straßenrand, ein Gopher war todesmutig und lief erst im letzten Moment vor unseren Rädern davon, eine Maus flitzte von rechts nach links... BC's Wildlife! Die Vögel lass ich jetzt mal weg, genauso wie die Grillen, die wir auf'm Rastplatz hörten...

   Der Campground Nr. 107 kam auf der linken Seite... aber ehe wir uns versahen, war Thomas dran vorbei gefahren. Nun, wir wollten ja auch auf den Haynes Point in Osoyoos. Bald darauf eröffnete uns ein Viewpoint am Highway einen grandiosen Blick auf diese Stadt! Wunderschön! Noch 10 km sollten zu fahren sein, serpentinenartig der Weg. Einige Häuser standen vereinzelt am Hang, knallige Sonne - die "Wüste" ist schon zu erahnen. Wir machten Fotos - auch von dem CG wo wir hin wollten. Also runter diesen Highway... das ging zügig, da bergab. Und wie! Ruck-zuck war der Ortseingang erreicht, ran an die Tanke und erst mal orientieren. War beim Viewpoint ein junges Pärchen nach uns gekommen und vor uns wieder losgefahren - die wollten bestimmt auch zu diesem speziellen Campground! - wollten wir die nun mit einer Abkürzung abhängen... Wir durchfuhren unsere Abkürzung auch sehr gut, vorbei an schicken Häusern einer tollen Wohngegend, und erspähten den Eingang der Landzunge und das Schild "Campground full". Hach, und da kam uns besagter Camper auch entgegen... Angucken wollen wir uns diesen Campground wenigsten mal... vielleicht ist ja doch noch ein Plätzchen frei. Neeee, war nich - da standen Camper, die hatten sich für mehrere Tage eingenistet. Schade für uns. Fazit: Diesen Campground sollte man tatsächlich vorbuchen!!!!!

   So, nun war guter Rat teuer. Denn weitere Campgrounds in Osoyoos waren seitens des CG-Führers nicht ausgewiesen! Wir durchforsteten unsere Broschüren, ob RV-Parks werben und fanden zwei für eine nährere Auswahl. Schnell mussten wir feststellen, dass "Resort" nicht unbedingt kurzzeitig Plätze vermieten, sondern eher fest installierte Trailerhäuser und 5th-Wheels beherbergen. Mit riesigem Tor und so... verrammelt und verriegelt! Auf dem Rückweg sahen wir dann ein Schild "Campground open". Na, dann fahren wir da mal rein. Die Front war mit großen Lettern "Waterslide" verziert, aber es war dahinter tatsächlich ein Campground. Und wir konnten sogar einchecken: full hock-up = 40 Can$. Nun, in diesen sauren Apfel mussten wir beißen, waren aber unmittelbar danach auch sehr froh. Richtig stürmisch frischte der Wind auf. Am Wasser wäre es schön frisch gewesen. Und dann auch kein Feuer! War in der ganzen Stadt nicht erlaubt. Wir waren jetzt richtig froh, Strom und Dump genießen zu können.

   Wir brutzelten uns Würstchen, kochten Nudeln mit Tomatensoße dazu, mit ordentlich Knoblauch und Zwiebeln... just sprang unser Pieper an und hörte erst auf, als sich der Bratendampf etwas legte. Nach unserem schmackhaften Mahl gingen wir ne Runde zum Strand und waren nochmals froh, diesen Platz statt den auf der zugigen Insel zu haben! Wir erledigten gemütlich unseren Abwasch, ich schrieb noch etwas und wir legten unseren kommenden Tagesablauf fest: Wüstenwanderung, kleiner Stadtbummel, Besuch "Spotted Lake".

Mittwoch, 04.06., 19.30 h

   Kurz vor 8 war es Zeit zum Aufstehen. Der morgendliche Ablauf wurde nur dahin gehend geändert, dass wir ganz zum Schluss zum Duschen fahren. Da die Nacht nur 4 Plätze belegt waren, standen die Chancen gut, eine von den 3 Duschen zu erwischen... wir konnten uns eine aussuchen. Da es schon so schön warm war, beschloss ich, mich noch sommerlicher anzuziehen: Shorts und Achselshirt! In der Wüste wird es heiß und sonnig sein, also Sonnencreme rauf. Thomas war noch nicht so auf Sommer eingestellt, hatte aber schon ein T-Shirt an... Unsere Fahrt führte uns zum NK'MIP-Resort (der Natives). Erst mal erschien uns das sehr eigenartig: Resort... Culture Centre... Conference... was ist das alles?

   NK'MIP (in-ka-meep) Cultural Centre: Eingebettet zwischen landwirtschaftlichen Weinbergen und der einzigartigen, mit Beifuß bewachsenen Wüste öffnete das spektakuläre Kulturzentrum im Juni 2006 auf einem Teil des 200 Morgen großen NK'MIP Resorts. Das Can$9-Millionen-Stand-der-Technik-Informationszentrum ist eine architektonische Perle, die Funktion verschmilzt mit dem Umweltbewusstsein. Gebaut mit organischen Baustoffen, einschl. Stampflehmwänden und einem begrünten Dach, ist es eine natürliche Erweiterung der Umgebung und die perfekte Art für die Besucher, in die reiche Lebenskultur der Okanagan-People einzutauchen. (Quelle: Werbeprospekt Region - Auszüge frei übersetzt; weitere Infos unter www.nkmipdesert.com)

   Wir betraten den Gift-Shop, der auch gleichzeitig den Eingang zum "Museum" darstellte. Eintritt war fällig. Unseren 100-$-Schein konnten sie nicht wechseln... noch mal zum Camper, kleineres Geld holen. Nun bezahlt, bekamen wir einen Aufkleber auf die Brust und konnten uns frei bewegen. Wir durchschlurften die Räume, sahen uns Teile von diesem und jenem Film an, fanden heraus, dass der eine Zettel den Plan der Wüstenwanderung darstellte und begaben uns nun auf diese. Ne 3/4 h sollte doch zu schaffen sein. Eine empfohlene Kopfbedeckung hatten wir zwar nicht dabei, machten uns nun so auf den Weg. Nun ja, unter "Wüste" hatten wir uns bisschen was anderes vorgestellt. Es war heiß und trocken... ist es im Writing-on-stone-PP aber auch! Recht gut bewachsen war das Areal... Rattlesnakes sollte es auch geben. Ab und an war mal ein Schädel oder Knochenreste ausgelegt. Auch etliche Pflanzen waren beschildert. Es war schon informativ, aber wie gesagt: wir hatten uns Wüste anders vorgestellt. Daher legen wir für uns fest: Writing-on-stone-PP ist auch ne Wüste!

   Trotzdem war die Wanderung interessant und wurde spannend, als uns ein entgegen kommender Besucher irgendwas von ner "Rattlesnake on right side..." erzählte. Wir guckten aufmerksamer auf den Wegesrand zu beiden Seiten - nichts. Was der uns wohl erzählt hat? Wenn man nicht alles versteht, kann man schnell einem Missverständnis unterliegen. Als wir noch weiter kamen, saßen Leute im Schatten in so einer Art Bude. 'Da', meinte Thomas 'der hat ne Schlange in der Kiste und zeigt sie den Leuten...' Na toll! Wenn das so ist, brauchen wir nicht traurig sein, dass wir keine Rattlesnake gefunden/gesehen haben. Meinte der andere Gast bestimmt die in der Kiste!

  Der Ausgangs- bzw. Anfangspunkt war auch wieder erreicht. Wir gingen nochmals durch den Gift-Shop, fanden aber absolut nichts Erwerbenswertes und sind zurück in die Stadt. Ein Parkplatz war schnell gefunden, die Stadt genauso schnell durchbummelt: eine Straßenseite rauf - wir suchten Postkarten, die andere Straßenseite runter - nichts. Überhaupt, keine wirklich interessanten Geschäfte. Dafür ist die Stadt mit Resorts, Hotels, Restaurants und Vergnügungspunkten wie nichts Gutes ausgestattet. Im Sommer muss hier der Teufel los sein. Konnten wir doch noch vom Campground aus sehen, wie ein Motorboot über den See heizte. Hier scheint man auf nationalen Tourismus eingerichtet zu sein: Bootsverleihe ohne Ende! Und obwohl wir uns schon mitten im Obst- und Weinbaugebiet befanden: nicht ein einziger Laden war zu finden, wo man hätte regionale Produkte kaufen können. Dabei waren schon Kirschen reif! Zwar boten einige "Winery"s Verkostungen an, aber wir als Nichtweintrinker waren nicht unbedingt beeindruckt. Nun ja, können die ja nix für... Son Kirschstand hätte uns schon eher angelockt...

   Wir sind nun doch noch ran ans Visitorcenter. Man ist doch immer wieder begeistert, auch "Ausländer" aus Europa als Gast anzutreffen und will einem gleich massenhaft Prospekte anbieten. Die hatten wir alle längst. Postkartenauswahl war überhaupt nicht besonders, dennoch kauften wir schon mal 3. Wir fragten noch nach dem "Spotted Lake", erhielten auch die Auskunft und machten uns dorthin auf den Weg. Alsooooo: aus der Richtung, aus der wir kamen, ist es fast Zufall, den zu finden! Denken wir doch, die Kanadier haben an jedem kleinen Rinnsal einen riesen Parkplatz, erfährt man hier fast Desinteresse. Nur weil schon ein Wohnmobil da stand - auf der gegenüber liegenden Seite! - wurden wir auf den See aufmerksam. Wir mussten auf dem Highway wenden, um die klitzekleine Parkmöglichkeit nutzen zu können! Wir wollten uns den Anblick des "Spotted Lake "nicht entgehen lassen. Schon fuhr das andere Mobil weg und wir hatten ausreichend Platz. Eine Tafel informierte uns sofort, dass man vor hat, hier ein bisschen auf Tourismus auszubauen. Sollten sie auch dringend, wenn sie diesen Lake so anpreisen! Ein Runtergehen war zwar nicht erlaubt, doch wer wollte mich momentan daran hindern? Thomas blieb oben am Wohnmobil, aber ich wollte bessere Aufnahmen haben und wanderte den Weg runter. Übrigens sehr ähnliche Vegetation wie in der ausgewiesenen Wüste... wilder Spargel und Raps waren neu! Mein Marsch wurde nur gestoppt, weil hinter der Kurve doch tatsächlich ne Menge Autos mit Leuten auf som Gelände standen. Schnell machte ich Fotos und trag den Rückzug an. Als ich wieder in unserem Fahrzeug saß, kam doch glatt eins dieser Autos den Weg hochgefahren?

   Spotted Lake: Ein seltsames Naturphänomen! Als 8. Weltwunder nominiert, ist der See heilig für die Okanagan First Nation. Von Zeit zu Zeit halten sie hier Heilungszeremonien ab, weil sie glauben, dass der See medizinische Eigenschaften hat. Spät im Sommer, wenn das Wasser verdunstet ist, sind die großen kreisförmigen Mineralringe besonders gut zu sehen. Der See hat eine hohe Konzentration an Magnesium, Kalzium und Sulfaten in den Ringen. Nach Tradition der First Nation sind es 365 Ringe - für jeden Tag des Jahres ein Ring.

   Die Okanagan First Nations besitzen dieses Land; es ist nicht öffentlich zugänglich aufgrund der kulturellen Bedeutung und der ökologischen Empfindlichkeit. Aber vom Highway aus hat man den besten Blick auf die Ringe. (Quelle: Werbeprospekt Region)

   Nun denn, wir sind auf unsere eigentliche Route, sprich Highway 97, zurück, um die nächsten Ziele in Angriff zu nehmen. Schon um diese Jahreszeit bietet die Gegend ausgesprochene Schönheit. Es reiht sich eine Obstplantage an den nächsten Weinberg. Die Obstblüte an sich muss sehr schön aussehen. Daneben will eine "Winery" die nächste überbieten... ein Fruitstand nach dem anderen wurde angezeigt... alle "closed". Frustrierend - wir waren jetzt so auf die Kirschen aus. Umso weiter wir kamen, umso überforderter fühlten wir uns: wenn wirklich alles geöffnet hätte, wir hätten gar nicht gewusst, wo wir als erstes halten sollten, wo wir was kaufen sollten! Ein Laden in der Stadt hätte etwas von dieser Überforderung, dieser Fülle genommen! Aber eins bleibt: Faszinierend sieht die Gegend allemal aus! Kennen wir bisher die Rockies und die Prärie, offenbahrt sich hier eine ganz andere Welt. Irritierend für uns ist gleichzeitig dabei, dass neben den "Winery"s vorrangig so eigenartige Freizeitaktivitäten wie Vergnügungsparks oder Wellnesstempel beworben werden, von den vielen "Futterluken" mal ganz zu schweigen.

   Endlich... am Ausgang von Summerland: "Fruitstand open"... Noch gerade so bekam Thomas die Abfahrt. Wir beglückwünschten diese Frau fast und erzählten ihr, dass alle anderen Stände noch geschlossen sind. Auch sie wunderte sich. Stolz bot sie uns den selbst hergestellten, ohne Zucker, gepressten Apfelsaft zum Probieren an. Der war echt lecker. Auch selbst gemachte Marmelade bot man dort feil und wir entschieden uns für "Birnen Jam". 5 Tomaten nahmen wir auch noch mit...

   Weiter fahren durch diese herrliche, schöne Gegend... äußerst reizvoll: die Berge, die Straßen, die riesigen Seen... Apropo Wasser: wir waren ja noch in Penticton am Schaufelraddampfer ran. Den haben wir mehr oder weniger auch nur durch Zufall gefunden und uns fast in die Haare bekommen, weil ich den Plan las und Thomas danach falsch abgebogen ist... dabei war am Ende der Straße das Schiff "Sicamous" gelegen. Sehr schlecht ausgeschildert... scheint keine Touristenattraktion zu sein. Jeder Golfplatz ist besser ausgeschildert! Wir besichtigten diesen Schaufelraddampfer.

   S. S. Sicamous: Der größte verbliebene stahlummantelte Schaufelraddampfer - Erkunden Sie Schritt für Schritt die Welt des Transportes um 1900.

Im Jahr 1914 für die Canadian Pacific Railway British Columbia als See- und Flussschiff gebaut, befuhr die S. S. Sicamous die Gewässer des Okanagan Lake bis 1936. Sie war Inbegriff für Luxus und Nutzen, außergewöhnliche Passagiere, Post- und Frachtdienst.

Indienststellung: 19.05.1914;   Gesamttonnage: 1.787 t;   Register-Tonnen: 995 t;

Linie: Abfahrt Penticton: 05:30 am - durchschnittlich 14 Stopps - Ankunft Penticton: ca. 08.00 pm

Die Originalkosten für den Bau der S. S. Sicamous betrugen $180.000,00. 1949 kaufte die Stadt Penticton das Schiff für den obligatorischen Preis von $1 von der CPR. Seit 1951 ankert die S. S. Sicamous in Penticton (Quelle: Werbeprospekt Region).

   Auf einem Zigarettengang sah ich einen Angler gehen und meinte zu Thomas 'dem folgen wir mal...' Wir kamen an ein Wehr, wo Fische - wir denken mal es waren Lachse - sich stauten. Riesige Dinger schwammen bzw. standen da umher. Schnell hatte der Angler auch einen Fisch am Haken... ein Greifvogel gesellte sich auch noch dazu. Etwas weiter runter diesen "Fluss" gegangen, was eher ein Kanal ist, roch es zunehmend nach Fisch. Da sind wohl etliche verendet...

   Nun denn, wir waren mit unserem Tagesplan durch und konzentrierten uns jetzt auf die Beschilderung zum Campground. Just kam die Abfahrt und schon von oben war zu sehen, dass er ganz passabel ist. Uns "begrüßten" überdimensionale Gophers. 'Neee', meinte ich 'das sind eher Murmeltiere...' Dicke fette freche Dinger! Genauso neugierig wie Gophers, aber 3mal so groß!

   Am Eingang des CG war ne Bude, aber nix an Selfregistrationtüten zu finden... schon standen noch 2 Wohnmobile hinter uns und wir fuhren erst mal über den Platz gucken. Im Rückspiegel sah Thomas, wie ne Frau zu den anderen Mobilen ging. Unsere Runde führte uns ja wieder an den Eingang und auch zu der Frau und auch uns erzählte sie, wir können uns einen Platz aussuchen, sie kommt dann abkassieren. Wir durchfuhren das Areal nochmals... auf dem von ihr empfohlenen Platz 54 hatte sich inzwischen jemand gestellt. Da aber zu dem Zeitpunkt der Wind schon wieder kräftig um die Ecke kam, direkt vom See her, dieser Platz direkt am See lag, einigten wir uns, doch eher einen "Land einwärts" zu nehmen. Bisschen Hin und Her gab es noch ehe wir Platz 14 nahmen. Einleveln, Kaffee... die Kassiererin kam, knöpfte uns 30 Can$ ab und wir fragten sie nach den Tieren: Ja es sind Murmeltiere... auch total ungefährlich, die haben vor uns mehr Angst als wir vor denen... Wir tätigten jetzt einen Rundgang: Klo - Strand - Stand-Info-Tafel... doch wir waren sehr zufrieden mit unserem Platz. Ich kochte mir noch einen Kaffee, wärmte unsere Restnudeln von gestern auf und haben dann draußen genüsslich gespiesen. Vor- und Nachwhiskey sowieso... Wir stellten das Geschirr wieder rein... und beobachteten kurz unsere Nachbarin - auch Deutsche - wie sie Salat zubereitete... die leben aber gesund! Wir machten statt dessen einen Verdauungsspaziergang, um die Murmeltiere, diese gewitzten Dinger, zu fotografieren. Noch ein Gang zum Wasser... ich mit Füße rein. Anfänglich noch kalt, vor allem steinig. Barfuß tat das meinen kleinen zarten Füßen ordentlich weh. Kaum waren wir am Wohnmobil zurück, besuchte uns ein Frankfurter, der 2 Plätze weiter steht... neben den anderen Deutschen. Wir tauschten kurz Erfahrungen aus und unterhielten uns ganz nett. Seit Mittag waren die schon hier auf dem Platz und seine Zunge wurde schon schwerer mit seiner Dose Bier in der Hand...

   Thomas hat längst Holz gehackt und das Feuer in Gang gebracht. Auch auf Nachbarsseiten blökert es schon und knacken die Kessel... ich will jetzt auch ins Feuer schauen und paar Bierchen schlürfen.

 

Donnerstag, 05.06., 09.55 h

   Gestern abend zogen noch ein paar dunkle Wolken rüber, ein kräftiger Wind kam auf - da wurde es auf allen Plätzen rundherum still; sie waren in ihre Behausungen geflüchtet. Wir ließen unser Feuerchen runter brennen und verzogen uns dann auch - es war schon 11e.

   Zum Frühstück gab es nur nen Schälchen Müsli, weil wir vergessen hatten, Brot aus dem Froster zu nehmen. Hatte so schön das Ei warm gemacht... nun kühlt es wieder ab. Zum Duschen sind wir nach dem Abwasch doch zu Fuß und mussten nunmehr einen Weg durch die Rasensprenger finden. War lustig! Wir sind nun mit allem fertig und können los. Wir haben uns für Merritt entschieden, weil die "andere Seite" vorrangig Wein offeriert... haben wir genug gesehen.

   CG Okanagan Lake - Merritt - Kamloops - Clearwater - Wells Gray Provincial Park

18.05 h - Eine strapaziöse Tagesfahrt haben wir soeben geschafft! Strapaziös insofern: wir fuhren nur "High Mountain Roads", was so viel heißt wie "Hochgebirgsstraße". Aber der Reihe nach:

   Gegen 10e haben wir den CG Okanagan Lake South verlassen und sahen dabei, dass es auch einen North gibt. Beim Anblick von oben meinte ich zu erkennen, dass der aber keine Duschgelegenheit hat. Deshalb war der Platz wohl auch so leer. Einen idyllischen Eindruck machte er jedoch.

   In Peachland hatten wir nichts besonders vor und bogen ab auf die 97c. Das ist ein Highway! Meine Fr...! Da haben sie einen Highway - meist 6spurig - auf die Berge fabriziert! Eben Hochgebirge. Wir bekamen Druck auf die Ohren und quälten uns die Berge hoch. Zwei wurden auf der Karte auch angezeigt: einer mit 1.728, der andere mit 1.995. Tja, da die Straßenangaben in km sind und hier nichts näher bezeichnet, gehen wir mal davon aus, dass sie da auch km meinen. Wenn nicht, können es nur noch mehr km sein. Als Durchschnitt nehmen wir mal an, dass die Straße gut 1.500 km über Null ist. Es war schon anstrengend, den ganzen Tag auf dieser Höhe zu fahren. Sieht man sonst am Highway die Berge rechts und links, fuhren wir heute oben drauf. Die wenigen Orte, die wir durchfuhren, waren demnach in wunderschönen Tälern angesiedelt. Ohne Pause fuhren wir die Strecke Peachland - Merritt. Da kam nichts zum Halten außer die Truck-Break-Stationen. Tiere waren gar nicht zu sehen, auf die üblichen Hinweisschilder hat man gleich mal verzichtet. Ach nur einmal, das war ja aber schon kurz vor Kamloops, standen zwei Rehe hinterm Zaun. Aber zurück nach Merritt: Wir steuerten unmittelbar das Visitorcentre an. Na da war was los! Offensichtlich war aus allen Highway-Richtungen kein Klo vorhanden und nun traf sich alles nach stundenlanger Fahrt. Wir nutzten den Internetanschluss für unsere üblichen Informationen aus der Heimat. Im Visitorcentre kaufte ich ne Jacke für mich und ne selbige für Dörte. Weil ich zwei kaufte, gab es 2 Poster gratis dazu... An Postkarten, dachten wir, bekommen wir in der Stadt welche... Irrtum! Wir gönnten uns noch einen Hot Dog, der eher lauwarm war, aber füllte vorübergehend den Magen. Merkten wir schon auf der Hochgebirgsstraße, dass es doch kälter war, pfiff hier ein frischer Wind. Längst hatte ich mir unterwegs die lange Hose angezogen - das ist der Vorteil, wenn man vom Fahrerhaus direkt zum Klamottenschrank während der Fahrt wanken kann...

   Für den Stadtbummel aber zog ich die knielange Büchs' an. Bewaffnet mit Rucksack, Kamera und Stadtplan nahmen wir Merritt - die Hauptstadt der Country Music (in Kanada) - unter die Füße. Schon sahen wir die ersten "Hände" einiger Stars, auch die Wandmalereien zeigten sich. Die "ultimativen" Stars, wie Johnny Cash oder Dixie Chicks, haben wir nicht gefunden. Für die Wandmalerein existierte zwar eine Art Straßenplan, für die Hände leider nicht. Schnell stellten wir jedoch fest, dass die Stadt wesentlich aufregender angepriesen wird, als sie sich heute zeigte. Auch waren die Prospekte stark überarbeitet worden: hatten wir uns daran orientiert, im "Grand Pub & Grill" essen zu können, bis wir platzen, wurde das schon nicht mehr angeboten und in dem Restaurant war tote Hose. Hätten sie mal lassen sollen, dann wären wir eingekehrt. Aber so ließen wir es. "The Canadian Country Music Hall of Fame" präsentierte sich ebenfalls als ein mehr oder weniger auffälliges Gebäude. War natürlich "closed". Durch die Scheiben war zu erkennen, dass es da eine kleine Bühne gibt mit Zuschauersitzen davor. Bestimmt hielt die Hall noch mehr zum Besten, aber "verweigerte" uns den Zutritt. Schade. Ein anderer Straßenplan machte neugierig auf historische Gebäude... am auffälligsten war jedoch nur das Coldwater Hotel, die anderen gingen irgendwie unter. Einen Laden inspizierten wir noch, waren dann jedoch leicht bedient als wir Matroschkas als Ohrringe sahen. Bisschen sank unsere Stimmung, weil auch die angepriesenen Cowboys nicht zu sichten waren. Dafür jede Menge Natives, die eine Art BBQ veranstalteten. Wir gingen zum Camper zurück und konnten noch beobachten, wie ein Mann durch den Zaun bei der Treppe des Hotels krabbelte und dann die Treppe hoch lief. Was hatte das zu bedeuten? Aber da sich der Polizist auch nicht weiter darum sorgte, machten wir uns gleichfalls keine weiteren Gedanken. Wir kochten uns einen Kaffee und beschlossen, die Sightseeingtour zu beenden. Wir hofften nun, auf dem weiteren Weg noch den Cowboy-Ausstatter zu sehen... ne, der wollte sich nicht zeigen. Wir steckten noch schnell die ersten 3 Postkarten ein und schon verließen wir Merritt. Nicola Valley schauten wir uns nur von oben im Vorbeifahren an... In Merritt scheint definitiv allerhand los zu sein, wenn das Country Music Festival stattfindet (im Juli), aber heute war nix!

   Wieder High Mountain Road mit Ankündigung des eventuellen Wetterwechsels; der kam zum Glück nicht, aber stark windig war es da oben schon. Wieder keine Stopps möglich... Kamloops empfing uns im Tal - eine gigantische Stadt! Der Highway führt zum größten Teil dran vorbei, trotzdem ist das ein unheimliches Gewusel. Tanken war notwenig - Reserve wurde angezeigt. Rechts ran und wieder für 100 Dollar getankt. Dieses Mal musste bis zum letzten Cent alles rein; wir wollten nicht unbedingt ausprobieren, ob es Geld zurück gibt... Etwas leicht umständlich kamen wir auf den Highway zurück und stellten nach 25 km fest: wir sind auf der falschen Strecke. Die Hinweise "Jasper" hatten wir insofern liegen lassen, weil Thomas mich fragte "...nach Jasper?" und ich "nein" sagte... Auf dieser Strecke aber kam auch noch ein Abzweig zum Wells Gray Park. Son Sch... 50 km weg! Nun noch die Paul Lake Rd rechts ab finden... schumms... da war sie und Thomas vorbei, hatte er die für die Abfahrt zu ner Tanke gehalten. Noch ein Wendemanöver; nun standen wir als Linksabbieger und standen... und standen... und standen... während alle anderen schon 3mal durch die Ampel fuhren konnten. Thomas rollte Stück für Stück vor und endlich bekamen wir auch mal grün. Nun noch 18 km. Dachten wir, so eine entlegene Straße fährt keiner, irrten wir uns. Ein Verkehr fast wie auf dem Highway; 2mal fuhr Thomas rechts ran und hat Eilige vorbei gelassen. Wieder ging es bergan, vorbei an vereinzelten Ranches. Herrliche Pferde und Kühe mit großen Hörnern standen auf saftig grünen Flächen. Weit im Hintergrund war dann auch das Wohnhaus zu vernehmen. Bus Stopps verrieten uns, dass hier doch tatsächlich Familien leben... Noch 6 km und wir sollten den Campground erreicht haben. Eine Kurve und da war er schon. Ein Pärchen im Van - Deutsche, wie wir schnell am Akzent erkannten - waren nicht zufrieden: sie waren mal rüber gefahren und haben keine Toiletten entdeckt. War denen nichts. Die scheinen zum ersten Mal in Kanada zu sein, dass sie nicht wissen, dass so abgelegene Campgrounds im aller seltensten Fall Flush-Toi haben! Denn Plumpsklos sind immer da. Und die sind auch immer sehr, sehr sauber! Wir haben uns davon nicht beirren lassen, ein anderer Campground wäre für uns heute eh nicht drin gewesen. Leider gab es keinen Übersichtsplan und wir fuhren mal durch... Wir umrundeten Straße für Straße, ein Teil war abgesperrt, es gibt sogar einen Spielplatz... etliche Camper stehen schon hier. Im zweiten Anlauf haben auch wir einen schönen Platz gefunden. Gleich nett begrüßt von einigen Mücken und dem Parkwardener. Wir hatten kaum eingelevelt, da knöpfte er uns auch schon die Can$ 16 ab, Feuerholz brauchten wir nicht... wir hatten in Merritt an der Tanke reichlich und günstig gekauft. 2mal tanken waren wir heute! Wegen der Berge.

   Sofort vernahmen wir hier trotz der Abgeschiedenheit Straßenlärm und Musik. Aber est mal fingen wir an, unser Essen zu machen: Thomas feuerte den Kessel an, ich bereitete in den Aluschalen einmal Fisch und einmal Rind vor, setzte Kartoffeln auf, schrieb nebenbei, Thomas brutzelte, ich setzte Bohnen auf, schrieb weiter, Thomas brutzelte, ich schrieb... alles war zu seiner Zeit fertig und wir konnten unsere Pfannen leer putzen. Ein herrliches Essen. Noch ein Schlückchen Fireball und der Spaziergang zum Lake zur Verdauung. Wir nutzten beim Hinweg einige sehr steile Abkürzungen. Am See ist ein riesiger Parkplatz und viele Picnic Bänke sind auf der Wiese aufgebaut, etliche mit Grill versehen. Auf einem Pontoon amüsierte sich ne Gruppe Jugendlicher, ein Pärchen saß noch am Picnic, ein weiteres war gerade dabei, ein Kanu zu Wasser zu lassen... von der anderen Seite her kam ein Motorboot angerauscht. Am Wochenende wird hier sicher noch mehr los sein; erscheint es uns doch als Naherholungsgebiet für Kamloops. Wir fotografierten Gänsefamilien... und vernahmen wieder dieses eigenartige Geräusch. Endlich konnten wir es idendifizieren: Tauchte nicht mit mal sone Ente auf? Tauchte wieder unter, wieder auf und gab dieses Geräusch von sich. Aus der Entfernung antwortete eine andere, "unsere" sagte der noch was, so in der Art "sind schon wieder Touristen hier..." Also definitiv kein Wapiti. Hätte uns auch stark gewundert. Die Enten machen dieses Geräusch!

   Die steilen Abkürzungen mieden wir jetzt und gingen den richtigen Weg und durchquerten gleich mal den abgesperrten Teil des Campgrounds, fanden auch die Gruppe, von deren Musik wir den Bass vernahmen. Trotz Absperrung standen da einige Camper. Wieder auf unseren Platz zurück, vernahmen wir angeregte Unterhaltung, aber gerade sind da 3 Autos weggefahren. Nun ist nur noch der übliche Campground-Sound zu vernehmen: Holzgehacke, Feuerknacken, Vogelgezwitscher, murmelige Menschenstimmen - zusammengefasst: herrliche Ruhe. Das einzige was uns etwas irritiert: es weht doch ein unerwartet frisches Lüftchen. Muss unser Feuer größer ausfallen. Thomas arbeitet schon dran und ich kann auch nix mehr sehen...

   Freitag, 06.06., 07.50 h

Wir haben unser Feuerchen kräftig auflodern lassen, natürlich unsere Fotos gemacht und den Tag ausgewertet. Recht frisch war es geworden, deshalb verzichteten wir auf Stühle und haben mit ner Dose Bier am Feuer gestanden. Es war 11e - Zeit in die Koje zu klettern.

   Es herrscht hier noch Ruhe, mal abgesehen von den Straßengeräuschen. Einige andere Camper müssen aber auch schon wach sein, ich vernahm Stimmen, einer hackte Holz. Also ist meine Aufstehzeit gar nicht so unchristlich. Im Camper wird mir kälter als draußen, aber draußen kann ich nicht schreiben - ist alles feucht. Getier läuft hier morgens wohl nichts rum, nur durch die Lüfte flattern kleine Vögel und Krähen sowie ein Hubschrauber.

   ca. 19.00 h - Nach Thomas seinem Aufstehen begann der übliche Tagesablauf, jedoch mit der Neuerung, dass wir draußen gefrühstückt haben, weils da einfach wärmer war. Die Birnenmarmelade schmeckt vorzüglich... Um 10 sind wir vom Platz. Heute war ja eine kürzere Fahrt auf dem Plan: erst mal bis Clearwater Infos einholen und dann einen Platz auf dem ersten Campground reservieren. So traten wir die Fahrt an, sahen in Kamloops auch noch Wagen des Rocky Mountaineer stehen, aber keine Möglichkeit ran zu fahren. Das versuchen wir, wenn wir den Wells Gray Park hinter uns haben. Die Strecke führte entlang den Gleisen und einem Fluss: dem Clearwater River. Ist schon ein ordentlicher Strom. Wir stoppten an einem Antiquitätenladen und durchschlurften den. Die Tassen von CP-Rail waren uns dann aber doch zu teuer... an die Can$100. Eine andere besondere Kleinigkeit fand ich auch nicht, also sind wir weiter des Wegs. Wir waren kaum auf der Straße, als Thomas "Sch..." feststellte "ein Zug fährt da... wären wir mal etwas später los gefahren..." Zu spät! Thomas ist nun hoffnungsvoll, auf der Rücktour einen zu erwischen.

   Irgendwo auf der weiteren Fahrt habe ich 3 Rehe auf dem Felsen am Straßenrand erspäht, aber zum Fotografieren nicht die geringste Chance. Es dauerte nicht mehr lange und wir sollten Clearwater erreichen. Eine Baustelle jedoch hielt uns etwas auf. Wie die die Straßen erneuern! Daran sollte sich Deutschland mal ein Beispiel nehmen. Hier passiert alles in fast einem Arbeitsgang: alten Belag auffräsen, fegen, neues Material hin geschüttet, das wird von einer Maschine spiegelglatt verteilt, gleich folgen 2 Walzen, kurz darauf der Markierer. Vorab steht ein Pilotwagen, dem hat man zu folgen und schon ist man an der Baustelle vorbei. Nichts mit Ampel! Na und Umleitung sowieso nicht - gibt ja gar keine Möglichkeit. Die ganze Prozedur nahm vielleicht großzügig gerechnet 20 min in Anspruch, die Baustelle an sich umfasste so ca. 10 km. Coole Sache! Unser Ziel war erreicht. Thomas sah ein Schild "Visitorcentre geradeaus", ich die Anweisung "Clearwater links". Was nun? Wir sind bei der Kreuzung erst mal auf den Parkplatz wenden, um nach Clearwater zu kommen... hier wurde uns schnell ersichtlich, da kommt nix mit Visitorcenter, also wieder zurück. Nun empfing uns ein großer 2spuriger Kreisverkehr. Na tolle Wurst! Und welche Ausfahrt? Zum Glück war das Gebäude gut zu sehen und im Kreisverkehr nicht viel los; wir brauchten nicht so auf die Spur achten. Im VC loggten wir uns nach ersten Infos über den Park und Campgrounds ins Netz ein und checkten unsere Mails, mit Ellen etwas "ge-wats-appt", mit Bert auch, endlich Postkarten gekauft, einen Adler für unseren "Zoo" und ab sind wir in den Park. Gut 45 kam hatten wir bis zum Campground Pyramid zu fahren und waren uns einig, noch keine Stopps einzulegen. Heute ist Freitag und wir vermuteten, dass die Kanadier sich gleichfalls auf den Weg machen, um am Wochenende in der Natur zu sein. Endgedanke: Es könnte eng werden mit Plätzen. Unterwegs waren noch einige Farmen versteckt. Übrigens: auf der gesamten Strecke bis Clearwater waren sehr viele Farmen bzw. Ranches - unheimlich viele Pferde. Alle für die Touries zum Ausreiten. Oder für was brauchen die so viele Pferde?

   Wells Gray Provincial Park: Der Wells Gray Park ist eine riesige, unzähmbare und ursprüngliche Wildnis. Das Einzugsgebiet des Clearwaterflusses liegt größtenteils im Park. Vier Campingplätze, verschiedene Aussichtspunkte und zahlreiche Picknickplätze offerieren eine Vielfalt an prächtiger Aussicht und interessanter Landschaft. Die Clearwater Valley Road erlaubt den Zugang zum Mittelpunkt des Wells Gray Park Korridor. (Quelle: Parkprospekt)

   Wir erreichten den Campground. Etwas zuvor hatten wir eine tolle Brücke überqueren müssen. Stoppen wir auf der Rückfahrt auch noch mal. Zum Campground selbst führt noch eine Gravelroad. Wir kamen an... Can$ 16 der Platz - schön. Wir durchfuhren ihn - leider sind die BCer sehr sparsam (um nicht geizig zu sagen): nicht mal zum Fotografieren hängt ne Übersicht. Schon parkten wir auf einen Platz ein und wurden von Mücken umzingelt, belagert. Da sahen wir, dass um den Platz tümpelige Gräben sind: Mückenbrutstätten! Wir suchten uns einen anderen Platz, vermeintlich mit weniger Mücken. Wir stehen hier, Nr. 18, so gut, wir brauchen nicht mal leveln. Der Platz an sich war so leer, wir zweifeln an den Kanadiern... egal. Wir rüsteten uns für eine erste Wanderung: unsere Moskitomützen mussten mit. Geldtüte fertig gemacht mit viel Kleingeld und wir suchten den Dawson Falls Trail. Da ist er! Ab in den Wald. Sehr lange dauerte es auch gar nicht und wir sahen den fast bis an den Weg reichenden Wasserfall. Auf seine Art sehr beeindruckend, also Fotos machen. Hierfür kletterte Thomas einen sehr steilen Abhang allein hinunter, während ich Wache stand.

   Dawson Falls: Der eindrucksvolle Wasserfall des Murtle River ist von zwei Aussichtspunkten zu sehen: der eine befindet sich flussabwärts, der andere direkt am Wasserfall. (Quelle: Parkprospekt)

   Da war doch auch noch ein weiterer Weg... zumal wir auf dem Parkplan gesehen haben, dass direkt vom Campground ein Weg zu dem Dawson Falls los geht. Stapfen wir doch da mal lang. Weiter in den Wald, aber immer am Fluss entlang ging es. Losung lag herum. Irgendwann - beim 20. Haufen - hörte ich auf zu zählen und wir tauften diesen Weg spontan: "Elkdropstrail" - nur die Elks haben wir wieder mal nicht gesehen.

   Nach einer etwas längeren Wanderung, vielleicht doppelt so lang wie zuvor, kam ein Wegweiser und Tatsache kamen wir auf dem abgetrennten Teil des CG raus. Hier lassen sie gut 15 Plätze verwildern: Bänke abgebaut, die Natur kehrt zurück. Mehrere große schwarze Kothaufen sahen wir. Geben sie den Bären deren Revier zurück? Oder was sind das für Haufen? Wir trafen kein Tier, dem wir die zuordnen können - leider.

   Eigentlich war es noch früh am Tag - wir hatten gleich nach der Ankunft Kaffee getrunken und Müsli vertilgt, fürs Abendessen noch zu früh. Kurze Beratung, die darin endete, jetzt noch mit dem Wohnmobil zum Helmcken Falls zu fahren. Schon kam der Parkwächter, wollte für seine Liste noch unseren Namen, wir kauften noch mal Feuerholz, weil es für Can$ 7 doch reichlich war. Nun konnten wir ohne Befürchtungen unseren Platz verlassen und fuhren die etwas mehr als 6 km. Noch ein kurzes Stück zu Fuß und da ist er! Das ist schon ein besonderer Wasserfall: donnert das Wasser doch in eine Höhle oder hat sich diese über 1000e von Jahren geschaffen. Diese Höhle schluckte auch die sonst typischen Wasserfallgeräusche. Aber es tobt da ein Kessel, Gischt schäumt massig hoch. Sogar regenbogenfarbig wurde die Gischt als die Sonne durch kam. Doch, es war gut um diese Zeit dahin zu fahren und den Wasserfall so sehen zu können. Enorm.

   Helmcken Falls: Der bekannteste Wasserfall im Wells Gray Park. Die Aussichtsterrasse ist rollstuhlgängig. Picknickplatz am Aussichtspunkt. Helmcken Falls Rim Trail: Der Parkplatz befindet sich bei km 42,4. Der Weg ist ca. 8 km lang (hin und zurück) - Achtung: es hat keinen Sicherheitszaun! (Quelle: Parkprospekt)

   Zufrieden und nun doch schon recht hungrig begaben wir uns zurück. Thomas entfachte auch gleich das Feuer... ich bereitete den Fisch mit viel Zwiebeln in Aluschalen vor, schrieb schon etwas, bis ich rein musste, die Bohnen und Kartoffeln zu kochen oder besser: das Gas dabei zu beobachten. Den Fisch hatte ich mit dem von Fraserway - wegen Treue! - geschenkten Grillgewürz kräftig bestreut - zu Fisch super lecker! Das Essen war ne Wucht! Fireball hinterher... die Mücken kamen mal wieder verstärkt vorbei... wir werden jetzt das Feuerchen genießen. Der Platz hat sich inzwischen auch mehr gefüllt, hat aber noch Reserven. Wir haben auf 'nem Freitag mit einem Run gerechnet. Nichts passiert! Was das wohl zu bedeuten hat? Schön ist es hier und auch preiswert. Wir hören den Fluss rauschen, der übrigens permanent ne ordentliche Power hat, hören Vogelgezwitscher, Eichhörnchen im Unterholz - was will man mehr?

   Samstag, 07.06., 17.30 h

   Wir waren mal wieder so ziemlich die letzten, die sich in den Camper zurück zogen. Da war es knapp 11e. Die Nacht ruhig geschlafen, wurde ich von einem Geräusch geweckt, dass sich anhörte, als ob da einer mit Bollerwagen lang geht. Nee, meint Thomas: es regnet! Eine Wolke regnete sich ab, dann kam die Sonne, bis sich die nächste Wolke formiert hatte... es wechselte sich so ab, wobei der Regen recht lasch war - so wirklich nass wurde man nicht. Im Camper war es natürlich wieder mal wesentlich kälter als draußen, dennoch mussten wir drinnen frühstücken. Mit unserer täglichen morgendlichen Routine waren wir kurz nach 10 fertig und fast die letzten, die den Campground verließen. Wir nahmen die ca. 25 km Strecke mit etlichen Stopps bis zum Clearwater CG in Angriff. Nach 3 km kam der Redspring Viewpoint: raus gehüpft, Fotos gemacht, weiter. Kurz darauf folgte der Deer Creek Picnic, den wir jedoch ausließen, weil er "äußerlich" nichts Besonderes erwarten ließ. Wieder nur 2 km weiter hielten wir wieder und rüsteten uns für eine Wanderung: ich zog mir den Regenanzug über, feste Schuhe, Thomas seine Spezialhose und beide natürlich die Moskitomützen - ultimativ wichtig! Apropo wichtig... Das Wichtigste habe ich ja wohl vergessen! Zwischen den beiden Picknick-Plätzen war mit mal Stau. 2 Camper und 2 Pkw standen da, Menschen mit riesigen Teleobjektiven liefen rum... am Straßenrand wanderte ein Bär und fraß nebenher Gras. Wir bekamen auch Gelegenheit, direkt neben dem Bär vorsichtig weiter zu fahren, weil der Bär ja wanderte. Die 2 Camper waren ausgeschert, aber auch nur, um ein paar Meter weiter stehen zu bleiben und die Jungs mit ihren Teleobjektiven gingen dem Bär entgegen. Mutig, mutig! Dabei soll man gerade das nicht machen. Nebenbei bemerkt machte der Bär schon einen leicht genervten Eindruck. Nun... wir hatten unsere Attraktion und fuhren weiter, die hinter uns kommenden Fahrzeuge wollten ja auch noch etwas vom Bären haben. Ein junger brauner Schwarzbär ist nun für alle Ewigkeiten auf unserem Chip gebannt.

   So, wir hatten uns ja für die Wanderung gekleidet und marschierten los. Laut Tafel schätzten wir den Weg auf vielleicht 4 km ein. Selbst da sind die BCer geizig geworden: nicht mal mehr Angaben tätigen sie, wie weit das "ungefähr" sein könnte. Stimmen tut das ja eh nicht, aber man hätte mal einen Anhaltspunkt. 11.02 h begannen wir den Weg zur Ray Farm einzuschlagen, die auch nach einigen Schritten auftauchte. Ebenso die ersten Mineralquellen. War recht interessant die zerfallene Farm. Bis 1946 hat die Familie Ray dort gewirtschaftet. Auch deren Grab war zu sehen. Jetzt folgten wir den Weg weiter bis zu dem Vulcan Mineral Spring. Das sieht erst cool aus! Ein Mini-Vulkan, aus dem Wasser sprudelt und die Landschaft rötlich einfärbt. Jedenfalls da, wo das Wasser eben hinläuft.

   Ray Farm/Mineral Spring Trail: Wells Gray's Park erste und einzige Siedlung, wo Kinder aufgewachsen sind. Einige Blockbauten stehen noch und John Ray und seine Frau Alice liegen hier begraben. Viele Vögel sind zu beobachten, gelegentlich auch Schwarzbären, Hirsche und Kleintiere. Der Rundweg zur Mineralquelle führt am Alice Lake vorbei. (Quelle: Parkprospekt)

  Weiter des Wegs... irgendwann wurde es recht abenteuerlich, denn einen stinkenden matschigen Feuchtraum mussten wir balancierend auf 2 Baumstämmen überwinden. Der Weg ging weiter bergauf, bergab, permanent im Wald. Zwischendurch mal ein und ein anderes Rinnsal über ne Holzbrücke überquert bis man zum Alice Lake kam... jedenfalls den Blick auf ihn hatte. Direkt zum See war nicht möglich... uns jedenfalls nicht. Nicht ein einziger Elch zeigte sich! Die Elkdropse lagen wieder haufenweise auf dem Weg... Wieder am Camper angekommen, entmölten wir uns und waren nochmals froh, uns so gekleidet zu haben. Denn während dieses einstündigen Trips regnete es zweimal.

   Übrigens hört kurz nach dem Weg zu den Helmcken Falls die gut angelegte Straße auf. So fuhren wir die Gravelroad weiter und besuchten nur kurz Bailey's Chute Viewing Plattform... auf noch eine Wanderung waren wir nicht aus, auch weil die Wolken ständig wechselten. Ein kurzer Fotostopp am Shadow Lake, den 20minütigen Abstieg zum Norman's Eddy ließen wir auch aus und erreichten alsbald den nächsten Campground. Der lag direkt an der Straße (Falls Creek), war nicht unser Ding und wir fuhren das kleine Ende weiter bis zum Clearwater Lake CG. Der zwar zweigeteilt, wir durchfuhren ihn: eine Seite war schon gut besucht, die andere zum Fluss/See hin noch besser. Wir fanden noch einen passablen Platz, levelten uns ein, es fing schon wieder an zu tröpfeln. Wir machten auch die Geldtüte fertig, aber wir zögerten. Ich fand, es graute immer mehr zu und fragte Thomas, ob wir nicht doch lieber bis zum Saloon runterfahren sollten. Ich kenne doch Thomas seine Stimmung bei Regen... Er hatte in den Werbeprospekten gelesen, dass es da auch RV-Plätze gibt. Ich befürchtete, dass es heute abend regnen wird und wir dann nur im Camper sitzen... dann könnten wir mal lieber im Saloon sitzen. Thomas war spontan auch dieser Meinung und wir bauten wieder ab, bezahlt hatten wir ja noch nicht. Wir fuhren noch zu dem Cafè dort, tranken einen und teilten uns ein Stück Streuselkuchen - Can$ 12,50 weg. Wolken kamen immer mehr, zwar schien noch die Sonne, aber wir dallerten nun los. Auf dem Weg nahmen wir nun noch die Viewpoints auf dieser Seite mit, nahmen auch noch eine kleine Wanderung zur anderen Seite des Dawson Falls mit und kurvten die steile enge Straße zum Aussichtsturm hoch. Nur noch ein paar Kilometer Fahrt und wir erreichten auf der rechten Seite die Wells Gray Guest Ranch mit dem Saloon. Hier empfing uns eine Schweizerin und wir schnackten Deutsch. Wir sahen uns die Stellplätze an - 3 an sich - entschieden uns für den mittleren und checkten ein: Can$ 31,50 die Nacht inklusive Duschen. Im Saloon wurde BBQ zum Dinner angeboten, auch das bestellten wir schon. Thomas kaufte sich ein Shirt, mir waren sie zu groß, genauso wie die Hüte.

   Diese Ranch ist wunderschön und zeigt sich in echt genauso wie der Flyer es ankündigt: Authentic Western Atmosphere! Sofort "stachen" einem die vielen Pferde in den Gattern ins Auge, eine große Stallscheune stand mittendrin. Die schönen Blockhäuser haben die Terrasse so ausgerichtet, dass von dort ein Blick auf die Weidewiesen zu genießen ist. Selbst waren wir nicht in einer Blockhütte, die waren alle ausgebucht. Unser Stellplatz - mit Feuerstelle natürlich - war direkt gegenüber der Stallscheune und wir hatten den besten Blick auf die Ausrittvorbereitungen. Auf der großzügigen Rasenfläche vor dem Shelter hatte sich bereits ein Zelter gemütlich eingerichtet. Das taten wir nun auch, schlenderten übers Gelände und packten uns schon mal jeder ein Hufeisen ein... Noch eine Tasse Kaffee und wir machten uns fürs Dinner fertig: Duschen. Thomas ging schon mal los, ich genoss den Anblick der gesamten Anlage bei ner Zigarette und ging, nachdem Thomas zurück war, auch zum Duschen. Das Häuschen hatte jeweils über den Türen mit einem Seil die Schriftzüge "Cowboy" und "Cowgirl". Neckische Idee. Innen alles hübsch mit Holztüren gestaltet, standen 3 Duschen zur Verfügung... ich brauchte nur eine und genoss den Umstand, dass ich ganz alleine war... Auf dem Weg zum Dinner besuchten wir nochmals diese Örtlichkeit, kurz noch pullern. Ich ging schon mal vor, während Thomas das Wohnmobil abschloss. Kurz wunderte ich mich, wer noch aufs Klo kommen könnte... war doch gar keine weitere Frau da... guckte ich Thomas an! "Was machst du denn hier?", meine überraschte Frage. Er darauf: "Na pinkeln will ich..." -  "...auf'm Damenklo?" Erst jetzt schnallte er, dass er die falsche Tür genommen hatte wie beim Duschen zuvor auch. Ich konnte mich vor Lachen kaum halten und zeigte ihm, wie hübsch doch die Türen ausgeschildert sind... Wir amüsierten uns noch ne ganze Weile über dieses "Versehen" und hatten so jeder eigene Bilder im Kopf...

   Zum Grillen suchte ich mir Fisch, Thomas Beef aus. Vorweg gab es ein Salatbüffet, man konnte sich frei bedienen. Uns wurde Bescheid gegeben, dass das Grillgut fertig sei und wir es uns beim Grill-Cowboy abholen können. Hier stand ein weiteres Büffet mit Kartoffeln, Reis, Gemüse und Soßen... wir schaufelten auf. Das Essen war lecker, ein Bierchen dazu, als Dessert gab es Kuchen. Wir waren satt und beglichen die Rechnung mit Can$ 85. Zum Essen saßen wir im Saloon, obwohl draußen eine tolle Wagenburg gleichfalls zum Sitzen einlud.

   Auf dem Weg zum Wohnmobil kamen wir an den Zeltern vorbei, die uns spontan zum Lagerfeuer einluden. Damit dieses richtig los gehen kann, versorgte Thomas die erst mal mit kleinerem Holz und Feuerzeug. Wir ließen die beiden gemütlich essen, schnappten uns unsere Stühle und gingen zum Lagerfeuer hinüber. Übrigens sammeln sich oben im Park immer noch dunkle Wolken!

Wells Gray Guest Ranch - Kamloops - Chase - Tappern - Campground ?

   Sonntag, 08.06., 10.45 h

   Wir sind heute spät dran, aber wir haben ja Zeit. Wir saßen gestern mit Karmen und Serge noch schön am Lagerfeuer, es entstanden sogar "flüssige" Gespräche - die beiden können kein Wort Deutsch! - , Steve - der Grill-Cowboy - kam noch hinzu... der Mann für alles hier! Nach dem Ausritt mit Gästen schickt er die Pferde auf die Weide, steht am Grill, um morgens wieder mit den Pferden zu beginnen... Wir beobachteten Glühwürmchen, die Karmen noch nie gesehen hatte. Sie war so begeistert von den "Fireflys" und Serge lockte mit Herumstochern im Feuer durch den Funkenflug immer wieder neue an. Es war ein sehr schöner Abend... bis der Regenschauer uns abrupt flüchten ließ. Da war es auch schon halb 12.

   Das war eine sehr gute Entscheidung, hier zu übernachten. Heute ist ein sehr warmer, teilweise sonniger Tag. Die Ausritttruppe ist schon auf ihrem Reitausflug. Eine unheimliche Stille ist hier. Ich ließ mir von den beiden noch in mein Buch schreiben:

   "Dear Nordlind & Thomas, it was so nice to meet you at our campsite, and enjoy a fire and fireflys together ;-) Even more to see you enjoy coffee and cake at Clearwater. All the best on your Canadian country trip (with Canadian Beer & Canadian chairs). All the best, Serge & Karmen"

    20.30 h - Erst halb 12 haben wir uns im Office verabschiedet, nicht ohne ausreichend Lob und Begeisterung zu äußern. Es war wirklich toll dort - das Werbeprospekt lügt nicht! Wir stoppten dann noch, um die kleine Wanderung, na eher ein Spaziergang zu dem Spahats Falls zu tätigen. Das hat sich gelohnt: 2 Wasserfälle über Eck sozusagen, insgesamt 73 m, der untere dann 65 m, münden in einen Fluss. Alles geschieht in einem beeindruckenden Canyon. Sehr sehenswert!

   Nun noch mal im Visitorcentre halten, Netz checken, und rein nach Clearwater. Der Schnapsladen hat sonntags hier zu, also kein Bier heute abend, aber die Tanke war auf. Da dieses mal ohne Karte, konnten wir vollschütten.

   Meine ganz persönliche Anmerkung zum Info-Prospekt des Wells Gray Parks: Es dürften dort gern mehr Informationen zu Höhen der Wasserfälle und dem Geschehen auf der damaligen Ray Farm stehen... tuts leider nicht. Was jedoch drauf steht - und das finde ich wirklich passend - ist Nachfolgendes:

  In Provinz Parks ist es möglich, den Bären in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten. Bären zu sehen ist immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis. Es ist wichtig zu wissen, dass wildlebende Bären gefährlich sein können. Ein passiver Bär garantiert keine Sicherheit! Springende Kinder, bellende Hunde, eine Autohupe, eine sich ihm nähernde Person genügt, um den Bären angriffig zu machen.

   Im April kommen die Bären hungrig aus ihrem Winterschlaf. Als erstes Futter finden sie junge Baumtriebe, Bärenkohl und Aas. Ab Mai fressen sie junges Gras und Löwenzahn entlang der Parkstraße. Dies ist die beste Zeit sie zu beobachten. Auch Elchbabys und Rehkitze fallen ihnen zum Opfer. Nähere Dich nie einem fressenden Bären, er wird seine Beute verteidigen.

   Während des Sommers verzieht sich der Bär tiefer in den Park, Beeren, Insekten und Nagetiere fressend. Sie sind nur noch bei der Ray Farm und entlang der Korridor-Straße anzutreffen. Im Herbst trifft man sie am Clearwater Fluss, wo die Lachse laichen und sich auch Fischer aufhalten. August bis Mitte Oktober kann man frühmorgens und spätabends Bären am Flussufer entdecken. Seltener sind Grizzlys zu sehen - sie meiden menschliche Nähe.

   Beobachtet alle Bären von einer sicheren Distanz aus. Auf Wandwegen im Wells Gray Park macht euch mit Sprechen, Singen etc. bemerkbar. Für Ihre und des Bären Sicherheit lernen und befolgen Sie die Richtlinien dieser Broschüre. Seien Sie anderen ein gutes Beispiel beim Beobachten, Filmen und Fotografieren des Bären in freier Natur.

   Nichtbefolgen dieser Richtlinien kann des Bären Tod bedeuten!

   Die Zeit verging irgendwie wie im Flug. Wir donnerten durch die nunmehr nicht mehr abgesperrte, pilotengeführte Baustelle und hielten nochmals am Antiquitätenladen. Thomas wollte einem Zug auflauern, ich durchstöberte nochmals alles in Ruhe und fand einen Knopf und einen Löffel.  Werden wohl diese Löffel meine neue Sammelleidenschaft... Es kam kein Zug und wir sind weiter nach Kamloops zum "Güterbahnhof". Recht fündig an Loks wurde Thomas nicht. Kurz durch Kamloops gewuselt und wir waren auf der 1 East, wo wir hin gehörten. Trotz etlicher Baustellen kamen wir zügig voran. Kurz vor oder bei Chase wollten wir auf den Campground. Wir fanden die Zufahrtsstraße auch, die nach 2 km in einen sehr ominösen Weg überging. Enge Kurven - wenn da einer entgegenkommt, Prost Mahlzeit! Irgendwie war uns das total umheimlich, erst recht, wie der Weg dann in einen noch engeren schlaglochreichen Waldpfad überging. Nu darf mal gar nix entgegen kommen! Längst hatten wir wohl beide - unabhängig voneinander! - den Gedanken gefasst, hier nicht bleiben zu wollen. Es gab jedoch nicht die geringste Möglichkeit zum Wenden in 3 Zügen... 10 hätten nicht gereicht! Wir mussten bis zum Campground durchfahren. Mit einem schönen Blick auf den See endete der Pfad, ein Schild mit Preis Can$ 11 und Verhaltensregeln ließ einen Campground erwarten - nur wo wa der? Es blitzten einige Camper durch; die sahen alle recht eigenartig aus. Mehr so Anhänger als Mobile wie unser eins. Thomas setzte den Weg nach links fort, schaukelnd vorbei an einigen Campern, bis eine Kurve mit tiefem Loch der Fahrt erst mal ein Ende setzte. Thomas ließ den Motor laufen, zog die Handbremse an, stieg aus und begutachtete den Weg... unser Gefährt rollte ihm nach. Ich sprang auf den Fahrersitz und drückte die Handbremse erst mal kräftig durch (die Handbremse in Wohnmobilen ist mit dem Fuß zu betätigen) und das Teil blieb stehen! Wat'n Schreck! Das hätte uns noch gefehlt: in dieser Abgeschiedenheit, auf dieser Einbahnstraße... Einbahnpfad! einen Wohnmobilcrash zu haben! Thomas guckte etwas verdutzt wegen des Rollens und entgeistert wegen des Wegs. Nein, hier war nichts möglich, nur noch Rückwartsgang rein und zurück zum Schild, um dann diesen Pfad wieder gen Stadt zu nehmen. Für unser Wohnmobil ein überhaupt nicht geeigneter Platz! Ist zwar sehr idyllisch dort, aber mitten in einem Reservat an einem See eher etwas für "fest installierte" Angler. Wie es kommen muss, kam uns natürlich auf diesem engen Pfad ein Truck entgegen und unsere Spiegel touchten sich kurz. Endlich wieder freie Sicht, hatte man von dieser kurvenreichen Strecke tolle Aussichten auf die Stadt. Dennoch waren wir froh, den Highway wieder erreicht zu haben und verwarfen die Überlegung, den anderen Campground am Adams Lake aufzusuchen. Sollte auch wieder so für Boot und Fischen gut sein ala Nis...-Dings-da! (Richtig heißt der: Niskonlith Lake Park) und noch weiter ab vom Schuss. Nein, es reichte uns und wir entschieden uns für Herald mit 119 Plätzen. Der ließ besseres erhoffen. Wieder noch Baustellen... irgendwo erspähte Thomas auf der linken Seite 4 Loks, er rüber, hinter uns hupte es. Wie nun wieder rauf auf die stark befahrene 1 East? Wir ahnten Schlimmes... aber nein, es ging alles gut. Wir waren inzwischen dem Hungertot nah, wollten aber wegen der schnell fortschreitenden Zeit keine Pause mehr machen - es galt nur noch, diesen Campground zu finden. Die Straße führt an einem See entlang - rechts gegenüber sah man den Highway. Die Straße wollte kein Ende nehmen... Wenden wieder nicht möglich - doch endlich erreichten wir den Campground. Wir checkten ein, für Can$ 30 bekamen wir Platz 110 zugewiesen. Schnell wurde Essen gemacht: Nudeln, Wurst, Möhren, Knofi... wir konnten weiter leben!

 

CG Herald PP - Salmon Arm - Sicamous - Craigellachie - Three Valley - Revelstoke

   Montag, 09.06., 17.35 h

   Zur Verdauung unseres Mahls tätigten wir den obligatorischen Rundgang über den Campground mit kleiner Wanderung über "sieben" Brücken zum Shuswap Lake und da hier schöne Wanderwege ausgewiesen waren, entschieden wir uns, den Margaret Falls aufzusuchen. Ein beeindruckender Canyon mit alten Hemlocktannen und Espen, die teilweise kreuz und quer über und im rauschenden Fluss lagen, endet nach einem gemütlichen 20-min-Gang am sehr schönen Margaret Falls. Das hatten wir nicht erwartet! Äußerst zufrieden traten wir den Rückweg an, um den Rest des Abends am Feuer zu genießen und beäugten nebenbei, dass sich der Himmel bedeckte. Anfänglich war alle 20 min ein Zug über den See hinweg zu hören. Übrigens ein sehr schöner See und bietet den Campgroundgästen neben den Duschen und Wassertoiletten noch einen zusätzlichen Pluspunkt als Badesee.

   Wir holten unser Sonntagsfrühstück nach: Rühreier. Kurz vor 10 haben wir den Platz verlassen - nebenan fing man schon an, den Zaun vom umgeknickten Baum zu reparieren; sprich es wurde lärmintensiver. Ohne dies auf alle Fälle ein sehr empfehlenswerter Campground.

   Bis Revelstoke sollte es eine kurze Tour mit knapp 150 km werden. Also hatten wir Zeit und nutzten diese für etliche Stopps, einige ungeplante wegen Baustellen mit Single Traffice Lane waren auch wieder dabei. Ca. 10 km vor Sicamous sah Thomas einen Zug und suchte nun noch eine Stelle, ihn gut vor die Linse zu bekommen. Eine von den vielen Baustellen schien sein Vorhaben zunichte zu machen. Doch nein - Sicamous empfing uns mit einer schönen Brücke und einer noch schöneren Eisenbahndrehbrücke. Fantastisch! Gleich war rechts ne Abfahrt mit Parkplatz. Da sind wir hin und sahen gerade noch, wie die Brücke einrastete und nun eine schnurgerade Gleislinie bildete. Es blieb uns noch Zeit, unsere Technik klar zu machen, denn es war sehr offensichtlich, dass gleich Thomas sein erspähter Zug kommen müsste. Nebenbei: es war sonnig, aber asig windig und offensichtlich Hochwasser. Diese Zugfahrt über diese Drehbrücke war für uns irgendwie ein ganz besonders Erlebnis - sieht man keine Tiere, so erfreuten wir uns an den zig Horsepower. Der Zug war vorbei und wir wollten noch den Moment abwarten, bis die Brücke den Wasserweg wieder frei gibt, hofften wir doch, dass eins der umher kreisenden Hausboote vorbei fährt. Leider nein. Sicamous offenbahrte sich als ein recht angenehmer gepflegter Ort. Dennoch hielten wir uns nicht länger auf, unser nächstes Ziel war der "letzte Nagel". Gleichzeitig war dies auch ein Rest Area: Craigellachie. Die Stelle, an der der goldene Spike ins Gleis geschlagen wurde, war sehr gut besucht - niemand hat den goldenen Nagel gefunden... Zum Trost machten wir - wie die anderen auch - einige Scherzfotos. Es war für den nächsten Stopp mit einer weiteren Attraktion nicht mehr weit. In Three Valley sollte eine Geisterstadt sein. Im Vorbeifahren sah das gar nicht wirklich einladend aus, wir bogen dennoch ab und sahen schon die ersten alten Maschinen und Waggons. Wir beschlossen, doch in die Ghosttown zu gehen und löhnten pro Person Can$ 12 - ein angemessener Preis.

   Three Valley: Als Section House der gerade fertig gestellten Bahnstrecke entstand am Westende des Three Valley Lake die Stadt. In den 1890er wurde ein Sägewerk gebaut und die Stadt begann zu wachsen mit Hunderten von Einwohnern. 1913 brannte das Sägewerk ab und wurde nicht wieder aufgebaut - schnell starb die Stadt aus.

   Gordon Bell wuchs in der Zeit der großen Depression auf und sah viele hungrige, arbeitslose Leute und Familien ohne Perspektive. Er stellte sich den Neubau des Sägewerks, den Bau einer Ranch oder eines Lodgekomplexes vor, der seiner Familie Gelegenheit zum Arbeiten und Leben in einer gesunden Umwelt bieten würde. 1953 heiratete er Ethel und die beiden kauften 1956 das Seeufer am Three Valley Lake. 1961 starteten die beiden das Projekt "3 Valley Gap Heritage Ghost Town", nachdem sie sahen, wie French Creek, eine historische Stadt nördlich von Revelstoke - vollgestopft mit Gebäuden und Artefakten - unterging. Während anderen dieser Untergang wenig zu bekümmern schien, begannen die Bells zu retten, was sie konnten, um so zukünftigen Generationen das Leben in der Vergangenheit zeigen zu können. So retteten sie etliche Gebäude vor dem totalen Zerfall und "positionierten" sie neu.

   2007 verstarb Gordon Bell - heute pflegt die Bell-Familie sein Vermächtnis und das Zeigen der Geschichte geht weiter. (Quelle: Werbeprospekt, frei übersetzt)

   Wir hielten uns erstaunlich lange auf, auch wenn sich die Gebäude an sich ja auch teilweise wiederholten ala Fort Steele oder im Ukrainischen Dorf bei Edmonton. Es bleibt faszinierend, welchen Pioniergeist so jemand entwickelt. Und vor allem, was alles zusammengetragen wurde. Lässt man augenscheinlich viel verkommen, so sind solche Sachen erstaunlich gut erhalten. Wenn sich auch wahre Antiquitäten mit eher "Neuzeitlichem" aus den 60er oder 70er vermischte, ist es doch schön zu sehen, dass diese Leute so etwas wie Zeitschriften oder Schnittmuster aufgehoben haben. Ich finde das gut. Diesem Ehepaar Bell und deren Familie ist großer Respekt zu zollen.

   Wir waren mit unserem Kulturprogramm durch und steuerten schnurstraks den CG Willamson Lake in Revelstoke an. Und das war gut: der Platz war schon gut besucht. Wir bekamen unseren "alten" Platz Nr. 14 und sinnierten kurz, warum wir den Schweizer nicht angetroffen haben? Wir tranken eine Tasse Kaffee, markierten die Radstellung und fuhren wieder in die Stadt. Thomas wollte sich bei der Feuerwehr ein Shirt kaufen - heute waren wir 3 min zu spät! Sehr wichtig war auch der Schnapsladen... Gleich neben dem Arbeitsamt war einer neu eingerichtet, die 24 Dosen Bier wanderten dann in den Rucksack und wir stiefelten zum Fahrzeug zurück. Wieder auf dem Platz kramte ich die Wäsche zusammen und ging zur Loundry. Waschen für Can$ 1,25 - das ist doch ein Wort. Da ich alleine hier rumwerkel, stehen mir beide Trockner zur Verfügung... Während die Waschmaschine arbeitete, nutzte ich die Zeit um nachzufragen, was mit dem Schweizer ist. Mir wurde erklärt, dass es vor dem Sommer einen Besitzerwechsel gab. Nun bewirtschaftet den Platz ein junger Mann und hat auch schon ordentlich Veränderung geschaffen. Dieser Besitzerwechsel schadet dem Platz in keinster Weise, nur gibt es kein Zedernholz zum Feuern mehr.

   Dienstag, 10.06., 19.05 h

   Wieder "normale" Zeit - eine Stunde zu heute vormittag fehlt uns! Das Wäschewaschen ging super - insgesamt nur Can$ 4,25. Ich war ja die einzige im Loundryroom und nutzte somit gleichzeitig beide Trockner. Da diese ca. je ne 3/4 h brauchten, ging ich erst mal wieder zum Wohnmobil, denn Thomas hatte inzwischen das Abendessen zubereitet. Das Essen gemütlich weg gemampft, ging ich wieder zurück und beendete meinen Waschtag.

   Es kamen immer noch Camper... so voll haben wir diesen Campground noch nie erlebt. Bestimmt waren viele angelockt vom Schweizer, denn viele Deutsche waren da und ich meine, einige guckten auch bedäppert wegen des neuen Besitzers. Uns tat das nichts, außer vielleicht, dass wir den Shop vermisst haben.

   Kurz nach halb 10 fiel der Hammer: alle waren in ihren Campern verschwunden! Wir feuerten noch etwas, aber räumten kurz nach 10 auch das Feld; 22.15 h lagen wir in den Federn - fatal! Entsprechend früh wach waren wir dann heute. Wir änderten unseren gewohnten Tagesablauf und gingen vor dem Frühstück duschen. Uns fiel der Toaster ein... das erste Mal genutzt. Glatt aß ich eine Stulle mehr in der Hoffnung, nicht so früh wieder Hunger zu bekommen... ich sollte mich irren. Noch schön abgewaschen, verließen wir kurz nach 10 fast als letztes Fahrzeug den Platz! Die ersten waren schon um 8 los.

   Auf dem Tagesplan standen der Besuch des Museumsshops, der Feuerwehr und Tanken. Genau dieser Reihe nach tätigten wir auch alles. Bei der Feuerwehr fragten wir, warum da bei RCMP die Straße gesperrt ist. Um 11 fängt eine Gedenkfeier für 3 ermordete Mounties an. Da es fünf vor war, beschlossen wir spontan uns das anzuschauen.

   "3 fallen RCMP officers": Den 3 Mounties, welche in Moncton, N.B., von einem Amokläufer ermordert wurden, wird mit einer landesweiten Gedenkfeier am Dienstag gedacht, bevor die eigentliche Beerdigung am 10.06. im Moncton Coliseum statt findet.

Was war geschehen? Ein schwerbewaffneter Amokläufer hat am Mittwoch (04.06.) 3 RCMP-Offiziere getötet und 2 verletzt. (Quelle: Internet CA-News - frei übersetzt; weitere Infos: www.cbc.ca/news/canada oder www.rcmp-grc.gc.ca).

   So gedachten auch wir den ermordeten Mounties Fabrice Georges Gevaudan (45), Dave Joseph Ross (32) und Douglas James Larche (40). Knapp ne 3/4 h nahm diese äußerst tiefbewegende Gedenkfeier unserer Zeit in Anspruch. Mich beeindruckte, wie die Leute - und nicht nur Involvierte - echte Anteilnahme zeigten. Es wurde sehr deutlich, dass die Royal Canadian Mountain Police höchsten Respekt und Anerkennung genießt. Daher war es wohl auch nicht so tragisch, dass die 2 jungen Burschen, die wegen Kreislaufschwäche aus dem Ehrentrupp auf die Stühle mussten, bei der Kanadischen Nationalhymne nicht aufstanden, wo hingegen sich die alten gebrechlichen Leute aus ihren Rollstühlen oder Rollatoren hochschraubten...

   Nun noch tanken und ruff auf den Highway 1...

Revelstoke - Rogers Pass - Golden - Campground Yoho-NP

   Mittwoch, 11.06., 17.30 h

Wir hatten uns vorgenommen, wieder auf dem Campground zu stehen, der auf ner Insel im Fluss war. Wir hielten am Rogers Pass - da war es a...rmkalt. Sehr viel Schnee lag noch da, daher auch die Maifrische! Dafür stand ein Gopher für beste Aufnahmen bereit und posierte sogar etwas rum. Besonderes gab es jedoch nicht zu sehen; neu waren die 2 Kanonen, die im September 2011 zum Gedenken aufgestellt worden waren. Das große Gebäude mit Lodge war verrammelt und vernagelt. Tja, so wie da die Lawinen runterkommen, will dort wohl keiner mehr Urlaub machen. Wir sind dann auch weiter: herrlichste Landschaft durchfahrend, Ergebnisse der einen und anderen Lawine registrierend, den neuen Highway bewundernd. BC hat sich seine Straßen was kosten lassen! Die haben unheimlich viel gebaut bzw. bauen noch. Ist deshalb der Campground auf der Insel nicht mehr zugänglich? Die Insel im Fluss sahen wir, auch das Schild "closed", aber vorher und hinterher keinen Campground-Hinweis - sonderbar! Die anderen 2 in den Bergen waren verständlicherweise noch geschlossen... aber dieser? Warum? Wird er der Natur zurückgegeben? Das kann ja nur mit dem ausgebauten Highway zu tun haben... schade. Dafür war etwas später ein neuer, riesiger Rastplatz "Kicking Horse" entstanden. Hier tranken wir unseren Kaffee und beratschlagten weiter. Blieb ja nur noch Kicking Horse River CG; Monarch schied schon deswegen aus: keine Feuerstellen. In Field hatte das Infocenter gerade 5 min vorher geschlossen, aber wir trafen Deutsche an. Denen hatte man in Lake Louise auch den Kicking Horse empfohlen... wie so manchen anderen wohl auch... brechend voll der Campground! Standen wir vor Jahren noch fast alleine auf dem Platz, hatten wir heute zu tun, überhaupt noch einen einigermaßen schönen Platz zu finden. Die uns gefielen waren natürlich alle schon belegt... selbst der große freie Platz bot keine Möglichkeit mehr. So stellten wir uns an eine Kurve und machten es uns gemütlich. Thomas fing mit dem Feuer an - wir wollten Hähnchenpäckchen machen - doch wegen der Windstille wollte es nicht in Gang kommen. Aber wir hatten schon so kräftigen Hunger! Müssen die Brüste in die Pfanne... Hach, schmeckte das gut. Nach diesem deftigen Mahl war Kalorienabwandern angesagt. Wir rüsteten uns mit der Technik und stiefelten durch den Wald bis unter die Highwaybrücke - das Lauern auf einen Zug begann...

   Zuvor - beim Abendessen - hatten wir genug Fahrten vernommen. Nun standen wir da und lauerten! Wir gingen die Strecke etwas auf und ab - immer mal wieder so durch die Gleise schlendernd und sammelten nebenbei 15 Spikes auf. Merke: im Laden kosten die zwischen 3 und 5 Can$ und hier liegen sie rum... Wir hätten noch mehr finden können, aber wir untersagten uns die Suche. Immerhin müssen wir sie doch noch nach Deutschland kriegen und gerade leicht sind die nicht!

   Endlich hörten wir einen Zug kommen. Wir stellten uns parat, um den Zug aufzunehmen: Thomas mit Handy als Video, ich knippste wie wild. Ein irrer langer Zug, der zeitweise arg in unseren Ohren quietschte... eine Krähe fuhr als blinder Passagier mit... der Zug war vorbei. Wir sammelten unsere Spikes ein und traten "sportend" und sehr zufrieden den Rückweg an.

   Jetzt aber Feuer! Das wollte wieder nicht so wirklich, aber mit Luftzufuhr durch wedelnden Abkratzer züngelte es auf und der Spaß konnte beginnen - wir hatten uns ausreichend mit Holz eingedeckt. Es war so weit, den Mond zwischen den Bergen zu fotografieren: Stativ klar gemacht. Und wenn das schon ausgepackt ist, auch gleich noch Fotos von uns am Feuer. Gegen 11 sind wir dann in die Betten - für die Nacht waren 0 °C angesagt! Erst gegen Morgen zog ich die 2. Decke rüber - es war kalt geworden.

   Ca. 9 sind wir aufgestanden und hatten zu tun, warm zu werden. Da half nur mit dem üblichen Tagesablauf zu beginnen. Mist! Vergessen Brot rauszunehmen. Eine Stulle war noch für Thomas, ich aß Müsli. Ansonsten verlief alles wie immer, noch ein bisschen fotografiert und weiter ging's: Banff sollte nächstes Ziel sein.

CG Kicking Horse-Banff-CG Two Jack Lake-Canmore-Cochrane-Campground ?-Innisfail (Rodeo!)

   Also eine sehr kurze Strecke. Ohne uns groß aufzuhalten fuhr Thomas den Highway 1 statt des Bow Valley Parkways. Nun ja, auch hier war ne schöne Landschaft. Kurz vor Banff hatten sie eine Stoppstelle hübsch ausgebaut mit Info-Tafeln. Wir hielten, damit ich den Mount Rundle wie jedes Mal fotografieren konnte. Da guckte mir doch ein Gopher zu?!

   Wir hatten unseren Plan für Banff schon fest, der jetzt nur leicht abgeändert wurde, weil auf "unserem" Parkplatz ein Farmers Market war. Nix zum Parken für uns in Sicht, also rüber über die Brücke und am Indianer Museum hingestellt. Gut, dass wir uns in Banff auskennen... Wir schlenderten nur kurz über den Farmers Market und stellten fest: Kein Wunder, wenn wir in BC keinen geöffneten Fruitstand fanden - hier waren die Farmer! Wir begannen jetzt aber erst mal unseren Stadtbummel. Eine Straßenseite hoch, in fast alle Geschäfte rein, die andere Straßenseite wieder runter, auch hier in alle Geschäfte rein. Dieses Mal konnten wir aber nicht wirklich etwas Außergewöhnliches finden und tätigten eher Notkäufe. Na ja und dass sich alles von Laden zu Laden wiederholt, war auch nix neues. Wir haben ein paar Erinnerungen zusammen - muss reichen. Nun noch mal über den Farmers Market und zielsicher an den Bäckerstand. Hunger! Ach, tat der süße Kuchen gut. Noch Geld holen, im Museums-Gift-Shop durchgeschlurft... nix gefunden. Fahren wir raus zum Campground Two Jack Lake. Wieder ging das Feuer nicht an - kein Wind. Doch heute muss über Feuer gegart werden, es ist so ein gutes Rost! Mit der Müllschaufel Luft zu gewedelt, kam es nach gefühlt einer Stunde in Gang. Jetzt die Süßkartoffel schälen und aufsetzen - es sollte daraus Brei geben.

   Während wir aßen, kam ein frischer Wind auf, ausgerechnet aus der Seite, wo der Feuerkessel keine Löcher hatte. Nun ja, wir wollten eh noch zum See, da braucht es auch nicht doll brennen. Hauptsache nachher wieder...

   Donnerstag, 12.06., 15.00 h - Wir sind noch ne kleine Runde, na mehr ein Stück am See entlang gegangen. Es pfiff da eine derart frische Brise, dass wir doch wieder umkehrten. Gemütlich ist was anderes! Unser Feuer glimmte noch und Thomas entfachte es gleich wieder neu mit frischen Scheiten. Vom Nachbarplatz vernahmen wir deutsche Stimmen, eine davon klang äußerst "nordisch". Tippten wir auf Hamburger Gegend, sahen wir im Heck deren Fahrzeugs ein Schild "Jörg & Anke aus Dorf Mecklenburg". Na, die müssen wir doch kennen lernen und sind mit unserer Dose Bier in der Hand zu denen ans Feuer. Schnell kamen wir ins Gespräch und plauderten... sie hatten nichts dagegen, dass wir mit unseren Stühlen mit an deren Feuer saßen. Rico & Simone aus Leipzig lernten wir dabei natürlich auch kennen. Reger Erfahrungsaustausch mit etlichen Tipps und Tricks beiderseits unterhielt uns Stunden, gegenseitige Van- bzw. Camperbesichtigungen inklusive. Es war ein angenehmer, lustiger, unterhaltsamer Abend, der ca. 10e endete, da die 4 noch duschen wollten. Ich bat sie zuvor noch, sich für ein Foto zusammen zu setzen... Zischendurch hatte ich in unseren Kessel immer mal ein Scheitchen nachgelegt, so dass wir jetzt noch für uns etwas auflegen konnten. Wir genehmigten uns noch Alberta-Müsli, tauschten unsere Gedanken über den Abend aus und zottelten ins Bett. Es war auch schon halb 12.

   Gegen 9 sind wir aufgestanden, da hatten unsere neuen 4 Freunde die Vans zur Frühstücksfahrt nach Banff schon startklar. Als erstes ne Tasse Kaffee beschlossen wir, dass wir erst duschen und dann frühstücken, weil die jeweils 2 Duschen gerade frei erschienen. So war es auch. Essen - Birnenmarmelade wurde heute alle - Abwaschen, Aufräumen, alles verstauen... 10 vor 11 waren wir beim Auschecken. Wir fragten die Parktante, ob sie in Innisfail auf dem Campground nachfragen könnte, ob wir einen Platz reservieren können. Sie verneinte mit der Begründung, dass der Campground außerhalb des Parks ist und zum Netz Calgary oder Edmonton gehört. Können sie wohl nicht nach außerhalb telefonieren? Obendrein scheint der in Innisfail ein privater Platz zu sein. Nun gut, das war ne Aussage, wir fuhren los und vertrauten darauf, dass unsere Tankfüllung die 17 km bis Canmore noch ausreicht. Tat sie. Kurz vor Canmore sahen wir den Royal Canadian in Richtung Canmore schleichen. Gleich anfangs der Stadt fand Thomas eine Stelle zum Parken, wir eilten mit unserer Technik zum Bahnübergang... noch fuhr ein Güterzug durch... die Schranken wurden kurz für die Autos geöffnet, um sich für den Royal Canadian wieder zu schließen. Wir nutzten die Zeit, um schnell noch die dort rumliegenden Spikes aufzusammeln. Schon fuhr er durch - Fotos und Video zeugen davon.

   Wir fütterten unseren Tank und da wir nichts weiter vor hatten in Canmore, durchfuhren wir den Ort, beäugten dabei letzte Schäden und gewaltige Reparaturmaßnahmen nach dem Juni-Hochwasser vom vergangenen Jahr und bogen auf den Highway 1A ab. Es kam ein Rest Area, was sich als ehemaliger Campground entpuppte. Na, dass der still gelegt wurde, wundert uns nicht: auf einer Seite die Bahnlinie, auf der anderen der Highway und dann noch ein Steinbruch dazu. Spätestens mit Ausbau des Highways blieben wohl die Besucher aus. Nun wird er renaturiert, was so viel heißt: zuwachsen lassen, Bänke bleiben mal stehen, die geteerten Stellplätze werden auch irgendwann mal nicht mehr zu sehen sein... bis dahin sind's halt Parkplätze.

   Dachten wir erst, der Hgw 1A ist für uns neu und unbekannt, erinnerten wir uns spätestens am Vorbeifahren an der Rodeohalle, dass wir hier schon mal gefahren sind. Ja, auch den metallenen Reiter auf dem Berg erkannten wir wieder. Dann kam auch bald das Hinweisschild zum Tripple Diamont CG - das tolle, luxuriöse Ding mitten im Wald. Diese Gegend kennen wir doch schon! Kurz vor Cochrane bogen wir dann auf den Cowboy Trail Richtung Norden ein. Blicke auf die Stadt ließen auch hier einen unwahrscheinlichen Bauboom gegenüber dem letzten Besuch erkennen. Nun, diese Stadt liegt relativ nah an Calgary - vielleicht so 30 bis 50 km. Sind doch hier keine Entfernungen. Diese Stadt hat sich sehr vergrößert und einige Ranches sind wohl bald mitten drin... Diesen Teil des Cowboy Trails haben wir aber nun wirklich noch nie befahren! Eine schnurgerade Strecke führt vorbei an zig Ranches mit saftigen Wiesen und vereinzelten Feldern. Pferde- und große Kuhherden waren fernab zu sehen, ein Fluss - welcher? - zeigte sich zeitweise. Ansonsten hügeliges, weites Land, ganz fern die Rocky Mountains... so heißt die Gegend auch: Rocky Mountainview County. Jetzt galt es, einen Campground zu finden. In Cremona hielten wir erst mal für die Tasse Kaffee und Schale Müsli. Natürlich nutzten wir diese Pause, um nochmals im CG-Führer nachzublättern und siehe da, der Elkton CG war unter Cremona aufgeführt. Na supi! Die Angaben offerierten: 10 km nördlich, 1 km vom Highway entfernt. Den steuern wir doch an... hat auch Power... So ganz stimmten die Angaben natürlich nicht, erst nach 12 km kam die Einfahrt zum CG, der dann mit weiteren 3 km ausgewiesen war. Was soll's, kennen wir ja schon, ist halt nur ne Orientierungsgröße. Noch ein Abzweig nach rechts, kamen recht bald Unmengen von Anhängern in Sicht. Die stehen hier für längere Zeit, wenn nicht für immer. Da sind Terrassen vorgebaut und anderer langfristiger Schnickschnack... enorm! Enorm groß auch die Fläche hier, enorm viele Camper! Dann kam das Office in Sicht, wir gingen rein: ein riesiger Saal mit offener Küche empfing uns. Irgendwie urig! Schon fragte uns eine ältere Damen nach unserem Begehren, wir erklärten ihr, dass wir einen Platz mit Power + Firepit haben möchten; Wasser gabs auch dazu... macht 35 Can$. Dafür können wir uns einen beliebigen Platz aussuchen. Nach dem Abkassieren - Firepit ist gleich mal wieder drauf gekommen! Holz brauchen wir nicht - fragte ich sie, ob sie den Campground in Innisfail anrufen könnte um zu fragen, ob wir für 2 Nächte dort einen Platz bekommen könnten. Sie stimmte sofort zu und war schon fast am Telefon, als ich noch ergänzte, dass wir da zum Rodeo wollten. 'Oh', meint sie 'beim Rodeo wird ein großer Platz für die Camper eingerichtet, da kann man kostenlos stehen.' Na, wenn das nichts ist?! Grandios! Gut, dass das Telefonieren in Banff nicht geklappt hat... So können wir ja noch etwas sparen, zumal die letzten Campgrounds gut zugelangt hatten. Äußerst beglückt suchten wir uns einen Platz aus - die Nr. 14 - postierten den Camper und schlossen ihn an. Dabei meinte Thomas, dass das Wasser modrig riecht. Wir wollten eigentlich unseren Wassertank leerspielen und morgen nachfüllen... das lassen wir jetzt und nehmen dieses modrige Wasser nur zum Spülen. Für Kaffee nehmen wir was aus dem Kanister...

   Während meiner Schreiberei rechnete Thomas mal unseren Spritverbrauch aus... so um die 25 l im Durchschnitt. Derweil drehte der Wind und der Himmel zieht sich zu... noch kommt etwas Sonne durch, auch ist es recht warm. 3 Plätze weiter rebelliert ab und an mal das kleinste von 3 Kindern, 2 Plätze nach links hat sich ein 5th Wheel postiert und ein Bus mit Anhänger kam auch noch. Ganz schön was los in dieser Gegend. Einen großen Spielplatz gibt es hier ebenfalls sowie einen Fluss, den wir jetzt schon mal besuchen. Nachhern werde ich die Bratkartoffeln mit Würstchen und Ei machen, danach schau'n wir mal, was weiter angestellt wird bzw. noch möglich ist, wie sich das Wetter gestaltet.

   18.30 h - Wir gingen zum Fluss runter und wanderten durch das trockene Flussbett bzw. durch den Wald. Wir sahen wieder jede Menge Elkdropse, aber keine Dropsmaschinen dazu. Es trällern hier auch diese Vögel wie damals bei der Barn Dance. Weiterhin sitzen in den Tannen kleine gelbe Vögel... zwitschern tut es hier am laufenden Band. Unsere Flusswanderung beendeten wir mit einem Rundgang über diesen Campground. Da stehen erst Teile!? Mit Vorgarten und so, Lichterketten und Gartenzwergen. Lustig! In Kanada braucht man sich über nix wundern.

   Beim Braten des Essens ging unsere Margarine drauf. Dies gab uns Anlass, nochmals zum Office zu gehen, gucken, ob es Margarine zu kaufen gibt. Gibt es nicht! Die nette Dame füllte uns etwas aus ihrem Bestand ab und wir sind bis zur nächsten Einkaufsgelegenheit versorgt. Gleichzeitig informierte sie uns, dass ihr Sohn bestätigte: Wenn für das Rodeo Eintritt gezahlt wird, ist der Campingplatz inklusive. Ebenso gab sie den Rat weiter: umso früher man da ist, umso besser. Sehen wir auch so und waschen deshalb schon jetzt ab.

   Zwischenzeitlich verschwand das schöne Himmelblau gänzlich hinter dem grauen Wolkenband, der Wind hat nachgelassen. Und noch belebter ist es hier geworden: bei Nachbars kam ein Auto dazu, zum Bus gesellte sich noch ein 5th Wheel. Vorbereitungen auf das Wochenende? Auf das Rodeo? Wir sind schon sehr gespannt, was da so abgeht. Am Samstag soll ja auch noch eine Parade sein.

   Freitag, 13.06., 07.20 h - Wir haben gestern noch ein schönes großes Feuerchen gemacht. Dabei kam noch ein neuer Nachbar: 2 Frauen, die aber nur den Trailer abstellten und nicht mehr gesehen wurden. Die Mücken besuchten uns wieder intensiver... Mützen raus. Wir bastelten uns ein großes Feuer, weil wir noch gut Holz hatten und gar nicht wissen, ob wir das wo anders noch verfeuern können. Ich entschied mich, auch schon mal die Wanderschuhe zu verbrennen und warf einen rein. Mann, das qualmte und stank vielleicht! Ich traute mich nicht, den zweiten rein zu tun, aber Thomas. Noch mal die ganze Prozedur des Qualmens und Stinkens. Aber selbst der Rolli fahrende Hundeausführer hat uns gegenüber nichts verlauten lassen. Rolli fahrend heißt so viel: Er - der Dicke - saß auf einem Elektromobil und fuhr mit seinen Hunden Gassi. 3mal sahen wir dieses eigenartige Hundegespann sich über den Platz bewegen. Dann fing es leicht an zu tröpfeln, unser Feuer und wir hielten jedoch durch - war nur eine Wolke. Dennoch ließen wir ab um elf das Feuer runter brennen und verzogen uns ca. halb 12 ins Bett. In Vorfreude auf den heutigen Tag schliefen wir ein. Nicht für lange, denn die Bierdoseninhalte wollten wieder raus... Erneut einkuscheln... wieder nicht für lange, denn es waren klackende Regentropfen aufs Camperdach zu vernehmen. Ach, ist nur ne Wolke... weiter pennen. Wieder Klackern, wieder nur ne Wolke... doch bei der Wolke gegen halb 7 stand ich auf. Mir wurde jetzt auch bewusst, dass es wohl nicht so gut war, dass ich die Schuhe schon verbrannt hatte. Wir stehen auf Rasen und da werden meine Turnschuhe in Null Komma Nix durch sein. Pech! Und diese Wolke von halb 7 regenet immer noch... Mist. Man kann nicht erkennen, von wo wohin das Wetter zieht. Alles ist grau und windstill. Mal regnet es mehr, dann könnte man denken, es lässt nach, da kommt ein neuer Schwung Wasser. So in ein bis zwei Stunden dürfte der Regen aber dann fertig sein, damit wir beim Rodeo nicht so klatsch nass ankommen. Vor allem beim Rodeo - das sind vielleicht noch 100 km, wenn überhaupt - braucht es mal nicht regnen.

   Es ist aber auch fast wie verhext: Das ist nicht das erste Mal, dass es zum Ende unserer Reise regnet. Ist Alberta so traurig, dass wir leider bald wieder abreisen müssen? Braucht es nicht, wir kommen bestimmt noch mal wieder! Deshalb sieht wohl auch die Landschaft hier so schön grün und saftig aus. Nun ist es aber gut, ist grün genug! Regenschirm sollten wir ein nächstes Mal mitnehmen... Die Wolke entwickelt sich zum Dauerregen. Nicht schon wieder! Aber wir können ja eh nichts dagegen machen. Gut, dass wir Power haben, können wir die Heizung lange laufen lassen. Kerzen gerade kommen die Regenstrippen runter und es sieht nicht so aus, als ob's in 10 min anders werden könnte... Bitte, lass es in Innisfail nicht regnen!

   Eine andere Beschäftigung am gestrigen Feuer war das Ausklabüsern, welchen Campground wir von Sonntag zu Montag nehmen. Wir einigten uns auf West CG in Calgary. Den Abstecher zum Dinosaurierpark lassen wir weg - wäre doch nur Gehetze und sinnloses km-Fressen. Von Montag zu Dienstag wollen wir bei Arlene und Gord sein, Dienstag nochmals Calgary und Koffer packen. Mittwoch hat dann alles schon wieder ein Ende. Aber hej, wir wollen erst mal noch nach Innisfail und das Rodeo genießen! Ohne Regen! Sonne braucht ja nicht mal so zu scheinen, aber trocken wäre schon von Vorteil.

   09.35 h - Die Heizung haben wir tatsächlich noch in Gang bekommen. Es war so angenehm! Zum Frückstück kochten wir Eier, toasteten uns das Brot. Insgesamt bekamen wir mit der geschenkten Margarine ein kräftiges Frühstück zusammen. Neben den üblichen Morgentätigkeiten kommt noch das Dumpen hinzu. ...hat der Regen in seiner Intensität nachgelassen? Zum Entfernen des Wasserschlauchs hatte ich mir Mülltüten um die Schuhe gewickelt: Tüten nass, Schuhe trocken!

   13.30 h - Wir sind nach einigen kleinen Schwierigkeiten auf der Suche nach dem Infocenter in Innisfail angekommen. Es regnete die gesamte Fahrt über, ließ mal mehr, mal weniger nach. Wir schalteten sogar das Radio an, um den Nachrichten zu entnehmen, ob das Rodeo bei dem Regen überhaupt statt findet... Im Moment regnet es nicht! Wie wir in Innisfail rein wollten, verpasste Thomas schon mal die erste Straße und musste auf dem Highway wenden. Nun durch durch diese Stadt... es war ja fast zum Verzweifeln: die Hinweistafeln mit dem "?" waren ja zu sehen, aber das Gebäude an sich nicht. Schon waren wir wieder am Ortsausgang, wendeten wieder und fuhren an die Bibliothek ran. Da half man uns sehr nett weiter: 'Gleich da vorne in der Weggabelung... ' Uns wurde noch ein Ausschnitt aus dem Rodeoplakat kopiert und viel Spaß gewünscht. Nun, Dank des Hinweises sah Thomas im letzten Moment etwas von "Visitor"... wir wären ja glatt wieder vorbei gefahren. So ein unscheinbares Hüttchen! Sollte man nicht vermuten, dass da jemand drin arbeitet, aber es war tatsächlich offen. Auch hier war man sehr großzügig mit Infomaterial: eine Zeitungsanzeige, einen Streckenplan über den morgigen Umzug und die Wegbeschreibung bis zur Ranch. Und fast hätten wir wieder die Straße verpasst... Endlich sahen wir auch mal ein Schildchen, wo es zur Ranch geht. Noch mal so weit und das riesige Ranchtor zeigt sich, daneben eine riesige Rasenfläche, schon bestückt mit einigen Trailern. Geradezu sah man die Arena. Thomas Begeisterung hielt sich in Grenzen wegen des aufgeweichten Bodens... Wir fuhren an das Häuschen ran, ein junger Bursche kam auf uns zu und erklärte die Modalitäten: Wochenendtickelt (Do - So!) 80 Can$ pro Person, inklusive Parking und Eintritt, wir können uns einen beliebigen Platz aussuchen. Meine Frage, wenn wir unseren Platz verlassen, wurde dahingehend beantwortet, dass es nicht garantiert ist, dass wir "unseren" Platz auch wieder bekommen, aber einen anderen auf alle Fälle. Nun ja, wir löhnten, bekamen ein großes gelbes VIP-Schild und beäugten die Stellplatzmöglichkeiten. Thomas seine Laune sank immer mehr, seine Unschlüssigkeit nahm zu. Ein weiterer Typ kam auf uns zu und erwähnte, dass wir auch hinten auf den Hügeln stehen können. Wir fuhren da mal hin, Thomas war anzumerken, dass er gar nicht gut drauf war... er steuerte dennoch einen Platz an, war unzufrieden, weil zu windig und steuerte die Kiste wieder durch den Matsch zurück. Okay - da oben lagen einige Misthaufen, auch scheinen sich dort die Pferde- bzw. Tierwagen zu sammeln. Aber diese Unentschlossenheit von Thomas machte mir zu schaffen... wieder zurück im vorderen Teil bat ich darum, die Reihe am Zaun zu nehmen, damit wir nicht zuviel durch Gras laufen müssen. Ich schlug zwei Plätze vor... endlich stellte er die Kiste rückwärts ab, da kamen seine nächsten Freunde: die Moskitos! Jetzt war Thomas auf dem Tiefpunkt und sinnierte, ob das wohl eine richtige Entscheidung war mit dem Rodeo? Ich antwortete ihm, dass er dann bitte abklären möchte, ob wir die Karten zurück geben und unser Geld wieder haben können... Ich kochte erst mal einen Kaffee, ging Füße bewickelt eine rauchen und wartete seinen Entschluss ab. Endlich hatte sich Thomas wohl Gefallen an der Sache eingeredet oder die Höhe seines Schattens abgecheckt, über den er springen muss... Nebenbei macht er sich Sorgen, wie unser Camper aussieht! Seine Laune steigerte sich wieder während der Beobachtung der ankommenden Trucks und Trailer. Recht großzügig stellen die sich hin. Und umso mehr kommen und sich aussuchen, wo sie denn nun stehen wollen, umso mehr zerwühlen sie den nassen Platz. Nach der Tasse Kaffee waren wir uns einig: Wir bleiben hier stehen und verzichten morgen auch auf die Parade.

Innisfail - 54. Daines Ranch Professional Rodeo

   Immer noch Freitag, 13.06., 17.30 h - Gerade ging für ne Viertel Stunde der Inhalt einer dicken Wolke auf dieses Areal nieder! Wir hatten uns zuvor erst noch ne halbe Stunde hingelegt und lauschten dem Stromgenerator, standen dann wieder auf und die zwei Frauen machten den Generator aus - tolles Timing! Aber schöne Ruhe. Meine Fußbekleidung hatte ich mit Mülltüten professionell eingewickelt und wir gingen bei, die Plane vor unserem Ausgang als Art Teppich zu verlegen. Zur Fixierung war es notwendig, Holzstäbe zu schnitzen. Wir waren stolz auf unseren "Teppich", nun sollten wir eine trockene Fläche haben, aus der uns nicht gleich die Mücken entgegen springen.

   22.40 h - Danach drehten wir ne Runde durchs Gelände. Es war inzwischen einigermaßen abgetrocknet, dennoch ließ ich meine Füße bewickelt, bei der Arena jedoch konnte ich die Tüten weg schmeißen - sie waren hin. Wir schauten uns alles in Ruhe an: war dat ne Modder!, machten einige Fotos und kehrten zurück um unser Abendessen zu machen. Wir beobachteten eine weitere riesige dicke graue Wolkenwand aufkommen, von allen Seiten gesellten sich weitere graue bis schwarze Wolkenformationen hinzu... es fing relativ leicht an zu regnen bis es in einem Wolkenbruch endete. Unsere Plane, die Wiese und erst recht die Arena standen wieder unter Wasser. Trotzdem dallerten sie da auf dem Platz umher und die ersten Trucks - Single Cars - trafen ein. Nun blitzte es auch ein paar Mal, Donner dazu sowieso. Wir köchelten unser Mahl: Rinder- und Hühnerschnitzel mit Möhren/Erbsen, Kartoffeln, in aller Gemütlichkeit, schauten aus dem Fahrerhaus mit dem Fernglas die gesamte Szenerie an. Immer mehr Fahrzeuge trafen ein, eine Absage der Veranstaltung war meilenweit entfernt. Der Regen ließ in der Intensität nach, wir aßen erst einmal. Es hörte ganz auf zu regnen und lichtete sich, sogar die Sonne lugte schwach hervor. Wir befreiten die Plane von den Pfützen, weil ich gleich mal beim Rauftreten nasse Füße bekam. Son Schiet aber auch, dass ich die festen Schuhe schon entsorgt habe! Und vor allem: nicht ein einziger Stand ist hier - weder Hut noch Stiefel kann ich erwerben. Hätt' ich mir mal die Gummistiefel in Banff gekauft. Nie hätte ich sie besser brauchen können als heute... Hätte, hätte Fahrradkette...

   Es kamen immer mehr Leute und wir machten uns auch startklar: ich ein zweites Paar Socken und den Regenanzug über, Kamera in Plastetüte eingewickelt; Thomas seine Haushose, 2 Pullover und Regenjacke an, Handy mit, beide Basecapes auf. Immer noch strömten Massen von Leute hinzu - mit immerhin 600 rechnete man... Uns gelangen erste Aufnahmen; bei einer Aktion war eine schnelle Flucht vor den fliegenden Modderbatzen der Pferde notwendig. Das Schafreiten der 5- bis 7jährigen hatten wir heute schon versäumt. Wir suchten uns einen günstigen Sitzplatz, verfolgten das weitere Geschehen und machten Fotos/Filme. Es war sehr interessant. Nur wurde uns etwas kalt und wir gingen zurück zum Camper, um uns weitere Klamotten anzuziehen. Wir nahmen unsere Handtücher mit, weil die Sitzgelegenheiten doch noch feucht waren. Wir ließen die Technik zurück und nahmen etwas Geld mit. Nun suchten wir uns einen einigermaßen windgeschützten Platz, machten es uns gemütlich und fingen an, die Rodeoveranstaltung zu genießen.

   Gegen die Kälte erwarben wir heiße, zimtsüße Donuts und verzichteten auf Bier. Von "Disziplin" zu "Disziplin" - hier heißt es Performance - stieg die Stimmung der Leute und unsere auch. Zwischendurch blieb Zeit, diese Leute zu beobachten und wir stellten einmütig fest: hier ist alles möglich, hier ist alles erlaubt was die Kleidung betrifft - von sommerlich mit Latschen, Hotpants und Top bis hin zum Pelzmantel war alles vertreten, natürlich auch die Boots, Karohemden und Hüte. Irre! So fix wie die Veranstaltung anfing, so abrupt endete sie nach dem letzten Bullriding auch, die Menschenmassen standen auf, strömten zu ihren Fahrzeugen und dann zum Highway - ohne irgendwelche Staus übrigens - oder in die Dance Hall. Wir strömten zur Dance Hall... Es dauerte auch nicht lange und wir konnten uns über deren Art zu Tanzen köstlich amüsieren. Äußerst komisches Tanzen! Ein wirklicher Tanzstil war nicht erkennbar, nur scheint sehr wichtig zu sein, dass sich gedreht wird. Ob nun Frau allein oder Mann oder beide - Hauptsache DREHEN! Es macht auch nix, wenn das Tanz- und Drehtempo nicht im geringsten zur Musik passt... wir tauften diese Tanzart spontan: RODEODANCE! Dennoch hielten wir uns nicht mehr lange auf, uns war kalt, weil: wir trauten uns nicht, beim Rodeodance mitzumachen. Am Camper angekommen, genehmigten wir uns heißen Fireball... der dritte war zu süß... werteten den Tag aus mit der Feststellung, dass wir trotz Regen sehr zufrieden waren und lauschten wieder mal dem Stromgenerator.

   Samstag, 14.06., - Trotz heißem Fireball war uns noch kalt, wir kramten die Schlafsäcke vor und begaben uns gegen 12 ins Bett. Trotz dieses nervigen Generators sind wir eingeschlafen und gegen 9 wieder aufgestanden. Wir vermissten sofort den Generator und haben mit dem Frühstück begonnen. Just sind die Generatorfrauen wohl auch wach geworden - seit knapp einer Stunde läuft das Ungetüm wieder. Da wir die Parade Parade sein ließen und auf einen eventuellen Einkauf verzichteten, blieb uns ausreichend Zeit, nochmals über den Platz zu schlendern, der erstaunlicherweise wenigstens von den Wegen her abgetrocknet war. Nur in der Arena stand noch leicht das Wasser. Uns kam der Gedanke, da wir unseren Stellplatz ja nicht verlassen wollten, ob uns einer von den permanent wegfahrenden Fahrzeugen mit nach Innisfail nehmen kann... leider fuhren alle in eine andere Richtung. 'Schlechte Zeit', meinte noch jemand 'die nach Innisfail sind schon alle weg wegen der Parade'. Taxi hat er uns empfohlen, jedoch 15 Can$ hin und 15 wieder zurück... nun, das wollten wir auch nicht wirklich. Wir gaben uns der Hoffnung hin, dass die Geschäfte auch noch am Sonntag geöffnet haben... Zurück zum Camper, wir werden die Zeit schon rumkriegen. Fängt doch um eins auch schon die nächste Performance an. Die Sonne schien, ein frisches Lüftchen wehte, der Himmel war mit Schäfchenwolken voll. Wir rüsteten uns mit Technik, suchten uns einen annehmbaren Sitzplatz aus und sahen uns den Durchgang von Anfang bis Ende ca. 3 h an: Schafreiten der 5- bis 7jährigen. Niedlich! Die Lütten zeigen Mut und haben ne Menge Spaß dabei. Und die Zuschauer erst! Alles ging jetzt Schlag auf Schlag: von der anderen Seite begann das Kälber fangen, dann die Junioren, dann Ladies Barrel Racing... ach keine Ahnung mehr, in welcher Reihenfolge was kam. Es war unheimlich beeindruckend, total spannend und noch viel kurzweiliger. Zum Bull Riding gingen wir einfach in die Sponsorenloge. Die war total leer und man hatte von oben den besten Blick auf die Vorbereitung der Stiere und Reiter. Wir haben ja eh ein "VIP"-Schild bekommen... Die Leute guckten uns zwar komisch an, aber keiner kam auf die Idee, uns mal anzusprechen, was wir da zu tun haben. Herrlichster Ausblick... gerade zimperlich gehen sie mit den Tieren allerdings nicht um.

   Die 3 h waren wie im Fluge vorbei und wir waren total begeistert. Krönender Abschluss ist immer das Bull Riding der Erwachsenen. Und da kommen Bullen zum Einsatz - mein lieber Scholli. Wir freuten uns nun noch mehr auf die Abendveranstaltung. Auch wenn wieder die Performance den gleichen Ablauf haben wird - die Aktionen an sich sind nie zu wiederholen.

   Der Ablauf einer Performance sah in etwa so aus:

  • Sheep Riding
  • Boy's Steer Riding
  • Grand Entry-O'Canada (Nationalhymne)
  • Bareback Riding
  • Team Roping
  • Niki Flundra (extravagante "Artistik" und Show mit Pferden)
  • Tie Down Roping
  • Saddle Bronc-Duane
  • Steer Wrestling
  • Ladies Barrel Racing
  • Bull Riding

   Zwischendurch preschen die "Wild Rose Riders" durch die Arena und zeigen im gestreckten Galopp die Fahnen der Sponsoren.

   Nach diesen 3 h war ja erst mal ne große Pause. Da inzwischen die Sonne schön schien, bauten wir die Stühle und den Tisch auf, der nun auch endlich mal zum Einsatz kam!, aßen das Schälchen Müsli zu ner Tasse Kaffee und sonnten uns. Nebenbei war zu beobachten, wie noch ein Trailer/Wohnmobil nach dem anderen kam, Zelte aufgebaut wurden - der Platz füllte sich zunehmend. Gegen halb 6 fingen wir an, unser Abendessen zu machen: vegetarisch! Kartoffeln mang dem Gemüse gemischt, Wasser rauf, heiß gemacht. Jetzt alles mit der Gabel zermust und rinn in die Futterluken. Noch Gewürzgurken dazu und wir waren satt. Zur letzten Stärkung noch den letzten Whisky und wir besuchten die dritte Performance, wobei wir die Lütten auf den Schafen schon verpasst hatten. Schade. Dafür zeigte Niki noch wieder eine andere Show. Dachten wir erst 'oh Mann, schon wieder', waren wir recht begeistert, dass bei dieser dritten Show noch mal andere Elemente gezeigt wurden. Das lag hauptsächlich daran, dass die Arena inzwischen gleichfalls immer weiter abgetrocknet war. Das Bull Riding abends war natürlich der ultimative Höhepunkt und die Zuschauertribünen kamen zum Brodeln und Jubeln... und zack war alles vorbei! Die Menschen strömten wieder zu den Fahrzeugen, nicht alle natürlich. So wie wir gingen etliche zur Dance Hall. Die Security war heute besser auf der Hut, am Abend an sich änderte das nichts. Wieder dieser eigenartige Tanzstil, wobei ein Pärchen sogar einmal zum Line Dance ansetzte, dann aber auch in diesen Rodeodance überging.

   Die Liveband wurde aber allmählich doch zu laut, an Tänzen bekamen wir nichts anderes mehr zu sehen - so machten wir uns auf zum Camper solange wir auch noch die Pferdeäpfel erkennen können. Nun noch 3 heiße Fireballs bei Kerzenschein, krochen wir kurz vor halb 1 in die Betten; die Musik störte nicht.

   Sonntag, 15.06., 14.10 h - Wir schliefen gut, bis die Blase ihr Recht einforderte. Dennoch haben wir weiter geruht und sind um 9 aufgestanden. Da waren unsere Nachbarn schon weg sowie einige andere Zelter und Pkw's, aaaaber unsere Weiber mit dem Generator waren noch da! Wir erledigten nur das kleine Frühstück, unsere sonstigen Tätigkeiten, entsorgten die Plane und haben kurz vor 11 das Gelände verlassen. Bei bedecktem Himmel! Am Tor verabschiedeten wir uns kurz, teilten unsere Begeisterung mit und fuhren Richtung Innisfail. Wie schon fast erahnt, hatten die Geschäfte hier am Sonntag nicht auf und wir fuhren den Highway 2 - auch bezeichnet als Queen Elisabeth II Highway - bis nach Calgary runter. Ein Verkehr aufm Sonntag! Na gut, wir sind ja auch unterwegs. Wir also immer mit dem Strom mit.

 

 

Innisfail-Calgary-High River-Calgary

   Immer noch Sonntag, 15.06. - Wir also immer mit dem Strom mit. Tante Dschinie und ich mit der Karte fanden unsere derzeitige Position spielend: Calgary West Campground. Wie schon erwähnt, fing es in Calgary erst mal an zu regnen! Wieso auch nicht? Hatten wir in Calgary überhaupt schon mal schönes Wetter?

   Im Office reichten wir unseren Flyer hin, um die 10 % Nachlass bei 35 Can$ ohne TAX mit zunehmen. Denn dieses Geld brauchten wir für einen Pott Margarine: 4,95 Can$! Wir stellten nun unser Mobil auf den zugewiesenen Platz E20 - ohne Power + Dump! Poweranschluss ist zwar vorhanden... wir wissen noch nicht ob wir uns anschließen. Jetzt erst mal ne Tasse Kaffee und weiter beratschlagen, was wir tun. Ziemlich kalt ist es in Calgary, ja und mit Regenwolken bedeckt. Wir einigten uns, im Office noch mal nachzufragen, wie es mit einem Fußmarsch zum Olympic-Park aussieht. Oder mit ner Bus-/Bahnverbindung, eventuell auch Taxi nach Downtown. Denn der so angespriesene Shuttle vom Campground aus nach Downtown findet nur um 10.20 h bzw. 10.30 h statt! Und unsere Check-In-Time war 12.25 h! Unter Shuttle hatten wir uns nun doch was anderes vorgestellt... so wenigstens zu jeder vollen Stunde... Dass der nur einmal am Tag stattfindet, davon steht nix geschrieben.

   Wir bestückten uns mit Rucksack und dackelten zum Office. Die Auskünfte hier waren nicht viel Erfolg versprechend: mit Taxi so zwischen 30 und 40 Can$ = fällt aus!, zu Fuß zum Olympic-Park wurde als zu gefährlich dargestellt, weil es keine Fußwege gibt und man Highways zu überqueren hat... Die Dame guckte uns schon ganz irritiert an... 'zu Fuß??? Mit Auto sinds nur 2 min, aber zu Fuß? No way!' Unsere persönliche Feststellung: in Calgary ist man außerhalb Downtowns überhaupt nicht auf Fußgänger eingestellt! Dann erklärte sie uns, dass mit dem Bus 408 eine 3-$-Fahrt zur C-Train möglich ist, mit dem Ticket man auch den Zug nutzen kann. Nun, dann machen wir eben das und ließen uns die Station des Busses einzeichnen. Nunmehr überschlug Thomas die Richtung zur Bushaltestelle: ganz schöner Weg! Wir waren auch schon ein Stück gegangen - vorbei an der "Sackgasse", die genau zum Olypmpic-Park führen musste... Meine Stimmung sank, vor allem da, als ich Thomas nach der Uhrzeit fragte: es war inszwischen um drei. Sollten wir tatsächlich so in einer Stunde die Bushaltestelle erreicht haben, sind wir halb 5 in der City und können uns gleich mal wieder auf den Rückweg machen. Obendrein ist Sonntag; wer weiß ob die Geschäfte überhaupt auf haben? In der Woche hatten wir ja schon mal erfahren müssen, dass die Läden Punkt 18 h schließen. Ich hatte keinen Bock mehr! Thomas wohl auch nicht viel mehr, denn wir kehrten einstimmig sofort um und gingen dafür jetzt einfach mal die Sackgasse rein. Da stehen Autos, da muss es wenigstens einen Trampelpfad geben. Umkehren können wir immer noch wieder...

   Der Modderweg führte uns vorbei am riesigen Zelt von einer Pferdeshow. Dann kam ein Tor, das weit offen stand und wohl lange Zeit auch nicht geschlossen wurde, an dem ein Schild befestigt war, dass hier das Gelände vom Olympic-Park beginnt und nur die Mitarbeiter Zugang hätten... Das galt bestimmt nur für Fahrzeuge! Fußgänger kennen die ja gar nicht. Wir sind also weiter, hoffend, dass das Tor nicht ausgerechnet heute doch geschlossen wird. Ansonsten klettern wir rüber... Wir ließen uns jetzt nicht mehr von unserem Plan, den Park zu erreichen, abbringen und marschierten weiter. Irgendwann standen wir beim "Finish" der Sommerbobbahn. Da geht auch ne Straße hoch, gehen wir die mal lang. Wir konnten sehr schön die Bobbahn sehen, eine Kurve nach der anderen ... Lautsprecherdurchsagen, wann eine Fahrt startet... uns hielt niemand auf. Nun noch den Berg zur Seilbahn hoch, vorbei am ehemaligen Pressegebäude, und wir genossen einen unbeschreiblichen Panoramablick. Trotz des starken Windes mussten Selfies gemacht werden: mit Skyline und Flagge im Hintergrund. Wir verweilten hier einen längeren Moment, allein weil die Aussicht so schön war, machten uns dann doch auf den Weg zur Seilbahnstation. Hier fragten wir, ob wir mit dem Lift runterfahren könnten. Das wurde trotz "Bettelei" verneint, weil wir kein Ticket hätten. Na ja, wir hätten gedacht, dass man trotzdem so nett wäre und uns als deutsche Touristen diese Ausnahme mal gewährt hätte. Da es nicht so war, gingen wir den gesamten Weg wieder zurück und konnten dabei direkt noch mal eine Bobabfahrt registrieren. Zum Beobachten waren die viel zu schnell... Nun, mit allem Drum und Dran waren wir ca. um 5 wieder auf dem Campground, Nieselregen setzte ein. Aber wir waren stolz und glücklich... von wegen da gibt's kein Fußweg hin!

   Winsport's Canada Olympic Park: Für die Olympischen Winterspiele 1988 erbaut, ist er heute noch der weltgrößte Wintersporterholungspark mit einer öffentlichen Bobbahn, einem über 90 m hohen Skisprungturm und einem 18-Loch-Minigolf-Course. Jährlich finden etliche Events statt. (Quelle: frei nach einem Prospektauszug)

   Aber nun kommt's: Für $99 kann man den Park, vor allem die Sommerbobbahn und/oder die Kartbahn frei nutzen... vom 01. Juni bis 01. September... und somit auch den Lift!

   Nun, viel los war den Tag nich...

19.00 h - Wir waren sehr zufrieden mit unserer Wanderung. Ich schrieb meine Zeilen, Thomas durchforstete das Internet, dann machten wir unser Essen. Dank der nunmehr ausreichenden Margarine wurden die letzten Hühnerbrüste gebraten. Natürlich ging trotz Ventilator der Pieper an, Fenster und Tür zusätzlich aufgerissen, hörte der bald auf. Die Kartoffeln kochen immer eine kleine Ewigkeit, aber wie die Erbsen und das Fleisch fertig waren, gingen auch die zu essen. Die ganze Zeit über nieselte es, ab und an auch mal stärker. Thomas weigerte sich, einen Rundgang über den Campground zu machen - er mag ja keinen Regen, nicht mal ein paar Tropfen. Er versuchte noch, uns mit Power zu versorgen, aber unser Kabel war zu kurz... es fehlen gut 2 m. Ach, wir werden den Abend schon irgendwie rumkriegen... mit je 2 Bier.

   Montag, 16.06., 10.00 h - Heute wäre Oma 86 geworden... Wir bekamen den Abend rum: es war zwar kalt, aber die Kerzen vermittelten den Anschein von Wärme. Von der Dusche hatten wir noch Restwärme und haben uns mit Auswertungen wach gehalten bis wir halb 12 ins Bett sind. In der Nacht bzw. gegen Morgen vernahmen wir einen kräftigen Regenguss. Kurz darauf vernahm Thomas, wie unser Nachbar den Platz verließ. Der und sein Hund hatten es sich im Pick-Up mit einer darüber gespannten Plane gemütlich gemacht. Gegen 9 bin ich dann auf und fing gleich mal an, Frühstück zu machen. Die erste Herausforderung des Tages: Gasflamme ankriegen. Bei Thomas ging gestern der Anzünder in die ewigen Jagdgründe, nun mit Feuerzeug hantieren. Aber: ich habe Feuer gemacht! Dem Kaffee, den Rühreiern und auch dem Abwasch stand nichts mehr im Wege. Wir werden vielleicht noch zu einer C-Train-Station fahren, mit dem Zug nach Downtown und einen Bummel in Calgary veranstalten. Oder wir dallern gleich nach High River und gucken da mal. Wir wissen es noch nicht.

   Mittwoch, 18.06., 13.15 h - Ja, wir sitzen schon im Flughafen!!!!

Wir sind am Montag noch mal nach Nanton gefahren und haben da einige Einkäufe getätigt. Thomas kaufte beim LGBer noch was und ließ dies samt seiner Schneelok doch per Paket nach Deutschland schicken. Ich erwarb im Antiquitätengeschäft Koch-Salzstreuer... die sind so lustig. Auf dem Rückweg in Richtung High River zog es sich schon wieder zu... Gegen 3 kamen wir bei Arlene & Gord an und konnten bei der Stadtdurchfahrt noch Ergebnisse der Vorjahresflut sehen. Unzählige Häuser waren unbewohnt und mit Platten zugenagelt. Ganze Straßenzüge waren leer! Auch sah man, wie sie am Vergrößern der Dämme arbeiteten.

   Von A & G wurden wir herzlich empfangen und begrüßt. Ich schenkte ihr den Teddy, sie freute sich sehr, weil ich mir gemerkt hatte, dass sie die sammelt. Einige Teddys hat sie bei der Flut verloren, ebenso jede Menge Handarbeitshefte. Sie hat aber schon wieder etliche in Antiquitätenläden erworben. Man muss anmerken, dass Arlene eine äußerst begabte und fleißige "Handarbeitsmacherin" ist. Ich glaube es gibt nichts, was sie nicht mit Stoffen, Nadel und Faden herstellen kann. Ich bin immer wieder begeistert und bewundere sie sehr, wie aktiv sie ist. Zum besseren Verständnis hier mal deren Website: www.macswain.org

   Gord fuhr mit uns zum Fire Department - dem Provisorium, weil das andere hinüber ist. Arlene sagte ja, sie haben keine Downtown mehr, alles kaputt! Nach dem ausgiebigen Feuerwehrbesuch fuhren wir weiter zu Walmart, weil wir diese "Baumjacken" suchten. Gefunden habe ich 2 niedliche Kleidchen für "Uschi"... Ellen kriegt die Krise! Als wir aus Walmart wieder raus kamen, goss es!

   Während unserer Einkaufstour hatte Arlene wieder ein äußerst schmackhaftes Essen gezaubert. Auch Kochen kann sie so hervorragend! Lecker! Nach dem Essen wurden Tänze und Musik ausgetauscht: ich zeigte ihr den Raggle Taggle Gypsy O. Bei unserer Unterhaltung achteten die beiden sehr darauf, langsam und in einfachen Worten zu sprechen und es war tatsächlich streckenweise angeregte Unterhaltung möglich. Arlene erzählte von ihren Handarbeiten, Thomas und Gord sprachen über ihre "Toys" (= Laptops) und wir erfuhren viel über die Auswirkungen der Flut. Wir verfolgten die Nachrichten und das Wetter - besonders dies sagt nicht viel Gutes voraus. Denn der Regen hatte den ganzen Tag nicht mehr aufgehört, hielt noch an, als wir ins Bett gingen und war noch da, als wir wieder aufstanden!

   Zur Flut nochmals: Hier berichteten die beiden uns, dass das Hochwasser nicht aus dem Fluss kam, sondern von der anderen Seite - vom Land! Irgendwo war ein Damm gebrochen und das Wasser kam wie ein Tsunami mit Unmengen von Modder in die Stadt hinein. Auf der Fahrt nach Okotoks zum Walmart sahren wir dann die Behelfsstadt: Straßenzüge mit Trailerhäusern, in den noch immer etliche Leute wohnen. Auf der Rückfahrt sahen wir dann Berge von "zusammen geschobenen" Häusern bzw. das, was die Leute aus ihren Basements entsorgen mussten. So wie die beiden auch. Einige Nachbarn von A & G waren noch dabei, die Vorgärten zu ordnen. A & G machten jedoch einen optimistischen Eindruck und meinten, in 1 bis 2 Jahren ist alles wieder okay (Dammbau und so).

   Auch sahen wir eine riesengroße Halle, in der etliche Fabriken und Firmen ihr Domizil gefunden hatten. In die "Altstadt" von High River an sich ist Gord nicht mit uns gefahren, da auch etliches gesperrt ist. Allein wie wir die Bahnschienen überqueren mussten, sahen wir, wie rechts und links die Gleise fehlten! Schreckliche Bilder!

   Gleichfalls über die ermordeten Mountees sprachen wir und erzählten, dass wir an der Gedenkfeier teilnahmen (PS: erst durch diese Unterhaltung war es mir möglich, im Internet die bereits erwähnten Informationen zu finden).

   Nun, gegen 8 servierte Arlene das Frühstück, welches dem Dinner in keinster Weise nach stand. Tolles Toast mit verschiedenen selbstgemachten Marmeladen und frisch gebackenen Muffins. Diese Frau ist einfach nur bewundernswert! Nach einer herzlichen Verabschiedung - bei Regen - fuhren wir nach Calgary.

   Dank Tante Dschinie fanden wir den von Gord beschriebenen Campingstore, aber eben nicht diese Jacken. Nun wollten wir mit dem C-Train nach Downtown fahren, aber der P+R-Platz war proppevoll! Nebenan war noch ein freier Parkplatz des Southern Victorie Centre, einer kirchlichen Einrichtung. Nach meinem Klingeln öffnete eine asiatisch abstammende Frau, ich erklärte ihr unsere Begehren und wir durften dort für 3 bis 4 h parken. Äußerst nett. Manchmal braucht man nur fragen... Wir lösten Tickets, jedoch fanden wir nix zum Entwerten und dachten, dass wäre in der Bahn möglich. Doch hier war noch weniger, nämlich gar nix; jetzt kam auch schon unsere Station zum Aussteigen... Wir nahmen die Stephens Avenue unter die Füße und kauften gut ein... während Thomas verzweifelt Stiefel anprobierte, blinzelten mich rote Fransenstiefel permanent an, ich konnte dem Blinzeln nicht widerstehen... Erst beim Verlassen des Ladens fiel mir auf, dass wir für den ja einen 10-%-Rabattcoupon hatten... Mist!

   Thomas schlug vor, nun noch zum Stampede-Laden zu wollen. In einem Prospekt fand ich heraus, dass dieser im BMO-Centre direkt im Stampede Park ist und der Shop auch geöffnet hat. In der Visitorinformation fragten wir nach, wie wir dort zu Fuß hingelangen könnten. Wieder beäugte man uns leicht irritiert... 'mit der C-Train seien das nur 2 min, zu Fuß so ca. 15 min'. Die Leute in Calgary scheinen ein leichtes Problem damit zu haben, wenn welche in der Stadt zu Fuß laufen wollen! Hiking oder walking ist ja okay, aber doch nicht in der Stadt? Man rückte aber doch die Wegbeschreibung heraus und wir stiefelten im wahrsten Sinne des Wortes los, denn ich hatte meine anderen neuen Stiefel aus Nanton an. Ohne Umwege fanden wir den Stampede Park - ein riesiges Gelände, auf dem schon fleißig überdimensionale Zelte aufgebaut wurden. In knapp 2 Wochen beginnt die berühmte Calgary Stampede!

   Wir bewunderten die mit Malereien verzierten Gebäude, den Saddledom sowie die Statuengruppe: Pferde und Cowboys. Beeindruckend. Wir stellten uns kurz vor, was hier an Leuten in 2 Wochen rumwuseln wird. Wir fanden den Store und waren erst mal leicht irritiert, weil der im Gegensatz recht klein war. 2012 war 100jähriges Jubiläum der Calgary Stampede gewesen und nun kurz vor der nächsten Stampede war man dabei, die "alte" Ware rauszuschleudern. Wir kamen nicht umhin, etliche dieser günstigen Angebote mitzunehmen und kauften kräftig ein. Allein: man packte uns die Sachen in eine Tasche, die vor 2 Jahren 55 Can$ gekostet hat! Schon beim Stöbern fielen uns die noch hinzu gekommenen Kundinnen - 3 Cowgirls mit glimmer-glitzernden Klamotten - auf. Nun beim Bezahlen stellte man fest, dass wir deutsche Touristen sind. 'Oh', meinte die Verkäuferin 'eine von den Stampede-Prinzessinen ist auch Deutsche' und pfiff diese 3 Cowgirls, die gerade den Laden verlassen hatten, wieder zurück. Uns wurde eine junge Frau vorgestellt... auf ihrem Namensschild las ich 'Black' und fragte sie schlussfolgernd, ob sie deutsche Vorfahren hätte. Sie bejahte, sprach aber selbst überhaupt kein deutsch. Bisschen komisch unbeholfen standen wir uns gegenüber und stotterten uns höfliche Floskeln ab. Und natürlich durfte das ultimative Erinnerungsfoto nicht fehlen: nun sind wir für alle Ewigkeiten mit der Calgary Stampede Queen 2014 und ihren 2 Prinzessinen auf dem Chip gebannt. Doch, diese Begegnung war schon etwas Besonderes und wir verließen den Laden und das Gelände zufrieden und glücklich in Richtung C-Train-Station, die direkt an das Gelände anschloss. Hier sahen wir mit einem mal auch die recht auffälligen Entwertungskästen und steckten nunmehr unsere noch vorhandenen Tickets ein - wir waren keine Schwarzfahrer mehr! Jetzt beim Aussteigen sahen wir auch hier die lilafarbenen Kästen... Die Einkäufe im Mobil verstaut, lotste uns Tante Dschinie raus zum Mountain View Campground.

   War es doch tatsächlich die ganze Zeit trocken, sogar einmal sonnig, als Thomas die Loks fotografierte, sammelten sich nun wieder dunkle Wolken, aber es regnete noch nicht. Der CG bot uns 10 % Nachlass an, weil wir mit einem Rental-Fahrzeug da waren. Nett! Trotzdem bekam die Dame noch 37,80 Can$! Duschen täte nochmals 1 oder mehre Dollar kosten.

   Wir tranken unseren üblichen Kaffee und ich versuchte meine Gedanken zu sortieren, wie ich mit dem Packen der Taschen anfangen soll. Nach knapp einer Stunde war ich mit den Taschen fertig und hatte erstaunlich gut gepackt! Die 20 Spikes schön gleichmäßig aufgeteilt, waren wir sehr gespannt, wie viel unsere Taschen wiegen werden.

   Jetzt fingen wir an, das Abendessen zu machen: Fisch, Kartoffeln und Zwiebeln als Gemüse - ein reichliches, schönes Mahl. Nebenbei das Lunchpaket für den Aufenthalt im Flughafen fertig gemacht: Butterstullen, Käse- und Wurstwürfel, gekochte Eier, Muffins... die Riegel haben wir im Rucksack für Frankfurt oder später... Schon beim Essen fing es an zu regnen und ich bangte um mein letztes Feuer. Wir haben noch so viel Holz! Das lasse ich doch nicht da! Etwas ließ ich die Zeit vergehen, der Regen ließ nach bis zum Nieseln. Thomas heizte inzwischen den Camper bis zur Sauna auf - wir hatten ja Strom! - ich war fest entschlossen, jetzt mit dem Feuerchen zu beginnen. Ich bekam es auch problemlos in die Gänge, es qualmte zwar, aber lange dauerte es nicht und es war ein Feuer nach meinen Vorstellungen. Ich war stolz auf "mein" Feuer und in deren Flammen vernichtete ich alles, was wir an brennbarem Ballast noch hatten. Nebenher versuchte ich mal einen der alle 5 min über den Platz kommenden Flieger zu fotografieren, Thomas versorgte uns alle halbe Stunde mit flüssigem Alberta-Müsli im Eierbecher. Dann: Es hörte auf zu nieseln und erst jetzt konnte ich Thomas aus dem Kerzenschein-Camper heraus locken: er durfte das Holzfach säubern. Mit Wehmut tranken wir im Camper den letzten Schluck Whiskey, nachdem die Kerzen das Feuer nochmals kurz auflodern ließ und nun zur Glut niederging. Auch dieser Tag hatte sein Ende gefunden und wir schlüpften in die Betten, heute mit Wolldecken verstärkt. Fing es nicht wieder an zu regnen?

   Gegen halb 8 standen wir wieder auf, denn es war an der Zeit, den letzten Tag in Kanada zu starten. Neben unserem letzten Frühstück waren noch etliche Dinge zu entsorgen, die nicht im Feuer landen konnten. Das obligatorische Dumpen stand bevor - wir wussten jetzt schon, dass die Anzeige eine 100%ige Entleerung nicht anzeigen wird. Wenigstens war es dieses Jahr trocken von oben, so dass wir nicht bis auf die Haut durchnässt das Wohnmobil sauber und heil, eben total ordnungsgemäß, wieder abgeben konnten. Auf der Fahrt zur Fraserway-Station verfuhr sich Thomas einmal, aber nicht wesentlich. Wir nutzten diesen kleinen Umweg, um gleich mal zu tanken. Erst heute wurde uns massiv deutlich, dass die Station gar nicht mehr in Calgary, sondern im Vorort Airdrie ansässig ist. Nun, diese beiden Orte werden in den nächsten Jahren mit Sicherheit zu einem zusammenwachsen.

   Die Abgabe gestaltete sich wie erwartet völlig problemlos und man lobte unsere Sauberkeit. Wir zahlten die 138 km nach und warteten nun auf unseren Transfer zum Flughafen. Insgesamt ist festzuhalten, dass wir mit Fraserway äußerst zufrieden waren.

   Wir checkten unser Gepäck ein und dallerten nunmehr auf dem Flughafen umher. Doch noch einen Hut gekauft sowie andere klitzekleine Kleinigkeiten. Irgendwie mussten ja die Stunden noch vergehen. In einem Buchladen fanden wir ein Buch über die Calgary Stampede Queens. Wir blätterten es mal durch und fanden unter 2014 unsere 3 jungen Damen wieder: Danica Heath, Shannon Black und Stephanie Patterson. Unser Lunchpaket vertilgten wir auch nach und nach. Irgendwann stellten wir fest, dass der Ausgang B geschlossen ist und alles am Ausgang A stattfand. Eine kilometerlange Schlange... wir stellten uns mal mit an. Das war eine sehr gute Entscheidung. Bisschen chaotisch ging es da vorwärts und es dauerte eine kleine Weile, bis wir durch waren. Längst war unsere Boardingzeit erreicht und wir versuchten, eines etwas schnelleren Schrittes Gate A23 zu erreichen. Es bummelten etliche vor uns rum, Thomas seine Nervosität stieg und stieg... wir kamen am A23 an und alles voller Menschen. Nichts passierte da. Die nach uns kamen erkannten auch schnell, dass sie wieder ans Ende mussten... bis auf einige! Zum Boarding ließ man sich ebenso Zeit und schon wurde der Abflug auf 18.40 h verlegt. Na, es war 18.10 h, dann sollten sie mal anfangen... Ab und an wurden noch irgendwelche Leute aufgerufen, bis das Boarding endlich damit begann, die Rollstuhlfahrer und Kinder sowie die erste Klasse einsteigen zu lassen. Dann kam der Aufruf, dass die Plätze 50 - 63 boarden möchten... und das Chaos begann. Wir warteten zwar geduldig, bis unsere Plätze aufgerufen wurden. Das erfolgte offenbar nicht mehr und wir ließen uns in der Menschenmenge gen Flugzeug mitziehen. Wie man sieht: wir haben alles unbeschadet überstanden, sitzen längst im Flieger... sind längst wieder zu Hause und zehren nun von unseren Erinnerungen.