Howdy und ein herzliches Willkommen
Howdy und ein herzliches Willkommen

 

Notizen meiner ersten Kanadareise

mit meiner Tochter Ellen und einer sehr guten Freundin Kyra

vom 05. bis 26. Mai 1998 (erstellt Januar 2016)

 

05.05.,

   08.15 h – In Hamburg schon vor einiger Zeit angekommen, sitzen wir jetzt im Flieger – Sekunden vor dem Start. Die Spucktüten parat, angeschnallt – so richtig aufgeregt aber immer noch nicht. Sch…platz haben wir: an der Tragfläche. Ellen sitzt am Fenster, ich in der Mitte, Kyra am Gang. Jetzt in diesem Augenblick erhalten wir unsere erste Englisch-Lektion… ein bisschen langsamer könnte er sprechen, dann könnte man wenigstens ein paar Wörter verstehen. P.S.: in Hamburg regnet es.

   09.01 h – Wir stehen immer noch hier rum. Ab und zu piepst es im Flieger, ansonsten keine Info, warum diese Verzögerung ist. 09.11 h – Mittlerweile sind wir in der Luft. Der Start war lustig. Derzeitig ist eine herrliche Wolkenpracht zu sehen und die Sonne scheint… über den Wolken logisch! Dann werden wir sehen, ob der Flug ruhig verläuft. Einzig Negative ist: absolutes Rauchverbot. Meine Zigaretten werden ewig reichen… 09.50 h – Jetzt gibt es Frühstück; mal sehen, ob es schmeckt. Zum anderen muss ich feststellen, dass das Flugzeug doch unbequem ist. Ich hatte es mir komfortabler vorgestellt. Ist auch alles nur auf Masse ausgerichtet. Kyra hat mächtig Schwierigkeiten mit ihren längeren Beinen. – So breakfast…

   10.55 h – nach isländischer Zeit! Alles bereitet sich auf den Abflug von Island vor. Hübsche kleine Flughafenhalle hier in Kelvlavik. Kyra bereitet sich auf Luftaufnahmen vor. Uns steht aber noch der größte Teil der Flugreise bevor. Schon nach dem ersten Abschnitt konnten wir kaum sitzen. Das kann was werden… Genug jetzt, die Maschine rollt an.

   13.30 h – nach kanadischer Zeit! Wir sind endlich im Hotel. Tolles Zimmer: große Betten, super Bad – kommt insgesamt gut. Als erstes sind alle aufs Klo… welch Erholung. Ellen duscht gerade, Kyra und ich schreiben in unsere Bücher, nehmen nebenbei Planungen vor, wie wir den Tag noch über die Runden bekommen. Hier mal die Zeitunterschiede: wenn es hier mittags halb zwei ist, ist es in Germany abends halb zehn.

   Zum Flug (mit „Canada 3000“) ist noch so viel zu sagen: Für die lange Flugzeit mehr als unbequemes Gefährt; Frühstück und Mittag waren gut zu verkraften – wer weiß, was wir sonst noch so zu essen finden…

   20.16 h – Calgary haben wir schon mal verunsichert. Nach einstündigem Suchen der C-Train-Haltestelle ging es dann auch voll los in Richtung City. Man muss dazu sagen, dass wir immer nach einer Bushaltestelle gesucht haben und folgten einem großen grünen H… aber so haben wir von Calgarys Standrandgebiet viel gesehen. In der Stadt selbst waren wir beim Calgary-Tower: 191 m hoch und die Stadt von oben gesehen. Beeindruckende Stadt: von der Größe her, von der Art und Weise der Bauten und Häuser sowie von der Infrastruktur. Das Viertel mit den Spiegel-Hochhäusern ließ eine Stadt erahnen, das Umfeld wirkte eher wie eine Vielzahl in sich vermischter Dörfer. Und übersichtlich von den Straßen her.

   Dann sind wir noch die „2th st“ bis zum Eau Claire Market gelaufen – leider hatten dort die Geschäfte schon zu. Das fanden wir schade, weil: es waren durch die Fenster tolle Sachen zu sehen. Aber auch ohne dort etwas zu kaufen – außer eine Sonnenbrille für Ellen für 2 Can$ - sind wir gut 100 Can$ den Tag losgeworden. Und unsere Füße sind rund!

   So sehr aufgeregt bzw. das große Bewusstsein, in einer bekannten Weltstadt… in Calgary zu sein, hat sich noch nicht wirklich eingestellt. Kommt bestimmt noch. Aufregend wird es wohl erst ab morgen mit dem Wohnmobil.

 

06.05.,

   08.30 h – Die Nacht ist für uns zu Ende. Kyra und ich sind schon durchs Bad, jetzt haben wir Ellen rein gescheucht. Nach kurzem Gespräch stellten wir fest: wir haben alle gut geschlafen. Lob an das Hotel („Travelogde“). Die Betten sind Klasse. Auch sehr ruhig ist es hier. Noch ist zum Tag ja nicht viel zu berichten – er fängt ja erst an und behält sich die Überraschung Wohnmobil vor. Das wird noch ein Akt!

   09.55 h – Sitzen gerade an einer Kreuzung unserem Frühstückslokal schrägt gegenüber: McDonalds. Ein leckeres Frühstück haben wird verzehrt. Und weil dort Nichtraucher ist, haben wir uns auf eine Rasenfläche gesetzt und unser Dessert eingenommen. Calgary ist ein Ort, wo man sich nicht allzu viel Gedanken über Verhaltensweisen machen muss: so sehen wir es ganz locker hier zu sitzen. Es ist auch herrlich hier. Es ist zwar reichlich Verkehr, aber dennoch recht ruhig; die Szenerie ist einfach cool. Jetzt hat das Bewusstsein, in Calgary, in Canada zu sein, voll eingesetzt!

 

07.05.,

   13.35 h – Um sieben sind wir heute aufgestanden. Der Abend gestern war recht unterhaltend. Edgar mit Cory kam vorbei, sprach mit uns noch einige Details beim Wohnmobil durch, klärte die Route ab und gab uns noch einige Tipps. Aus ihm sprach Begeisterung, als er unsere gut organisierte Route vernahm.

   Abends saßen wir dann noch mit Klaus und Erika bei Whisky-Cola und plauderten. Einige Erinnerungsfotos wurden geschossen, so ca. zehne/halb elfe sind dann alle zu Bett.

   Die Fahrt von Calgary nach Lethbridge war sehr beeindruckend. Das Wohnmobil haben wir locker flockig bedienen können. Die fast 2-stündige Einweisung trug erste Früchte. Ein geiles Gefühl! Ohne Schwierigkeiten kamen wir hier an. Selbst das Problem des Betankens haben wir gelöst. Insgesamt kann die bisherige Tour als supercool eingeschätzt werden. Eine herrliche Landschaft incl. Highway war zu genießen. Einen echten Cowboy konnten wir erspähen und eine Ranch mit 100erten von Pferden. Leider waren sie durch den Zaun nicht so toll zu erkennen (meine Erkenntnis Jahre später: das war ein Schlachthof!) und eine großzügige Viehhaltung ist das hier. Wo sich bei uns 20 Kühe den Platz teilen müssen, kann hier 1 Kuh sich lümmeln. Im Hintergrund waren klein die Rockies zu sehen. Wir denken, dass wir sie noch größer zu sehen bekommen.

   Heute sind wir dann ca. halb 10 los, Lethbridge-Sehenswürdigkeiten zu beäugen. Erika fuhr uns zum Fort Whoop Up. Dort durften wir – trotz dass es noch nicht geöffnet war – einen präparierten Büffel ansehen und fotografieren. Zuvor erklärte uns Erika die riesige Eisenbahnbrücke. Ein gigantisches Bauwerk: High Level Bridge. Nach dem Besuch des Forts gingen wir nun unter diese Brücke hindurch in eine Art Wildpark. Rundherum eine sehr schöne Hügelkulisse: der Platz an dem die letzte Indianerschlacht stattfand.

  Die Ereignisse des heutigen Tages kommen etwas durcheinander zur Niederschrift. Man kann diese Eindrücke auch kaum ordnen – es ist alles so toll! Das Meiste muss doch im Hirn bleiben, weil es in Wort und Schrift nicht annähernd wieder gegeben werden kann.

   Erika zeigte uns auch noch, wo Armins Büro ist; in Eddas und Alfreds Haus waren wir; es wurde uns gezeigt, wo Armins Exfrau wohnt; wo Stefanie und Cory zur Schule gehen… wo sie alle wohnen und vieles andere mehr. Tüchtig eingekauft haben wir im Cosco. Das ist ein Großmarkt. Entsprechend groß sind die Einkaufswagen und die Umverpackungen! Die erste Woche kommen wir super aus.

   Vor unserem Großeinkauf haben wir die Universität besichtigt. Cooles Gebäude – eingebaut in den Fels. Nick hat hier fleißig Beton gemacht. Ellen fotografierte fleißig, unter anderem auch son Erdhörnchen. „Gopher“ hier genannt – putzige Tierchen. In Massen hoppeln und rennen die da rum (eine Anmerkung schon mal an dieser Stelle: Fotos kann ich leider nicht einstellen, da wir damals noch nicht digital fotografiert haben und ich heute nicht weiß, wie ich die entwickelten Bilder einstellen kann).

   So – wo mache ich jetzt weiter? Zum gestrigen Abend noch: In Erikas Wohnzimmer hängt ein Schwarzbärenfell. Erlegtes Tier von Edgar mit Pfeil und Bogen! Jagd- und Angelausrüstungen incl. Trophäen wurden uns gezeigt. Im Gespräch kam auch die Haltung den Indianern gegenüber zu Tage. Einen guten Ruf haben die Indianer in diesem Hause nicht so sehr – sie gelten als faul und versoffen. Aber man sollte doch dabei nicht vergessen, wer hier wen mies behandelt hat. Wir lassen uns die Sympathie den Ureinwohnern gegenüber nicht verderben.

   Nach unserem Einkaufstripp haben wir zum Lunch ein paar Sandwiches gegessen; zum Abend gibt es dann warmes Essen. Noch wissen wir nicht, wie es diesen Tag weiter geht, ob wir auch noch Armin zu Gesicht bekommen? In seinem Zimmer haben wir ja schon genächtigt. Dabei haben wir auch grob mal seine Sachen durchstöbert…

   Morgen wollen wir weiter nach Waterton. Die Strecke dahin, zumindest aus Lethbridge raus, haben wir schon abgecheckt.

   16.30 h – Zwischenzeitlich haben wir einen Spaziergang am Henderson Lake getätigt und haben Erikas Schwager im Secondhandshop besucht.  Der Laden ist ähnlich wie ein Trödelladen bei uns, mit coolen Möbeln, auf die ich voll stehe. Dort gab es auch Autoschilder, wie ich gern eins gehabt hätte. Aber er konnte mir keinen Preis machen – so habe ich es sein lassen.

   21.50 h – Oh, dieser Abend verlief super. Das Abendessen: fingerdicke Rindersteaks – lecker! Hat prima geschmeckt, obwohl ich gar nicht so ein Rinder-Esser bin. Als wir so fertig waren, kamen auch Armin und sein jüngster Sohn Eric. Armin war kaum in der Küche und hatte erfahren, wie alt Ellen ist, da rief er auch schon seinen anderen Sohn Mike an, dass er mit Ellen was unternehmen sollte. Mike kam auch und brachte einen Freund mit. Obwohl Ellen sich etwas sträubte, sind alle drei los, aber nach einer halben, dreiviertel Stunde waren sie wieder da und Ellen verfluchte uns alle leicht.

   Auch mit Armin haben wir unsere Route besprochen. Er war ebenso begeistert wie Edgar. Wir unterhielten uns in gesamter Familie bei Drinks super auf der Terrasse. Armin war sehr interessiert und schlug vor, dass er uns Samstag in Waterton besuchen will. Im Verlaufe des Gesprächs änderte er seinen Plan und will uns morgen aus Lethbridge bis nach Stand Off begleiten. „Es wird ein Erlebnis für euch“, so Armin. Er ist ein cooler Typ, nett und sicher auch sehr unternehmungs-, abenteuerlustig. Ich bin gespannt, wie die kommenden Tage in Begleitung, wenn auch nur stundenweise, mit Armin werden.

 

08.05.,

   07.50 h – Heute geht nun unsere Tour weiter. Wir sind sehr erfreut, wie herzlich wir von dieser Familie aufgenommen wurden: von Enkel bis Großeltern haben sich alles um uns bemüht. Ich fand es bei Gerstenbühlers super. So nette Menschen, obwohl ich vorher keinen kannte – nur vom Namen her.

   16.15 h – Hallo! Hier sind wir! Der Reihenfolge nach: Ca. 10.30 h sind wir aus Lethbridge raus. Armin begleitete uns bis Stand Off – ein Indianerreservat. Heute war Zahltag dort. Die Indianer erhalten Geld von der hiesigen Regierung. Sie selber arbeiten nicht. Es sind Bloodindians und gehören zu den Blackfootindianiern. An Schmuck hatten sie indianertypischen dort; sie selbst liefen sehr weltlich gekleidet rum. Ich war übrigens die einzige, die Mokassiens trug! Die Indianer sahen insgesamt recht schmuddelig und dick aus. Keineswegs so, wie wir sie aus Filmen kennen und gern sehen würden. So sieht man sie wohl nur bei ihren Pow-Wow’s. Sie sollen einige Rodeos veranstalten und dabei die besten Cowboys sein. Im Weiteren meinte Armin, dass so ein Besuch eines Reservats nur möglich ist, wenn man dort Leute kennt. Er hat derzeit einen Arbeitsauftrag hier und eine Art Sozialbearbeiterin begleitete uns permanent. Im Übrigen trugen die Indianer ihr gerade erhaltenes Geld sofort in den gegenüber liegenden Store mit Fastfood-Restaurant.

   Armins und unserer Weg trennten sich: wir sind weiter Richtung Waterton. Zwischendurch machten wir Station in Mountain View. Der Ort hat seinen Namen verdient. Auf dem Weg dorthin bot sich uns ein Panorama der Mountains – man kann es nicht in Worte kleiden! Fotos werden unsere Eindrücke auffrischen.

P.S.: Momentan fühlen wir uns beobachtet: Um uns herum sitzen und stehen zig Gophers. – So, weiter im Text:

In Mountain View machten wir Rast. Neben der Tanke war auch ein Shop. Gigantische Klamotten aus Fellen und Leder gab es da… allerdings auch zu gigantischen Preisen. Auch die Leute waren nett: Der Chef erkannte uns als Touristen, auch aus Deutschland kommend und wünschte uns spontan einen tollen Aufenthalt in Kanada. Er fragte, wie wir Kanada finden. Super natürlich! „A nice country!“ Kurze Zeit später sprach mich ein Mädel an und fragte, aus welchem Land wir kommen. Als ich ihr sagte: „aus Deutschland“, gab sie mir die Hand und hieß uns herzlich willkommen in Kanada. Ich war sehr gerührt. Eine Herzlichkeit strahlen die Kanadier aus und man spürt, wie stolz sie auf ihr Land sind. Das können sie auch.

   Dann sind wir weiter nach Waterton/Waterton-Village. Eine herrliche Gegend! Wieder sind unsere Empfindungen und die Schönheit der Landschaft einfach nicht festzuhalten.

   Ellen kommt gerade vom Rundgang zurück. Denn wir stehen zwischenzeitlich längst auf dem Campground. Dadurch, dass unser Englisch leicht besser wird, haben wir in Erfahrung gebracht, dass wir hier wohl noch keine Gebühren zu bezahlen brauchen. Nun gut, Wasser und Strom sind trotzdem da. Wir stehen auf Platz 30 des Townsite Campground.

   Tja, was soll ich noch schreiben? Die Gedanken jagen einem so durch den Kopf, Eindrücke total durcheinander! Man bekommt es einfach nicht sortiert… Später wollen wir noch den Campground genauer anschauen – unser zweiter Fußmarsch heute. Einen tätigten wir schon vom Hotel „Prince of Wales“ runter zum See. Das Wasser war glasklar und ebenso kalt, aber herrlich. Zwei, drei schöne Steine als handfeste Erinnerung für zu Hause schleppen wir nun mit. Ein herrlicher Spaziergang mit Gophers- und Hirschsichtung, von der Landschaft ganz zu schweigen. Viel zu herrlich, um es in Worte zu fassen.

   Zum Campground selbst: ein groß angelegtes Areal mit viel Rasen. Grün gibt es in Kanada sowieso massig. Ob es nun in der Stadt ist oder überhaupt. Der Campground ist schon etwas besucht, so ca. 10 bis 20 Camper rasten hier. Vielleicht beäugen wir heute Abend noch das Village selbst.

 

09.05.,

   09.55 h – Der Tag ist schon ein paar Stunden alt, dennoch haben wir viel geschafft. So ca. 08.00 h sind wir aufgestanden, haben uns mit eiskaltem Wasser gewaschen, Kaffee gekocht, gefrühstückt, aufgeräumt und abgewaschen. Per Kamera unseren „Boss“ aufgenommen und eine Gruppe Ziegen samt 2 Böcken. Unser „Boss“ ist ein Gopher, der uns permanent beobachtet. Wenn die anderen durch die Gegend dallern, sitzt oder steht er und beäugt uns.

   Nun noch zum gestrigen Abend: Wir sind auf Erkundungstour, auch weil in der Nähe ein permanentes Rauschen zu vernehmen war. Und tatsächlich: der Cameron Fall ist ganz in der Nähe. Ein imposanter Wasserfall. Sicher nur ein kleiner, aber sehr hübsch. Der Waterton Lake hat einen super Steinstrand. Alles vom Wasser rundgeschliffene Steine, große, kleine, abertausende. Ellen und Kyra haben „gefletschert“ ohne Ende, ich habe in den Steinen rumgekramt, um eventuell welche mit Fossilien zu finden – nichts.  Dennoch gingen einige Steine in unser Hab und Gut über.

   Bevor wir unseren Spaziergang antraten, kamen noch zwei nette Frauen zu uns (eine hatten wir schon bei der Ankunft nach Preis uns so befragt); die zweite sprach deutsch und war uns behilflich beim Anschluss des Grey- and Black-Water. Nun konnten wir erst mal alle aufs Klo!  Man kann nur lobend von der Hilfsbereitschaft der Leute hier sprechen. Als wir heute Morgen aufwachten, waren diese Damen aber schon weiter.

   Es ist eine himmlische Ruhe hier. Nur die verschiedensten Geräusche der Tiere und der Cameron Fall sind zu hören – Natur pur. Ellen schreit in einer Tour „Aua“, weil sie sich irgendwie stößt – Tollpatsch.

   Abends saßen wir dann noch bei Mondschein eine ganze Weile draußen und erzählten, lachten und alberten rum. Wir waren sehr zufrieden mit dem Tag. Wie schon so oft erwähnt: es ist nicht zu beschreiben, wie schön es hier ist. Wir fallen von einem „Oh“ ins andere „Ah“.

   Kyra gibt einem Gopher gerade ein Stück Apfel zu fressen. Putzige Tierchen sind das. Man kann sie den ganzen Tag beobachten – lustig ist das. Wir warten auf Armin, um weitere Unternehmungen zu planen. Gern würden wir den Red Rock Canyon sehen. Wir werden es erfahren. Auch sammeln wir sämtliche Bons und Gebührenkarten als Erinnerungsstücke. Es wird ein Bericht mit vielen Einzelheiten – so hoffen wir jedenfalls.

 

10.05.

   22.15 h – Das wird eine lange Eintragung – so viel schon mal vorweg. Wo fange ich an?

   Noch zu unserem gestrigen Tag: wir sind dann alle 3 los… ach nee, Ellen wollte nicht mit. Also sind nur Kyra und ich zum Cameron Fall, bewaffnet mit der Videokamera. Als wir über die Straße gehen wollten, kamen auch schon Armin und Eric an. Wir sind dann zu viert auf die Plattform gestiegen und haben den Wasserfall gefilmt. Dann sind wir zum Camper. Armin packte das Fernrohr inklusive Stativ aus und machte es sich insgesamt recht bequem. Wir kochten noch einen ordentlichen Kaffee, Armin schlug uns vor, einen Ausflug zu Fuß zum Bertha Lake zu unternehmen. Da wir das Hinweisschild schon den Abend zuvor gesehen hatten und wussten, dass es nur 6,5 km sein sollten, stimmten wir natürlich sofort zu. Abends zuvor wollten wir ja nicht mehr laufen, weil es schon der Dunkelheit entgegen ging. Okay – wir zogen uns warm an, rüsteten uns aus mit Fotoapparat und Kamera und stiefelten frohen Mutes los. Schon nach knappen 10 Minuten Marsch bergan kam wir ins Schwitzen und fingen an, uns zu entblättern. Mit Pullover um den Hüften kraxelten wird dann weiter – die Puste wurde zeitweise immer weniger. Mit kleinen Pausen schafften wir es dann auch bis zum kleinen Bertha Fall und auch zum großen Bertha Fall – oder auch unterer und oberer Bertha Fall genannt. Irgendwann kamen die Momente, wo der Weg noch schneebedeckt war. Wir sind da durch wie die Helden. Vom Schnee so fasziniert – schließlich hatten wir diesen Winter keinen gesehen, dafür im Mai in Kanada – schmiss Kyra mir Schnee ins T-Shirt. Entsetzlich kalt war das. Aber weil ich schwitzte und es dann als Erfrischung abtat, ging es. Eric und Ellen fielen unterwegs des Öfteren in den Schnee. Mit Erreichen des Ziels wurde der Schnee auch immer tiefer. Teilweise verschlang er ganze Beine. Auch Kyra und ich stürzten ab und an hin. Ich kann nun nicht mehr einordnen, ob es auf dem Hin- oder Rückweg geschah. Unser Held Armin – bekleidet nur mit Boots und Shorts – fiel natürlich nicht! Oder wir bekamen es bei unserer Dallerei nicht mit.

   Aber trotz des Schnees waren es wohl gut 30 °C… empfanden wir jedenfalls. Es war absolut nicht kalt, ganz im Gegenteil. Denn endlich angekommen mit Blick auf den noch teilweise zugefrorenen See in ca. 7.000 Fuß Höhe knallte uns die Sonne ins Gesicht. Ellen trocknete erst mal ihre Strümpfe und Schuhe so gut es ging. Nachdem Kyra und Armin Wasser geholt hatten, tranken wir alle einen Schluck und breiteten uns auf den Steinen aus. Das war wie Sonnenbaden auf Hawaii. Herrlich warm, umgeben von schneebedeckten Bergen und zugefrorenem See.

   Nach der ausgiebigen Rast stiefelten wir wieder runter. Hier stürzten Ellen und Eric noch öfter in den Schnee; Ellen sogar einmal fast kopfüber. Kyra blieb einmal so fest stecken, dass sie ihr Bein nicht wieder raus bekam. Ich schleuderte nur umher, damit ich nicht samt Kamera im Schnee stecken blieb.

   Der Aufstieg, der ja „nur um die Ecke“ ging, dauerte 2,5 Stünden, der Abstieg 1,5 h. Uns kam es auch mehr als 6,5 km vor – wenigstens der Aufstieg hatte mehr Kilometer… oder lag es doch daran, dass es erst bergan ging? Irgendwann kamen wir wieder unten an: klatschnasse Füße, dreckige Klamotten ohne Ende, aber vollgepackt mit bleibenden Eindrücken. Es umgab uns ja eine tolle Natur – „an awesome adventure“ das Ganze. Da hat Armin nicht zu viel versprochen.

   Nach kurzer Rast brachen wir dann unsere „Zelte“ ab. Wir sind schon son Super-Team. Soweit klappte alles gut bis wir zur Aufgabe „Dumpstation“ kamen. Ich kann das gar nicht schreiben, weil ich so lachen muss… das ist erst ne Situation, die man schon gar nicht in Worte fassen kann… mal sehen, ob ich es einigermaßen hinkriege:

   Wir ja auch ganz vorbildlich erst beide Schieber zu, nun als ersten den für Black-Water, dann den für Grey-Water öffnen, Schlauch hoch halten, damit auch alles abläuft… da kam die Scheiße! Der Schlauch sprang aus der Öffnung raus, der Inhalt des Schlauches ergoss sich auf den Platz… alles schrie „äääähhhh“ und sprang beiseite… nur ich hielt das Teil in der Hand und guckte auf Kyras Ködd‘l. Es folgte eine Runde herzhaften Lachens, Blicke, ob auch keiner was gesehen hat. Wir säuberten den Schlauch noch etwas, machten die Luke zu, ab in den Camper und fort. Das ist ne Aktion gewesen, über die wir den ganzen Tag noch lachten.

   Vom Waterton Townsite Campground runter sind wir dann in Richtung Red Rock Canyon gefahren. Aber so ca. 10 km vorher kehrten wir wieder um, da Armin uns erklärte, dass der Rest zu Fuß bewältigt werden müsste und es eh nur rote Steine zu sehen gibt. Die Zeit war knapp, weil wir noch zu Armins Grundstück fahren wollten. Für die Ansicht des Canyons wurden wir mit anderen wunderbaren Landschaftsblicken und einer Herde „Hirsche“ per Fernrohr entschädigt.

   Die Fahrt zu Armins Grundstück gestaltete sich auch als kleiner Gewaltakt. Zumindest zum Ende. Schotterstraße und Baustelle. Kommt gut so mitten in der Prärie. Aber dann waren wir da. Nachdem Armin unseren Camper eingeparkt hatte, schmiss er den Grill an, entfachte ein Lagerfeuer und wir bereiteten das Grillgut vor. Eric fuhr inzwischen mit seinem Motorrad wild durch die Gegend – Berg rauf, Berg runter. Da Armin bei der Tanke kein Bier mehr bekommen hatte, weil der Laden schon „closed“ war, brauten wir Barcadi-Cola. Teuflisches Getränk, aber gut. Bei Lagerfeuer, Essen und Barcadi-Cola plauderten und lachten wir viel. Armin scheuchte uns dann noch eine Anhöhe hoch – „nur um die Ecke“ – ha, ha! Aber da wussten wir ja schon, dass seine Weg- und Zeiteinschätzungen sehr unzuverlässig bemessen sind. Er untertreibt da lieber ein bisschen. Auch egal. Irgendwann kamen wir dann doch bei 3 Bäumchen an – BC dabei! Dort oben plauderten wir dann wieder. Wir berichteten ihm mehr oder weniger, wie die ganze Situation in Deutschland ist. Eric und Ellen gesellten sich auch noch zu uns. Bei fast völliger Dunkelheit sind wir dann alle 5 wieder runter – Nachlegen beim Feuer. Hier machten wir auch die letzte BC-Mischung und gingen gut gelaunt und mächtig angeduselt ins Bett.

   Heute Morgen als wir aufwachten, regnete es. Im Camper selbst hörte sich das wie ein mittlerer Platzregen an, draußen war es ein leichtes Nieseln. Kyra und ich sind trotzdem in die Nähe der 3 Bäume gewandert – mehr um unsere Birne auszunüchtern – Barcadi raus, Sauerstoff rein. Klappte auch. Wie wir unseren Müllhaufen – 2 leere Flaschen Barcadi und etliche Coladosen sahen – überfiel uns wieder ein Lachanfall. Wir räumten auf, weckten Ellen, haben abgewaschen, Frühstück vorbereitet und gegessen. Im Nachbarcamper tat sich nichts, bis Eric auf einmal raus getorkelt kam. Dabei hatte er doch gar keinen BC getrunken! Kurz darauf kam auch Armin. Wir kochten nochmals Kaffee und baten die beiden um ein paar kurze Zeilen in unsere Tagebücher:

   In meins: The Rocky Mountains are one of the most spectaculary scenic tourist attractions in the world. In myself it is away of live to be a part of and enjoy ??? to an awesome adventure every time we go to the mountains. I hope you enjoy our country as much as we do and live the AWESOME ADVENTURES. All the best to you – Love Armin.         And I also think the Rocky Mountains are nice. I realy liked meeting you gys me all ??? a lot of fun together; like when we went up to Bertha Lake now that was fun – from Eric.

   In Kyras Buch: It is a wonderfull opportunit to not only see the Rocky Mountains, but to live the AWESOME ADVENTURES and get out in the mountains. ??? us in this country the mountains adventures are a way of life. We do a lot of hunting, fishing, cross country motored riding, and hiking. Our land here at Beaver Mines is very special to us with a wealth of things to do and see. I hope you enjoy this AWESOME ADVENTURE and will return to Canada soon – Love Armin           Lust summer my dad and me built my play house. And then we made a couple ??? for my dirt bike. And every year we have a girsty bash, like last year me ??? The girsty bash 97, and for the girsty bash all the family’s came down, and then I met the ??? and I just have coming up hear. Eric

(persönliche Anmerkung: leider sind die Schriften nicht so eindeutig zu lesen wie etwa in einem Lehrbuch – daher die ??? und eventuellen fehlerhaften Schreibweisen – sorry!)

   Dann folgte noch Säuberung des Campers – ohne Dumpstation – denn Armin hatte Plumpsklo; war auch besser so. Um 12 h starteten wir unser Fahrzeug, haben uns bei Armin für seine nette Fürsorge und Begleitung bedankt und sind ab in Richtung Cranbrook. Weil, wir wollten ja auch der Empfehlung nach gutem Essen am Moyie Lake nachgehen. Hier fing die Katastrophe an: Hatten wir uns schon mal leicht in Cranbrook verfahren – und kurz zuvor äußerte ich noch: „Wir haben uns noch nicht einmal verfahren…!“ – suchten wir am Moyie Lake verzweifelt nach einem gastronomischen Teil. Die Wege, die wir dabei zurücklegten, erwähne ich hier nicht mal ansatzweise. Okay, wir wieder weg da und zurück nach Cranbrook – getrieben von einem unsagbaren Hungergefühl. Wo gehen wir hin? McDonalds! Dieser Sch…laden nicht zu finden, dafür Burger King. Wir hin da. Das war aber ein Fehlgriff: Erst bekommen wir nur die Hälfte, dann schmeckt das Zeug nicht mal. Wir also wieder weiter mit der Erkenntnis: „Cranbrook nix good!“

   Wir dann weiter in Richtung Kimberley. Unterwegs entschieden wir uns jedoch spontan, gleich nach Radium Hot Springs zu fahren. Ellen wusste nichts von unserer Entscheidung und machte sich natürlich gleich bemerkbar als wir am Wegweiser nach Kimberley in die ganz andere Richtung fuhren. Das war ein kleiner Scherz ganz für sie allein.

   Kurz nach 19 Uhr kamen wir hier an und checkten ein. Ein hübscher Campground ist das. Eine Skizze mit Markierung, welchen Weg wir zum Site zu fahren haben, hatten wir dabei. Dass wir uns dabei auch noch 2mal verfahren haben, darf man gar nicht erzählen. Dafür stehen wir ganz in der Nähe vom Office mit Duschen und Waschmaschinen.

   So, jetzt erst mal Schluss für heute. Es ist mittlerweile halb 12 und wir wollen schlafen.

 

11.05.,

   08.10 h – Ich bin schon auf, weil wir ja um 8 aufstehen wollten. Die anderen beiden brauchen noch ein paar Minuten, um aus den Federn zu kommen. Ich nutze diesen Augenblick, um mal ein paar Allgemeinheiten zu notieren, ehe ich sie vergesse. Beim Fahren durch das Land fiel uns auf, dass Alberta doch hübscher aussah. Nicht unbedingt von der Landschaft her. Aber BC = British Columbia (oder auch: bring cash) sieht überladener und teilweise unordentlicher aus. Mehr Schrott ist zu sehen. Auch war der Verkehr in BC bisher wesentlich stärker. Bis zu 8 Fahrzeuge waren teilweise dicht hinter uns! Das machte uns richtig unruhig. Auch die Häuser sind nicht ganz so hübsch. Hier in Radium Hot Springs scheinen sich Deutschstämmige verstärkt nieder gelassen zu haben – viel Alpen- und Bayernzeug wird zur Schau gestellt. Das gefällt uns weniger.

   Gut, wir lassen uns die Landschaft dadurch nicht schlecht machen. Dafür konnten wir gestern eine Herde Schafe – gut 20 Tiere- aus nächster Nähe erleben. Leider waren auf der Fahrt keine Tiere zu sehen, außer zahllose Rinder und Pferde. Die Tierhaltung ist hier 1A; das sind echte Freilandtiere, großzügige Weiden, mit Bäumen zum Teil. Richtig gut.

   Unterwegs waren auch riesige Bewässerungsanlagen zu sehen. Hier scheinen sie schon in Betrieb genommen zu werden dürfen… Sch…Ausdruck… In Alberta war es jedenfalls noch nicht erlaubt, sie zu betreiben, da nicht genug Wasser ist. Es wurde auch von Bränden in Alberta gesprochen – davon haben wir selbst aber nichts bemerkt.

   So – nun müssen die anderen beiden auch aufstehen; wir haben noch einiges zu tun. Und um 12 müssen wir hier wieder fort bzw. wollen es.

   10.11 h – Mittlerweile haben wir gefrühstückt. Zuvor haben wir ausgiebig geduscht – angenehmes Gefühl! Unsere Wäsche ist auch schon im Trockner. Mal sehen, wie wir uns naher bei der Dumpstation anstellen. Aber erst einmal weiter im Text:

   Als wir gestern endlich unseren Site gefunden hatten, ging’s darum rückwärts einzuparken. Wir tätigten Fahrerwechsel. Trotz großer Spiegel gestaltete sich das Unternehmen nicht ganz so einfach. Aber ein netter Nachbar half uns und dann standen wir gut. Nun ging es daran, uns an die Versorgungsleitungen anzuschließen: Strom und Wasser – kein Problem. Aber diese Dumpstation! Die gestaltet sich zum Alptraum! Kyra geht ja auch bei, nachdem wir den blauen Schlauch schon mal fest im Abfluss deponiert hatten, die Kappe am Fahrzeug zu öffnen… da kam’s wieder… alles über Kyras Hände… Lachanfall folgte! Wir sind erst Experten!

   Als wir auch diese Unannehmlichkeit locker überstanden hatten, ging es daran, die heißen Quellen zu finden. Da in Canada alles groß und weit ist, wunderten wir uns auch gar nicht, dass der angesagte 1 km sich doch wohl als mehr herausstellte. Wir sind wieder umgekehrt, weil die Dämmerung einsetzte. Auf dem Rückweg gab es das kleine Erschrecken für Ellen und Kyra: Die haben die Herde Schafe nicht gesehen und guckten nicht schlecht, wie die Viecher mit mal neben den standen.

   Bei dieser Wanderung lernten wir gleichfalls etwas ganz Besonderes. Wir erspähten einen festen Blitzer und etliche Meter weiter die Hinweistafel mit dem netten Spruch „Achtung Radarfalle“. Das Witzige daran ist, liest man diesen Hinweis, ist man durch die Radarfalle bereits durch! Clever gemacht.

   So ging der gestrige Tag zu Ende. Für Ellen kochte ich noch schnell ne Suppe auf, röstete Brötchen in der Mikrowelle… mit denen wir uns dann hätten die Köpfe einschlagen können. War nichts! Die Brötchen landeten im Müll.

   Nun noch einiges zur „Allgemeinheit“: Insgesamt sind die Leute alle nett, freundlich und sehr hilfsbereit. Auf den Campgrounds treffen wir jedoch zum größten Teil ältere Ehepaare – so um die 60 Jahre. Wir als 3 Mädels fallen da total auf. Aber egal, wir haben Spaß und eine Menge „awesome adventure“ – okay, the next, please!

   22.50 h – Hier sind wir wieder! Nachdem wir den Campground Radium Hot Springs verlassen hatten, sind wir zu den Hot Pools gefahren. Die Zeit war gut eingeschätzt, denn dort wurde erst um 12 geöffnet. Wir nahmen ein Bad – Wassertemperatur 40 °C! Zu Beginn war es ja herrlich warm und angenehm, Kyra und ich zogen erst mal ein paar Bahnen. Wir hielten es aber nur ne halbe Stunde aus, dann waren Kyra und ich kurz vorm Kreislaufkollaps – es reichte. Erst viel später erfuhren wir, dass man in solchen Hot Springs nicht schwimmt, sondern einfach nur faul rumsitzt!

   Unsere Fahrt ging weiter in Richtung Banff. Da dies eine kurze Strecke – nur 132 km – war, entschlossen wir uns, unterwegs etliche Stopps einzulegen, meistens immer an Flüssen. Den Numa Fall wollten wir uns angucken, doch als wir sahen „11 km“ meinten wir, ein kleines Stück tut’s auch… wir also rein in den Wald. Der wurde uns dann aber doch zu unheimlich: dichte Bäume, matschiger Weg und dann noch undefinierbare Tierspuren. Nach 15 min Marsch kehrten wir wieder um. Aus dem Fluss nahmen wir uns noch Wasser zum Kaffeekochen mit. Sieht zwar trübe aus, son bisschen milchig, schmeckt aber gut. Bisher haben wir auch noch keine negativen Nebenwirkungen verspürt.

   Wir sind weiter und machten am Mable Canyon Halt. Beeindruckender Wasserfall! Und der Canyon selbst erst! Ca. 3,5 km gut befestigter Touristentrampelpfad führte uns ihm entlang. Stellenweise war die Schlucht gute 50 m tief, wenn nicht noch mehr. Totale kleine Eisgletscher waren darin. Die haben bestimmt seit Ewigkeiten keine Sonne gesehen. Wir wollten noch die Abzweigung zu den Paint Pots nehmen, aber ein kleines vereistes Rinnsal mit matschigem Ufer beendete unsere Wanderung.

   Nach kurzer Fahrt machten wir wieder Rast, kochten uns einen Kaffee und beschrieben die restlichen Urlaubskarten. Nun brauchen wir nur noch Stamps und sie in den Briefkasten stecken. Hauptsache, wir schaffen das noch, bevor unsere Reise zu Ende geht. Auf der Weiterfahrt nach Banff konnten wir noch „smoke at the area“ sehen – dort musste ein kleiner Waldbrand gewesen sein. In Banff angekommen, sind wir erst mal quer durch den Ort, weil wir die erste Abfahrt zum Campground Tunnel Mountain verpasst haben. Gleich im Ort konnten wir erste große Tiere sehen… was waren das? Keine Ahnung. So sicher sind wir uns nicht. Recht groß mit weißem Hinterteil, sone Art Hirsch (meine Anmerkung: heute wissen wir, dass es Wapiti-Kühe waren). Auf dem Campground Tunnel Mountain haben wir für 2 Nächte eingecheckt.

   Als wir wieder alle Anschlüsse getätigt hatten – Dumpstation kein Problem mehr! Wo wir jetzt auch Handschuhe haben! – brutzelten wir uns die kleinen Klöppse. Lecker Dinger! Haben wir uns zu wenig von gekauft. Dazu gab es Kartoffelsalat und Gurke. Nach diesem fetten Essen gingen wir in die Stadt. Wir und unsere Wege! Nahmen wir an „Banff Centre“ weist uns den Weg in Zentrum, haben wir uns ja gewaltig geirrt. Ne Sch…riesen Hotelanlage ist das! Wir irgendson Berg runtergekraxelt  und erst mal die City gesucht. Fanden wir dann auch… so schwer war es ja nun auch nicht… nur wir hätten uns ne Menge Zeit und Fußschmerzen erspart. Aber lustig war es, besonders nach Kyras Ausspruch: „…lass uns doch mal auf diesen Weg pinkeln…“, wo sie doch „pilgern“ meinte. In Banff selbst haben wir einige Souveniershops abgeklappert, bisschen eingekauft und diesen Bummel mit einem dark beer im Hardrock-Café beendet. Dort haben wir wieder blöd über uns selbst gelacht.

   Den 4 km langen Fußmarsch zum Campground zurück, haben wir locker gepackt. Zumindest die ersten 2 Drittel; da brannten noch Straßenlaternen. Dann kam die Dunkelheit. Irgendein Tier huschte über die Straße… war’s ein Fuchs oder ein Kojote? Ellen fing sofort an zu pfeifen, Kyra und ich machten uns vor Lachen fast in die Hosen. Weil, bei wilden Tieren soll man pfeifen, damit sie wissen, dass da Menschen sind, die verschont bleiben möchten. Aber durch unser Gealber waren wir laut genug – der mutigste Bär wäre bei so viel Gegacker umgekehrt, weil er sein Fressen gar nicht hätte definieren können. Als krönender Abschluss äste noch wieder son Hirschtier knappe 100 m von unserem Camper entfernt. Aber da wir nun schon wussten, dass die nur Gras fressen, war unser Bogen um das Vieh nicht mehr ganz so groß. – Jetzt geht es ins Bett!

 

12.05.,

   09.45 h – Meine beiden Langschläfer! Für heute machten wir aus, den Wecker nicht zu stellen. Ich bin nun schon wach und bemühe mich auch leise zu sein, damit die anderen noch schlafen können. Viel lieber wäre mir, sie würden auch aufstehen, damit wir noch etwas von dem Tag haben. Wir wollen uns ja so einiges ansehen und uns dafür ein Fahrrad mieten – jeder natürlich ein Fahrrad. Da ich momentan über kein Ereignis zu berichten habe, hier noch einige Randnotizen:

   Leider haben wir auf der Fahrt von Armins Land in Richtung Radium Hot Springs den Riesentrack in Sparwood verpasst. Ellen sah ihn beim Vorbeifahren, wir konnten uns nicht schnell genug einig werden, ob wir noch mal zurück wollen. In Anbetracht dessen, dass wir bei Moyie Lake genug Zeit verplempert haben, hätten wir es doch tun sollen. Ist egal – nun steht er Hunderte von Kilometern weg. Dafür sind wir durch den Ort Frank Slide gefahren, der vor etlichen Jahren – war es in den 20ern oder so? – von einiger massiven Steinlavine verschüttet wurde. Was heißt „dafür sind“? Wir mussten dort durch, haben aber nicht angehalten. Es war auch von der Straße her beeindruckend genug. Und auf einem Friedhof – wenn auch in anderer Form – hatte ich auch keine Lust herum zu klettern. Außerdem hatten wir den Tag ne Riesentour von Waterton (bzw. Armins Grundstück nun) bis Radium Hot Springs, die längste bisher, und wussten unsere Zeit nicht einzuschätzen. Wir wollten auch nicht in der Dunkelheit fahren, sprich: wir wollen es immer noch nicht.

   Es gibt auf den Strecken immer sehr viel zu sehen. Eine Bergkette ist schöner als die andere. Man könnte ununterbrochen filmen und fotografieren – wir haben auch zum größten Teil Berge drauf. Ist egal – die kanadischen Rockies sind 1A!

   Uns gegenüber durch den Wald schimmert ein „gigantic sandwich“ durch: der Mount Rundle. Eine Postkarte haben wir gekauft, wie er in der untergehenden Sonne steht (meine Anmerkung: heute weiß ich, dass das „gigantic sandwich“ und   n i c h t   der Mount Rundle ist – der ist vom CG aus überhaupt nicht zu sehen…). Einen Sonnenuntergang konnten wir noch nicht fotografieren, auch keinen Sonnenaufgang. Da schlafen wir meistens noch. Selbst wenn nicht, würde unsere Technik nicht ausreichen, den Blick und die Schönheit einzufangen.

   Das Wetter ist gut: am Tage scheint die Sonne, manchmal ziehen sich Wolken zusammen, bleiben vor den Bergen stehen und entladen sich kurz. Ein kurzer Regenschauer ist das dann. Kalt ist es dabei nicht. Für dieses Land ist es aber zu wenig Regen – alles ist rocken rund herum. Auf den Campgrounds dürfen keine Lagerfeuer gemacht werden; die Waldbrandgefahr ist derzeit zu hoch.

   Zwischen Mable Canyon und Banff muss es vor Jahren mächtig gebrannt haben – viele verkohlte Bäume bis in die Berge hoch ließen die Landschaft karg und grau erscheinen. Aber an den Bergfüßen spross schon wieder junges Grün – Tannenbäume, die sich selbst gesät haben. „Natürliche Auslese“ nennt man das wohl… aber was da an Wald vernichtet wurde. Kurz vor Banff selbst hatten wir ja auch eine Rauchwolke gesehen…

   Die anderen beiden schlafen immer noch, aber bald müssen sie aufstehen, sonst ist nichts mehr zu schaffen an diesem Tag… Leider klappt es nicht so, Leute kennen zu lernen. Sie sind zwar alle nett, freundlich, hilfsbereit und wünschen uns einen herrlichen Aufenthalt hier; fragen auch, woher wir kommen, aber das ist schon alles an Gesprächen. Auch auf den Campgrounds entstehen kaum Gespräche mit den Nachbarn. Dabei wollen wir doch unser Englisch aufbessern. Nur beim Einkaufen oder Einchecken geht das nicht. Die Sätze können wir inzwischen. Wir verstehen zwar in groben Zügen, was die Leute uns sagen, aber wir wollen ja auch sprechen. Dafür hat sich bisher kaum Gelegenheit geboten. Schade eigentlich. So versuchen wir, untereinander etwas Englisch zu sprechen. Dabei schmeißen wir uns aber nur irgendwelche Brocken an die Köpfe, die sowieso schon klar sind und keine Missverständnisse aufkommen lassen können. Als Sprachreise können wir diese Tour nicht unbedingt absetzen.

   Trotzdem ist es sehr schön hier. Die Reise hat sich auf alle Fälle gelohnt und ist ihr Geld wert. Heute sind wir übrigens eine Woche hier – die Zeit vergeht. Auch wenn wir mit dem Camper „on highway“ sind, gucken wir auf die Uhr und stellen fest „…schon 2 Stunden gefahren“. Man merkt das nicht; und in 2 Stunden schafft man schon ne Menge Kilometer. Auch wird man nicht müde, weil immer wieder die reizvolle Landschaft da ist und einen staunen lässt. Außerdem haben wir eine Kassette mit den Stones und Johnny Cash mit. Die hören wir ununterbrochen. Bob Marley haben wir erst einmal gehört. Dann haben wir uns gestern noch eine andere gekauft mit indianischen Klängen; die wird uns nun auch begleiten.

   Neben unserem Camper sitzt ein Gopher und knabbert irgendetwas… ich kann das Tierchen gut sehen und auch mal feststellen, wie groß es ist. Sonst sind sie ja sehr scheu und verschwinden gleich. Der Körper von Schnauze bis Schwanzende ist gut 20 cm lang… neee mehr, der Schwanz hat ja schon gut 10 cm. Putzige Tierchen sind das. Und wenn sie fiepen, strengen sie ihren ganzen Körper an. Muss ein ziemlicher Kraftakt für die kleinen Dinger sein. Trotzdem hört man sie oft und laut genug.

   So, nun habe ich jede Menge geschrieben, 2 Zigaretten dabei geraucht (meine Anmerkung: damals durfte man im Fahrerhaus noch rauchen!) – es wird Zeit, dass die anderen auch wach werden… Heute müssen wir uns wieder kalt waschen, wir haben keine Duschen in unserer Nähe entdeckt. Dann wollen wir mal – der Tag ist kurz!

   18.00 h – Total geschafft! Ein kühles Bier mussten wir erst mal weg zischen, um wieder zu Kräften zu kommen. Wir haben heute aber auch ne gute Strecke geschafft… fange ich mal an mit dem Bericht:

   Zum Frühstück brutzelten wir uns je ein Würstchen… Dann kam ein kleines Problem auf: Waren wir gestern noch alle 3 dafür, ein Fahrrad zu mieten, war Kyras Ansicht heute früh anders. Ellen zog leicht ein Gesicht und ließ ihrer Enttäuschung freien Lauf. Es dauerte schon eine kleine Weile, bis wir den Kompromiss gefunden hatten, der wohl allen gerecht wurde: Wir einigten uns, den Bow-Falls-Hoodoos-Trail bis zum Bow Fall zu Fuß zu gehen (übrigens: da waren wir gestern schon fast!), dann runter zur Buffalo Street bis zur Bear Street weiter, dort das Fahrrad für Ellen mieten; sie per Bike, wir zu Fuß die Lynx und Gopher Street bis zum Fenland Trail, dann ein Stück auf der Vermillion Lake Road, am 1st Vermillion Lake vorbei bis zum 2nd Vermillion Lake. Dort rasteten wir. Ich erholte mich von einer Straßenbekanntschaft… dann sind wir wieder retour: Dieses Mal die andere Hälfte vom Fenland Trail über Railway, Elk, Bighorn, Cougar und Antilope Street zurück auf die Tunnel Mtn Road bis zu unserem Camper. Diese Tour umfasste gut 22 bis 25 km… we had on this tour many awesome adventures!

   Das ging los, wie wir auf dem Bow-Falls-Hoodoos-Trail auf eine Lichtung trafen. Dort war so ein komischer Steinkreis aufgebaut… erschien uns mysteriös. Ein zerfetztes Fell sahen wir, zerkratze Bäume und Tierspuren. Von einer Menschenseele weit und breit keine Spur. Es beschlich uns schon ein mulmiges Gefühl, aber wir wollten nicht schon wieder eine Tour abbrechen. Kann ja nicht sein, dass wir ohne „Bärenfänger“ (= Armin) nicht selbst was erleben können… also weiter… we are tough! Dann trafen wir auch wieder Menschen, wir wurden ruhiger.

   Kurze Zeit später trafen wir auch auf den Bow Fall. Dieser sah allerdings ganz anders aus als die anderen, welche wir bisher besichtigen konnten. Dafür scheint er für Wildwasserrafting gut geeignet zu sein. Wir waren glücklich, unsere erste allein geplante Tour vollendet zu haben!

   In der Stadt gingen wir noch in das Banff National Park Museum, tranken einen Kaffee inclusive Imbiss, fanden eine Poststation und wurden endlich unsere Karten los; mieteten das Fahrrad und weiter ging’s im Plan: Marschieren, marschieren, marschieren… Ellen fuhr mit dem Fahrrad immer ein ganzes Ende voraus und kehrte dann wieder zu uns zurück, Kyra und ich mussten eine Pause machen… ich musste mich meiner Schuhe entledigen, um meine qualmenden Socken auszuziehen! Wir saßen kurz – ich glaub wir hatten nicht mal die Zigarette an – da bekrabbelten uns auch schon unzählige Ameisen! Wir hoch wie von der Tarantel gestochen und ab. Ich musste erst mal meine Schuhe wieder anziehen, aber da wir nur einen geeigneten Platz zum Rast-Rauchen suchten, machte ich sie nicht zu. Das war mein Fehler! Es dauerte nicht lange und meine Schnürsenkel verhedderten sich in den Haken, ich natürlich keinen Halt mehr und klatschte voll mit den Knien und Händen auf die Straße! Ein Schmerz durchzog meinen Körper, ein Lachanfall Kyras. Die Situation immer wieder vor Augen, lachten wir uns fast kaputt… Irgendein blödes Missgeschick passiert aber auch jeden Tag! Heute, bevor wir los marschierten, war unsere Stimmung leicht angekratzt. Aber durch solche Vorfälle schaffen wir es doch wieder, traute Einigkeit zu erzeugen. Es nützt uns ja auch nichts, wenn wir uns durch solche kleinen Unstimmigkeiten die Urlaubstage verderben. Ich denke, bisher ist keiner zu kurz gekommen.

   Momentan ist Kyra am Abendessen machen: heute gibt es Nudeln mit Würstchen. Wir sind total ausgehungert, aber wir haben wieder einen tollen Tag erlebt. Nach dem Essen wollen wir noch Karten spielen und uns wohl früh ins Bett hauen. Denn bis morgen um 10 müssen wir das Fahrrad abgegeben haben. Da heißt es: früh aufstehen!

   P.S.: Nach diesem Fußmarsch spüren wir Muskeln… ich hatte keine Ahnung, dass die an meinem Körper überhaupt existieren. Aber wir erleben eben einen Abenteuer-Urlaub – was uns nicht umbringt, macht uns nur härter… Kyra wollte allerdings kurz vor unserem Campground auf so einen Hirsch aufspringen und den Rest reiten. Das hätte ich gern gesehen!

 

13.09.,

   19.07 h – Da sind wir wieder! Nach einer kurzen und für mich jedenfalls eiskalten Nacht sind wir vom Tunnel Mountain Campground nach Banff. Dort mussten wir uns noch etwas aufhalten, weil der Fahrradladen erst um 10 öffnete. Wir waren ja schon früh aufgestanden und weil es so kalt war, waren wir mit Waschen und Frühstücken fix durch. Als wir das Fahrrad abgegeben hatten, sind wir raus zu den Upper Hot Springs. Das war viel schöner und unseres Erachtens auch viel wärmer als Radium Hot Springs. Eine Wohltat war dieses Bad! Wieder eine Tiefenreinigung – das tat gut. Dann sind wir wieder zurück nach Banff Downsite, um noch das Indianer Museum zu besichtigen. War gut gemacht. Es gab viel von der Geschichte der Indianer wieder – auch wenn wir nur in groben Zügen das Englisch lesen und verstehen konnten. Aber wir haben uns dort schon ne Weile aufgehalten.

   So ca. 13.15 h sind wir raus aus Banff in Richtung Lake Louise. Wir wollten auch den Bow Valley Parkway fahren, aber der war gesperrt. Dauerte auch nicht lange, als wir wieder Qualmwolken sahen. Der Brand, den wir schon eingangs nach Banff gesehen haben, war wohl noch nicht ganz aus. Aber vom Highway 1 hatte man auch eine gute Sicht auf den Bow River.

   Nach kurzer Fahrt waren wir in Lake Louise Village angekommen. Erst mal ran an die Tanke und auch Öl kontrollieren lassen – alles roger. Dann wollten wir eigentlich zum Moraine Lake, aber auch hier „Road closed“. Da waren wir schon leicht enttäuscht. Wie wir aber den vielen noch vorhandenen Schnee sahen, ahnten wir schon, warum die Straße noch zu ist. Hier ist noch Winter! Nichtsdestotrotz sind wir auf den Parkplatz am Lake Louise selbst. Da standen schon ne ganze Menge Camper, wir also mit dazu. Kurze Planung, was wir machen, Kameras geschnappt und los ging‘s. Der Lake Louise war noch zum größten Teil zugefroren – smaragdgrünes Wasser ließ sich nur am Ufer erahnen.

   Ne Menge Touries wimmelten da rum, besonders Japaner. Wir sind los, einen 3,6 km langen Wanderweg zum Lake Agnes. Die Canadier können anscheinend nicht so recht mit Kilometern umgehen – oder sie messen die Luftlinie! Aber die Wanderung war herrlich. Irgendwann kamen wir am Mirror Lake an, der war auch noch zugefroren und am Ufer recht schmutzig. Allerdings von Ästen und anderem Waldzeug. Nach kurzer Rast sind wir weiter, noch ca. 700 m zum Lake Agnes, weil wir dort im Teehaus eigentlich einen Kaffee trinken wollten. Es ist aber schon fast klar, dass da noch nicht geöffnet war. Weil: hier ist noch Winter! So sind wir auf der anderen Seite wieder runter.

   Ach ja, einen tollen Wasserfall – kommend vom Lake Agnes in den Mirror Lake fließend – haben wir gesehen. Da konnte man sogar etwas drin rumklettern. Wir fühlten uns mitten im Wasserfall. Berauschend! Wieder am Mirror Lake angekommen, wollten bzw. haben wir auch den Wanderweg in Richtung Plain of Six Glaciers genommen. Sollten nur 4 km sein. Obwohl wir schon mit mehr Kilometern gerechnet haben, sind wir dann doch nach gut 2 km umgekehrt. Nicht weil uns der Weg zu lang erschien… na ja oder doch. Aber man muss die Uhrzeit dabei sehen: es war schon halb 5. Bei der Tour, die wir dann noch hätten, befürchteten wir, in der Dämmerung gehen zu müssen. Auch wenn wir ganz scharf drauf sind, wilde Tiere zu sehen, müssen wir es ja nicht provozieren. Also wieder Abstieg.

   Wir stellten dann fest, dass Lake Louise auf die Saison noch nicht eingestellt ist. Nach einiger Überlegung und Planung für die nächsten Tage beschlossen wir, den Campground hier zu begutachten. Wenn der nichts gewesen wäre, wären wir zurück nach Banff gefahren. Hier sind zwar keine Wasser- und Dumpstation-Anschlüsse, aber Strom und ein Fluss in der Nähe. So sind wir hier geblieben. Haben uns auch ein Süppchen gemacht und erst mal ordentlich gefuttert. So gute 15 bis 18 km Fußmarsch machen schon hungrig. Wir kommen als die totalen durchtrainierten Wanderer wieder! Solltet mal sehen dann unsere Muskeln! Die Tour für die nächsten Tage sprechen wir morgen durch, wenn wir ausgeschlafen haben. Für heute wollen Kyra und ich noch an den Fluss, Ellen bewacht so lange den Camper.

   22.30 h – Kyra und ich waren noch am Fluss Füße baden. Eiskalt das Wasser. Bis in den Allerwertesten fühlte ich die Kälte, obwohl ich nur kurz die Füße ins Wasser gehalten habe. Seit ca. 20 Uhr spielen wir Karten und haben ne Menge Spaß dabei. Unsere spontanen Sprüche dazu kann ich gar nicht wieder geben. Vorhin sind hier 3 Züge nacheinander durch die Gegend gedonnert. Kann die Nacht ja herrlich werden. Aber seit gut einer Stunde war nichts mehr zu hören. Das Spiel ist beendet. Wir wollten noch ne Nachttour machen, aber Kyra hat keine Lust.

 

14.05.,

   12.15 h – Wir haben gründlich ausgeschlafen. Erst ca. 11.15 Uhr sind wir aufgestanden. Da hier zwar keine Duschen, dafür aber Toiletten mit Waschbecken und Warmwasser sind, haben wir uns mal mit warmem Wasser waschen können. Fix Frühstück und Mittag in einem… im Augenblick regnet es. Der Husch ist doch etwas kräftiger als die bisherigen, aber kerzengerade regnet es.

   Gestern war hier noch ein mächtiges Kommen und Fahren der Camper. Heute Morgen, besser Mittag waren aber die meisten weg. Einige Camper kennen wir schon vom Sehen. Auch wenn hier auf diesem Platz doch wesentlich mehr junge Leute waren, die in Zelten geschlafen haben, entsteht kein Kontakt. Wir fielen nur auf durch unser Gegacker beim Kartenspielen. Aber wir haben Urlaub, wollen was erleben und nicht gerade an Traurigkeit sterben. Wir sind schon ein gutes Team. Zum größten Teil sind wir uns sofort einig. Bei Sachen, die etwas mehr Bedenkzeit verlangen, finden wir eine für alle verträgliche Kompromisslösung.

   Heute wollen wir uns in Richtung Jasper auf dem Icefield Parkway bewegen. Hauptsache, der ist nicht gesperrt. Soll die schönste Strecke der Welt sein – landschaftlich gesehen. Auch wenn wir schon viel schöne Landschaft gesehen haben, wollen wir dies nicht verpassen. Obendrein hoffen wir, dass wenn ab Wochenende die Saison beginnt, wir auch ordentlich was sehen können und gute Campgrounds finden. Ansonsten haben wir ein Problem, was wir die letzten Tage anfangen werden. Aber auch dafür werden sich Lösungen finden. So, nun noch abwaschen, kurz aufräumen und dann geht es los. Unser Meisterwerk Dumpstation brauchen wir dieses Mal nicht bewältigen.

   17.15 h – Jetzt stehen wir mitten auf dem Icefield Parkway irgendwo in der Wildnis. Nachdem wir am Bow Lake eine längere Pause machten und mal wieder „ordentlich“ und lecker gegessen hatten, sind wir gut ne Dreiviertel Stunde durch Regen gefahren. Jetzt regnet es wieder so stark, so dass wir erst mal eine Pause gemacht haben.

   Unsere erste Zwischenpause machten wir am Herbert Lake, beäugten dort die Landschaft bei herrlichstem Sonnenschein. Ebenso schien die Sonne beim nächsten Stopp am Mosquito Creek. Ein schöner Fluss, in dem man sogar etwas umher waten konnte – so von Inselchen zu Inselchen. Eine atemberaubende Landschaft umgab uns bis zur Fahrt an den Bow Lake. Während wir dort in der Num-Ti-Jah Lodge aßen, zogen aber die Regenwolken schon zusammen und haben uns bis hierher begleitet.

   Es wird uns in der letzten Stunde eine ebenso hübsche Landschaft begleitet haben, allerdings durch die tiefhängenden Regenwolken war nur der Wald entlang der Straße zu sehen. Die Berge konnten wir nur erahnen. Aber auch so ein Wetter müssen wir erlebt haben! Im Moment gießt es ganz schön. Vielleicht ist es sogar teilweise Schnee – schwer zu erkennen. Wir müssen uns auch einig werden, wie wir nun weiter machen – die meisten Campgrounds hier sind noch geschlossen. Auf dieser Lichtung stehen wir nicht allein; nebenan steht noch ein Camper und hofft wohl wie wir, dass der Regen nachlässt. Ich glaub’s kaum – an awesome adventure!

   Mein Gott… das erste wilde Tier hätte ich ja beinahe vergessen! Knappe viertel Stunde nach dem Bow Lake sahen wir auf einer Lichtung einen Elch (= Moose) äsen. Da wir trotz nur 70 km/h zu schnell waren, hieß es: wenden und nochmal langsam vorbei. Auf einem Highway kein einfaches Ding – aber wir sind ja nicht bange. Bei der nächst besten Gelegenheit gewendet und nochmal dahin, wo der Elch auch noch war. Unsere Begeisterung war jetzt riesengroß.

   20.20 h – Nachdem wir noch mal nach Saskatchewan Crossing zurück gefahren sind, um uns dort kundig zu machen, wo wir die Nacht verbringen können, wurde uns dieser Campground benannt: Thompson Creek! Er ist sehr einfach – ohne jegliche Anschlüsse, dennoch irgendwie schön. Mitten im Wald und ziemlich verlassen. Außer uns steht noch ein Camper hier. Wir haben uns gleich daneben gestellt. Etwas weiter stehen 3 Zelte – das ist alles. Ach so ja, son komisches Hüttchen, im Vorgarten mit kitschigen rosa Flamingos und weißen Lämmchen, ist auch noch da, aber zu. In so einer Wildnis so viel Kitsch haben wir nun echt nicht vermutet.

   In Saskatchewan Crossing haben wir uns eine Kassette von Alan Jackson gekauft – empfohlen von Armin. Wirklich gute Countrymusik! Nun wollen wir bei aller Einfachheit und großer Sparsamkeit die Nacht hier verbringen. An Getier sind hier ne Menge Eichhörnchen. Geflüchtet sind wir heute auch schon… vor der kanadischen Mücke! Es war einfach nicht auszuhalten.

   Irgendeine wichtige Notiz wollte ich noch tätigen… aber ich habe sie vergessen. Wird wohl doch nicht so wichtig gewesen sein. Es ist sowieso recht kompliziert, alles zu notieren. Fällt einem etwas Wichtiges ein, ist es unmöglich zu schreiben, weil wir gerade auf Fahrt sind. Und dann, wenn man so konzentriert sitzt, bemüht man sich zwar, den Tagesablauf zu notieren und bestmöglich wieder zu geben, aber man kann vieles gar nicht ausdrücken. Unsere Lacher und die Sprüche des Tages sowieso schon mal nicht! Das sind Erinnerungen, die nur wir haben – das ist unser Erlebnis.

 

15.05.,

   10.20 h – Mittlerweile sind alle wieder wach. Wir haben gestern wieder Karten gespielt. In der Zeit sind noch 2, 3 Camper eingetroffen und auch der Parkranger kam kassieren. War doch nichts mit 11 Can$ sparen. Jetzt regnet es auch schon wieder eine Weile. Im Camper hört es sich wie Eisregen an, aber es nieselt nur leicht. Trotzdem ist es leicht deprimierend. Ich hoffe, wir haben bald wieder schönes Wetter.

   Gestern Abend, so kurz vorm Schlafen, dachte ich doch auch an den Bären und kalkulierte mal so unseren Fluchtweg durch. Da wir nirgendwo angeschlossen sind, hätte es unsere Flucht erleichtert, aber tat ja nicht Not. Kein Bär oder andere Großwild in Sicht. Das größte an Getier haben wir nur an Krähen gesehen. Kyra rezitiert gerade: „The Thompson Creek is a diamond in the wildnis…“ Na ja, kommt drauf an, ob man Diamanten mag… (meine Anmerkung: dieser Campground ist inzwischen einer meiner liebsten Aufenthaltsorte!)

   14.20 h – Eine super Fahrt haben wir hinter uns. Immer hoffend, dass der Regen aufhört. Tat er dann ja auch, nur schneite es dann. Beim Icefield Centre war ordentliches Schneetreiben und eine Schweinekälte. Ich hatte Anorak und noch meine Weste an. Wir haben uns das Icefield Centre angesehen und wissen nun, warum es so heißt: rundherum Schnee, etliche Gletscher und dementsprechend die Temperaturen. Was war unser Camper doch für ein herrlich warmes Asyl.

   Haben wir uns mühselig zum Icefield Cenre hoch gearbeitet, konnten wir auch nur mit 50 km/h wieder runter. Aber eine Landschaft drum herum – einfach gigantisch! Endlich sahen wir Großwild: 4 schöne Wapitis. Der Fluss, an welchem wir langfuhren, hat ein riesiges Bett. Aber noch hat die Schneeschmelze nicht richtig angefangen, denn es erschien uns, als hätte der Fluss extrem Niedrigwasser. Bewundernswert sind auch die Mountain-Biker! Wie wir uns freuten, im mollig warmen Camper die Berge zum Icefield Centre zu befahren, tobten die bei Schnee und Wind durch die Gegend – echt harte Burschen. Uns durchschauerte es schon kalt allein vom Anblick.

   Man kann immer wieder nur bestätigen: Den Icefield Parkway zu befahren ist ein Erlebnis – auch bei schlechtem Wetter. Ich glaube gern, dass es eine der schönsten Strecken der Welt ist. Und wir haben sie schon gesehen und befahren – an awesome adventure! Immer noch – immer wieder!

   16.40 h – Vor 5 Minuten haben wir ihn gesehen: den SCHWARZBÄR = black bear! Genial! Genial! Wir sind so aufgeregt! Für unsere Aufnahmen – sogar per Videokamera, obwohl die Batterien am Ende sind – sind wir noch gute 5 min auf dem Highway umher gekurvt. Gewendet, wo es mit 100 % Sicherheit nicht erlaubt ist, aber egal: Wir mussten IHN sehen! Dann kam er auch wieder ins Blickfeld. Wie für uns gemacht, stand er auf ner Wiese und futterte. Wir konnten ihn in Ruhe filmen und fotografieren. Gut gepost hat er für uns. Alles an Fahrzeugen donnerte an uns vorbei – wir standen auf dem Highway und beobachteten den Bär. Gute 10 m Luftlinie trennten uns nur. In voller Schönheit konnten wir ihn bewundern – an AWESOME ADVENTURE! Aber pur! Und wenn die Highwaypolice gekommen wäre – das wäre es uns wert gewesen. So nah haben meine Eltern den Bär garantiert nicht gesehen. Wildlife! Nun haben wir es endlich erlebt!!!!

   Unsere Begeisterung ist kaum zu bändigen, geschweige denn zu beschreiben. Wir sind so aufgeregt! Ich habe für diese Notizen auch so was von unmöglich geparkt… alles egal… WIR HABEN DEN BÄREN GESEHEN – nur das zählt!

   18.00 h – Inzwischen sind wir kurz vor Jasper, so 3 bis 4 km, auf dem Campground Whistlers. Der Platz ist proppenvoll, so dass wir wieder nur einen Stellplatz erwischt haben. Wir haben erst mal nur für eine Nacht bezahlt, in der Hoffnung, morgen einen Platz mit Full-Service zu erhaschen. So haben wir wohl oder übel erst mal ne Soljanka aufgesetzt. Die wird für 2 Tage reichen – der Topf ist voll. Unsere Zigaretten gehen auch dem Ende entgegen. Wir wollen nachher aber noch nach Jasper fahren. Hoffentlich bekommen wir da auch welche. Bier wollen wir auch noch kaufen. Es fängt schon wieder an zu regnen – man hört es am Camper. Das ist so, als würden kleine Eiströpfchen darauf fallen. Ellen ist immer noch beim Rundgang über den Campground. Da er ziemlich groß ist, wird es noch eine kleine Weile dauern, bis sie wieder kommt. (meine Anmerkung: erst Jahre später erzählte sie mir, dass sie diese Rundgänge für ne Zigarette genutzt hat… Wo sie die wohl her hatte?) Dann werden wir noch einen Plan aufstellen, was wir hier machen werden. So viel ist aber schon klar: Der Icefield Parkway war schon eine Attraktion. Ich freue mich schon darauf, wenn wir ihn wieder zurück fahren. Sicher gibt es da dann wieder viel zu sehen. Vielleicht haben wir dann auch besseres Wetter. Auch wenn das Land Regen braucht, ist er mir jetzt nicht mehr so willkommen. Wir hätten auch nicht gedacht, dass wir so früh in Jasper sind. Haute unsere Zeitplanung nicht ganz hin. Aber wir bekommen die Zeit bestimmt gut überbrückt.

   Unsere ersten Vorräte gehen zu Ende: Brötchen sind schon alle, gut ein halbes Brot haben wir nur noch, auf die Butter können wir verzichten, weil die eh immer steinhart ist. Unser Frischkäse ist auch schon zu Ende. Na und unser Barcadi hat sowieso nur 2 Tage gehalten Dank Armin. Aber uns gefällt die Tour bisher. Wildlife pur – so wie wir es uns gedacht haben; fern der Zivilisation.

   Es ist schon erstaunlich, was alles mit Campern unterwegs ist. Die Kanadier meinen ja, die Saison fängt erst dieses Wochenende an. Dafür ist aber zum Beispiel dieser Campground schon sehr gut besucht. Naja, stört nicht weiter. In dieser Ecke stehen nur wir. Vielleicht kommen ja zum Abend noch wieder Leute.

   So, durch die Bärensichtung habe ich völlig vergessen, über den Athabasca Falls zu berichten. Hier ist ein Wasserfall nach dem anderen schöner als der, den man zuvor gesehen hat. Einige Fotos haben wir geschossen, weil unsere Kamera vorerst keinen Saft hat. Dem Bären haben wir das letzte, aber auch allerletzte an Energie gegeben. Unser größtes Erlebnis war eben heute der Bär. Das Gefühl ist nicht zu beschreiben. Wir waren so sehr aufgeregt – wir haben ihn so nahe gesehen. Ich bin noch ganz hin und weg. Das allein war die Reise wert. Mal sehen, was wir noch erleben.

   20.50 h – Ellen und Kyra sind noch beim Bauernkrieg spielen – ich bin der Gewinner. Und da das Spiel kein Ende nehmen will und ich sonst nichts mehr anzufangen weiß, schreibe ich ein paar Zeilen. Zunächst muss ich noch erwähnen, dass wir auch den Sunwapta Falls besichtigt haben. Auch ein schönes Ding. Aber wie schon gesagt, die Gegend ist landschaftlich so reizvoll, dass man gar nicht mehr weiß, was man alles gesehen hat. Allein die vielen Berge aufzuzählen fällt schwer. Alle Namen wissen wir auch gar nicht. Es ist einfach herrlich, auf dem Highway zu fahren und rundherum die Berge zu sehen – mal im herrlichsten Sonnenschein, mal mit Regenwolken verhangen, mal im Dunst nur zu erahnen. Die Strecke, die wir uns ausgesucht haben, ist schon toll. Und von unseren Kanadiern wurden wir ja auch gelobt, weil wir uns für unseren Aufenthalt ein gesundes Stück Weg vorgenommen haben. Andere wollen in 3 Tagen ganz Kanada sehen. Was ich in 3 Wochen sehe, reicht mir völlig. Den französischen Teil will ich gar nicht sehen. Oder später mal. Erst mal finde ich The Canadian Rockies voll ausreichend.

   Vorhin waren wir nach Jasper gefahren. Ne Buttel Whiskey, 2mal Zigaretten und 1 Brot haben wir gekauft. Leider regnete es – bis jetzt immer noch nieselnd – so dass wir uns dort selbst nicht länger aufgehalten haben. Kyra und Ellen spielen immer noch… tja, son Bauernkrieg kann dauern. In unsere abgelegene Ecke des Campgrounds verirren sich doch tatsächlich einige Camper. Im Feld 29, welches von A bis Z geht, stehen mittlerweile 6 Camper und wir. Irgendwie scheinen wir auch an einer „Hauptverkehrsstraße“ zu stehen. Hier rauschen in einer Tour Pkw vorbei. Wohin die wollen? Keine Ahnung.

   Trotzdem gefällt es uns hier gut. Wenn man das eine will: Campen in Kanada, nimmt man vieles in Kauf. Wir gehen ja auch mit unserem zur Verfügung stehenden Material sparsam um. Gas haben wir noch fast gar nicht verbraucht. Auch wenn wir heute 8 Liter nachgetankt haben. Auch mit unserem Wasser und unserer Toilette sind wir sparsam. Außer, dass wir keinen Regenschutz, keine Axt und Feueranzünder für Feuer haben, sind wir gute Camper. Bei der nächsten Tour wissen wir wesentlich mehr und haben Ahnung, an was man denken muss.

   Sie spielen immer noch… Im Moment hat es aufgehört zu regnen. Ich glaube nicht, dass diese Pause lange anhält. Wir hoffen sehr, dass es morgen wenigstens trocken ist. Ansonsten können wir kaum wandern und müssen alles befahren. Unsere Kilometer, die wir noch bezahlen müssen, will ich gar nicht wissen. Aber egal. Geld spielt in diesem Urlaub keine Rolle – das gönne ich mir gern.

   Apropo Zahlen… wie unser Kontostand ist: 1.109 Can$ haben wir noch. Bannig mager. Wenn man bedenkt, dass wir 2.300 Can$ hatten. Oh! Oh! Waren wir zu Beginn doch mächtig großzügig. Heute haben wir auch teuer getankt: 0,79 Can$ hat der Liter gekostet; 30 Cent mehr als sonst üblich. Was soll’s – es tat Not.

   Okay, die beiden haben aufgegeben… wir sprechen noch kurz die nächste Planung durch. Dann war’s das.

 

16.05.,

   11.10 h – Gerade am Maligne Lake angekommen, haben wir erst mal unsere Soljanka auf den Herd gestellt. Das kommt cool: Mitten in frisch verschneiter Landschaft heiße Suppe essen. Die Fahrt hierher war schon ein kleines Abenteuer. Regnete es in Jasper noch, ging der Regen mit zunehmender Höhe in Schnee über. Das ist ein tolles Bild, durch solch eine verschneite Landschaft zu fahren.

   Kurz vor Jasper und auch hinter Jasper bot sich die Gelegenheit, einige Elks zu fotografieren. Einen Bären haben wir noch nicht wieder gesichtet, nur ein Hinweisschild, welches vor Bären warnt. Und dann die Wanderwege dazu. Na toll, sehr einladend. Aber da es erstens regnet und zweitens regnet und drittens kalt ist, wandern wir heute nicht. Jedenfalls nicht viel. Kurz zum See ja, aber tiefer in den Wald nicht. Weil, wir sind nicht dem Wetter entsprechend gekleidet. Mit nem Bären hat das wenig zu tun…

   Die letzte Nacht im Camper war nervend: es regnete die ganze Nacht, heißt es klackerte die ganze Nacht Eistropfen auf das Dach. Nerv tötend! Einen neuen Stellplatz haben wir auch noch nicht bekommen. Es standen auch schon einige an, die das gleiche Bedürfnis verspürten wie wir: full service. Ich habe auch nicht viel Hoffnung, für heute einen besseren Platz zu finden. Unsere Tanks konnten wir aber entleeren, genauso Frischwasser auffüllen. Ein Problem stellt momentan nur die leere Batterie der Videokamera dar. Meistens sind bei den Toiletten ja auch Steckdosen; müssen wir eben da ran.

   Für heute haben wir nur noch Lake-Touren vor, evtl. noch in die Hot Springs. Vielleicht aber auch erst morgen – müssen wir mal sehen. Hängt vom Wetter ab. Ansonsten fahren wir wieder Richtung Waterton.

   20.10 h – Wir sind wieder auf dem Campground Thompson Creek! Vertraute Gegend, wieder den selben Platz und mit mehreren Nachbarn. Kyra ist schon am Abendbrot brutzeln: Klöppschen mit Kartoffelsalat gibt es heute. So, ich weiter im Text:

   Wir hatten uns einen guten Zeitpunkt ausgesucht zum Maligne Lake zu fahren. Was uns auf dem Rückweg alles entgegen kam – sagenhaft! Wir sind noch mal zum CG Whistlers, aber wie zu erwarten war, war kein Platz mit full service frei. Ab morgen erst. Da uns aber dieser Platz für 15 Can$ nicht geeignet erschien, noch eine Nacht dort zu verbringen, sind wir weiter. Wir beschlossen, zu den Meritt Hot Springs… ne Moment anders… Miette Hot Springs zu fahren, uns mal wieder einer Tiefenreinigung zu unterziehen. Klappte auch. Die Pools waren voll, brechend voll. Aber rund um Jasper gibt’s bei dem Wetter ja auch nicht mehr zu unternehmen. Wir also ein bisschen baden, Haare waschen und wieder ab. Die Fahrt dorthin allein war ne Wucht: serpentinenartige Kurven, nur mit 20 km/h… kein Problem für mich und machte Spaß. Bevor wir dort wieder abfuhren, haben wir uns noch ein Käffchen gekocht.

   Ach Mensch, wie vergesslich man doch ist: Auf der Hinfahrt sahen wir einen Menschenauflauf mit Fotoapparaten und Kameras ausgerüstet. Da mussten wir auch hin. Weil: wo viele Menschen sind, gibt es auch was zu sehen. Und tatsächlich: In einem Baum waren 2 Bären. Ein kleiner, war vielleicht das Kind, und noch ein größerer, vielleicht die Mutter, kletterten dort rum. Das heißt, eigentlich nur der größere. Der kleine hing, wie Ellen sich so treffend ausdrückte, „wie ein Waschlappen“ rum. Es war putzig, diese Szenerie anzusehen – wir machten Fotos.

   Nach dieser aufregenden Sache und nach dem Bad sind wir zurück nach Jasper, auftanken und nochmals Zigaretten kaufen. Dann sind wir zurück auf den Icefield Parkway. Heute zeigte er uns eine ganz andere Pracht. Es war auch besseres Wetter, nur vereinzelt mal ein Regenschauerchen, aber ansonsten klare Sicht. Die Berge waren jedoch zum größten Teil immer noch Wolken verhangen… wie in Watte gepackt. Dennoch boten sich uns Bilder – das ist absolut nicht zu beschreiben; es sind keine Worte zu finden, die ausdrücken könnten, was wir gesehen haben. Genauso auf dem Weg zu den Miette Hot Springs in Richtung Edmonton: Eine berauschende Landschaft.

   Einige Tiere haben wir noch gesehen: zuerst Elks, ne ganze Herde, dann noch Wapitis, ein Mountain Goat in weiter Ferne… aber wir haben es gesehen! Und wie schon gesagt, eine unbeschreiblich schöne Landschaft – dieses Mal in einem ganz anderen Licht offenbart.

   Mittlerweile haben wir gegessen und auch versucht, ein Feuer zu entfachen. Wir hatten fast noch gar nicht angefangen, als ein netter Calgaryier kam und uns half. Er hackte noch ein bisschen Holz für uns. Nun sitzen wir am idyllischen Lagerfeuer. Wir freuen uns, dass es so nette Menschen gibt und genießen unser Feuerchen vielleicht noch für eine halbe Stunde, weil wir nur nasses Holz haben.

   Einige Minuten später… Es fällt einem ja immer noch so viel ein. Wie wir von den Hot Springs los sind, fuhr vor uns ein roter Pick up, d. h. er wollte fahren. Und weil das nicht so ging, schob er an, sprang auf den Wagen hinten auf und langsam fuhren sie. Mit einem Mal gab’s einen Ruck und er auf die Ladefläche geflogen. Die Szene sah so lustig aus – Kyra und ich konnten uns kaum halten. Als wir vorbei fuhren, wollten wir den Burschen nett grüßen, weil: er sah ganz knackig aus. Jeans, Karohemd und Hut, wie Cowboys aussehen. Als wir vorbei sind und grüßen wollten, sahen wir jedoch, dass es ein bereits betagter Daddy war… Oh, wie peinlich…da mussten wir noch mehr lachen.

   Heute hat uns Alan Jackson begleitet. Schöne Musik, fährt sich gut danach. Ellen hat noch etwas Holz geholt, so dass unser Feuerchen noch etwas vorhält. Idyllisch ist es – Genuss pur: Whiskey-Cola dabei, so gefällt uns das. Wir finden unseren Urlaub Klasse. Eine gute Idee war das, nach Kanada zu fahren!

   23.15 – Die beiden sind wieder noch am Spielen. Dass unser Lagerfeuer so lange hält, hätte auch niemand gedacht. Nun riechen wir aber alle drei wie Räucherwürstchen. Eben knackte hier was… aber keiner will nachschauen, was es war. Eben fielen wieder ein paar Regentropfen… man hört am Camper das nervende Geräusch. Ich hoffe, es bleibt diese Nacht aus. Die letzte war entnervend genug. Wenigstens ausschlafen können wir hier; erst 14 Uhr müssen wir weg. Der Campground ist dieses Mal wesentlich belebter… ordentliches Gelächter war nebenan. War schon ein schöner Abend heute. Wie wir nun noch die restlichen Tage verbringen wollen, müssen wir noch klären. Wir wollen doch noch mal am Lake Louise versuchen, zu den 6 Glaciers zu wandern und hoffen, dass die Zufahrt zum Moraine Lake geöffnet ist. Ansonsten haben wir wohl doch ein Problem, wie wir die letzten Tage gestalten. Als letzten Strohhalm lassen wir uns die Leute aus Lethbridge.

   So führ heute soll’s reichen. Morgen ist Sonntag, der 17.05.1998.

 

17.05.,

   14.05 h – Heute haben wir lange ausgeschlafen. Halb 12 bin ich wach geworden und da ich oben schlafe, habe ich das Privileg, die anderen zu wecken. Die Zeit reichte ja wohl auch. Nachdem wir uns gewaschen und unser Frühstück beendet hatten, wurde wieder alles fahrfest verstaut. Ein herrlicher Tag war draußen: Die Sonne schien und der Campground erschien uns gleich viel sympathischer. Trotzdem sind wir los. Auch der Icefield Parkway erschien im Sonnenschein noch attraktiver. Der Bow Lake ist immer noch zugefroren. Naja, als ob die Eismassen in 3 Tagen auftauen könnten… Einige Flussbetten waren auch noch knochentrocken – die große Schneeschmelze kommt wohl noch erst.

   Kurz hinter Saskatchewan Crossing stand wieder ein Menschenauflauf. Wieder ein Bär in der Nähe? Nein, es war nur ein äsender Wapiti. Aber weil dort auch ne Menge Männer standen, wir natürlich die einzigen Frauen, sind wir auch raus und gönnten dem Hirsch unser letztes Foto. Bei dem ganzen Stimmengewirr war auch wieder mal die deutsche Sprache zu vernehmen. Nach kurzer Zeit sind wir aber weiter und machen derzeit Station am Mosquito Creek: Abwaschen, Frischwasser auffüllen und etwas entspannen.

   17.22 h – Nachdem wir am Mosquito Creek weg sind, kamen wir auch bald in Lake Louise Village an. Habe ich eigentlich erwähnt, dass heute im Häuschen (= Park Gate) zum Banff National Park son süßer Parkranger saß? Das war ein hübscher Bursche. Sone Menschen am frühen Morgen (wo es schon fast 13 Uhr war!) zu sehen bringt Laune. Ellen hingegen schien mit dem falschen Bein aufgestanden zu sein. So richtig gut drauf ist sie immer noch nicht. Vielleicht ändert sich das, wenn das Sättigungsgefühl bei ihr einsetzt. Wir haben uns nämlich eben erst mal leckere Pfannkuchen gemacht. Fast vor Hunger tot, haben wir uns auf sie gestürzt. Ich für meinen Teil habe jetzt erst mal tierisches Wanstrammeln…

   Heute war auch der Weg zum Moraine Lake geöffnet. So sind wir gleich mal dahin, ehe wir irgendwo Station machten. Eine aufregende Fahrt wieder: serpentinenartig, umgeben von herrlichen Bergen, bis zur Hälfte noch total verschneit oder vereist. Ein imposanter Anblick – immer wieder! Egal in welche Richtung man schaut.

   Der Moraine Lake selbst verschloss seine Schönheit noch. Er war zum größten Teil zugefroren, mit extrem Niedrigwasser. Die kommende Schönheit, wenn die Schneeschmelze richtig einsetzt, war nur an aufgebrochenen Stellen zu ahnen. Dort, wo wohl das etwas wärmere Schmelzwasser in den See traf, war das Smaragdgrün zu sehen. Der See gab eher einen bizarren Anblick mit den riesigen abgeschliffenen Baumstämmen von sich als einen schönen. Trotzdem ist es faszinierend, ihn in der „Vorsaison“ zu sehen. Die Berge rund herum waren noch so dick voller Schnee, dass wir fast anzweifeln, dass das alles diesen Sommer noch tauen soll. Einige kleine Bächlein quälten sich auch zum See, aber lange noch nicht ausreichend, damit der Moraine Lake seine Schönheit wie auf den Postkarten offenbart.

   Wir sind nun wieder auf dem Campground Lake Louise, wo die Züge vorbei donnern. Recht frisch ist es hier. Heute wurde auch abkassiert – 18 Can$ kostet die Nacht. Dafür haben wir Strom und können unserer Batterie der Videokamera wieder Saft geben. Gleich wollen wir ins Village gehen – mal gucken, was es da zu sehen gibt. Morgen heißt es wieder früh aufstehen, zum Lake Louise fahren und von dort die Wanderung zu den 6 Glaciers nochmals aufnehmen. Dieses Mal ist ja mehr Zeit und wir haben noch etliche Tage mit Programm zu füllen.

   19.00 h – Zurück vom Einkaufen in Lake Louise Village sowie einem kurzen Spaziergang am Fluss zurück, sitzen wir in unserem Camper und wissen für den Rest dieses Tages nichts rechtes anzufangen. Wir haben unsere weitere Tour besprochen: nach unserer Wanderung donnern wir an Banff vorbei soweit wir kommen. Unser Ziel ist es, doch noch das verschüttete Dorf aufzusuchen sowie den Riesentruck. Nach Waterton werden wir wohl nicht mehr. Werden dann auch zu viele Kilometer, die wir zusätzlich zu blechen haben. Bei unserer Tour sind 800 Freikilometer der reinste Lacher!

   Dass wir so schnell mit unserer Route fertig werden, haben wir nicht geahnt. Aber die 2 Tage Regen dazwischen haben unsere Planung etwas umgehauen. Sollten wir wirklich noch mal nach Lethbridge ran, könnte dies frühestens Freitag, besser noch Samstag sein, so dass wir Sonntag nach Calgary fahren, dort den Camper ordentlich reinigen und noch das Restgeld ausgeben und Dienstag dann wieder ab ins langweilige Deutschland fliegen.

   Ca. 970 Can$ haben wir noch. Wie lange können wir uns „awesome adventure“ davon noch finanzieren? Eine Woche haben wir noch zu überbrücken. Zur größten Not ist da noch meine Kreditkarte. Von der müssen wir eh die Zusatzkilometer zahlen. Auf die Summe bin ich schon gespannt. Trotzdem kann ich immer nur sagen: Diese Reise ist mir das Geld wert! Und im Anschluss werde ich einer Auswanderung mehr Interesse entgegen bringen.

   21.42 h – Vom Ausflug zurück, widmet sich Kyra der Videokamera, ich schreibe. Unser Aufladevorgang war nicht so erfolgreich. Wenigstens kam kein Zug mehr. Wir wollten so gern einen aufnehmen. Erstmal weil sie eine tierische Länge haben, aber vor allem, weil sie coole Klänge von sich geben. Insofern bin ich froh, dass kein Zug mehr kam, auch wenn wir ne Dreiviertel Stunde auf einen gewartet haben. Ich hätte mich die Pest geärgert, wäre einer gekommen und die Kamera gibt keinen Mucks von sich. Mittlerweile ist das Tageslicht auch vorbei, so dass eine Aufnahme auch schon nicht mehr möglich gewesen wäre. Vielleicht haben wir morgen ja noch mal Glück. Am Wichtigsten ist, dass wir die Batterie wieder aufgeladen bekommen.

 

18.05.,

   09.30 h – So – Frühstück, Abwasch und Aufräumtätigkeiten sind beendet. Wir warten jetzt nur noch auf Ellen, dass sie von ihrem Spaziergang zurückkommt. Heute im Waschraum hatten wir schon ne lustige Begegnung: Wir kommen rein, es ist schon ne andere Frau sich am Waschen, wir grüßen gegenseitig mit „good morning“, gehen auf’s Klo, unterhalten uns danach – auf Deutsch natürlich – kommt ne vierte Frau dazu, grüßt auch und fragt uns, ob wir eine deutsche Uhrzeit haben… auf DEUTSCH! Wir gucken uns an, sagen ihr – vielmehr Kyra –  dass sie 8 h hinzu rechnen muss…, nein, meinte ich 9 h aufgrund der Sommerzeit; nein, meinte die Frau, die schon drin war, nur 8 h… Na, da haben wir erst blöd geguckt! Im tiefsten Kanada im Waschraum treffen sich vier deutsche Frauen, um über die Uhrzeit in Deutschland zu fachsimpeln…

   Züge sind auch wieder vorbei gedonnert… Nachdem wir die Videokamera wieder in Gang bekommen haben, will ich noch ne Aufnahme versuchen – muss sein.

   17.55 h – Nunmehr sind wir in Fairmont – auch mit Hot Springs – angekommen. Aber von vorn: Leider haben wir es nicht geschafft, einen Zug mit seinen wahnsinnigen Geräuschen aufzunehmen, auch wenn wir gut ne halbe Stunde dort verharrt haben. Wir horchten sogar an den Schienen, ob ein Zug überhaupt angerollt kommt. Auch Kyras Imitation, sitzend auf einem Stein, das Gehoppel nachahmend, lockte keinen Zug an. Wir mussten runter vom Platz… Wir sind dann zum Lake Louise gefahren, haben dort geparkt und den Wanderweg zum „Plain of 6 Glaciers“ in Angriff genommen – ausgerüstet mit gut funktionierender Videokamera. Nachdem ich die Batterie noch mit Gummi ans Gerät befestigt habe, läuft sie wie ein Bienchen. War angenehm, wieder filmen zu können.

   Der Weg zum Plain ging ganz gut, teilweise wieder durch Massen von Schnee. Auch konnte man etliche Stellen sehen, wo Lawinen oder schwere Schneemassen die Bäume abgeknickt haben. Dann standen wir mitten vor/in einer Geröllhalde. Auf dem Wanderweg haben wir in den Bergen auch eine Gruppe Mountain Goats gesehen und mit der Videokamera aufgenommen. Aber die waren so weit weg, wie werden schlecht zu sehen sein. Bei der Geröllhalde sind wir dann diese hinunter gekraxelt, ohne die Plains erreicht zu haben.

   Nach dieser Wanderung, wobei der Abstieg das wahre Abenteuer war, sind wir weiter in Richtung Süden – eben bis hier hin. Auf dem Highway 93 sind uns Massen an Fahrzeugen entgegen gekommen. Wir meinten schon, in die falsche Richtung zu fahren. Das war schon nicht mehr feierlich mit diesem Verkehr. Auf einem Rastplatz in der Nähe des Wanderwegs zu den Paint Pots haben wir Pause gemacht und uns Nudeln mit Cremesauce – die herrlich mit Knoblauch angereichert war – gekocht. Offenbar hatten wir zu viele Gasflammen an und obendrein zu viel Wärme im Camper. Jedenfalls ging mit einem Mal der Rauchwarnmelder los. Ohrenbetäubendes Signal! Kyra drehte vor Schreck sofort sämtliches Gas ab, ich riss die Tür auf, Ellen das Fenster. Es hörte dann auch auf, so tierisch laut zu piepen. Passiert ist nichts, wir konnten unser Mahl zu Ende kochen und anschließend genießen.

   Dann ging es weiter auf 93 South Richtung Radium Hot Springs. Ab und zu mal ein Regenschauer. Rundherum flaches Land, im Hintergrund die Berge. Hat auch seinen Reiz, obwohl mir die Prärie von Alberta am besten gefällt. Wir mussten auch zusehen, in Radium anzukommen, unsere Tankanzeige war 1 Strich vor Reserve. Es tat not zu tanken. An der Tanke herrschte erst ein Wuhling. Es dauerte schon ne kleine Weile, bis wir dort fertig waren. Für 50 Can$ getankt und weiter… nun sind wir eben in Fairmont.

   Die Jungs hier auf dem Campground sind nicht ganz so fleißig – die schließen das Office schon 16.30 h – Pech gehabt. Nun haben wir ja einen Plan! Da die auch erst wieder um 9.00 h öffnen, wollen wir heute noch ne Tiefenreinigung im Pool vornehmen, morgen frühst aufstehen, so tun als ob… und dann weg. Auch wenn wir hier full service haben, erscheint uns der Platz für 21 Can$ zu teuer. Außerdem müssen wir sparen, wenn wir in Calgary noch einkaufen wollen. Da kommt der deutsche Schweinehund voll durch! Mit nem bisschen schlechten Gewissen für fünf Minuten schaffen wir das schon. Jetzt wollen wir hier noch ne Runde spazieren gehen. Anschließend die Tiefenreinigung und dann so unauffällig bewegen wie möglich.

   Ich freue mich schon, wenn ich wieder die Prärie in Alberta sehe – die gefiel mir am besten (so zum heimisch werden!)

   19.30 h – Gerade aus den Pools raus, macht Ellen die Suppe weiter, wir schreiben in den Tagebüchern. Heute haben wir echt ne Tiefen-Tiefenreinigung vorgenommen: anderthalb Stunden waren wir in den Pools. Nun fühlen wir uns gut und ziemlich hungrig. Es war auch gut auszuhalten in diesen Pools: Schön groß, wesentlich besser als in Radium. Die anderen drei waren auch gut, aber diese gefielen uns halt auch, so dass wir locker die Zeit da verbrachten. Vielleicht auch, weil wir erst abends rein sind.

   Lustig war noch so ein Poser. Kyra und ich haben uns halb kaputt gelacht. Damit unser Lachen nicht zu auffällig wird, haben wir schon immer ins Wasser geblubbert. Man kann diese Art des Menschen kaum, eigentlich gar nicht beschreiben. Wie der sich gegeben hat! Tat wie ein Profi jedes Mal vor dem Sprung vom Brett… das wirkte sowas von komisch. Wir mussten einfach lachen, da gab’s kein Zusammenreißen mehr. Vor allem: alle anderen guckten ihm fasziniert zu. Nur wir beiden albernen Gänse amüsierten uns – und zwar köstlich.

   Und ein Geknutsche in diesem Pool – ob jung oder alt, alles Paare – und tief verliebt. Wir kamen uns irgendwie fehl am Platze vor. Aber egal. Durch so etwas lassen wir uns doch den Spaß nicht verderben – oder lassen gar den Neid der Besitzlosen durchblicken! Wir doch nicht! Jedenfalls war dieser Pool sehr amüsant.

   Man hab ich Knast! Sind die mit dem Kochen noch nicht fertig? Muss ich wieder ran, wa?... kleiner Scherz…

 

19.05.,

11.20 h – Wir sind am Wasa Lake und machen eine etwas längere Rast. Unseren Plan auf dem Campground Fairmont haben wir doch nicht umgesetzt. In uns lauert eben kein deutscher Schweinehund. Haben wir eben die Dollars berappt und bis kurz vor neun geschlafen. Dann machten wir uns auch auf Tour.

   Ich glaube, den hässlichen Teil von BC haben wir hinter uns. In sonem Nest, Canal Flats genannt, kauften wir ein: Cola, Zigaretten und Brot. Bisschen verlassen erschien uns der Ort, vor allem etwas gruselig. Auch möhlig sah es aus – wie im schlechten Krimi.

   Jetzt sind wir – wie gesagt – am Wasa Lake. Ist recht idyllisch hier. Die Sonnte scheint uns auf den Pelz, etwas frischer Wind ist hier, aber recht angenehm. Wir müssen hier etwas bleiben, um auch die Zeit tot zu schlagen. Dass wir so schnell fertig sind mit unserer Tour hat ja keiner geahnt. Wir sind voll auf dem Rückweg. Dieses Ende noch mal abzufahren, war gar nicht auf dem Plan. Aber dadurch, dass es in Jasper doch ordentlich geregnet hat, haben wir dort nicht viel unternommen. Wir können ja schlecht heute oder morgen schon wieder in Lethbridge ankommen. Geplant war eigentlich, auf dem Rückweg von Banff direkt nach Calgary zu fahren. Nun schrubben wir mal locker zusätzlich gute 500 km, die gar nicht in der Kalkulation waren. Da müssen wir durch. So werden wir Waterton wohl doch noch mal ansteuern – was soll’s! Der Tag ist noch jung, gerade mal Mittag. Oh! Oh! Das wird uns noch Knete kosten. Ist egal, nützt nichts Ist nur etwas ärgerlich, dass wir nun mit Macht die Tage hier rumschlagen müssen. Ich meine, unsere Zielstellung ist erreicht und der „Zeitplan“ funktioniert nicht ganz. So genießen wir die Landschaft noch intensiver, obwohl mir BC persönlich nicht so gefällt. Scheint den Kanadiern ebenso zu gehen, denn eine Unmenge an Land steht hier zum Verkauf.

   Über uns kreisen krächzende Krähen. Außer dem leichten Plätschern des „Baches“ bzw. Sees und den vorbei rauschenden Trucks das einzige Naturgeräusch. Kyra ist gerade am Vermehren der Butterblumen – hier sind sie schon ausgeblüht und haben sich zu Pusteblumen entwickelt. Außer uns steht noch ein Trucker hier. Der Fahrer hält wohl gerade sein Mittagsschläfchen. Irgendwelche anderen undefinierbaren Tiere – schätze mal Vögel – geben noch quietschende Geräusche ab. Und die Sonne brennt, wenn kein Wind ist. So gefällt es mir schon eher. Okay – soll reichen für den Moment.

   14.00 h – Fort Steel haben wir auch durch. Jetzt kommen jede Menge Schulbusse bzw. sind schon da. Viel zu viele Menschen. Dies scheint ein beliebter Ort für Schulexkursionen zu sein. Allerdings hätten wir uns im Fort Steel noch mehr „Action“ gewünscht als nur in der „City Hall“. In einige Häuser konnte man rein sehen und in die Stores auch rein gehen. Sah nicht schlecht aus; hübsche alte Möbel – das ist was für mein Auge gewesen. Vielleicht lag es auch nur daran, dass doch noch Vorsaison ist.

   Jetzt müssen wir nur sehen, wo wir nächtigen – für Waterton ist es noch zu früh.

   18.00 h – Eine kleine Weile sind wir schon hier. Nach Fort Steele sind wir weiter nach Sparwood gefahren. Hier steht der größte Truck der Welt. Also beguckten wir uns jenes Teil und sind weiter in Richtung Crowsnest und auf diesem Teil des Campgrounds. Bisher sind wir die einzigen und ich glaube kaum, dass noch welche eintreffen.

   Gleich nach unserer Ankunft haben wir versucht, ein Feuer zu entfachen. Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln: kleine Holzstückchen, Papierservietten in Mengen, Spray (bis es leer war), Laub und Gras, Tannenzapfen, ein Paar Socken von Ellen – nichts führte zum Erfolg, außer dass es uns vollräucherte ohne Ende. Nichts mit Grillen heute! Es sei denn, Ellen war auf ihrem Spaziergang erfolgreich. Sie ist los, von anderen Campern Feueranzünder zu holen… Augenblicklich ist sie wieder da…

   Ja, Ellen war erfolgreich. Mit einem größeren Gasanzünder als unseren haben wir unser Feuerchen in Gang bekommen. Inzwischen sind Kyra und ich gut einen Kilometer gelaufen, um Holz zu holen, das trocken ist. Schnell haben wir auch unsere Würstchen auf den Grill geschmissen. Jetzt warten wir ab, was wird.

   20.30 h – Unser fettes Abendessen – selbst gegrillte Würstchen mit Rest Kartoffelsalat und Hühnersuppe mit Brot als Nachtisch – haben wir hinter uns. Unser Feuerchen lodert immer noch gut, obwohl das trockene Holz dem Ende zu geht und es noch strahlender Sonnenschein ist. Bis zur Dunkelheit wird’s noch ne Weile dauern. Ob unser Feuer solange aushält? Noch genießen wir die Sonne, dann werden wir wohl noch mal Holz holen. Unser Abwasch steht auch noch an… aber wir haben ja Zeit.

 

20.05.,

   11.10 h – Unsere kleinen Aufgaben gestern haben wir noch erledigt. Sogar mit dem Camper haben wir ordentlich Holz geholt. Ehe wir wieder einen Kilometer laufen und uns abschleppen, fuhren Kyra und ich mit dem Camper vor den Holzstapel und luden an trockenem Holz ein, was wir so fanden. So reichte unser Feuer bis nachts elf Uhr. Ellen wurde es zum Schluss etwas unheimlich und sie bat: „…auch mal in der Mitte sitzen zu dürfen.“ Unsere Unterhaltung am Lagerfeuer war wieder sehr aufschlussreich. Alle Themen waren vertreten: Ellens Streiche, Kyras Arbeit – eher Lehre –, unsere Arbeit, Privatleben, Partys… über alles quatschten wir und erzählten witzige Anekdoten. Sogar das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ haben wir gespielt. Wird man so, wenn man allein in der Wildnis ist?

   Außer dem Parkranger, was sich dann als Frau entlarvte, haben wir keine Menschenseele auf diesem Ende gesehen. Irgendwo im Hintergrund schien ein Steinbruch zu arbeiten. Geräusche von einer Art Schaufelbagger waren die Nacht über zu vernehmen. Es ist sehr einfach hier, trotzdem sehr schön. Wie auf einer Lichtung stehen wir, rechts und links Wald, gegenüber der Einfahrt ein Flüsschen – nicht so sauber wie die bisherigen (also keine Frischwasserquelle), abgegrenzt von einem Berg, der im Gipfel noch voller Schnee ist. Island??? in der Nähe von Crowsnest (meine Anmerkung: diesen Campground habe ich nie wieder gefunden – scheint renaturiert worden zu sein. Geheißen hatte er Island Lake CG.)

   Heute rauschen wir dann durch bis Waterton und werden dort wohl oder übel 2 Nächte verbringen müssen. Wir melden uns dann noch bei Edda an. Wir sind durch mit unserer Route – leider… und haben doch noch Zeit. Das gibt mir persönlich einen etwas ärgerlichen Beigeschmack. Aber so können wir vielleicht doch noch zum Red Rock Canyon wandern.

   Nun wird sich zur Weiterfahrt gerüstet. Alles fahrsicher verstauen, ausfegen und ab.

   14.45 h – Frank Slide haben wir uns zu Herzen gehen lassen. Nachdem wir am verschütteten Dorf angehalten und die Steinmassen gesehen hatten, sind wir ins Centre hoch. Dort hat uns die Historie erst richtig ergriffen. Das ging ganz schön die Nieren. Auch wenn wir die Katastrophe nur in groben Zügen verstanden haben, erscheint ein Gesamtbild: Für die Kohlenminen wurde stark geworben; Männer aus vielen Ländern kamen, um hier ihr Glück zu finden. Viele fanden durch die unterschiedlichsten Unglücke nur ihren Tod. Der Steinrutsch 1903 in Frank Town, 1910 die Explosion in Bellevue und 1914 die Explosion in Hillcrest. Hier kamen allein 189 Männer und Jungs ums Leben. Der Film hierzu war sehr gut gemacht, zum internationalen Verständnis fast nur in Bildern. Die wenigen Sätze auf Englisch konnte man gut verstehen und den Zusammenhang erkennen. Zum Abschluss besuchten wir den Friedhof in Hillcrest. Nun sehen wir diese Steinmassen in Frank Slide ganz anders – nicht nur einfach als verschüttetes Dorf.

   Auf der Suche nach dem Friedhof hatten wir trotz aller Ergriffenheit eine lustige Begegnung: Wir stellten sofort fest, dass wir falsch abgefahren waren, meinten aber, es kann nicht schaden durch Hillcrest zu kurven. Nach unserem Wendemanöver kam ein junger Mann auf uns zugelaufen, stoppte uns und fragte: „Habt ihr euch verfahren?“ Blödes Angucken von Kyra und mir… „Nein“…wir wussten ja, dass wir falsch sind. Kurze Konversation mit unserer Frage: „Ob man sofort erkennt, dass wir Deutsche sind…“ – „Ja“, meint er „wegen Cruise Canada“ und erklärte dazu, dass nur Deutsche, Schweizer und Österreicher Cruise Canada fahren. Aha! Ha! Ha! Wir versuchen hier getarnt durchs Land zu fahren und wurden schon am ersten Tag als Deutsche erkannt! Das war’s ja wohl! Kyra und ich waren fast entsetzt – lustig entsetzt und konnten unsere Situation kaum fassen. Man kann aber auch was erleben hier. Das war der Witz des Tages – aber schön, richtig schön.

   Wir sind weiter in Richtung Pincher Creek. Wir durchfuhren eine weite Ebene: Felder, Wiesen an Felder und Wiesen. Herrlich die Prärie. Und weit am Horizont die Berge. Ein Anblick, der das Auge nässen kann. Alle Kilometer mal ne Ranch und dann diese Stadt, die bei uns ein Dorf wäre. Verhältnisse sind das. Diese Strecke stellte die Weite Kanadas bildlich dar. Ich fand – finde es immer noch – sehr schön. Bald besser als die Berge. Ach, jeder Landstrich hat seine Reize.

   In Pincher Creek haben wir nochmals getankt und eingekauft. Man merkt sofort, dass man wieder in Alberta ist – die Preise sind niedriger; bei Benzin erheblich! Nun trinken wir unser Tässchen Kaffee und fahren dann bis Waterton.

   17.00 h – Hallo, hier sind wir wieder – in Waterton Lake Village Campground! Dieses Mal stehen wir auf der anderen Seite, aber auch recht gut. Haben wir schon mal einen Kilometer bis Bertha Lake gespart… Wir haben uns gleich für 2 Nächte eingecheckt. Die Fahrt hierher zeigte uns eine atemberaubende Landschaft – die Strecke zwischen Pincher Creek und Waterton Park ist unheimlich schön. Ich finde keine Worte… das Bild hat man nur, wenn man dort lang fährt.

   Einen kurzen Zwischenstopp machten wir noch am Buffalo Paddock. Wir sahen auch 6 Viecher, leider sehr weit weg. Durchs Fernglas konnte man sie jedoch gut bestaunen. Irgendwo auf der Strecke hierher stand eine junge Kuh an der Straße. Wildlife pur! Musste fotografiert werden. Wir ahnten ja nicht, dass wir noch echte Buffalos sehen werden.

   Auch wenn dieser Site näher dem Cameron Falls sowie dem Bertha Lake ist, so ist er doch weiter vom Village entfernt. Haben wir doch in diese Richtung bisschen mehr zu laufen, weil wir dringend Wäsche waschen müssen. Nichts mehr anzuziehen haben wir. Wir werden uns noch kundig machen, wo man hier waschen kann. Angeschlossen sind wir bereits. Die Dumpstation wird wieder ein Problem, weil sie etwas defekt ist.

   20.25 h – Wir sind gerade wieder zurück vom Wäschewaschen. Das ist auch immer son kleines Abenteuer! Kyras Maschine ratterte, als ob sie abheben wollte. Aber nun ist ja wieder einiges sauber und trocken. Das Waschen macht hier richtig Spaß. In der Zeit ist auch ein kleines Gewitter aufgezogen: dunkle Regenwolken, 3 bis 4 Blitze, ein bisschen Grollen – das war‘s dann auch. Feucht sind wir geworden auf dem Weg hierher… feucht ist noch übertrieben.

   Wir wunderten uns, warum wir immer so abseits gestellt werden. Auf jedem Campground bisher, wo wir zugewiesen wurden. Hier auch wieder. Inzwischen sind aber noch einige Camper in diese Ecke verwiesen worden. Und unseren ersten direkten Nachbarn haben wir: 2 etwas beleibte Männer. Frauen dazu haben wir nicht gesichtet – wir hoffen aber, dass welche dabei sind. Ist kein Material für uns…

   Jetzt regnet es wieder – das klackert so eklig aufs Dach und nervt sehr. Ach ja, chinesisch essen waren wir noch. Mit der Rechnung haben wir natürlich auch Glückskekse bekommen. Folgender Spruch für mich: „ Du ständig kämpfen für Selbstbesserung“. Jetzt kann ich davon halten, was ich will… Ellens Spruch: „Dein Talent wird anerkannt und entsprechend belohnt!“ Kyras Spruch: „Faulheit ist Feiertag des Dummen.“ Nun ja, wir sind auch ohne die Sprüche glücklich… nur der Regen ist nicht glücklich für uns.

 

21.05.,

   09.15 – Ein neuer Tag! Ein Herrentag in Deutschland… Der Regen hörte gestern zeitig genug auf fürs Schlafengehen. Allerdings war es zum Spazierengehen schon zu dunkel. Heute ist wieder herrlicher Sonnenschein, ab und zu eine weiße Haufenwolke. Die Berggipfel sind auch etwas mit Wolken eingehüllt. Um dann Beschäftigung gestern Abend zu haben, spielten wir „Stadt, Land, Fluss“. Kann recht lustig werden son Spiel; es gab da etliche Situationen, wo wir herzlichst gelacht haben. Kyra und ich haben schon geduscht und warten nun auf Ellens Rückkehr, um frühstücken zu können. Ellen braucht immer etwas länger… ihr Körper ist größer! Nach dem Frühstück folgen dann die üblichen Aufräumarbeiten. Wir wollen zum Red Rock Canyon. Dazu brauchen wir den Camper. Das heißt: alles fahrsicher verstauen einschl. Anschlüsse entfernen. Geht nicht anders. Wir müssen auch noch Edda anrufen und uns bei denen wenigstens noch eine Nacht aufhalten. Ich hoffe, sie heißt uns ebenso herzlich willkommen wie die anderen Kanadier.

   13.40 h – Zurück von unserer Tour. Armin hat uns ja letztens schönen Scheiß erzählt. Von wegen „von hier aus noch 10 km laufen… und zu sehen gibt’s auch nur rote Steine…“ Er kennt viele Sprachen – vor allem Jägerlatein! Wir sind heute einfach die Hauptstraße weiter… und? Sie endet genau vor dem Red Rock Canyon in einen Parkplatz! Wir hatten so einen langen Fußmarsch eingeplant – eben 10 km. Nun war es noch nicht mal 1 km. Haute unsere Planung voll auf den Haufen. Zum Cameron Lake – 16 km – sind wir dann vor lauter Verzweiflung auch noch gefahren, weil ja ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Armin mag den Red Rock Canyon offensichtlich nicht. Ellen war die einzige, die sich freute: keine Wanderung! Auf dem Parkplatz waren auch 4 Ziegen. Die leckten immer an den Autos rum, auch am Auspuff. Eine von den Ziegen torkelte mächtig – ob die sich berauschen mit den Autoabgasen? Bisschen high und krank sah die eine ja aus – gesund kann das nicht sein. Inzwischen haben wir uns ein Käffchen gekocht, trinken ihn auch schon. Der Camper ist auch wieder angeschlossen. Ein Bär wurde nicht gesichtet. Nur eben die süchtigen Ziegen und die Dorfrehe vom Dienst und ein Haufen Gophers sowieso. Das war‘s bisher. Im Übrigen sind die „nur roten Steine“ auf alle Fälle ein Besuch wert, gleichfalls der Cameron Lake. Zwei wirklich sehenswerte Highlights, wie sie auch im Prospekt angepriesen werden.

 

22.05.,

   09.30 h – Kurz vor 9 sind wir aufgestanden. Inzwischen haben wir uns geduscht und gefrühstückt. Duschen hätten wir draußen auch können – seit gestern Abend regnet es und teilweise nicht zu wenig. Ein Gewitter konnten wir auch beobachten. Das war, als wir mit unseren Spielen aufhörten – selbstverständlich wieder „Stadt, Land, Fluss“. Dann haben wir aus langen Wörtern, wie Eierpfannkuchen, einzelne Wörter gebildet; zum Abschluss bildeten wir zusammen gesetzte Wörter, wie Blumentopf… Topferde… usw. Gott sei Dank war das Gewitter interessant zu beobachten – wir wussten schon keine Spiele mehr und es war wieder noch so viel Zeit bis zum Schlafengehen.

   Über die Leute rund herum haben wir uns noch amüsiert und mukiert; was man eben so macht, wenn man Langeweile hat. Die einen sind zu dick, die anderen zu faul… 2mal haben die Weiber sich nur aus dem Camper getraut. Das ist nun auch wieder kein Campen: bis nachmittags in den Betten liegen und dann fern sehen.

   Am Strand/Ufer waren wir auch noch spazieren – ehe die Regenfront über uns einbrach. Nicht so ein erfolgreicher Abend, auch wenn wir stellenweise wieder herzlich gelacht haben, z. B. über Ellens „Osterhaseninseln“…

   Gleich geht es los, uns bei strömenden Regen abzuschließen. Dann machen wir uns auf in Richtung Lethbridge – gaaanz laaangsaaam. Wir haben uns erst zum Nachmittag angemeldet. Denn mit dem Telefonieren klappte es dann doch. Auf der Fahrt wird uns Alan Jackson begleiten. In Mountainview werden wir noch mal kurz Station machen. Mal sehen wo noch – Zeit haben wir ja!

 

23.05.,

   09.45 h – Nach jeglichem Verstauen – bei strömendem Regen – sind wir los. Regen, Regen, sogar einige starke Güsse, begleiteten uns. Alles grau in grau. So auch in Mountainview. Wir hielten kurz – also einen Blick auf die Berge hatten wir nicht. Gekauft haben wir auch nichts, obwohl der Laden eine Menge schöner Fellsachen feil bot. Also weiter – die Kilometer bis Lethbridge wurden immer weniger, die Zeit noch lange nicht ran, um bei Edda auf der Matte stehen zu können. Wir also bei strömendem Regen und im Schneckentempo unterwegs, obwohl nichts zu sehen war.

   Irgendwie verging die Zeit erstaunlicherweise doch – Lethbridge war erreicht. Wie selbstverständlich verfuhren wir uns, aber wir brauchten niemanden zu fragen, wo es lang geht. Nach einiger Zeit waren wir wieder auf dem richtigen Weg in Richtung Lethbridge West. Dann kam das Wohngebiet, welches wir uns intensiv anschauten, weil wir die Straße nicht gefunden haben. Und die Häuser sehen alle so gleich aus! Aber Ellen löste unser Problem. Sie hat einen guten Orientierungssinn und kann besser lesen als wir. Wir hörten auf ihren Rat und fanden so die Straße und auch das Haus. Die Zeit war auch ran, bei Edda klingeln zu können. Da waren wir – die Freude beiderseits war groß. Unsere ersten Reiseerfahrungen wurden wir los. Allesamt sind wir dann zum Henderson Park gefahren, dort um den See spaziert und viel erzählt dabei. Abends sind wir in eine Kirche weil Eric dort im Chor gesungen hat. War ein hübsches Programm und Eric hat gestrahlt. Ob er uns nun gleich gesehen hat? Wer weiß. Nichtsdestotrotz war der Abend gut.

   Nach diesem Konzert, wo wir auch noch Erika und Armin trafen sowie seine Ex-Frau Janet, sind wir wieder zurück und recht bald ins Bett. Ich hatte tierische Kopfschmerzen und eigentlich waren wir auch müde. Als die Nacht zu Ende war – das war ca. halb 9 – sind wir nacheinander duschen. Ich als erste und hatte somit das Problem „Warmwasser“ zu lösen… ich gab es auf und fragte Edda. Sone leichte Übung!

   Inzwischen haben wir alle gefrühstückt – Erdnussbutter mit Honig, lecker! –, nun schreiben wir noch ein paar Zeilen und wollen dann zu Costco.

   17.10 h – Unser Tagesprogramm sah doch etwas aus: Vor dem Mittagessen sind wir noch spazieren gegangen zu den „Coulees“. Unglaubliche Gegend – auf den Südhängen wachsen wilde Kakteen. Sehr interessant. 3 verschiedene Sorten konnten wir finden. Man musste auch immer schön den Weg gehen, sonst wäre man über Kakteen nur so gestolpert. Kleine Dinger, vielleicht 10 bis 15 cm hoch, aber imposant. So was habe ich noch nie gesehen – gefiel mir gut. Edda nahm sich auch 3 Ableger mit.

   Zurück sind wir durch das Wohngebiet und konnten uns die Häuser genauer begucken. Manche haben aber auch Paläste! Müssen auch ordentlich Steuern zahlen, so Alfred. Hängt von den Quadratmetern und der Ausstattung ab. Man sieht also schon von außen den Reichtum bzw. das, was man öffentlich darstellen möchte… Dann aßen wir Mittag – Putenschnitzel mit Kartoffeln und Möhren, zum Dessert Pudding – schmeckte lecker. Nach dem Essen sind wir zu den anderen, Edda wollte Erika die Haare machen. War wieder eine lustige Begegnung. So haben wir von Erika und Nick auch noch eine Tagebucheintragung erhalten. Erika und Nick an mich: „Liebe Nordlind, ich hoffe ihr hattet viel Spaß in unserer neuen Heimat. In Liebe Erika und viele schöne Erinnerungen – Erika & Nick“; an Kyra: „Nütze der Jugend frohe Stunden. Sie wissen nichts von Wiederkehr. Einmal entflohen, einmal entschwunden – zurück kehrt keine Jugend mehr. Viel Spaß in unserer neuen Heimat – Erika & Nick.“ (meine Anmerkung: die beiden sind mit Baby Armin 1952 ausgewandert; daher „neue“ Heimat).

   Nick meinte, er hätte für uns sofort Arbeit in einem Hotel… die englische Sprache soll sich von allein erlernen. Wäre ja nicht schlecht. Aber ich glaube, zum Auswandern gehört noch etwas mehr als nur ein Job. Etwas Vorbereitung braucht auch das. Aber gut zu wissen, dass ne Möglichkeit besteht. (meine Anmerkung: Vor unserer Reise hatten wir zu Hause verlauten lassen, dass wir auch da bleiben würden, wenn sich die Möglichkeit ergibt – Kyra und ich hatten ernsthaft diesen Gedanken. Bei der ersten Begegnung mit Erikas Familie – die wir beide vorher überhaupt nicht kannten – hatten wir das auch so gesagt, dass wir in Kanada bleiben würden, wenn es möglich ist. Daraufhin hat sich Nick wohl schon mal umgehört. Als er uns dies nun offerierte, waren Kyra und ich spontan begeistert. Aber Ellen bremste uns – sie wollte nicht in Kanada bleiben: „…ihr könnte ja bleiben, ich will nach Deutschland zurück!“ Nun, als Mutter einer 15jährigen kann man das Kind nicht einfach allein nach Deutschland zurück schicken; auch Kyra sah das ein und wir „verschoben“ unsere Auswanderungsgedanken. Nur ein paar Wochen später wieder in Deutschland bekam ich dann von Ellen zu hören: „…wären wir doch bloß in Kanada geblieben!“ Tja! Welcher weiterer Ausführungen bedarf das noch?)

   Leider verging die Zeit viel zu schnell. Erika und Nick bereiteten sich auf Jenniffers Abschlussfeier vor. Aber wir haben uns sehr gefreut, die beiden noch mal zu sehen. Liebe Leute, sehr liebe Leute. Nach diesem Kaffeebesuch sind wir dann zu Costco. Auf dem Weg dahin haben wir noch zwei Garagesales mitgenommen. Ich mag die ja! Edda hat 3 wunderschöne Tassen und ein Blumentöpfchen erstanden.

   Man fühlt sich hier sehr wohl – alle sind nett und freundlich und lustig. Eine schöne Abrundung unseres Aufenthalts. Umso schwerer wird es, wieder nach Deutschland zu kommen. Für mich steht jedenfalls fest, dass ich noch mal nach Kanada fahren werde und natürlich den Kontakt aufrecht erhalten. Wenn ich daran denke, dass der Urlaub fast zu Ende ist, wird mir ganz anders. Ich werde diese Tage immer gut in Erinnerung behalten.

 

24.05.,

   11.20 h – Hier sind wir wieder… inzwischen ist auch einiges geschehen. Fangen wir bei gestern an:

   Es war so halb 11 als wir uns entschlossen, ins Bett zu gehen. Wir haben knapp ne halbe Stunde gelegen als ein Anruf von Armin kam; so nach dem Motto: Er ist jetzt zu Hause und wenn wir Lust hätten, könnten wir vorbei kommen. Wir hatten Lust, zogen uns schnell an und taperten los. Ohrenbetäubender Lärm empfing uns… irgendson Countrysong volle Lautstärke und er dazu Schlagzeug spielend! In Deutschland hätte dies schon die Polizei auf den Plan gerufen… Wir saßen dann da, mit etwas Whiskey-Cola, ertrugen den Lärm, ich spielte mit Eric noch etwas Tischtennis… als er ins Bett musste, wurde auch die Musik leiser. Zwischendurch kamen auch noch Jenniffer und ein paar Freunde, um sich für die Party umzuziehen. Das war erst ein komisches Gefühl: wir sitzend umgeben von ohrenbetäubendem Lärm, unser Getränk in der Hand, Armin am Schlagzeug rum tobend und der Rest wuselt wild durch die Gegend… Aber wie gesagt, als Eric im Bett war, kehrte Ruhe ein und wir haben uns wieder gut unterhalten können. Kurz nachdem Mike kam, sind wir aber auch wieder los. Wir amüsierten uns noch köstlich darüber, wie die sich mit dem nuscheligen Englisch verstehen können…

   Um 8 sind wir dann auch wieder hoch – ich hatte zwar nur ca. 2 bis 3 h geschlafen, aber wer nachts noch Party machen kann, muss morgens früh aufstehen können. Gerade mit dem Frühstück fertig, rief meine Mutter an. Kurzes Gespräch und mein Verraten des Bären… Als alle fertig waren, sind wir in die Stadt; Edda und Alfred in die Kirche. Wir durften da leider nicht mit, weil Alfred meinte „…wir hätten nicht die entsprechende Kleidung…“ Woher er das wohl wissen wollte? Er kannte den Inhalt unserer Koffer doch gar nicht. Wir vereinbarten einen Treffpunkt zu entsprechender Zeit. Wir drei wollten nun in das Einkaufscenter – leider öffnete es erst um 12. Dann versuchten wir, Zigaretten zu kaufen, was sich als Problem herausstellte, besonders hinsichtlich der Schecks. Aber es klappte dann doch und wir waren wieder versorgt.

   Vor diesem Zigarettenkauf hatten wir jedoch ein kleines anderes Problem – die Negativseite der Indianer bekamen wir leicht zu spüren. Als Edda und Alfred uns hatten aussteigen lassen, wollten wir durch den Park schlendern. Aber dort hielten sich gut 15 Indianer aus, die teilweise schon gut angetrunken waren und sich gegenseitig ankeiften und irgendwie um Geld stritten. Wir setzten uns weit genug abseits auf eine Bank, um bis dahin unsere letzte Zigarette zu genießen. Da kam jedoch der ganze Pulk auf uns zu, so dass wir schnell, aber unauffällig das Weite suchten. So ganz geheuer war uns die Situation nicht. Wir waren nicht wirklich daran interessiert, mit denen Konversation zu betreiben. Wir bedauerten das Verhalten der Indianer sehr, verstanden nun aber auch die etwas angeschlagene Haltung den Indianern gegenüber. Das war kein positives Erlebnis und wertet das Image der Indianer nicht unbedingt auf. Aber auch diese Katastrophe überstanden wir unbeschadet (meine Anmerkung: damals durfte man noch Indianer sagen, heute ist das ein Schimpfwort; heute werden sie mit First Nation oder Natives betitelt).

   Wir wurden pünktlich wieder abgeholt; glücklich, wieder mit Zigaretten versorgt zu sein. Sind wieder nach Hause gefahren… umziehen… und ab in die Wildnis. Zuvor bei „Humpties“ Mittagessen – war auch lecker. Dann eine anderthalbstündige Fahrt zum Writing-on-stone-Provincial-Park, nahe der Grenze zur USA. Eine atemberaubende Landschaft! Eingebettet in sanften Hügeln eröffneten sich entlang des Milk Rivers ein Tal mit gigantischen Sandsteinfelsen – Hoodoos genannt. Aber das ist mal ne Zauberwelt! Nicht, aber absolut nicht zu beschreiben dieses Stück Land – ich bin total begeistert. Da haben uns Edda und Alfred noch eine hübsche Stelle Landschaft von Kanada gezeigt. Diese Hoodoos! Ich glaub’s kaum… das muss man gesehen haben.

   Aufgetankt mit den berauschendsten Gedanken sind wir wieder hier (inzwischen 19.50 h) und hören jetzt Garth Brooks. Insgesamt ist nur festzustellen, dass es ein sehr schöner Tag war. Ach ja, irgendwann zwischen „Frühstück und Gänsebraten“ rief auch Kyras Mutter an, weil ich doch die Bärenstory schon verraten hatte und meine Mutter auch nicht an sich halten konnte… Auch waren während unseres Ausflugs Erika und Nick hier. Na ja, alles auf einmal geht nicht. Die Landschaft, die wir kennenlernen durften, ist es mir wert gewesen – auch wenn sie nette Leute sind.

   Es fällt mir ja immer noch etwas ein: Ein Super-Picknick haben wir bei den Hoodoos gehabt. War recht lustig. Und der Kaffee schmeckte erst nach unserer Kraxelei! Apropo Kraxelei: Wir waren auch vom Weg abgekommen. Es stand da schon ein Schild „Hier nicht weiter“, aber gemeinsam ignorierten wir das und sind weiter. Da kam doch glatt der Parkwardener mit einem Trecker an. Den sahen wir da schon mähen oder sonst was tun. Wie er vor uns stand, sah er schon lustig aus: in voller Uniform mit Handschellen und Funkgerät, aber eben im Trecker. Ich hätte mich totlachen können… ihm war nicht so zum Lachen. Er verwies uns auf den rechten Weg und ließ sich von Edda und Alfred die Anschrift geben. Hier half auch nicht die Bemerkung, dass wir „visitors from germany“ sind. Alle anderen, die wir trafen, waren daraufhin sehr nett und hießen uns herzlich willkommen in Kanada und wünschten uns viel Spaß – dieser Wardener nicht. Na ja, er war halt im Dienst. Unsere Stimmung trübte das nicht.

   Auch die beiden ließen wir in unseren Büchern Eintragungen tätigen. Edda an mich: „Liebe Nordlind, Danke für euren Besuch. Wir hatten ein paar schöne Tage mit euch. Gute Heimreise wünscht euch Deine Edda“; an Kyra: „Liebe Kyra, es war sehr schön, deine Bekanntschaft gemacht zu haben. Bleibe so fröhlich, wie du bist und alles Gute für die Zukunft. Bis auf ein Wiedersehen, Edda.“ Alfred an mich: „Liebe Nordlind, wie ich feststellen konnte, hat auch dich das Canada-Fieber befallen! Ich habe dafür vollstes Verständnis, da es mir bei meinem ersten Canada-Besuch 1984 genau so erging. Letztendlich ging mein Traum in Erfüllung, der für mich auch „lebens-rettend“ war. Ich hoffe, dass dir das Canada-Abenteuer noch lange in Erinnerung bleiben wird. Für die Zukunft wünsche ich dir alles Gute und viele schöne Erinnerung; Alfred“; an Kyra: „Liebe Kyra, it was nice to meet you! Auch ein so schöner Urlaub geht viel zu schnell zu Ende. Ich hoffe, dass du noch lange schöne Erinnerungen an den Canada-Urlaub haben wirst. Alles Gute für die weitere Zukunft wünscht dir Alfred.“   (an dieser Stelle mal die Erklärung: Erika und Edda sind Schwestern und entfernte Verwandte meinerseits; Erika kannte ich bis dato nicht, Edda und Alfred hatte ich ein Jahr zuvor persönlich kennen gelernt, als sie meine Eltern besuchten. Meine Eltern waren übrigens 1996 ebenfalls für 3 Wochen deren Gäste in Kanada.)

 

25.05.,

   22.30 h – Es wird Zeit für unsere wohl letzten Eintragungen im Country Alberta/Canada. Dieser Tag fing mit einigen Schwierigkeiten an. Nach dem Frühstück wollten Alfred und ich zum Mechaniker fahren, weil unser Fahrzeug stark nach Benzin roch und irgendson Blindschlauch ein Leck hatte. Wie ich das Motorhome aber startete, schoss das Benzin nur so raus. Nichts mit Fahren! Wir Cruise Canada angerufen, was zu tun ist. Kurze Telefonate hin und her – die Service-Hotline endete in Arizona! –, dann stand fest, dass wir einen Mechaniker kommen lassen können. Reparaturkosten 54 Can$, die wir wieder bekommen. Während der Reparatur sind Edda und ich zur Bank gefahren, diesen vermalledeiten Scheck umzutauschen. Wir stehen auch und lauern, dass die Bank öffnet, bis wir endlich lesen „Monday closed“. Herrlich! Wir also doch rein in die Stadt. Da wurde der Scheck auch problemlos in Bargeld getauscht.

   Nach diesen Aktionen waren wir erst mal geschafft und tranken noch gemeinsam einen Kaffee auf der Terrasse. Ein Flugzeug durchschnitt mit dem Kondensstreifen den strahlend blauen Himmel. Wir stellten wehmütig fest: „Morgen sitzen wir auch in so einem Flieger…“ Dann kam die Abschiedsszenerie. Fiel mir ja nicht leicht, die Tränen zurück zu halten. Gott sei Dank, ich hatte Sonnenbrille auf. Wir wurden so herzlich aufgenommen von Edda und Alfred sowie von Erika und Nick… Von Edda bekamen wir jeder noch eine Sammeltasse mit der Alberta Wildrose geschenkt – eine ewige Erinnerung! Alfred hat uns aus Lethbridge geleitet, wir sind dann über Fort Macleod nach Calgary. Still in Gedanken und Speed 110 km/h. Meine Gedanken kenne ich, die mir so durch den Kopf gingen: Wehmut und Bedauern, wieder abreisen zu müssen… nur mal grob umschrieben!

   Nach 2stündiger Fahrt sind wir in Calgary angekommen und nach anderthalbstündigem Rumkurven in Calgary – weil wir hatten uns tüchtig verfahren! – haben wir endlich den Parkplatz bei Cruise Canada gefunden. Welch Freude und gleichzeitiger Ärger, dass uns nun weniger Zeit zum Einkaufen bleibt. Nach kurzem Abchecken der Sachlage und Plandarlegung sind wir dann in die Stadt, um letzte Souvenirs und sonstiges einzukaufen. Vom Eau Claire Market waren wir ja bannig enttäuscht… da gab es nichts. Mit noch Jeans kaufen und so war nichts. In anderen Geschäften auch nicht, da alles um 18 h schloss. Zwei, drei kleinere Läden hatten noch offen, so dass ich mir doch noch einen Hut kaufte, Ellen noch einen fetzigen Elch, Kyra auch, und sonst noch paar Kleinigkeiten. Mit groß Geldumsetzen war nichts. Nun waren wir so geizig, weil wir noch ordentlich einkaufen wollten und was ist? Nichts. Somit hinterlässt Calgary nicht son guten Eindruck und wir ärgerten uns, dass wir in Lethbridge nicht besser geshoppt hatten.

   Okay, so sind wir wieder zurück zum Camper, um weiter zur Waschanlage und anschließend zum Campground zu fahren. In der Waschanlage – selbstverständlich nach Verfahren, aber nur klein! – hatten wir Spaß. Mit Kärchern dieses Mobil abzuspritzen bereitete Laune. Aber zuerst ging das gar nicht, da kam nur ein pütschiger Wasserstrahl! Wir guckten schon blöd, bis ich son Knopp mit „off“ und anderen Aufschriften fand. Und dann ging es los. Was haben wir dort rumgealbert. Knappe 10 Can$ hat der Spaß gekostet. Anschließend sind wir raus zum Campground. 3 km sollten es nur sein… gute 6 sind‘s geworden.

   Dieser Campground Mountainview ist gut besucht. Ordentlich Leute stehen hier. Wir haben noch 10 % Ermäßigung erhalten – kostet trotzdem 19,80 Can$. Aber Zigaretten gab es hier. Gleich 3 Schachteln für jeden gekauft. Nach Zuweisung unseres Platzes und Erreichen desselben erfolgte die nächste Lageplanung: Erst Koffer packen, dann saubermachen. Mit allem waren wir bis Beginn dieser Eintragung fertig. Ellen, dieses Modderferkel, kam von ihrer Campgroundbesichtigung mit pechschwarzen Schuhen und dreckigen Klamotten wieder. Als ob ich sowas mit fertig gepackten Koffern noch gebrauchen könnte! Die Erde sah ihr so trocken aus, so dass sie meinte über irgendwas rüber hüpfen zu können und landete in der Modder! Naja, kriegen wir auch noch hin…

   Mittlerweile ist es kurz nach elf. Den Highway 1 können wir gut hören, die Grillen ebenso. Die lassen ein kleines unheimliches Gefühl aufkommen… Strom haben wir – mehr nicht. Doch! Eine schöne Aussicht auf das hell erleuchtete Calgary. Von „Mountainview“ – wie dieser Campground hier heißt – war nichts zu sehen. Was soll’s. Am letzten Tag sind wir auch nicht mehr anspruchsvoll.

 

26.05.,

   10.27 h – What a fuck! Wir hätten schon längst in Deutschland sein sollen! Weil? Unser Flug ging gestern! Haben uns total im Tag geirrt!

   Morgens lief ja noch alles wie geplant: Halb sieben aufstehen, Frühstück, Campersäuberung, Dumpstation… alles kein Problem. Sogar unsere Fahrt zu Cruise Canada klappte ohne Verfahren. Aber dann… „We have trubble… a big trubble!“, so die nette Dame von CC. Sie machte uns darauf aufmerksam, dass wir den Camper einen Tag zu spät abgeben. Erstaunen unsererseits! „Wo hätten wir denn sonst die letzte Nacht bleiben sollen?“ Kyras Blitzidee: Mal schauen, wann wir fliegen. Da kam es raus: wir fliegen am „25.05.“… und der Tag war vorbei! Wir waren total geplättet und sämtliche Englisch-Kenntnisse weg!

   Aber nun erst mal ein Problem nach dem anderen lösen. Uns wurde abwechselnd schlecht und albern. Nicht zu beschreiben, welche Gedanken uns beschäftigten. Camperabnahme okay, Mitteilung unserer „Mängel“, dann Verrechnung Kaution, Kilometer, Reparatur. Der verspätete Tag wurde uns Dank Vorsaison erlassen…

   Immer noch die Gedanken unseres verspäteten Abfluges vermischt mit Gelächter über unsere Blödheit… die Gedanken überschlugen sich: wie nach Deutschland kommen? Klappt das? Und wo landen wir in Deutschland? Erst mal nur hin da, dann sehen wir weiter. Die Dame von Cruise Canada war sehr hilfreich und telefonierte mit Canada 3000, der Fluggesellschaft. Heute, 17.05 h, Flug nach Düsseldorf… Weiß der Teufel, wie weit unser Weg dann noch ist, aber wir haben erst mal deutschen Boden unter den Füßen und keine Verständigungs-schwierigkeiten! Standby… 200 Can$ pro Person zusätzlich! Standby heißt: wenn noch Plätze frei sind. Unser großes Bangen derzeit… damit können wir uns noch gut 4 bis 5 Stunden beschäftigen…

   Die Katastrophen überschlugen sich: Unser Flughafentransfer in Deutschland… 180,00 DM in den Wind. Unsere Leute zu Hause kriegen „ne Krise“, wenn sie bemerken: wir kommen nicht. Den Transfer zum Canada Airport übernahm netterweise noch Cruise Canada.

   300 Can$ und meine Kreditkarte haben wir noch. Sieht doch ganz gut aus! Hauptsache, Gehalt wurde schon gezahlt! Mein Konto wird geschröpft… ich werde pleite sein! Aber auch das ist es mir wert, in Kanada gewesen zu sein!

   Die Story! Wenn wir die erzählen, lachen sich alle kaputt… um einen Tag – so ohne auch nur das Geringste zu ahnen – sich zu vertun, ist schon ne Kunst. Blöde Hühner wir. Gucken auch nicht einmal auf das Ticket. Nix mehr mit Einkaufen am Flughafen… Wenn einer eine Reise tut! Wenn drei eine machen, gibt’s nur Katastrophen. Wollen wir hoffen, dass es mit dem Standby-Flug klappt. Immer schön ein Problem nach dem anderen angehen… Seit Kyra ihren „Glücksdollar“ hat, geht alles schief! Der ist garantiert verhext… sonst hätte er nicht zum Finden da gelegen! Sollten wir ihn vernichten?

   Ich sinnierte gerade, ob wir Edda anrufen… aber das würde eine Kettenreaktion auslösen: Ihr Anruf in Deutschland würde allen dem Herzinfarkt nahe bringen. Es reicht vollkommen aus, wenn wir uns aus Düsseldorf melden. Düsseldorf… garantiert am Arsch der Welt… meine Geographiekenntnisse lassen mich voll im Stich… aber es bestimmt näher an Wismar dran wie München oder Stuttgart. Nach Hamburg hätten wir nächsten Montag wieder fliegen können. Aber so lange haben wir halt keinen Urlaub mehr… ha ha! Amsterdam fiel wegen der Sprache aus!

   Halbe Stunde später: Das Warten wird lang! Vorhin lasen wir: 27. May Campday! Bye a coffee, send a kid to camp! Ist doch ne tolle Idee: so könnte Ellen noch einen Tag hier bleiben… wir auch! Ein bisschen Galgenhumor kommt auf… ansonsten sind wir ganz cool und meinen, das gehört zur Reise dazu… passt zu uns! „to much fun in the mountains…“ wie Kyra der Fluggesellschaftdame verklickerte, wie die sich halb kaputt lachte, wie man einen Tag zu spät zum Flieger kommen kann… Ich überlege gerade, ob wir nicht doch Frustkäufe tätigen und alles per Karte bezahlen. Aber dann hätten wir auch noch Zeit, wenn wir wissen, dass wir den Flug haben. Ein paar Stunden Ungewissheit sind da noch… wir müssen rechtzeitig am Schalter sein. Denn: rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze! Welche Sprüche einem so einfallen… vor allem „rechtzeitiges Erscheinen…“

   14.55 h – So, nun sitzen wir hier: Glücklich noch Tickets bekommen zu haben. Die Damen waren ganz nett und amüsierten sich etwas über uns… egal: We’ve tickets to Germany! Beim Check-In waren die Frauen nicht ganz so freundlich, jedenfalls nicht so wie die anderen zuvor, die wir bisher kennen gelernt haben. Sie taten ihren Job – kühl und sachlich. Kyra musste auch unterschreiben ihres Gepäcks wegen, da es nicht „regular“ ist. Falls es verloren geht, ist es verloren… Nun trennen uns nur noch „wenige Minuten“ im Gegensatz zu heute Morgen von der Heimat!!!

   Es gingen uns noch Gedanken durch den Kopf, wie die zu Hause reagieren, wenn sie merken, dass wir nicht kommen. Eine Schwachstelle gibt es nämlich: wenn Kyras Tante anruft und fragt, wie es war… und wir noch gar nicht da sind! Dann beginnt der Teufelskreis der Telefonate! Und wir können nichts dabei machen. Aber unser erstes Problem ist geklärt: Flug nach Deutschland. In Düsseldorf sehen wir weiter, wie wir nach Hause – wenigstens in die Nähe – kommen. Frustkäufe haben wir auch noch getätigt: wir haben uns jeder noch solch putzigen Biege-Elch gekauft. Lustige Viecher… kommen cool. Zusätzlich für unsere Autos Cowboy-Dufthüte… Erdbeere.

 

26. oder 27.05.?

   Ca. 06.00 h morgens – Inzwischen haben wir Kelvlavik/Island schon wieder verlassen. Der Flug bis Düsseldorf soll noch ca. 3 h betragen. Dann wird unser nächstes Problem in Angriff zu nehmen sein. Wir müssen ja durch die halbe Republik wieder zurück. Kriegen wir schon hin. Hoffentlich macht Muttern sich noch keine Sorgen. Wenn sie noch nicht mit bekommen hat, dass wir uns „verflogen“ haben, merkt sie es erst in ca. 4 h. Da sind wir aber noch nicht zu Hause. Aber was soll’s, zu ändern ist nichts mehr und wir haben die beste Lösung umgesetzt (mal ne kurze Anmerkung von mir: Die hatten schon längst erfahren, dass wir zu spät kommen – schließlich waren wir ganze 24 h zu spät abgeflogen. Doch daran haben wir bei unserem Dilemma überhaupt gedacht!).

   Bald soll es auch Frühstück geben. Mal sehen, was es gibt. Zu „Mittag“ gab es Lasagne, rohes Gemüse, Obstsalat, Brötchen… ach ja Rotwein und Kaffee. Schmeckt alles ganz gut… bis auf das Brötchen und dem Mukkefuck-Verschnitt! Ein Trost wird sein: bald wieder ordentlichen deutschen Kaffee trinken können. Unser Aufenthalt in Kelvlavik kam uns dieses Mal gar nicht so lange vor. Man gerade 2 Zigaretten und einmal pullern haben wir geschafft. Ist uns aber auch recht so. Sind wir eher in Düsseldorf und somit vielleicht auch eher zu Hause. Unsere Geschichte ist filmreif! Wenn wir alles gut überstanden haben, kann ich sicher auch nen Haufen drüber lachen! Momentan bedrückt mich noch etwas, dass Muttern sich tierisch sorgt.

   Irgendwann am Tag – wir haben keine Original-Uhrzeit! Wir sollen aber bald in Düsseldorf landen. Wie erfreulich. Wie schon der Hinflug, war auch der Rückflug sehr anstrengend. Obendrein haben wir noch unsere Heimfahrt zu organisieren. Gestern hätte ja ein Transfer in Hamburg gestanden… aber gestern war gestern und ist vorbei! Wir kommen nach Hause! Ist alles nur eine Frage der Zeit… und des Geldes! Wird’s eben ein bisschen später!

   21.50 h – „Willkommen Daheim!“ Ein kleines Zettelchen mit dem Vermerk, was es zu Mittag gibt, lag von meiner Mutter in meiner Wohnung. Nett arrangiert mit einem Obstteller!

   Nach unserer Landung in Düsseldorf – ca. halb dreiviertel 12 – spürten wir sofort die „deutsche Unruhigkeit“. Als Kyra dann den Spruch gab: „Ist das nicht der Flughafen, der vor kurzem gebrannt hat?“, bekamen wir gleich mal schräge Blicke. Wir sind dann schnellsten Schrittes raus zum Taxi. Dort standen auch ne Menge, für 30,00 DM fuhr uns eins zum Hauptbahnhof. Dort nach einer rasanten Fahrt angekommen - 12.10 h! – guckten wir, wann ein Zug fährt: 12.14 h nach Lübeck durchgehend! Unsere Freude groß, unsere Hast noch größer! Aber es wurde angezeigt, dass der Zug 5, dann 10 Minuten Verspätung hat. Für Kyra genug Zeit, Fahrkarten zu besorgen… nochmal so schlappe 360,00 DM weg… und nur bis Lübeck! Der Zug kam, wir rein, Platz gesucht und ab in Richtung Norden. Unterwegs noch etliches Gelächter… Schlaf übermannte uns abwechselnd. Besprechung der Sachlage: Von Lübeck aus bis Bad Kleinen. Erkundigung beim Schaffner: Kostenpunkt etc. Daraus schlussfolgernd: sofortiger Fahrkartenkauf. Denn unser Geld reichte noch, unsere Umsteigezeit in Lübeck war wieder sehr knapp. Vorteilig in diesem Zug ist, dass dort ein Telefon war. Und noch besser: wir hatten auch ne Telefonkarte! Kyras Glücksdollar fing an zu arbeiten… wenn auch erst in Deutschland, aber er arbeitete! Kurz vor Oldesloe haben wir zu Hause angerufen und gebeten, uns kurz nach halb sieben aus Bad Kleinen abzuholen. Unsere Story war inzwischen längst bekannt!!!

   Meine Mutter kann die Nachforschung nicht lassen! Bis Kanada gingen die. Angefangen hatte es damit, dass sich der Flughafentransfer bei meiner Mutter meldete, weil er nach mehrmaligem Ausrufen im Hamburger Flughafen nach uns unverrichteter Dinge wieder abfahren musste: wir waren nicht in der Maschine. Daraufhin hatte meine Mutter bei Edda angerufen… die versicherten ihr: „doch die sind in der Maschine“. Bei diesem Telefonat stellte sich dann heraus, dass wir statt montags Dienstag geflogen sind. Denn Canada 3000 fliegt nur montags Hamburg an… das hatte selbst Edda als Stammfliegerin außer Acht gelassen. Nun rief Edda beim Flughafen Calgary an und erforschte unseren „Verbleib“… ihr wurde unser Standby-Flug nach Düsseldorf mitgeteilt… Edda rief Muttern wieder an. Sie war beruhigt und konnte Kyras Familie mit beruhigen. Kyras Vater holte uns dann ab. Der lachte auch nur über unser Missgeschick. Was gibt es da auch zu meckern? Das ist nur zum Lachen… Ende gut, alles gut!

   Zwischen sieben und halb acht war ich dann bei Muttern und schilderte ihr in einem wüsten Durcheinander unsere heutigen Erlebnisse. Auch riefen wir Edda an und teilten unsere glückliche Landung Daheim mit.

   AN AWESOME ADVENTURE fand erst mal ein Ende, aber noch lange werde ich von den Erinnerungen zehren.